Sonntag, 13. Juni 2010

Die Krise im dritten Jahr

Ich denke es ist wichtig zu verstehen, dass die Krise, in der wir uns nun seit mehr als zwei Jahren befinden, nicht vorüber ist und ihre Ursachen nicht
nur im temporären Versagen von Märkten und Regularien bestanden. Vielmehr ist ein falsches Verständnis der Grundlagen, wie Wirtschaft und Märkte funktionieren,
zum Dogma erhoben worden und so zu einer permanenten Bedrohung für allgemeinen Wohlstand und Frieden geworden.
Quelle dieses falschen und in die Irre führenden Verständnisses sind die sog. Mainstream Wirtschaftswissenschaften und hier insbesondere die Hypothese
von effizienten Märkten und die Theorie rationaler Erwartungen. Auf diesen Fundamenten, die keine sind, basieren nicht nur die geltenden Finanzmarktregulierungen,
sondern auch die Risiko Management Systeme, die so eklatant versagten als es zum Zusammenbruch kam.
Wirtschaft ist kein System, das sich nahe von Gleichgewichten befindet. Das Gegenteil ist richtig.
Paretoverteilte Vermögens- und Einkommensverteilungen belegen dies sehr eindrucksvoll. Die Annahme, das freie Märkte grundsätzlich Gleichgewichte anstreben ist falsch.
Es ist ebenfalls falsch anzunehmen, das freie Märkte in der Lage sind ihre Übertreibungen selber zu korrigieren.
Vielmehr sind Märkte bei weitem nicht in der Lage das verfügbare Wissen annähernd genau zu reflektieren, sondern stellen immer nur eine mehr oder
weniger verzerrte Sicht der Realität dar.
Weiterhin sind Märkte nicht rückwirkungsfrei auf die durch sie dargestellten Sachverhalte. Es wirken sowohl Gegen- als auch Mitkopplungen.
Dabei können jederzeit aus stabilisierenden Gegenkopplungen destabilisierende Mitkopplungen werden.
Wenn Gegen- und Mitkopplungen gleichzeitig auftreten, wird dies in Form von volatilen Preisentwicklungen sichtbar, deren Verläufe einen zufälligen Charakter haben.
Die Volatilität ist somit ein Indiz, aber kein Mass, für die Unsicherheit bzw. die Verzerrung der Marktsicht der Realität. Ursache für diese Verzerrung
und ihre Nichtquantifizierbarkeit ist die Rückwirkung des Marktes auf die durch ihn dargestellten Sachverhalte. Dies ist ähnlich zur Heisenbergschen
Unschärferelation in der Quantenphysik.
Die Mainstream Wirtschaftswissenschaften und ihre Gleichgewichtsheorien berücksichtigen nur den Fall der Gegenkopplung, der Markt und Realität einander annähert
und damit tatsächlich korrigierend bzw. stabilisierend wirkt. Mitkopplungen, die selbstverstärkend bis destabilisierend wirken, werden ignoriert und kommen
nicht vor, obwohl sie die Ursache für die zyklischen Phänomene der Wirtschaft sind. Eine Berücksichtigung in Form stochastischer "Störungen" ist nicht adequat.
Solange diese Blindheit gegenüber 50% der fundamentalen Mechanismen und ihre Bedeutung aus dogmatischen Gründen fortbesteht, ist die wirkliche Ursache der
Krise nicht erkennbar und somit auch nicht behebbar.

Sapere Aude!

Georg Trappe

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