Sonntag, 28. März 2010

Radikalisierung = Versagen der Eliten

Politische Radikalisierung ist ein Symptom fuer das Versagen der politischen und wirtschaftlichen Eliten in unserem Land. Wenn ich die Anomietheorie von Robert K. Merton heranziehe, stellt sich die Sache wie folgt dar.

Das alles dominierende kulturelle Ziel in unserer Gesellschaft ist Dank neoliberaler Indoktrination seit fast 30 Jahren auf allen Ebenen:

Geld machen

Nach Robert K. Merton ergeben sich 5 Optionen

Aus Wikipedia

Zitat
1) Konformität: Kulturelle Ziele werden akzeptiert, die legalen Mittel zur Erreichung sind vorhanden.
2) Innovation: Kulturelle Ziele werden akzeptiert, die Mittel zur Erreichung sind nicht vorhanden und werden durch illegale Mittel ersetzt.
3)Ritualismus: Kulturelle Ziele werden akzeptiert aber individuelle reduziert damit die legalen Mittel zu ihrer Erreichung genügen.
4)Rückzug: Kulturelle Ziele wie auch legale Mittel werden abgelehnt (Folge: Selbst- oder Fremdexklusion).
5)Rebellion: Kulturelle Ziele und legale Mittel werden aufgegeben und sollen durch neue ersetzt werden.
Zitatende

Da nur noch einer sog. Elite der Weg der Konformitaet offen steht, sehen wir ein Ausweichen der Mehrheit auf die verbleibenden 4 Optionen. Sortieren Sie sich selber ein.
Wenn der Gesetzgeber dies vermeiden will, bleibt nichts anderes, als per Gesetz die Sozialpflichtigkeit des Eigentums nach Grundgesetz Artikel 14,2 durchzusetzen. D.h. Beschraenkung der exklusiven Eigentumsrechte zur Vermeidung von Kapital und Machtakkumulation in einer Form, die wahre Chancengleichheit zum Ziel hat und die Motivation, die aus Eigentum entsteht,  dabei nicht zerstoert.
Krux an der Geschichte ist, dass die Indoktrination der neoliberalen Ideologien seit 30 Jahren auf allen Ebenen so einen Gedankengang dogmatisch ausgeschlossen hat. Durchgesetz wird dieses Dogma mit Hilfe einer fuenften Gewalt = Banken too big to fail, die mit Kapitalentzug droht.
Desweiteren wird behauptet, soetwas wuerde die Wettbewerbsfaehigkeit mit Volkswirtschaften, die keine reale Sozialpflichtigkeit des Eigentums etablieren, schmaelern. Dazu kann ich nur sagen, ich wuerde gerne auf den einen oder anderen Weltmeistertitel verzichten, wenn damit der Vernunft und der Menschlichkeit der Weg bereitet wuerde. Denn wenn nichts geschieht, um das strukturelle Problem aufzuloesen, konvergiert es auf Option 5 zu.
Dann ergeht es dem Neofeudalismus wie dem Feudalismus.
Ich will keine Gewalt, aber wenn das neoliberale Dogma nicht aufgegeben wird, ist ihre Entstehung logisch zwingend vorgegeben. Dann wiederholt sich die Geschichte traurigerweise solange, bis das notwendige Verstaendnis hergestellt ist oder mangels Menschheit nicht mehr benoetigt wird.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.:Und nun denken Sie bitte mal in diesem Zusammenhang ueber die Begriffe Finanzinnovationen (=Option2) und Fremdexklusion = Hartz4 (welche Ironie = Option4) nach.

Freitag, 26. März 2010

Die Angst vor der Anomie. Oder warum wir uns ergodisches Wetter wuenschen.

Emile Durkheim, eine Soziologe, der unter dem Eindruck des Fruehkapitalismus und seinen Folgen, ein tiefes Verstaendnis
fuer die Auswirkungen der Arbeitsteilung entwickelt hat, fuehrte den Begriff der Anomie in die Soziologie ein. Sein Wissen geriet in Vergessenheit und so beobachten wir konsequenterweise Entwicklungen, die denen seiner Zeit sehr aehnlich sind.
Denn die Geschichte wiederholt sich solange bis das notwendige Verstaendnis hergestellt ist und respektiert wird oder mangels Menschheit nicht mehr benoetigt wird.
Es ist wohl die Angst vor dieser Anomie, die Menschen immer wieder antreibt, gigantische Strukturen und Ordnungen unmenschlichen Ausmasses zu errichten und sich ihnen unterzuordnen.
Es ist wohl das weitverbreitete unkritische Beduerfnis nach Ordnungs- und Sicherheitsfiktionen, sowie die daraus resultierende grosse Versuchung einen gewinnbringenden Verkauf von Ordnungs- und Sicherheitsfiktionen zu organisieren, in deren Folge die zuvor genannten Strukturen und Ordnungen unmenschlichen Ausmasses entstehen. Uebersehen wird dabei, das sowohl der vermeintliche Gewinn wie auch die unkritisch ersehnte Ordnung und Sicherheit Fiktion bleiben muessen und so die gefuerchtete Anomie nur waechst.
Was hat das nun mit dem Wetter zu tun?
Fast nichts. Aber in Zeiten in denen auf breiter Front Fiktionen als solche erkannt werden, weil nach fast 30 Jahren neoliberalem Exzess die Anomie soweit getrieben wurde, dass nur noch sog. Eliten die Option der Konformitaet mit dem alles dominierenden Ziel des primitiven Geldmachens offensteht, entstehen Unsicherheiten, Aengste und ein starkes Beduerfnis nach Vorhersagbarkeit. Diese ist aber wie beim Wetter nur sehr begrenzt, wenn ueberhaupt gegeben. Daher suchen wir uns in Mittelwertbildungen zu retten, um so das Unvorhersehbare zumindest relativieren zu koennen. Und dann wuenschen wir uns, dass das Neue dem Mittelwert des Alten entspricht.
Getreu dem Motto, es war schon immer so und es wird wohl "hoffentlich?" (im Mittel) immer so bleiben. Ein krankmachendes Ritual korrumpierter Vernunft entsteht, weder innovativ noch revolutionaer.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Wie kuriert man das “Fettaugensyndrom”?

