Mittwoch, 22. Dezember 2010

Phatogenese ein Weg zur Ätiologie

Wenn man die aktuelle Gemengelage analysiert, ist sie verblüffend ähnlich derer in Frankreich vor der französischen Revolution.

1.) Dauerhafte Finanzprobleme der Krone. Erstmals veröffentlich durch Jacques Necker 1781.

2.) Eskalierender Reformstau verursacht durch eine Blockadehaltung der Eliten, die einen Rückgriff auf ihre Pfründe fürchteten.

3.) Sich zuspitzende Existenznöte in den armen Teilen der Gesellschaft durch Missernten und ungerechte Verteilung der Lagerbestände. Inflation des Brotpreises.

4.) Aufklärung und ein erwachendes politisches Bewusstsein. Diese ist aber z.Zt. durch ein mediales Trommelfeuer ohne gleichen, das jede aufkeimende Vernunft in Schutt und Asche bombardiert, stark behindert.

Wenn man nun in Anlehnung an die Mediziner eine Phatogenese versucht, und ich halte ein solches Vorgehen für gerechtfertigt, da ich eine Gesellschaft für einen lebendigen
Organismus halte, der Opfer krankhafter Entwicklungen werden kann, dann kann man daraus womöglich auf Ursachen schliessen und so zu einer erfolgversprechenden Therapie kommen. Eine analytische Rückschau auf vorangegangene Krankheiten (s.o.)
erscheint mir dabei ebenfalls hilfreich, zumal es verdächtig nach einer ermüdenden Wiederholung aussieht. Salopp: Die Geschichte wiederholt sich solange, bis das notwendige Verständniss hergestellt ist oder das Verstaendnis mangels Menschheit nicht mehr benoetigt wird.
Worin aber besteht das krankmachende fehlende Verständniss?
In meiner Analyse komme ich zu folgenden Feststellungen. Die Erfinder der Demokratie als Staatsform konnten sich mit Sicherheit keine Nationalstaaten mit zig Millionen oder gar hunderten von Millionen Bürgern vorstellen. Und die Aufklärung, die da schon eher eine Ahnung hätte haben können, hat zwar Machtkonzentration als ursächliches Übel erkannt und daher konsequenterweise die Gewaltenteilung als Lösung vorgeschlagen. Allerdings war die Weitsicht der Aufklärer in Bezug auf Wirtschaft beschränkt und im wesentlichen auf den Staat gerichtet. Wie hätten sie sich auch vorstellen sollen,  welche Machtkonzentrationen in der Wirtschaft durch die industrielle Revolution möglich werden sollten. Und wie hätten sie sich vorstellen sollen, das gewählte Volksvertreter sich so bereitwillig durch eine fünfte Macht (Banken "too big to fail") kaltstellen lassen.
Die Aufklärer haben also in Bezug auf das Staatswesen Ursachen erkannt und entsprechende therapeutische Massnahmen vorgeschlagen. In Bezug auf Wirtschaft wurde dies aber nicht geleistet. Vielmehr herrscht, vereinfacht ausgedrückt, nachwievor die Vorstellung vor, das Grösser gleich Besser ist. Das ist aber falsch und übersieht die Tatsache, daß Wachstum über eine bestimmte Grösse hinaus negative, krankmachende Folgen für die Entwicklungsqualität der Wirtschaft und damit für die Gesellschaft als Ganzes hat. So gesehen fehlt es an einem Verständnis und in Folge davon natürlich auch an einem mehrheitsfähigen Konsens darüber, welche Wirtschaftsverfassung helfen würde, um die bekannten Leiden zu kurieren oder zumindest zu lindern. Hier ist die Avantgarde also gefordert einen Gegenentwurf auf die Beine zu stellen, der , wenn das grosse Köpferollen schon nicht vermieden werden kann, danach an die Stelle des bisherigen falschen Verständnisses treten kann.
In Anlehnung an die Aufklärer denke ich mit Blick auf eine solche neue Wirtschaftsverfassung, daß das, was für das Staatswesen so hilfreich und ja nahezu erlösend war, für die Wirtschaft nicht so verkehrt sein kann.
Konkret:
Gesetze die Unternehmen zwingt sich bei Erreichen einer bestimmten Grösse (grösser 1000 Mitarbeiter, grösser 1 Mrd Jahresumsatz) aufzuspalten und Gesetze die die
Vererbung von akkumuliertem Vermögen über eine bestimmte Höhe (1 Million) hinaus unterbinden, erachte ich als vielversprechend. Auch dann, wenn auf den ersten Blick dadurch Dinge unmöglich wuerden, an die wir uns alle sehr gewöhnt haben. Ich vermute aber, da bei einer derartigen Wirtschaftsverfassung dezentrale Strukturen entstehen, die nicht nur ein menschliches Ausmass haben, sondern auch Redundanzen etablieren und sich durch verteilte Intelligenz, im Gegensatz zu zentralisierten Vorstellungsmonopolen, auszeichnen, daß so vielmehr möglich würde, als wir es uns heute vorstellen können. In Bezug auf eine qualitativ hochwertige Entwicklung der Wirtschaft und damit der Gesellschaft bin ich mittlerweile überzeugt davon, das weiterführende Gedanken und vor allen Dingen Taten in diese Richtung Früchte tragen wuerden.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Und hier Belege fuer die seit drei Jahrzehnten erfolgreiche Re-Feudalisierung, ausgehend ausgerechnet von der Nation, die sich als erste der Moderne eine demokratische Verfassung gegeben hat.

US Wealth Gap
US Income distribution 

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