Mittwoch, 24. Februar 2010

Klar ist, dass es kracht. Krisen sind Entaeuschungen

und schlagartig wird Vielen klar dass sie einer langanhaltende Taeuschung auf den Leim gegangen sind. Reinhart und Rogoff leisten da wirklich gute Arbeit. Von daher kann ich die Empfehlung nur unterstreichen. Was aber wirklich frapierend ist, ist die Tatsache, dass sich die Geschichte im Fall von Oekonomie scheinbar endlos wiederholt und sich die massgeblichen Damen und Herren einem wirklichen Lernen aus den Krisen hartnaeckig verschliessen.
Diese Krisen werden sich solange wiederholen, bis ein richtiges Verstaendnis von Oekonomie erlernt wird und dann auch in den Handlungen respektiert wird.
Die Theorien der Neoklassik, die Grundlagen der vorherrschenden neoliberalen Ideologien sind, sind sachlich falsch und muessen daher zwangslaeufig zu Entaeuschungen = Krisen fuehren. Frei Maerkte sind keine funktionierende Regelung im regelungstechnischen Sinn. Gleichgewichtsmodelle sind untauglich, da Wirtschaft ein dissipatives System ist, das fernab von Gleichgewichten ist. Lineare statische Betrachtungen muessen in die Irre fuehren, da Wirtschaft in ihrem Kern hoch dynamische und nichtlineare Prozesse beinhaltet.
Solange aber immer wieder in die selbe Mottenkiste gegriffen wird (siehe Westerwelles Rueckgriff auf Reaganomics und Laffer Kurve)muss das Resultat = Krisen das selbe bleiben. Das wirkliche Problem ist, dass sich politische und wirtschaftliche Fuehrung sowie die Oekonomie als Wissenschaft sich einem wirklichen Lernen verschliessen.
Warum? 

Sapere Aude!

Georg Trappe

Samstag, 13. Februar 2010

Inflationsfalle?

Aus amerikanischer Sicht ist Inflation keine Falle sondern der einzig verbleibende Ausweg die Folgen des seit 30 Jahren
anhaltenden neoliberalen Exzesses(1) auf moeglichst viele nicht amerikanische Schultern zu verteilen. Dieser Weg wird von der amerikanischen Fuehrung konsequent beschritten. Die Verbalisierung dieses Vorhabens klingt je nach amtierender Regierung anders. Das sachliche Ziel bleibt unveraendert. Wer den anders lautenden Beteuerung glauben schenkt, faellt auf die gleiche Faulheit und Unfaehigkeit, die hinter den neoliberalen Ideologien steckt, rein, die uns in diese Krise gefuehrt haben. In USA sind nur noch 10 +/-2 % der Erwerbstaetigen mit der Herstellung realer Gueter beschaeftigt. Der Rest mit Dienstleistungen a la Madoff, Kriegfuehren, Regieren etc..
Welche realen Werte sollen diese 10 +/- 2% denn exportieren,
um die gigantischen Auslandsschulden der USA abzutragen?
Soviele Retrotoaster und Retrosaftpressen braucht die Welt nicht.
Seit nun mehr zehn Jahren hat jeder Amerikaner, es sind immerhin 300 Mio, im Schnitt jeden Monat 200 US$ Schulden im Ausland aufgenommen, indem er mehr Gueter im Ausland eingekauft hat als er bereit oder faehig war im Ausland zu verkaufen. Der einfachste Weg aus dieser Situation heraus zu kommen, ist aus amerikanischer Sicht, die Forderungen der Glaeubiger zu entwerten. Dies wurde durch das grosszuegige Verkaufen von wertlosen Wertpapieren im grossen Stil versucht. Dieser Ansatz ist aufgeflogen. Nun muessen halt staatlich garantierte Papiere (Dollar) in die Bresche springen. Das Problem der realen Leistungsunfaehigkeit wird damit aber nicht geloest.
Sapere Aude!
Georg Trappe

(1) Mit neoliberalem Exzess meine ich den primitiven Pekuniarismus angelsaechsischer Praegung. Siehe auch:


Montag, 1. Februar 2010

Wirtschaft ist ein dissipatives System


Ein dissipatives System zeichnet sich unter anderem dadurch aus, das ihm auf der einen Seite Energie zugefuehrt wird und auf der anderen Seite Entropie exportiert wird. Innerhalb eines
solchen Systems entstehen Strukturen und Prozesse hoeherer Ordnung, die weitab von Gleichgewichten sind. Wird die Energiezufuhr erhoeht, treten an sogenannten kritischen Punkten
Phasenuebergaenge auf, die die bestehenden Strukturen und Prozesse schlagartig transformieren und damit dem System ein vollstaendig neue Qualitaet geben. Bei der Unterbrechung der Energiezufuhr oder bei der Unterbindung des Entropieexports brechen die Strukturen und Prozesse zusammen, da dem System entweder
die Energie zur Aufrechterhaltung der Strukturen fehlt bzw. die hoehere Ordnung der Strukturen und Prozesse an der nicht exportierbaren Entropie erstickt.
Im Fall von Wirtschaft fliesst dem System Energie in Form von menschlicher Arbeit und seit etwa 200 Jahren verstaerkt
in Form von Brennstoffen zu. Die Entropie fliesst in Form von verbrauchten Guetern = Abfaellen und Abgasen ab.
Ein Blick in die US Arbeitslosenstatistik zeigt, das nur noch etwa 10 +/-2% der Menschen dort mit der Erarbeitung realer Gueter = Energiezufuhr beschaeftigt ist. Der weitaus groessere Teil ist mit Dienstleistungen a la Madoff, Kriegfuehren, Regieren, Konsummaximierung etc. = Entropieexport beschaeftigt.
Wenn der Entropieexport = Aufrechterhaltung der Strukturen und Prozesse aber den Energiezufluss uebersteigt, dann ist das ein Zustand der nur kurzzeitig durch Inanspruchnahme von
systeminternen Energiespeichern aufrecht erhalten werden
kann. Wenn diese systeminternen Energiespeicher aufgezehrt sind,
bleibt nichts anderes uebrig als den Energieimport = Erarbeitung realler Gueter zu erhoehen oder die Strukturen und Prozesse auf einen Zustand geringerer Ordnung
zurueck zu fuehren. Das fluten der Maerkte mit Liquiditaet = Transmissionsmedium = Systemstrukturkomponente naehrt nur eine Illusion eines erhoehten Energieimports=Aufschwung, ist aber tatsaechlich nur ein "Loesungsmittel" zum Anzapfen von systeminternen Energiespeichern. Da dieser Prozess der Liquidierung interner Energiespeicher in den Unternehmen seit Jahren durch die Maximierung des Quotienten Return on Assets = Ausverkauf belastbarer (kapitalisierbarer) Assets
schon sehr weit fortgeschritten ist, sind nun die "kleinen" Reserven (der Sparer) gefragt.
Wenn diese durch Inflation auch entwertet = aufgebraucht sind, bleibt tatsaechlich nur noch Arbeiten oder Strukturrueckbau (1).

Sapere Aude!

Georg Trappe

(1)Die Moeglichkeit des Strukturrueckbaus ist eine zu optimistische da unmoegliche Option, denn Entropieerzeugung und Entropieexport  sind irreversible Prozesse. Es bleibt also nur 
Arbeiten oder Strukturzusammenbruch!