Mittwoch, 29. Dezember 2010

Hinweise

Nun, mancher wird sich wohl gefragt haben, was soll das mit dem komischen Quiz?

Nun die erste Gleichung ist eine verkuerzte logistische Gleichung (Verhulst), die demonstrieren soll, wie schnell es unuebersichtlich es wird, wenn eine Nichtlinearitaet im Spiel ist.

Das zweite Gleichungssystem ist ein Raeuber Beute Model (Lotka, Volterra), das bei entsprechender Wahl der Parameter
unter anderem eine Oszillation der Populationen von Raeuber- und Beutetieren und ein paar weitere hoch interessante Eigenschaften, die sich nicht auf Anhieb erschliessen zeigt.

Das dritte Gleichungssystem ist eine interessante Erweiterung/Modifikation des Lotka Volterra Systems um eine dritte Spezies. Bei geeigneter Wahl der Parameter zeigt sich ein sog. Dynastic Cycle (Feichtinger), der z.B. Aufstieg und Untergang chinesischer Dynastien beschreiben koennte. Viel haeufiger zeigt sich aber chaotisches Verhalten.

Das Ganze ist nicht wirklich neu. Aber interessant fand ich in diesem Zusammenhang, wie Wirtschaftswissenschaftler (Physiker der Sozialwissenschaften) solche Grundlagen der Erforschung nichtlinearer Systeme aufnehmen.

Denn wenn mich nicht Alles taeuscht zeichnet sich auch ein Neuron durch eine nichtlineare Uebertragungsfunktion aus und von denen soll es ja das eine oder andere plus ein paar Rueckkopplungen in diversen Koepfen wirtschaftlich aktiver Zeitgenossen geben.

z.B. die US FED

http://research.stlouisfed.org/wp/1991/91-002.pdf

Zwar schon etwas aelter aber wohl immer noch representativ fuer den Mainstream neoklassischer Praegung.

Aktueller, dafuer etwas aufgeschlossener

http://democrats.science.house.gov/Media/file/Commdocs/hearings/2009/Oversight/10sep/Colander_Testimony.pdf

Montag, 27. Dezember 2010

Quiz fuer Freunde des Kaffeesatzlesens

In der Zeit um den Jahreswechsel haben Kaffeesatzleser Hochkonjunktur.
Das mag entweder daran liegen, das sich jedes Angebot seine Nachfrage schafft,
was ich persoenlich fuer einen massiven Machtanspruch halte und mich irgendwie
an die Mafia und deren Angebote, die man nicht ablehnen kann, erinnert.
Oder aber daran, dass das Beduerfnis nach Vorhersagen, seit der Erfindung des
ewigen Lebens ueber den Tod hinaus, endlos zu wachsen scheint.
Wie dem auch sei, der Traum eines jeden Mainstream Wirtschaftswissenschaftlers
scheint um Neujahr in Erfuellung zu gehen, indem die Nachfrage nach
und / oder das Angebot von einer wertlosen aber hoch dotierten Dienstleistung
aehnlich der Nachfrage und dem Angebot nach bzw. von Feuerwerken Jahr fuer Jahr
neue Rekorde bricht, um so noch dem Gluecksindikator BIP in den letzten und
ersten Tagen des Jahres auf die Spruenge zu helfen.

Nun zum Quiz.

Wer erkennt auf Anhieb den Verlauf einer Zahlenreihe in Abhaengigkeit vom
Parameter G, die nach folgendem Bildungsgesetz gebildet wird?

X(n+1)=X(n)*[G-X(n)]

fuer n=0,1,2,3,4,.... und X(0)>0 und G>0

Oder wer erkennt auf Anhieb den zeitlichen Verlauf eines Systems und seine
Abhaengigkeit von den Parametern (A,B,C,D), das durch die folgenden
gekoppelten Differentialgleichungen beschrieben ist?

dx/dt=x*(A-By)
dy/dt=-y(C-Dx)

Oder wer erkennt den zeitlichen Verlauf in Abhaengigkeit von den
Parametern (A,B,C,D,E,F,G) eines einfachen oekonomischen Modells
(x=Arbeiter, y=parasitaere Kapitalisten, z=wahre Unternehmer) der
folgenden Form?