Angeregt durch diesen Artikel:
Habe ich folgenden Aufsatz geschrieben, den ich hiermit Frau Merkel widmen moechte.
In meinem “Weltbild” gibt es ein riesiges monolithisches und daher sehr unappetitliches Fettauge, das die Tendenz hat, durch Einverleibung kleinerer Artgenossen die ganze Suppe zu ueberwuchern. Dieses Fettauge heisst US amerkanische Machtelite. Ein gigantischer Wirtschafts- und Waehrungsblock mit einem anmassenden und durch nichts legitimierten Sendungsbewusstsein unter Ausnutzung von “gewaehrten” Privilegien, wie Weltleitwaehrung. Der neoliberale Exzess, der seinen Ursprung Dank Reagan und Friedman auch in diesem wunderbaren Land hat, hat einen Punkt erreicht, indem die inneren Widersprueche der zugrundeliegenden Ideologie fuer jeden sichtbar werden. Das globale Wirtschaftsystem ist dadurch instabil geworden. Die Zeit, die mit gigantischen Staatsschulden gekauft wurde, verstreicht aber ungenutzt. Die Wall Street betreibt ein zurueck zu den Vorkrisenzustaenden. Die Monopole, Kartelle und Syndikate klopfen sich auf die Schenkel. Die fuenfte Gewalt in Form von Banken too big to fail fuehren die Regierungen vor. China knoepft sich Geithner vor, mit der “Bitte” die Diversifizierung der chinesischen Waehrungsreserven zu guenstigen Dollarkursen zu ermoeglichen und Frau Merkel bietet den USA “Teile und Herrsche” an.
Ich fasse es nicht.
Wer das Fettaugensyndrom kurieren will, muss die grossen Fettaugen spalten. Konkurrenz dahin tragen, wohin sie hin gehoert. Nach der Schwaeche in der Staerke fragen und diese dann radikal nutzen, um die Staerke zu brechen. So etwas kann man Konzept oder Strategie nennen. Aber man muss es machen, sonst wird es nichts! Wenn man sich Clausewitz unters Kopfkissen stopft, hilft es nicht. Wenn man glaubt “The Art of War” sei nur ein lustiger Actionthriller mit Wesley Snipes der irrt.
Und wenn ich Frau Merkel ziel- und strategielos herumeiern sehe, dann kann ich ihr nur empfehlen: Vergessen Sie ihre Oekonomieberater, das sind Filmstatisten! Lesen Sie Clausewitz und Sun Tze und dann handeln Sie bitte danach.

Sapere Aude!

Georg Trappe

By the way: Das griechische "Vergehen" ist in USA Leitkultur.
Kalifornien war schon Zahlungsunfaehig. Schwarzenegger musste
schon IOUs ausgeben. Und Kalifornien ist fuer sich betrachtet
unter den zehn groessten Volkswirtschaften der Welt angesiedelt. Da ist Griechenland ein Peanut!
Fuer eine NRW Wahl die ueber Jahrzehnte muehsam erarbeitete europaeische Integration zu riskieren ist ein Armutszeugnis.
Frau Merkel, Sie sollten Obama vorschlagen Irland, Island und das UK als 51.,52. und 53. Bundesstaat zu annektieren. Sie sollten mit China und Japan den Schulterschluss suchen. Aber auf keinen Fall europaeische Desintegration riskieren wegen einer NRW Wahl.

