Dienstag, 23. November 2010

In der Gefangenschaft einer Gleichgewichtstheorie?

Mit diesem Eintrag moechte ich Ihnen nahe bringen, warum es wichtig ist, ausserhalb gewohnter Bahnen zu denken und sich so aus der Gefangenschaft bestehender Theorien zu befreien.
Sie erinnern sich sicherlich noch an die Oelpreisexplosion im Jahre 2008. Es gab damals den Verdacht, dass es dabei nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Nobelpreistraeger Paul Krugman fuehlte sich seiner Zeit berufen in seiner Columne in der NYT  diesem Verdacht entgegenzutreten, indem er das Fundament der Wirtschaftswissenschaften, die Marktgleichgewichtstheorie, heranzog (1).  Ich habe damals und seitdem mit Freunden die Moeglichkeit diskutiert, dass Herr Krugman sich des Braess Pradoxons (2) nicht bewusst ist. Dieses Paradoxon ist eigentlich kein Paradoxon, sondern ist eine auf Intuition beruhende Fehleinschaetzung, die den Unterschied zwischen einem Gleichgewicht und einem Optimum ignoriert (3).  Koennte es sein, das Herr Krugman Gefangener einer fragwuerdigen Theorie ist
und so seiner Intuition folgend der Welt erklaert hat, das nicht sein kann, was nicht sein darf?
 Ich kann mir, im Gegensatz zu Herrn Krugman, sehr leicht vorstellen, wie Goldman Sachs und Co ein Braess Paradoxon schaffen (lassen), um so  Investoren, die den Unterschied zwischen einem Gleichgewicht und einem Optimum nicht kennen,  zu erleichtern.

Sapere aude!

Georg Trappe




Montag, 22. November 2010

Die Qualitaet des Preisbildungsprozesses der Maerkte




In der Halbleiterei ist die statistische Prozesslenkung (2) das A&O der Qualitaetssicherung. Um sowohl hohe Fertigungsausbeute als auch gleichbleibend hohe Qualitaet der Endprodukte (z.B. Computerchips) zu sichern, werden die Schluesselparameter des Fertigungsprozesses staendig kontrolliert. Nicht nur der absolute Wert relativ zu einem Sollwert ist von Interesse sondern auch die Schwankungsbreite des kontrollierten Parameters steht im Fokus. Der Grundgedanke dabei ist, das nur ein qualitativ hochwertiger Prozess (= geringe Schwankungsbreite seiner Schluesselparameter) auch reproduzierbar hochwertige Endprodukte erzeugen kann. Die Schwankungsbreite ist also ein Mass fuer die Prozessfaehigkeit zuverlaessig, reproduzierbar, qualitativ hochwertige Endprodukte zu erzeugen. Wenn man nun diesen Gedanken auf den Preisbildungsprozess an den Maerkten anwendet, rueckt die Schwankungsbreite oder Bertrag der taeglichen Preisfluktuationen (1) in den Mittelpunkt des Interesses. Zu diesem Zweck habe ich sowohl den DAX wie auch den DowJonesIndustrial und Gold einer entsprechenden Analyse unterzogen. 
Das Ergebnis sehen sie in den obigen Grafiken. Dargestellt ist der gleitende Durchschnitt ueber ein Jahr, der taeglichen Schwankungsbreite des Preisbildungsprozesses.  Bemerkenswert ist, wie akzentuiert, trotz der Mittelwertbildung ueber ein Jahr, Phasen hoher Qualitaet (=geringer Schwankungsbreite) sich von Phasen niedriger Qualitaet (=hoher Schwankungsbreite) unterscheiden. Man koennte meinen die "Schlamperei" beginnt auf Kommando. 
Weiterhin ist das Ausmass der "Schlamperei" beeindruckend. Der Faktor 3 ist bei den betrachteten  Maerkten in Bezug  auf die Prozessqualitaet der Preisbildung = Bewertung offensichtlich locker drin. Wenn nun die Konzernkapitaene bei der Fuehrung ihrer Unternehmen
im Rahmen des Shareholder Value Konzepts einem Hoehenmesser vertrauen, dessen Anzeigequalitaet /  Genauigkeit um den Faktor 3 fluktuiert, dann darf man sich weder ueber die eine oder andere Bruchlandung noch ueber den Zustand der Wirtschaft als Ganzes wundern.