dx/dt=x*[1-x-y/(B+x)-A*z]
dy/dt=Cy*[E*x/(B+x)-1-z/(D+y)]
dz/dt=F*[x*y/(B+x)-Gz]

Nun wenn Sie nicht zu denen gehoeren, die diese Fragen auf Anhieb
richtig beantworten koennen, dann wenden Sie sich doch bitte an den
Politiker ihres Vertrauens und/oder dessen wirtschaftspolitischen Berater,
denn die muessten es doch wissen. Oder?

Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Phatogenese ein Weg zur Ätiologie

Wenn man die aktuelle Gemengelage analysiert, ist sie verblüffend ähnlich derer in Frankreich vor der französischen Revolution.

1.) Dauerhafte Finanzprobleme der Krone. Erstmals veröffentlich durch Jacques Necker 1781.

2.) Eskalierender Reformstau verursacht durch eine Blockadehaltung der Eliten, die einen Rückgriff auf ihre Pfründe fürchteten.

3.) Sich zuspitzende Existenznöte in den armen Teilen der Gesellschaft durch Missernten und ungerechte Verteilung der Lagerbestände. Inflation des Brotpreises.

4.) Aufklärung und ein erwachendes politisches Bewusstsein. Diese ist aber z.Zt. durch ein mediales Trommelfeuer ohne gleichen, das jede aufkeimende Vernunft in Schutt und Asche bombardiert, stark behindert.

Wenn man nun in Anlehnung an die Mediziner eine Phatogenese versucht, und ich halte ein solches Vorgehen für gerechtfertigt, da ich eine Gesellschaft für einen lebendigen
Organismus halte, der Opfer krankhafter Entwicklungen werden kann, dann kann man daraus womöglich auf Ursachen schliessen und so zu einer erfolgversprechenden Therapie kommen. Eine analytische Rückschau auf vorangegangene Krankheiten (s.o.)
erscheint mir dabei ebenfalls hilfreich, zumal es verdächtig nach einer ermüdenden Wiederholung aussieht. Salopp: Die Geschichte wiederholt sich solange, bis das notwendige Verständniss hergestellt ist oder das Verstaendnis mangels Menschheit nicht mehr benoetigt wird.
Worin aber besteht das krankmachende fehlende Verständniss?
In meiner Analyse komme ich zu folgenden Feststellungen. Die Erfinder der Demokratie als Staatsform konnten sich mit Sicherheit keine Nationalstaaten mit zig Millionen oder gar hunderten von Millionen Bürgern vorstellen. Und die Aufklärung, die da schon eher eine Ahnung hätte haben können, hat zwar Machtkonzentration als ursächliches Übel erkannt und daher konsequenterweise die Gewaltenteilung als Lösung vorgeschlagen. Allerdings war die Weitsicht der Aufklärer in Bezug auf Wirtschaft beschränkt und im wesentlichen auf den Staat gerichtet. Wie hätten sie sich auch vorstellen sollen,  welche Machtkonzentrationen in der Wirtschaft durch die industrielle Revolution möglich werden sollten. Und wie hätten sie sich vorstellen sollen, das gewählte Volksvertreter sich so bereitwillig durch eine fünfte Macht (Banken "too big to fail") kaltstellen lassen.
Die Aufklärer haben also in Bezug auf das Staatswesen Ursachen erkannt und entsprechende therapeutische Massnahmen vorgeschlagen. In Bezug auf Wirtschaft wurde dies aber nicht geleistet. Vielmehr herrscht, vereinfacht ausgedrückt, nachwievor die Vorstellung vor, das Grösser gleich Besser ist. Das ist aber falsch und übersieht die Tatsache, daß Wachstum über eine bestimmte Grösse hinaus negative, krankmachende Folgen für die Entwicklungsqualität der Wirtschaft und damit für die Gesellschaft als Ganzes hat. So gesehen fehlt es an einem Verständnis und in Folge davon natürlich auch an einem mehrheitsfähigen Konsens darüber, welche Wirtschaftsverfassung helfen würde, um die bekannten Leiden zu kurieren oder zumindest zu lindern. Hier ist die Avantgarde also gefordert einen Gegenentwurf auf die Beine zu stellen, der , wenn das grosse Köpferollen schon nicht vermieden werden kann, danach an die Stelle des bisherigen falschen Verständnisses treten kann.
In Anlehnung an die Aufklärer denke ich mit Blick auf eine solche neue Wirtschaftsverfassung, daß das, was für das Staatswesen so hilfreich und ja nahezu erlösend war, für die Wirtschaft nicht so verkehrt sein kann.
Konkret:
Gesetze die Unternehmen zwingt sich bei Erreichen einer bestimmten Grösse (grösser 1000 Mitarbeiter, grösser 1 Mrd Jahresumsatz) aufzuspalten und Gesetze die die
Vererbung von akkumuliertem Vermögen über eine bestimmte Höhe (1 Million) hinaus unterbinden, erachte ich als vielversprechend. Auch dann, wenn auf den ersten Blick dadurch Dinge unmöglich wuerden, an die wir uns alle sehr gewöhnt haben. Ich vermute aber, da bei einer derartigen Wirtschaftsverfassung dezentrale Strukturen entstehen, die nicht nur ein menschliches Ausmass haben, sondern auch Redundanzen etablieren und sich durch verteilte Intelligenz, im Gegensatz zu zentralisierten Vorstellungsmonopolen, auszeichnen, daß so vielmehr möglich würde, als wir es uns heute vorstellen können. In Bezug auf eine qualitativ hochwertige Entwicklung der Wirtschaft und damit der Gesellschaft bin ich mittlerweile überzeugt davon, das weiterführende Gedanken und vor allen Dingen Taten in diese Richtung Früchte tragen wuerden.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Und hier Belege fuer die seit drei Jahrzehnten erfolgreiche Re-Feudalisierung, ausgehend ausgerechnet von der Nation, die sich als erste der Moderne eine demokratische Verfassung gegeben hat.