Donnerstag, 18. März 2010

Das U Boot. Eine Analogie

Mein Freund Norbert sagt, es gibt immer jemanden, der die Nase etwas weiter vorne hat. Er meint damit, es gibt immer eine Avantgarde. Ich denke das stimmt. Ich nenne dieses "vorne" on the edge of chaos.  Aber die Avantgarde von gestern ist nicht immer die von morgen. Die Leitplanken der Evolution sind Lust und Leid. Es gibt eine Avantgarde, die die kritischen Punkte frueher sieht und damit unter Leidensdruck geraet, waehrend die alte Avantgarde noch deutlich Lust verspuert und ein "immer weiter so" predigt. Andy Grove, ein ehemaliger Intel CEO hat das in seinem Buch "Only the Paranoid Survive" sehr zutreffend beschrieben. Er redet da von Inflection Points = kritische Punkte und eben Paranoiden die die Auswirkungen dieser Inflection Points auf die Entwicklung vorweg nehmen koennen. Ich zaehle mich zu dieser paranoiden Avantgarde bei meinem Anliegen. Nicht weil es zeitweise chiq war sich Avantgardist zu nennen, sondern weil es hoffnungsvoller ist, als apokalyptischer Reiter, wie mein Freund Norbert mich im Scherz nennt. Denn es laesst die Qualitaet des Nachfolgenden offen.
Ich habe meine Arbeit als Manager immer so gesehen. Paranoider Minensuchhund. Lieber mir fliegt die Nase weg, als dem ganzen Trupp die Gedaerme. Ich habe dafuer nicht immer nur Anerkennung bekommen. Vom Trupp schon, aber aus dem Fuehrerbunker eher weniger. Trotzdem, das ist meine Berufung und sie hat mir den einen oder anderen Erfolg beschert. Ein paranoid avantgardistischer Blick auf die Dinge fragt nach der Schwaeche in der Staerke. Wenn man soetwas entdeckt, dann kann man erfolgreich in bestehende Maerkte mit starker etablierter Konkurrenz einbrechen oder gar eine technische Revolution ausloesen. Konkurrenz dahin tragen, wo sie hin gehoert. Zu den Fettaugen, die sonst immer groesser und unappetitlich werden. Wer soetwas vorwegnehmen kann und so das Erreichen eines kritischen Punktes als Chance nutzen kann indem er fruehzeitig eine entsprechende Strategie entwickelt, ueberlebt und ist in der naechsten Runde wieder mit dabei. Wer sich auf dem Erfolg in der Vergangenheit ausruht und sich seiner Sache zu sicher ist riskiert den Untergang, indem er selber zum angreifbaren Fettauge wird. In der Wirtschaft wie in der Technik wie auch in dissipativen Strukturen  =  nicht linearen dynamischen Systemen  gibt es kritische Punkte, an denen Phasenuebergaenge stattfinden und das System sich qualitativ dramatisch aendert. Fuer die Mehrheit, der dem alten Regime folgenden Systemkomponenten, ist das nicht vorhersehbar, fuer einige wenige ist der Stress aber schon im Vorfeld ziemlich gross. Einer dieser IKB Bankmanager steht z.Zt. vor Gericht und plaediert auf unschuldig, weil fuer ihn die dramatische Entwicklung die zur Pleite fuehrte nicht vorhersehbar gewesen sei. Ich bin geneigt ihm das abzunehmen, wenn gleich ich ihn damit nicht aus der Verantwortung entlassen will und kann.
Stellen Sie es sich so vor. Ein U Boot wird durch 100 Bolzen zusammen gehalten.
Der Kapitaen geht auf grosse Tiefe, die die Kraefte, die auf diese Bolzen wirken, soweit erhoeht, das der Bereich der elastischen Verformung = reversiblen Verformung verlassen wird und eine plastische = irreversible Verformung einsetzt. Das Material beginnt zu "schreien", der Kapitaen ignoriert es, aus welchen Gruenden auch immer und taucht noch tiefer. Irgendwann sagt einer der 100 Bolzen "Bruch" und sofort "wissen" die anderen 99 Bolzen, dass sie nahezu gleichzeitig auch brechen muessen, denn die Last die zuvor auf den 100 Bolzen ruhte und zum Bruch des ersten gefuehrt hat, verteilt sich nun auf nur noch 99 = Kettenreaktion und in Sekundenbruchteilen  sind alle 100 Bolzen gerissen und die Katastrophe perfekt. Und das Wissen darueber, wie sich die Katastrophe ankuendigte versinkt mit dem geborstenen UBoot in den Tiefen des Ozeans.

Die paranoide Avantgarde erkennt mit welcher Signatur sich kritische Punkte ankuendigen. Es ist ein Erkennen, das tragischerweise der Mehrheit verschlossen bleibt weil, es auch ein Paradox darstellt. Das Unvorhersehbare vorhersagen. Es ist eine Art Instinkt. So wie Tiere einen Tsunamie spueren und das Weite suchen bevor ein Mensch die Welle kommen sieht. Sie will dem ahnungslosen UBoot Kapitaen zurufen: Pass auf, da entwickelt sich etwas irreversibel und dramatisch  zu unserem Nachteil und der heldenhafte Kapitaen droht zum Dank mit Erschiessung wegen Feigheit nach der Rueckkehr in den Hafen.  Der Rest der Mannschaft macht weiter wie befohlen und ist dann froh, dass sie nach erfolgter Katastrophe den Kameraden nicht mehr erschiessen muss.

Was ich sagen moechte ist :Sapere Aude!. Habe den Mut deinen Verstand zu benutzen. Hoert nicht auf den Kapitaen.  Er wurde Kapitaen, weil er das alte Regime am besten verstanden hat und vertreten kann. Daher ist er aber auch fast blind fuer einen sich ankuendigenden Regimewechsel, wenn er den Avantgardisten zur Kassandra werden laesst. Haltet Ausschau nach irreversiblen Vorgaengen und macht Euch klar was Sie fuer Euch bedeuten. Wenn ihr zu dem Schluss kommt, wird schon gut gehen weil es irgendwie immer gut ging, ok . Wenn ihr Euch darauf verlassen wollt, das die paranoide Avantgarde rechtzeitig die Revolution startet und den Kapitaen wie auch immer zum Auftauchen bewegt, dann guckt Euch wenigstens das zerbeulte Uboot und die ueberdehnten Bolzen an und lernt aus der Geschichte, nachdem ihr mich erschossen habt. Wenn aus Geschichte nicht gelernt wird, dann wiederholt sie sich traurigerweise so lange bis das noetige Verstaendnis hergestellt ist oder menschliches Verstaendnis nicht mehr benoetigt wird. Das ist logisch zwingend. Wer die Ungleichheit der Vermoegens- und Einkommensverteilung ueber einen bestimmten Punkt treibt beschaedigt irreversibel die Gesellschaft indem Vertrauen ueberdehnt und damit Kohaesion zerstoert wird. Wer wie verrueckt die Vorraete fossiler Brennstoffe verheizt und gleichzeit die natuerliche Recycling Anlage Regenwald abholzt, der beschaedigt irreversibel unsere Lebensgrundlagen in einem blinden Triumphalismus der durch nichts gerechtfertigt ist. Wer intelligente Alternativen aus purer Geldmacherei ignoriert und unterdrueckt, traegt, obwohl die Entwicklung die daraus entsteht unvorhersehbar ist, die Verantwortung.
Ich denke alle, die in Fuehrungsverantwortung stehen und denen das klar wird, stehen vor der Entscheidung ihres Lebens. Weiterso und der Krempel fliegt uns um die Ohren, oder den Verstand benutzen und proaktiv die Entwicklung beinflussen, bevor sie vollkommen unkontrollierbar wird und moeglicherweise in eine Katastrophe muendet. Und by the way, die Weltwirtschaftskrise und ihr Entwicklungsmuster haben sich angekuendigt, Japans "Lost Decade", 1997 Asienkrise, 2000 NewEconomy. Und keiner der alten Wirtschaftskapitaene hat bis heute eine schluessige nachvollziehbare Erklaerung fuer den Ablauf und die Ursachen dieser Krisen, weil die alten Denkgebaeude Neoklassik und Keynes nicht verlassen werden. Das was sich gestern bewaehrt hat, kann morgen den Untergang bedeuten. Daher darf es nicht den Blick fuer Alternativen verstellen.
Die Idee es mal aus der Sichtweise der Theorie der komplexen Systeme anzuschauen wird als absurd abgelehnt. Warum, weil nicht sein kann was nicht sein darf. Unvorhersagbarkeit wie beim Wetter passt mit dem Paradigma Zinseszins auf ewig nicht zusammen. Und wir hatten all das schonmal 1930. Aber dummerweise bis heute nichts gelernt. Also Wiederholung des Films bis es der Letzte kapiert oder wiedermal der letzte Blutstropfen geflossen ist. Traurig.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Dienstag, 16. März 2010