Sapere Aude!

Georg Trappe

(1) y=abs(Kursheute-Kursgestern)/Kursheute
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Statistische_Prozesslenkung

Sonntag, 21. November 2010

Heureka!


Auch das Programm Eureqa  (1), das am Cornell Computational Synthesis Laboratory entwickelt wird und auf einem sog. genetischen Algorithmus zur symbolischen Regression aufbaut, findet
 das "log periodic power law" in der Goldpreisentwicklung der letzten Dekade. Und zwar unter anderem in der Form

y=f(ln(c-t))=
A + B*cos(2*pi*3f*(ln(c-t))+D) - E*(ln(c-t))*cos(2*pi*f*(ln(c-t))) - G*(ln(c-t))^2

mit c= kritische Zeit, t= Zeit in Monaten, f= Frequenz der Oszillation, pi= Kreiszahl 
und A=4.77, B=0.15, D=1.4, E=0.05, G=0.17

Die so gefundene Regression ist oben in blau dargestellt. Rot dargestellt sind die Monatsdurchschnittspreise fuer Gold in US$, wie sie z.B. in den Statistiken der Bundesbank zu finden sind. Ich persoenlich denke, das Prof. Didier Sornette mit seinen Thesen einen Schritt zu weit geht, wenn er den Crashzeitpunkt voraus berechnen will. Allerdings teile ich seine Meinung, wenn es um die Bedeutung der Signatur des LPPL als Indikator fuer einen sich anbahnenden Crash geht, wenn gleich die eindimensionale Betrachtung eines Preises ueber Zeit, auch wenn es der Goldpreis ist,  in meiner Vorstellung nicht ausreichend ist, um ein komplexes System wie Wirtschaft und seine Zustandsaenderungen in einem hoch dimensionalen Phasenraum grundlegend zu verstehen. Prof. Sornette's Arbeit koennte da ein erster, laengst ueberfaelliger Schritt in eine Richtung sein, der den Blick dafuer frei macht.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 10. November 2010

Goldblase

Gold Bubble engineered by Zoellik & Goldman Sachs




Die Signatur des Log Periodic Power Laws (rot) ist deutlich im Verlauf der Monatsdurchschnittspreise in US$ (grau, normiert auf den Stand 01/2000) zu erkennen. Die Anpassung des LPPL  Parametervektors wurde mit Hilfe des Levenberg Marquardt Algorithmus (kurz LMA)
vorgenommen.
Lesen Sie dazu auch bitte (LPPL, die Formel gegen den Absturz)
Den aktuellen Vorschlag des Weltbank - Chefs Zoellik zu einem neuen Goldstandard sollten Sie im Licht dieser bemerkenswerten Untersuchungen und unter Beruecksichtigung der Tatsache, dass es sich bei Zoellik um einen ehemaligen Goldman Sachs Mitarbeiter handelt wuerdigen.

Sapere Aude!

Georg Trappe 

Wer sich dafuer interessiert, welche "Mechanik" hinter dem rapiden Vertrauensverlust, der sich in dieser Preisentwicklung manifestiert, steckt, kann das hier nachlesen.



Dienstag, 9. November 2010

Neuer Goldstandard, die Formel gegen den Absturz?