US Wealth Gap
US Income distribution 

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Ein Hinweis auf die Richtung in die es z.Zt. in USA laeuft.

Wer sich fuer die Vorgaenge in den USA interessiert und eine
gewisse Sensibilitaet gegenueber Tea Party Movement, Palin, Fox News,
Glenn Beck etc. entwickelt (hat), die immerhin Millionen vor die
Glotze locken und zig Tausende auf die Strasse, koennte sich auch
hierfuer interessieren.

http://www.thenation.com/article/156806/and-now-anti-semitism

Das ist vor diesem Hintergrund

http://rwer.wordpress.com/2010/11/23/usa-long-term-unemployment-5-graphs/

http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,728700,00.html

http://economix.blogs.nytimes.com/2010/07/30/are-we-a-nation-of-property-owners/

http://www.cbpp.org/cms/index.cfm?fa=view&id=3309

zu sehen. Dabei ist das letzte Schaubild unter dem letzten Link besonders interessant.Und wohin es fuehren kann, wenn eine "Supermacht"
entdecken muss, das sie garnicht so Super ist und das als Demuetigung
empfindet zeigt ein Blick zurueck in die deutsche Geschichte
(WK I, Vertraege von Versaille, etc.).
Sapere Aude!
Georg Trappe

Ein klassisches Beispiel. Die Pharmaindustrie.

Ein klassisches Beispiel in meinen Augen fuer die Verbohrtheit, sind die Zustaende in der Pharmaindustrie.
Und es ist kein Zufall, dass der Begriff der dissipativen Struktur von einem Chemiker gepraegt wurde. Ilya Prigogine hat die Bedeutung von Nichtlinearitaeten in diesem Bereich/Zusammenhang erkannt und gedeutet. Bis heute ist er, so wie es
aussieht, weitestgehend unverstanden geblieben.
Der Mensch ist eine dissipative Struktur.
Seine Gesundheit haengt von einem hochkomplexen Zusammenspiel nichtlinearer biochemischer Prozesse ab.
Die Pharmaindustrie versinkt bei ihren Anstrengungen im sich daraus
ergebenden "solution morass". Denn obwohl sich die Leistungsfaehigkeit
der Computer in den letzten 50 Jahren um den Faktor 10hoch9 gesteigert hat
(zur Kalibrierung des Daumens ueber den wir hier peilen:
wenn jeder der rund 6 Milliarden Menschen auf der Welt mit einem
Taschenrechner ohne jede Unterbrechung in jeder Sekunde eine Rechnung
absolvierte, müsste die gesamte Menschheit 21 Jahre arbeiten, um das zu
erledigen, was der IBM Roadrunner (2008) in einer Stunde bewältigt.)