Ansichten eines Ingenieurs

"Nichts ist für den genug, dem das Genügende zu wenig ist." Epikur

Ueber die wahre Bedeutung der Thermodynamik und des Entropie Prinzips.

Es gibt wohl wenige Begriffe die so schwer zu durchschauen sind wie der Begriff der Entropie in der Thermodynamik.
Selbst Ingenieure wie ich haben damit regelmaessig ihre Schwierigkeiten. Entsprechend verschlossen ist uns seine
wahre Bedeutung. karolachristiane, der ich diesen Artikel widme, hat mich in einem anderen Zusammenhang inspiriert
nun diesen Artikel zu schreiben, der hoffentlich hilft den Vorhang ein stueckweit zu oeffnen und so die tiefe Bedeutung
des Entropie Prinzips fuer uns alle zu verstehen. Denn wer die Gesetze der Thermodynamik in ihrer Bedeutung fuer uns
nicht versteht, kann die Grundlagen unserer Existenz nicht verstehen.
Es gibt Ordnung und Unordnung = Chaos. Wenn ich als ordnungsliebender Ingenieur in meiner Wohnung eine Stunde staubsauge
um 100 Gramm unordentlich in meiner Wohnung verteilten Staub ordentlich in einen Beutel einzusaugen, um ihn dann Richtung
Muelldeponie befoerdern zu lassen, mache ich folgendes.
Ich betreibe einen Staubsauger mit 1500 Watt Leistung fuer eine Stunde. Ich verbrauche also 1500Wh oder 1,5kWh Strom.
Da dieser Strom nur mit einem Wirkungsgrad von 25% aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Oel herzustellen ist,
muss dafuer Oel mit einem Energieinhalt von 6kWh, das entspricht etwa 0,6l oder 0,75 kg Rohoel, verbrannt werden.
Um also 100g Staub nach meinem Willen zu ordnen und von einem Ort zu einem anderen zu bewegen, erzeuge ich 750g
zusaetzlichen Staub(1) in einem Prozess der unumkehrbar ist. Das Oel ist fuer immer verbrannt, der dadurch zusaetzlich entstandene Staub(1) ist fuer immer Bestandteil dieser Welt. Und das alles alleine meiner Ordnungsliebe geschuldet.
Eine Gesellschaft wie die unsere, die Ordnungen in Form von Infastrukturen, Konzernen, Firmen gigantischen Ausmasses
errichtet, ausbaut und aufrecht erhaelt und dies im wesentlichen durch ineffiziente Verbrennung fossiler Brennstoffe betreibt und dabei glaubt, der Nutzen aus dieser Hyperaktivitaet wuerde endlos exponentiell steigen, befindet sich auf einem Irrweg und muss letztendlich scheitern.
Ein Mensch benoetigt fuer seine Existenz im Schnitt 2500 kcal pro Tag das entspricht 2,9 kWh Energie pro Tag.
Das sind etwa 0,3l bzw 0,375 kg Oel oder 0,7 kg ungekochter Reis. Ich verfeuere waehrend meiner Ordnungsorgie a la Staubsaugen 2 Tagesrationen. Eine Autofahrt von 100km verfeuert etwa 6l Diesel also etwa 20 Tagesrationen.
Und am besten waere es, wenn es nach der neoliberalen Wirtschaftsideologie geht, dass das alles auf ewig exponentiell waechst. Ein solches System muss kippen. Wenn es nicht an der Endlichkeit der materiellen Resourcen scheitert erstickt es an seiner Entropieerzeugung = Stauberzeugung.

Wo liegt die Loesung?
Ich dachte, ersteinmal muss dieses Problem in all seinen Dimensionen verstanden werden. Und dann sah ich den Wald vor
lauter Baeumen nicht, denn es gibt auch eine Entropie der Information.
Die Loesung zieht jeden Morgen durch das Dorf in meiner direkten Nachbarschaft. Es sind buddhistische Bettelmoenche, die mir jeden Tag beweisen, mehr als 0,7kg Reis benoetige ich nicht um meine Existenz und mentale Weiterentwicklung zu ermoeglichen. Und das schoene ist mein Koerper erzeugt sehr wenig Entropie, denn das meiste kann in einem photosynthetisch angetriebenen Kreislauf wieder zu Reis werden. Ich bin eine dissipative Struktur und Teil eines disspativen Systems.
Die Evolution hat mich optimal daran angepasst den Energiestrom, den die Sonne uns auf diesem Planeten zur Verfuegung stellt bei minimalster Entropieerzeugung fuer meine Existenz und meine mentale Weiterentwicklung in einer Symbiose zu nutzen.
Die Loesung heisst Demut und Bescheidenheit. Und wenn ich in der westlichen Philosophie zurueck gehe, finde ich
Epikur, der entgegen den Verleumdungen durch die katholische Kirche kein hedonistisches Schwein war, sondern genau das
Gegenteil in seinem Kepos, einem Ort an dem nichts mehr als das Glueck verehrt wurde, gelehrt hat.
Ataraxie, innerliche Autarkie, gelassene Lust.

