Dienstag, 16. März 2010

Ansichten eines Ingenieurs

"Nichts ist für den genug, dem das Genügende zu wenig ist." Epikur

Ueber die wahre Bedeutung der Thermodynamik und des Entropie Prinzips.

Es gibt wohl wenige Begriffe die so schwer zu durchschauen sind wie der Begriff der Entropie in der Thermodynamik.
Selbst Ingenieure wie ich haben damit regelmaessig ihre Schwierigkeiten. Entsprechend verschlossen ist uns seine
wahre Bedeutung. karolachristiane, der ich diesen Artikel widme, hat mich in einem anderen Zusammenhang inspiriert
nun diesen Artikel zu schreiben, der hoffentlich hilft den Vorhang ein stueckweit zu oeffnen und so die tiefe Bedeutung
des Entropie Prinzips fuer uns alle zu verstehen. Denn wer die Gesetze der Thermodynamik in ihrer Bedeutung fuer uns
nicht versteht, kann die Grundlagen unserer Existenz nicht verstehen.
Es gibt Ordnung und Unordnung = Chaos. Wenn ich als ordnungsliebender Ingenieur in meiner Wohnung eine Stunde staubsauge
um 100 Gramm unordentlich in meiner Wohnung verteilten Staub ordentlich in einen Beutel einzusaugen, um ihn dann Richtung
Muelldeponie befoerdern zu lassen, mache ich folgendes.
Ich betreibe einen Staubsauger mit 1500 Watt Leistung fuer eine Stunde. Ich verbrauche also 1500Wh oder 1,5kWh Strom.
Da dieser Strom nur mit einem Wirkungsgrad von 25% aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Oel herzustellen ist,
muss dafuer Oel mit einem Energieinhalt von 6kWh, das entspricht etwa 0,6l oder 0,75 kg Rohoel, verbrannt werden.
Um also 100g Staub nach meinem Willen zu ordnen und von einem Ort zu einem anderen zu bewegen, erzeuge ich 750g
zusaetzlichen Staub(1) in einem Prozess der unumkehrbar ist. Das Oel ist fuer immer verbrannt, der dadurch zusaetzlich entstandene Staub(1) ist fuer immer Bestandteil dieser Welt. Und das alles alleine meiner Ordnungsliebe geschuldet.
Eine Gesellschaft wie die unsere, die Ordnungen in Form von Infastrukturen, Konzernen, Firmen gigantischen Ausmasses
errichtet, ausbaut und aufrecht erhaelt und dies im wesentlichen durch ineffiziente Verbrennung fossiler Brennstoffe betreibt und dabei glaubt, der Nutzen aus dieser Hyperaktivitaet wuerde endlos exponentiell steigen, befindet sich auf einem Irrweg und muss letztendlich scheitern.
Ein Mensch benoetigt fuer seine Existenz im Schnitt 2500 kcal pro Tag das entspricht 2,9 kWh Energie pro Tag.
Das sind etwa 0,3l bzw 0,375 kg Oel oder 0,7 kg ungekochter Reis. Ich verfeuere waehrend meiner Ordnungsorgie a la Staubsaugen 2 Tagesrationen. Eine Autofahrt von 100km verfeuert etwa 6l Diesel also etwa 20 Tagesrationen.
Und am besten waere es, wenn es nach der neoliberalen Wirtschaftsideologie geht, dass das alles auf ewig exponentiell waechst. Ein solches System muss kippen. Wenn es nicht an der Endlichkeit der materiellen Resourcen scheitert erstickt es an seiner Entropieerzeugung = Stauberzeugung.

Wo liegt die Loesung?
Ich dachte, ersteinmal muss dieses Problem in all seinen Dimensionen verstanden werden. Und dann sah ich den Wald vor
lauter Baeumen nicht, denn es gibt auch eine Entropie der Information.
Die Loesung zieht jeden Morgen durch das Dorf in meiner direkten Nachbarschaft. Es sind buddhistische Bettelmoenche, die mir jeden Tag beweisen, mehr als 0,7kg Reis benoetige ich nicht um meine Existenz und mentale Weiterentwicklung zu ermoeglichen. Und das schoene ist mein Koerper erzeugt sehr wenig Entropie, denn das meiste kann in einem photosynthetisch angetriebenen Kreislauf wieder zu Reis werden. Ich bin eine dissipative Struktur und Teil eines disspativen Systems.
Die Evolution hat mich optimal daran angepasst den Energiestrom, den die Sonne uns auf diesem Planeten zur Verfuegung stellt bei minimalster Entropieerzeugung fuer meine Existenz und meine mentale Weiterentwicklung in einer Symbiose zu nutzen.
Die Loesung heisst Demut und Bescheidenheit. Und wenn ich in der westlichen Philosophie zurueck gehe, finde ich
Epikur, der entgegen den Verleumdungen durch die katholische Kirche kein hedonistisches Schwein war, sondern genau das
Gegenteil in seinem Kepos, einem Ort an dem nichts mehr als das Glueck verehrt wurde, gelehrt hat.
Ataraxie, innerliche Autarkie, gelassene Lust.

Und er wusste auch

"Schlimm ist der Zwang, doch es gibt keinen Zwang, unter Zwang zu leben."Epikur


(1) der "zusaetzliche Staub" ist natuerlich bei der Verbrennung von Kohlenwasserstoffen H2O = Wasser und CO2 =Kohlendioxid.
Da die Regenwaelder auf einen Bestand reduziert wurden, der es
dem photosynthetischen Kreislauf nicht mehr ermoeglicht saemtliches CO2 wieder in hochwertige Biomolekuele um zu setzen, reichert sich CO2 in der Atmosphaere an. Der Staub ist hier also symbolisch gemeint um den Charakter von Entropieerzeugung und seine Unumkehrbarkeit zu verdeutlichen.

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