Kein geringerer als der Weltbankchef Zoellick kommt mit dem revolutionaeren Vorschlag eines neuen Goldstandards zur Ueberwindung der Weltwirtschaftskrise zum Vorschein.(1) Das sollte man ernst nehmen! Denn es belegt einmal mehr die Konzeptions- und Ratlosigkeit fuehrender Oekonomen. Anstatt einzugestehen, dass die seit drei Jahrzehnten von Ihnen verbreiteten und vorherrschenden wirtschaftlichen Dogmen der neoliberalen Ideologien die Weltwirtschaft in einen instabilen Zustand getrieben haben, versucht man, nachdem die Standardloesungen dieser Ideologie offensichtlich nicht greifen, sein Glueck mit dem Rueckgriff in die Mottenkiste, indem man dem irrationalsten "Wertkonservator" in Form eines inerten Edelmetalls namens Gold wieder die Rolle des Wertgaranten zuschreiben moechte. Wie fragwuerdig dieser Vorschlag ist, wird deutlich, wenn man die Goldpreisentwicklung mit den modernsten zur Verfuegung stehenden Methoden analysiert (2). Die Erkenntnis, dass die Signatur des "log periodic power laws"(LPPL), die bisher zuverlaessigste Vorhersagemoeglichkeit fuer eine Blasenbildung und damit fuer einen potentiellen Crash darstellt, wirft ein bemerkenswertes Licht auf den Vorschlag des Weltbankchefs. Denn der Goldpreis zeigt seit einigen Jahren genau diese Signatur. Steht also die Goldblase kurz vor ihrem Zusammenbruch? Und wie ist vor dem Hintergrund dieser Frage, der Vorschlag des Weltbankchefs zu bewerten? 

Die Theorie die hinter dem LPPL, das unter anderem in der Erdbebenforschung eine Rolle spielt, steht, ist einleuchtend. Die Energie einer Schwingung steigt nicht nur mit ihrer Amplitude sondern auch mit ihrer Frequenz (Beispiel: Ultraschallbad). Wenn nun nicht nur die Amplitude
sondern auch die Frequenz einer solchen Schwingung exponentiell waechst, dann waechst ihre
Energie extrem. Eine Struktur, in der eine solche Schwingung entsteht, ist extremem Stress ausgesetzt. Das LPPL gilt daher auch als Vorbote eines Phasenuebergangs, oder eben eines Erdbebens. Ein dramatischer, da schlagartig auftretender, Wechsel der Qualitaeten der makroskopischen Eigenschaften eines nichtlinearen dynamischen = komplexen Systems. 
Wer Wirtschaft aus der Sicht der Theorie komplexer Systeme betrachtet, wird daher die Bedeutung des LPPL erkennen. Dies scheint aber den fuehrenden Oekonomen, aus welchen Gruenden auch immer, nicht moeglich zu sein, denn sonst kaemen sie wohl nicht auf die Idee
ausgerechnet Gold, andem sich zur Zeit deutlichst das LPPL manifestiert als "neuen" Wertsicherungsstandard fuer Waehrungen vorzuschlagen.
Ich beobachte die Entstehung der LPPL Signatur beim Goldpreis seit einiger Zeit mit grosser Sorge. Aber sie ist nicht das einzige Anzeichen dafuer, dass wir vor grossen Umbruechen in der Weltwirtschaft stehen. Ein weiterer von den Mainstream Oekonomen uebersehener aber zuverlaessiger vorlaufender Indikator fuer wirtschaftliche Grossereignisse im Format einer Weltwirtschaftskrise ist die Entwicklung der Konzentration der Einkommen in den Haenden einer kleinen Zahl von Wohlhabenden (3). Dies ist nur durch eine massive Vermoegensakkumulation  in den Haenden der oberen 1% zu erklaeren, wie sie auch durch aktuelle Studien (4) belegt ist. 

Welche unterschwelligen sozialen Spannungen durch diese  Verhaeltnisse erzeugt wurden, ist leicht vorstellbar. Wenn diese Spannungen nun noch durch eine hyperdynamischen Schwingung der Art LPPL ueberlagert werden und am durch neoliberale Dogmen mehrfach ueberbestimmten Kaefig ruetteln, weil die problemverursachenden 1%  aus einem Angst getriebenen Reflex heraus grosse Teile ihrer gigantischen Vermoegen in aus  vollkommen irrationalen Gruenden als werthaltig eingestufte Edelmetalle umschichten, dann wird der befuerchtete Zusammenbruch zu einer sich selbsterfuellenden Prophezeiung.
Und dann bewirken absurde Vorschlaege der oben genannten Art nichts, ausser einer weiteren Verstaerkung  einer ohnehin schon beaengstigenden Destabilisierung. Wer die durch hunderte von Milliarden erkaufte Zeit ungenutzt verstreichen laesst, ohne die ursaechlichen Probleme der Krise zu beheben, rettet die Welt auch nicht mit der Wiedereinfuehrung eines Goldstandards.

Saper Aude!

Georg Trappe