Und er wusste auch

"Schlimm ist der Zwang, doch es gibt keinen Zwang, unter Zwang zu leben."Epikur


(1) der "zusaetzliche Staub" ist natuerlich bei der Verbrennung von Kohlenwasserstoffen H2O = Wasser und CO2 =Kohlendioxid.
Da die Regenwaelder auf einen Bestand reduziert wurden, der es
dem photosynthetischen Kreislauf nicht mehr ermoeglicht saemtliches CO2 wieder in hochwertige Biomolekuele um zu setzen, reichert sich CO2 in der Atmosphaere an. Der Staub ist hier also symbolisch gemeint um den Charakter von Entropieerzeugung und seine Unumkehrbarkeit zu verdeutlichen.

Samstag, 13. März 2010

Neoklassische Wirtschaftstheorie 101

Warum kommen negative Grenzertraege der Ertragsfunktion einer Volkswirtschaft in der neoklassischen Sicht nicht vor?
Die Neoklassik sieht das Problem fallender Kapitalerträge bei steigendem Kapital zwar auch. Sie glaubt aber theoretisch und empirisch herausgefunden zu haben, dass durch den technischen Wandel die Ertragskurve immer weiter nach oben verschoben wird, so dass die Grenzerträge konstant bleiben können.


Theoretisch und empirisch heisst aber, dass sie von der Vergangenheit in die Zukunft extrapoliert hat.
Linear? Exponentiell? Polynome xten Grades? Welche Regressionsmethode erlaubt eine solche Zukunftsvorhersage?

Wenn die Antwort jetzt ist: Die neoklassische, dann sind wir entscheidenden Punkt angekommen.
Es war schon immer so und es wird immer so bleiben. Basta!
Selbstimmunisierender, unwissenschaftlicher Mist eben,
der dem Sumpf der Letztbegruendungen und einer korrumpierten Vernunft entspringt.

By the way, Naturwissenschaften koennen diese Regression auch nicht leisten. Sie koennen zwar lineare Systeme recht gut vorausberechnen,
aber wenn es nichtlinear dynamisch wird,  hoert es auf mit der Vorhersagbarkeit. Edward N. Lorenz gehoert zu den Entdeckern dieser Tatsache. Er versuchte das Wetter per Computermodell vorher zu sagen.
Sein Ergebnis:
Zitat
„Predictability: Does the flap of a butterfly's wings in Brazil set off a tornado in Texas?“ Edward N. Lorenz
Zitatende
Damit war endgueltig Schluss mit dem laplaceschen Geist und einem Determinismus alter Schule.

Die Neoklassik uebersieht dies vollkommen und fuehrt damit zu einer Vergewaltigung der Welt und der Menschen in einem gigantischen Ausmass.

Seit 30 Jahren stehen vier riesige Elefanten in unserem Wohnzimmer.
1) 26000 Hungertote taeglich.
2) Ein Energiekonzept, das unsere Lebensgrundlagen zu zerstoeren droht.
3) Ein staendig steigendes Heer von Arbeitslosen.
4) und das bei 80 Mio Neubuergern (=1BRD) pro Jahr

Diese Probleme wachsen taeglich. Warum werden sie nicht angegangen?
Weil die neoklassische Wirtschaftstheorie zu dem unfassbaren Schluss fuehrt, ES LOHNT SICH NICHT.

Die an das eingesetzte Kapital gekoppelte Renditeerwartung ist fatal.
Eine am Umsatz oder tatsaechlichen Beitrag gekoppelte waere wahrscheinlich ok, wobei auch da ein Mechanismus hinzu kommen muesste,
der Akkumulation und reale Dissipation ausgleicht.

Warum ist das so schwer zu vermitteln? Weil nicht wahr sein kann was nicht wahr sein darf? Weil der Bedarf nach Vorhersagbarkeit so gross
ist, das die ganze Welt den Priestern dieses Orakels auf den Leim geht?
Das riecht verdaechtig nach Mittelalter. Nach Dogma.
Und ganz nebenbei etabliert sich eine fuenfte Macht im Staat die "To Big To Fail" ist und durch die Hintertuer einen Neofeudalismus etabliert, der den ueberwunden geglaubten Feudalismus in seiner Brutatlitaet um ein vielfaches uebertrifft. Und demokratisch gewaehlte Regierungen schauen nicht nur machtlos zu, sondern sekundieren noch dabei. Und das alles im Namen der Neoklassik, beweihraeuchert von den hohen Priestern der Mainstreamwirtschaftswissenschaften, die dieses Orakel aufs beste bewahren.

