Samstag, 13. März 2010

Neoklassische Wirtschaftstheorie 101

Warum kommen negative Grenzertraege der Ertragsfunktion einer Volkswirtschaft in der neoklassischen Sicht nicht vor?
Die Neoklassik sieht das Problem fallender Kapitalerträge bei steigendem Kapital zwar auch. Sie glaubt aber theoretisch und empirisch herausgefunden zu haben, dass durch den technischen Wandel die Ertragskurve immer weiter nach oben verschoben wird, so dass die Grenzerträge konstant bleiben können.


Theoretisch und empirisch heisst aber, dass sie von der Vergangenheit in die Zukunft extrapoliert hat.
Linear? Exponentiell? Polynome xten Grades? Welche Regressionsmethode erlaubt eine solche Zukunftsvorhersage?

Wenn die Antwort jetzt ist: Die neoklassische, dann sind wir entscheidenden Punkt angekommen.
Es war schon immer so und es wird immer so bleiben. Basta!
Selbstimmunisierender, unwissenschaftlicher Mist eben,
der dem Sumpf der Letztbegruendungen und einer korrumpierten Vernunft entspringt.

By the way, Naturwissenschaften koennen diese Regression auch nicht leisten. Sie koennen zwar lineare Systeme recht gut vorausberechnen,
aber wenn es nichtlinear dynamisch wird,  hoert es auf mit der Vorhersagbarkeit. Edward N. Lorenz gehoert zu den Entdeckern dieser Tatsache. Er versuchte das Wetter per Computermodell vorher zu sagen.
Sein Ergebnis:
Zitat
„Predictability: Does the flap of a butterfly's wings in Brazil set off a tornado in Texas?“ Edward N. Lorenz
Zitatende
Damit war endgueltig Schluss mit dem laplaceschen Geist und einem Determinismus alter Schule.

Die Neoklassik uebersieht dies vollkommen und fuehrt damit zu einer Vergewaltigung der Welt und der Menschen in einem gigantischen Ausmass.

Seit 30 Jahren stehen vier riesige Elefanten in unserem Wohnzimmer.
1) 26000 Hungertote taeglich.
2) Ein Energiekonzept, das unsere Lebensgrundlagen zu zerstoeren droht.
3) Ein staendig steigendes Heer von Arbeitslosen.
4) und das bei 80 Mio Neubuergern (=1BRD) pro Jahr

Diese Probleme wachsen taeglich. Warum werden sie nicht angegangen?
Weil die neoklassische Wirtschaftstheorie zu dem unfassbaren Schluss fuehrt, ES LOHNT SICH NICHT.

Die an das eingesetzte Kapital gekoppelte Renditeerwartung ist fatal.
Eine am Umsatz oder tatsaechlichen Beitrag gekoppelte waere wahrscheinlich ok, wobei auch da ein Mechanismus hinzu kommen muesste,
der Akkumulation und reale Dissipation ausgleicht.

Warum ist das so schwer zu vermitteln? Weil nicht wahr sein kann was nicht wahr sein darf? Weil der Bedarf nach Vorhersagbarkeit so gross
ist, das die ganze Welt den Priestern dieses Orakels auf den Leim geht?
Das riecht verdaechtig nach Mittelalter. Nach Dogma.
Und ganz nebenbei etabliert sich eine fuenfte Macht im Staat die "To Big To Fail" ist und durch die Hintertuer einen Neofeudalismus etabliert, der den ueberwunden geglaubten Feudalismus in seiner Brutatlitaet um ein vielfaches uebertrifft. Und demokratisch gewaehlte Regierungen schauen nicht nur machtlos zu, sondern sekundieren noch dabei. Und das alles im Namen der Neoklassik, beweihraeuchert von den hohen Priestern der Mainstreamwirtschaftswissenschaften, die dieses Orakel aufs beste bewahren.

Ich denke jeder Oekonom, jeder Bankmanager, jeder Manager und jeder Politiker, der das erkennt, steht heute vor der Entscheidung seines Lebens.
Weiter so und mitschuldig werden daran das uns der ganze Krempel um die Ohren fliegen wird oder endlich den "Schabernak" als solchen enttarnen und damit den Weg fuer wirkliche Loesungen relevanter Probleme (4 Elefanten) frei machen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

1 Kommentar:

  1. Sehr geehrter Herr Trappe,

    mir war bisher entgangen, dass Sie ein eigenes Weblog führen - neben Ihren Post bei der Zeit. Ich begrüße das sehr. Es ist gut, Ihre Beiträge übersichtlich an einem Ort finden zu können und ich werde sie künftig regelmäßig lesen.

    Viele Grüße
    Stefan L. Eichner

    AntwortenLöschen