Donnerstag, 23. Juli 2009

Provokation

Ich sehe im Benvenuto Zitat eine Ermahnung kein Dogma.
Dr. Sergio Benvenuto und seine Mitarbeiter am ISTC in Rom und Padua haben unter anderem hervorragende Arbeit geleistet auf den Gebieten der Psychologie und der Artificial Intelligence, Artificial Life, Artificial Societies.
Die Aufgabenstellung sozialwissenschaftliche Erkenntnisse so zu formalisieren, das sie mit den technischen Möglichkeiten von Computern sinnvoll verknüpft und mit den numerischen Methoden der Mathematik zu bedeutungsvollen Modellen, Simulationen und Programmen umgesetzt werden können, hat wirklich bemerkenswerte Erkenntnisse zu Tage gefördert. In meinen Augen ist das von mir angeführte Zitat, die bestmögliche Kurzzusammenfassung dieser Ergebnisse.
Und die liegen eben auffällig nahe an den Ergebnissen, die ein Edward N. Lorenz in den 60ern bei dem Versuch einer Computer gestützten Wettervorhersage zu Tage gefördert hat!
Ihr “muss Kontinuität angenommen werden” gefällt mir nicht. Warum muss?
Warum muss unser lineares Denken und die lineare Mathematik in der Lage sein “dynamisch nicht lineare Systeme” hinreichend gut zu beschreiben?
Nur weil wir nichts anderes zur Hand haben?
Das kann nicht funktionieren.
Vielmehr muss es, wie geschehen, in die Irre führen.
Ich kann nicht mit einer Newton Mechanik quantenphysikalische Effekte beschreiben.
Es geht bei bestem Willen nicht.
Und um auf Kant zurück zu kommen.
Ich rede nicht einem Fatalismus das Wort, wo sich jeder aus seiner Verantwortung abmelden kann und sich hinter einer Chaostheorie verstecken kann. Ich bekämpfe derartige Ansätze ganz entschieden, nämlich eben dann, wenn man in anderer Form, z.B. mit den sog. magischen Händen des Marktes oder sog. anonymen Systemfehlern oder dem Prinzip von Befehl und Gehorsam der menschlichen Tendenz sich der Verantwortung zu entziehen Vorschub leistet.
Die Ergebnisse des Milgram Experiments sind eine erschütternde Tatsache. Sie wurden vor nicht all zu langer Zeit durch Jerry Burger im schönen Santa Clara, Kalifornien wiederholt und bestätigt.
Ich habe mich selber zum Beispiel dafür gemacht, wie leicht wir uns in die verführerischen Fallen der Schuldzuweisung und/oder Rechtfertigung begeben, um einen Teil unserer Verantwortung, der wir nicht entkommen können, los zu werden (s.o.).
Wenn man das alles weiss, wie kann man dann einer Ökonomie das Wort reden, die in den letzten Jahrzehnten eine gigantische Wissens- und Kontrollillusion aufgebaut hat, die nun vor unseren Augen zusammen bricht?
Wie kann man einer Oekonomie das Wort reden, die es offensichtlich den Akteuren auf beiden Seiten des Kontrakts erlaubt sich reihenweise aus der Verantwortung abzumelden?
Wie kann man einer Oekonomie das Wort reden, in der gigantisches Kapital wie einen Abrissbirne in Volkswirtschaften und Industrien einschlägt, nur um sie nach einer transienten Opportunität zerstört oder stark beschädigt zurück zu lassen?
Ich betrachte Gewissen und Verantwortungsgefühl als regelungstechnische Mechanismen auf der Ebene des Individuums. Wer Lehren und Dogmen in die Welt setzt, die diese elementaren Mechanismen ausser Kraft setzen, beschädigt die Gesellschaft.
Bitte, verstehen Sie das oben geschriebene nicht als Angriff oder rethorische Retourkutsche. Es ist verzweifelte Provokation an das Denken ausserhalb gewohnter Bahnen.

Sapere aude!

Georg Trappe

Sonntag, 19. Juli 2009

Fundamentalkritik

Ich gehe weiter in meiner fundamentalen Kritik. Ich bin der Meinung, daß es sich nicht um eine Schwäche der Gleichgewichtstheorie handelt, sondern um eine grundsätzlich falsche Theorie.
Das Fundament ist kein Fundament.
Aus der stabilisierenden Gegenkopplung kann jederzeit eine Mitkopplung werden, die zur eskalierenden Oszillationen führt. Abhängig von der subjektiven Wahrnehmung der beteiligten Elemente des Regelkreises.
Das eine falsche Theorie und der Mangel an akademischer Bescheidenheit blind machen können, ist richtig. Dafür gibt es etliche Beispiele, auch in den Naturwissenschaften.
Der daraus resultierende Versuch sich die Realität theoriekonform zurecht zu biegen, ist allerdings fatal, da es dem Prinzip der Evolution widerspricht, nachdem nur die überleben, die sich am besten anpassen bzw. in der Lage sind realitätskonformes und damit tatsächliches Wissen zu nutzen. Zur Zeit versuchen Staaten und Notenbanken mit Unsummen die Beteiligten zu bestechen, sich doch bitte wieder theoriekonform zu verhalten. Ob das gelingen wird, ist nach wie vor fraglich.
Die Tatsache, daß unbewiesene Theorien, also Glaubenssätze, über Jahrzehnte hinweg als Wissen in den Eliteschulen dieser Welt an den Mann und die Frau gebracht wurden, ist eine entscheidene Ursache für die Katastrophe. Der leider viel zu früh verstorbene Herr Ghoshahl hat da erste Ansätze einer selbstkritischen Erkenntnis in der eigenen Zunft gezeigt.
Das ist aber die Ausnahme. Leider ist das nicht zugeben können, daß man weiß, das man nichts weiß, die beschämende Regel. Manche, wie z.B. Herr Prof. Sinn, versuchen sich und ihren Mitstreitern sogar Generalabsolution zu erteilen, in dem sie anonyme Systemfehler als Ursache aus machen, nachdem das Wegdelegieren der Verantwortung an die magischen Hände des freien Marktes nicht so ganz funktionieren möchte.
Einen schönen Sonntag wünscht,
Georg Trappe