Ich denke jeder Oekonom, jeder Bankmanager, jeder Manager und jeder Politiker, der das erkennt, steht heute vor der Entscheidung seines Lebens.
Weiter so und mitschuldig werden daran das uns der ganze Krempel um die Ohren fliegen wird oder endlich den "Schabernak" als solchen enttarnen und damit den Weg fuer wirkliche Loesungen relevanter Probleme (4 Elefanten) frei machen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Freitag, 12. März 2010

Griechenland kann es nicht alleine schaffen

Ich sehe nur, das in Griechenland wie ueberall auf der Welt Zeit gekauft wird. Die Loesung des ursaechlichen Problems findet aber nicht statt!
Kann auch nicht statt finden, da den massgeblichen Damen und Herren das
notwendige Verstaendnis fehlt. Die Mainstreamwirtschaftswissenschaften
bauen auf einem Fundament auf, das keines ist. Sie bauen auf etwas auf,
was von massiven Denkfehlern durchsetzt ist. Maerkte sind keine funktionierende Regelung. Manchmal stabilisieren sie durch Gegenkopplungen, manchmal entwickeln sich in ihnen Mitkopplungen die
destruktive Oszillationen verursachen. Wirtschaft ist kein System
nahe von Gleichgewichten wo Linearisierungen zulaessig waeren, sondern
Wirtschaft ist ein dissipative Struktur weitab von Gleichgewichten, das
der Dynamik nichtlinearer Differentialgleichungen gehorcht. Jeder Wirtschaftende sucht eine Vorteil fuer sich = Ungleichgewicht. Den Starken gelingt das unter Ausnutzung von Akkumulation. Die dadurch ausgeloesten exponetiellen Konzentrationseffekte, von mir flapsig als “Fettaugensyndrom” benannt, entziehen aber ueber die an sie gekoppelten Renditeerwartungen immer mehr Wirtschaftsteilnehmern erst Kapital und dann Einkommen. Die Zahl der Glaeubiger sinkt, die Zahl der Schuldner steigt. Die Zahl der faulen Kredite, die durch Nichts gesichert sind, nimmt zu und das System erreicht einen kritischen Punkt,
in dem es instabil wird. Da es dissipativ ist und verbrannte, verbrauchte Sicherheiten (Oel, Rohstoffe, Autos, marode Haeuser) irreversible ausfallen, kippt es. Der Versuch, es ueber Geld und Zinspolitik alleine zu stabilisieren, muss scheitern. Die Ursachen muessen verstanden und dann behoben werden. Bis dahin gilt der traurige Satz:
Geschichte wiederholt sich solange, bis das notwendige Verstaendnis hergestellt ist.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 10. März 2010

Antwort auf die Frage: "Woran krankt der Kapitalismus?"


Meiner Meinung nach am falschen oder nicht vorhanden Verstaendnis seiner komplexen Dynamik.

Das kapitalistische Wirtschaftssystem mal mit Hilfe der Theorie komplexer Systeme zu untersuchen und zu analysieren wuerde da weiter helfen. 

Das setzt aber voraus, das man bereit ist einzugestehen, das die bisherigen dominierenden Wirtschafttheorien, die zum Teil schon zu Ideologien verkommen sind, erhebliche Defizite in ihrer Erklaerungsreichweite haben.

Das teuflische am Kapitalismus ist, jeder glaubt ihn verstanden zu haben. Und solange er so funktioniert wie es den Vorstellungen entspricht, denkt keiner kritisch nach. Insofern korrumpiert er die Vernunft. Wenn es dann klemmt und Vorstellung und Realitaet offensichtlich nicht mehr zusammen passen, ist es zu spaet, weil irreversibel ein kritischer Punkt erreicht wurde, der den Laden kraeftig durchruettelt.

Es gibt Oekonomen denen das langsam daemmert.
Siehe auch:

Ob die Zeit aber noch reicht, die Betonkoepfe dafuer zu oeffnen und zur Ursachenbehebung zu bewegen, ist nach 30 Jahren erfolgreichen Indoktrination durch neoliberale Ideologien auf allen Ebenen und den Eliteschulen dieser Welt mehr als zweifelhaft.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

Grundgesetz Artikel 14:
1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.


Damit sollte klar sein, dass die Banken und ihre Manager wie z.B. Alexander Dibelius (Goldman Sachs)
http://www.focus.de/finan...
ein Fall fuer den Verfassungsschutz darstellen.

Die Verfasser des Grundgesetzes stand unter dem Eindruck der schlimmsten Katastrophe des vergangenen Jahrhunderts. Entsprechend weise sind die Artikel des Grundgesetzes formuliert.
Sie wussten, das staatlich garantierte exklusive Eigentumsrechte eine hohe Verantwortung an diejenigen uebertragen, die sie in Anspruch nehmen.
Hitler haette nie an die Macht kommen koennen und den 2.Weltkrieg fuehren koennen, wenn die Eigentumer der Produktionsmittel ihn dabei nicht unterstuetzt haetten. Daher zur ewigen Erinnerung Artikel 14,2.
Diese Verantwortung und die im Grundgesetz definierte Verpflichtung, die aus dem Erwerb von Eigentum hervorgeht wird heute wieder in grossem Umfang von Eigentuemern und deren Managern bestritten. Sekundiert werden sie dabei von Politikern, die einer neoliberalen Ideologie anhaengen.
Global betrachtet fuehrt diese Art des verantwortungslosen Umgangs mit exklusiven Eigentumsrechten unter anderem zu 26000
Hungertoten TAEGLICH. Auf die BRD bezogen ist das Resultat dieses in der BRD verfassungswidrigen Verhaltens die Ausgrenzung von Millionen aus dem Erwerbsleben und deren Abschiebung in die staatliche Alimentierung.
An Herrn Westerwelle gerichtet, kann ich nur sagen. Er verwechselt Ursache und Wirkung. Es ist wohl eher der verfassungswidrige Umgang mit Eigentum in diesem Land das ausloesende Problem, als die Unterstellte Dekadenz der Hartz 4 Empfaenger.
Die geistige Rezession der Eliten seit der geistig moralischen Wende ist der wirtschaftlichen Rezession vorausgegangen.
Global betrachtet haben 30 Jahre Dominanz neoliberaler Ideologien verheerende Auswirkungen gezeitigt. Die wirklich relevanten, existenziellen Probleme wie z.B. Hunger, Energiekonzept aber auch Arbeitslosigkeit wurden zu gunsten einer sehr einseitigen Interpretation der exklusiven Eigentumsrechte (z.B. Shareholder Value Konzept) ignoriert.
Sie stehen aber dennoch wie riesige Elefanten im Raum.
Wie man 26000 Hungertote TAEGLICH oder ein seit 30 Jahren wachsendes Millionen Heer von Arbeitslosen ignorieren kann, ist mir vollkommen schleierhaft.
Wenn Bruder Barnabas dies sehr drastisch karikiert, dann zu recht.
Wenn Herr Westerwelle derart beleidigt reagiert, dann belegt das nur wie inhaltlich berechtigt die Kritik ist. Es sind die selbstimmunisierenden Elemente der neoliberalen Ideologien, die dazu fuehren, das sich die inhaltlich berechtigte Kritik
sich zwangslaeufig immer drastischere Formen der Artikulation sucht. Sie will nicht nur gehoert werden, sie verlangt nach Loesungen.
Es ist allerhoechste Zeit, dass die Eliten ihre auf Dauer unhaltbare Position aufgeben, indem sie sich der Kritik oeffnen und ihrer in der deutschen Verfassung verankerten Verpflichtung entsprechen. Das Grundgesetz sagt in seiner Weisheit nicht, das die Allgemeinheit den Eigentuemern verpflichtet ist. Sondern es verlangt Eigentum zu respektieren und seinen Gebrauch durch die Eigentuemer so zu gestalten, das es der Allgemeinheit dient. 

