Freitag, 26. März 2010

Die Angst vor der Anomie. Oder warum wir uns ergodisches Wetter wuenschen.

Emile Durkheim, eine Soziologe, der unter dem Eindruck des Fruehkapitalismus und seinen Folgen, ein tiefes Verstaendnis
fuer die Auswirkungen der Arbeitsteilung entwickelt hat, fuehrte den Begriff der Anomie in die Soziologie ein. Sein Wissen geriet in Vergessenheit und so beobachten wir konsequenterweise Entwicklungen, die denen seiner Zeit sehr aehnlich sind.
Denn die Geschichte wiederholt sich solange bis das notwendige Verstaendnis hergestellt ist und respektiert wird oder mangels Menschheit nicht mehr benoetigt wird.
Es ist wohl die Angst vor dieser Anomie, die Menschen immer wieder antreibt, gigantische Strukturen und Ordnungen unmenschlichen Ausmasses zu errichten und sich ihnen unterzuordnen.
Es ist wohl das weitverbreitete unkritische Beduerfnis nach Ordnungs- und Sicherheitsfiktionen, sowie die daraus resultierende grosse Versuchung einen gewinnbringenden Verkauf von Ordnungs- und Sicherheitsfiktionen zu organisieren, in deren Folge die zuvor genannten Strukturen und Ordnungen unmenschlichen Ausmasses entstehen. Uebersehen wird dabei, das sowohl der vermeintliche Gewinn wie auch die unkritisch ersehnte Ordnung und Sicherheit Fiktion bleiben muessen und so die gefuerchtete Anomie nur waechst.
Was hat das nun mit dem Wetter zu tun?
Fast nichts. Aber in Zeiten in denen auf breiter Front Fiktionen als solche erkannt werden, weil nach fast 30 Jahren neoliberalem Exzess die Anomie soweit getrieben wurde, dass nur noch sog. Eliten die Option der Konformitaet mit dem alles dominierenden Ziel des primitiven Geldmachens offensteht, entstehen Unsicherheiten, Aengste und ein starkes Beduerfnis nach Vorhersagbarkeit. Diese ist aber wie beim Wetter nur sehr begrenzt, wenn ueberhaupt gegeben. Daher suchen wir uns in Mittelwertbildungen zu retten, um so das Unvorhersehbare zumindest relativieren zu koennen. Und dann wuenschen wir uns, dass das Neue dem Mittelwert des Alten entspricht.
Getreu dem Motto, es war schon immer so und es wird wohl "hoffentlich?" (im Mittel) immer so bleiben. Ein krankmachendes Ritual korrumpierter Vernunft entsteht, weder innovativ noch revolutionaer.

Sapere Aude!

Georg Trappe

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