Sapere Aude!

Georg Trappe

Dienstag, 9. März 2010

Wenn die Grenzertraege einer Volkswirtschaft negativ werden


wird das System Wirtschaft instabil und erreicht einen sog. kritischen Punkt. Siehe Theorie komplexer System.
Wer glaubt mit Zins und Geldpolitik alleine das System stabilisieren zu koennnen irrt. Der Pfad der eingeschlagen wurde fuehrt wahrscheinlich ueber weitere Bifurkationen in einen qualitativ stark veraenderten oder vollkommen anderen Zustand.
Da die Mainstreamwirtschaftslehre es bisher abgelehnt hat Wirtschaft als ein disspatives System (=dynamisch nichtlineares System), das weitab von Gleichgewichten ist, zu betrachten, hat sie keine Werkzeuge um mit der aktuellen Situation zielgerichtet umzugehen. So wie sie nicht in der Lage war die Probleme fruehzeitig zu erkennen, ist sie jetzt nicht in der Lage eine wirkliche Stabilisierung herbei zu fuehren.
Daher gilt traurigerweise der Satz:
Geschichte wiederholt sich so lange, bis das notwendige Verstaendnis hergestellt ist.
Sapere Aude!
Georg Trappe

Montag, 8. März 2010

Geschichte wiederholt sich bis das notwendige Verstaendnis hergestellt ist

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht (angeblich*) in "Die Weltbühne"

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht!

*20.Aug.2012: Vielen Dank an meinen Freund Norbert, der mich auf diese "Andichtung", auf die auch ich rein gefallen bin, aufmerksam gemacht hat. Was lerne ich daraus?
Rohdaten und Quellen Check nicht vergessen!

Sonntag, 7. März 2010

Was waere wenn?

Was waere wenn die Investoren zu dem Schluss kaemen, dass die Ertragsfunktion einer Volkswirtschaft einen Wendepunkt durchlaufen hat und vom konvexen Bereich in den konkaven Bereich uebergegangen ist? (=sinkende aber noch positive Grenzertraege)
1) Die Investoren wuerden Druck auf den Staat aus ueben und Steuersenkungen durchsetzen und den Abbau von Sozialleistungen fordern.
2) Die Investoren wuerden Rationalisierungen durchsetzen, um die Produktivitaet zu maximieren und die Zahl der Arbeitslosen wuerde kontinuierlich steigen.
3) Die Investoren wuerden einen Reigen von M&A Aktivitaeten eroeffnen um "Synergien zu heben".
4) Und die "Mutigsten" wuerden ihre Hoffnungen auf eine "New Economy" setzen in der die Grenzertraege wieder steigen.
6) Der Leitzins wuerde sinken.
=1980 bis 2000
Was waere wenn die Investoren zu dem Schluss kaemen, das die Ertragsfunktion einer Volkswirtschaft ihr Maximum ueberschritten hat und die Grenzertraege negativ werden?
1) Die Nettoinvestitionen wuerden auf nahe 0 sinken.
2) Die Investoren wuerden Druck auf die Belegschaften ausueben und Reallohnsenkungen durchsetzen.
3) Die bestehenden Investionen wuerden "restruktiert" um den Return on Assets zu maximieren. z.B. Verkauf von Immobilien und zurueck mieten oder "Leveraged Buyouts" zur Maximierung des Eigenkapitalhebels mit "billigem" Notenbankgeld.
4) Die Investoren waeren verleitet ins Kasino zu gehen um mit den noch fliessenden Ertraegen in Nullsummenspielen ihr Glueck = Rendite zu suchen.
5) Die Investoren wuerden “junge” Volkswirtschaften begluecken, deren Ertragsfunktion noch im konvexen Bereich ist. (=steigende Grenzertraege)
6) Der Leitzins wuerde sich Null annaehern.
=2000 bis 2010
Wie das mit Geld und Zinspolitik behoben werden soll,  ist mir nicht klar.
Warum kommen negative Grenzertraege in der VWL so gut wie nicht vor?
Weil es sie nicht gibt? Oder weil das Thema sehr unangenehm ist und ein unloesbares Problem beschreibt? Oder habe ich etwas uebersehen?

Sapere Aude!

Georg Trappe

Montag, 1. März 2010

Origami

Hallo Norbert,

an Origami kann ich nichts verkehrtes erkennen. Aber ich denke ich weiss,
was Du meinst. Du fragst nach dem Naehrwert.
Den versuche ich nochmal in ein paar mehr oder weniger schlichte Worte zu fassen.

Ich denke die Theorie komplexer Systeme hilft ein besseres Verstaendnis fuer
Vorgaenge wie z. B. eine Wirtschaftskrise zu erreichen. Ein besseres Verstaendnis
hilft hoffentlich solche Fehler in der Zukunft zu vermeiden.

Immerhin waere neben ein paar Banken das weltgroesste Versicherungsunternehmen
zusammengebrochen, haette der Staat nicht Mrd. zugeschossen. Warum also hat die gaengige Versicherungsmathematik im Fall von AIG und CDS's versagt?

Antwort: Weil der erste Satz einer jeden Wahrscheinlichkeitsrechnungs
Grundlagenvorlesung missachtet wurde. Wahrscheinlichkeitsaussagen gelten
NUR bei von einander unabhaengigen Ereignissen. Sicherlich haben die AIG Mathematiker
Korrelationen ueberprueft. Aber sie haben schlicht uebersehen, das in komplexen
Systemen Korrelationen nicht zeitinvariant sind. Vielmehr ist es so, dass beim
Erreichen von kritischen Punkten auf einmal alle Gasmolekuele, die sich bis dahin
stochastisch unkorreliert der Brownschen Bewegung hingegeben haben, schlagartig "wissen"
das jetzt von Waermeleitung auf Konvektion umgeschaltet wird und sozusagen im
Gleichschritt zirkulierende Stroemung angesagt ist und eben nicht mehr unabhaengiges
brownsches Hin und Her. Du wuerdest diesen Phasenuebergang wahrscheinlich als
Massenphenomen bezeichnen. Die gleichen Aktienprofis die am Freitag
noch horrendes Geld fuer den Erwerb von Aktie xyz bereitgestellt haben, wissen
am Montag das Verkaufen angesagt ist = Panik.
Die gleichen Haendler, die Jahre lang am Interbanken Geldmarkt kurzfristiges
Geld hin und her geschoben haben wissen schlagartig alle am gleichen Tag,
das einander nicht mehr zu vertrauen ist und der Geldmarkt ist von heute auf
morgen trocken.

Kein gaengiges stochastisches Modell beruecksichtig soetwas. Auch die
DSGE Modelle der Notenbanken nicht und die versicherungsmathematischen
Modelle erst recht nicht. Es kommt in den tollen Spreizblaettern dieser Welt,
die alles zu optimieren suchen einfach nicht vor. D.h. aber nicht, das es das
nicht gibt und daher halte ich das Origami der Theorie komplexer Systeme
fuer relevant und brand aktuell. Die Ignoranz und hartnaeckige Negierung
der Relevanz durch die Mainstream Oekonomen ist allerdings beaengstigend.

Wenn ich mir anschaue mit welch primitiven statischen Modellen angehende
Volks- und Betriebswirte gehirngewaschen werden, laeuft es mir eiskalt den
Ruecken runter. Nehmen wir mal das schoene IS LM Model wo durch
vier Quadranten gejagt die "Regelung" des Geldmarktes und Zins bzw des
dargestellt wird.

Darin wird so getan als wuerde die Regelung mit unendlicher Geschwindigkeit
von statten gehen. Das durch eine reale Verzoegerung (die Klimmzuege ueber
sticky prices und sticky wages amuesieren mich jedesmal) im Regelkreis,
also einer endlichen Antwortzeit auf externe Stoerungen, aber bei einer
dynamischen Betrachtung  aus der stabilisierenden Gegenkopplung eine
alles aufschaukelnde Mitkopplung werden kann, kommt nicht vor.

Wer auf Basis solcher primitiver Vorstellungen in einer hoch dynamischen
Umgebung wirtschaftliche Entscheidungen faellt muss zwangslaeufig Fehler
machen.

Ich habe es in meiner Branche oft genug erlebt, wie hochintelligente Menschen
blind ihren Modellen und Simulationen vertraut haben und nur die komischen
Fragen eines erfahrenen Graurueckens das Versenken von hunderten
tausend $ verhindert haben.
In der heutigen IC Entwicklung geht garnichts mehr ohne Simulation am Computer.
Grundlage der Simulation sind ausgefeilte Modelle der
Bauteile, die zu hoch komplexen Schaltungen zusammengefuegt werden.

Ein Klassiker ist die Spannungsversorgung der Schaltung. Hier wird in
der Simulation regelmaessig eine ideale Batterie angeschlossen.
Zwar wird noch ueberprueft ob die Schaltung auch bei Nennspannung +/-10%
funktioniert aber regelmaessig wird von jungen Ingenieuren "vergessen"
das Verhalten in Abhaengigkeit von dynamischen Versorgungsspannungsaenderungen
zu ueberpruefen.

Dazu gehoeren realistisches Ein- und Ausschalten der Versorgungsspannung sowie
ein mit der Batterie in Reihe geschalteter Sinusgenerator der in Frequenz und
Amplitude variiert wird um das verhalten bei dynamischen Stoerungen zu ueberpruefen.
Ich weiss nicht wieviele wunderbare ICs auf dieser Welt fuer teueres Geld
entwickelt und produziert wurden, nur um festzustellen, das es auf dieser Welt
keine idealen Batterien gibt.
Ich vermute einige = sehr teures Lehrgeld.

Das offenbar die gesamte Wirtschaft am blinden Vertrauen auf primitive, unrealistische
Modelle haengt, ist mir unbegreiflich. Das das von den Mainstream Oekonomen
und den neoliberalen Besserwissern nicht nur bestaetigt sondern auch noch verteidigt
wird, ist der absolute Hammer.

Sapere Aude!

Georg

P.S.: Prof. Colander scheint es zu daemmern und er versucht sehr vorsichtig
die Betonkoepfe fuer diese Einsicht zu oeffnen. Siehe:

und