und gleichzeitig die Zahl der in der Pharmaindustrie eingesetzten
Computer und sonstiger Hilfsmittel sich um einen aehnlichen Faktor
erhoeht und verfeinert hat und die Forschungsbudgets so ungeahnte
Hoehen erreichen und eine Konsolidierung in dieser Industrie in Form von
gigantischen M&A Aktionen erzwingt. Und dabei stehen die heute taetigen Forscher
in diesem Bereich auf den Schultern von Titanen, wie man so schoen sagt.
Und trotzdem erschliesst sich nicht das, was die Amerikaner "the next
big thing" nennen und wonach Alle wie besessen, man kann wohl sagen
krampfhaft suchen.

Warum?

Die Antwort ist einfach aber eben nicht akzeptabel, weil der fuer die
Menschen zentrale Lebensbereich Wirtschaft so strukturiert ist, das dies
auf keinen Fall geschehen darf.

http://georgtsapereaude.blogspot.com/2010/03/was-waere-wenn.html

Und daher "smoke and mirrors". Dieses sich winden und in komplizierten
Saetzen mit komplizierten Worten verschleiern. Dieses abrupte nicht zu
Ende denken von anerkannt intelligenten Menschen am entscheidenden
Punkt. Diese verschluesselten Nachrichten von Experten und
Moechtegernexperten. Dieses atomisieren von Atomen. Dieses infantile
Herumgedruckse. Dieses manchmal schon laecherlich anmutende
Herumphilosophieren um Wahrscheinlichkeiten, dass es vielleicht doch so
sein koennte, wie man es sich mal so schoen ausgedacht hat.
Anstatt also anzuerkennen, dass die "linearen" Faehigkeiten der Menschen
in einer ueberwiegend nichtlinearen Umwelt ihre Grenzen finden, und die
niedrig haengenden Fruechte der sog. "Moderne" bereits radikal, zum Teil
mit verheerenden Folgen, abgeerntet sind, verpasst man jede Chance, in
dem man sich der inzwischen schon zwingenden Erkenntnis verweigert und mit aller Macht versucht das Wasser zu erfinden, das den Berg hinauf fliesst.

Und dabei kann die Meditation bei der Betrachtung eines schoenen
Wasserfalls doch so entspannend und aufschlussreich sein.

So wie die Dinge liegen, wird mit aller Macht (und diese Macht ist
gewaltig! Das Problem verursachende 1% umfasst immerhin 60 Millionen
Menschen, die sich annaehernd 50% des weltweiten Vermoegens angeeignet
und unter ihre Kontrolle gebracht haben.) die zentrale Vorstellung der
vorherrschenden Wirtschaftstheorien, es gaebe ein Perpetuum Mobile
ewigen Fortschritts und ewigen Wachstums aufrecht erhalten, um den
unangenehemen Konsequenzen aus dem Weg zu gehen, die sich daraus
ergeben, dass dem nicht so ist.

Und in diesem Befund kulminiert meine Ursachenanalyse und reduziert sich
letztendlich auf einen kurzen Satz.

Vor lauter Intelligenz so dumm, das es duemmer nicht geht!

Sapere Aude!

Georg Trappe


Verpflichtung zur Humanitaet

Aus meiner Sicht ist die Verpflichtung zur Humanitaet, die Verpflichtung das menschliche Mass zu respektieren, der Dreh- und Angelpunkt, wenn ich den Blick von der Klagemauer weg hin zu  moeglichen Loesungen wende.
Wenn man zur Abwechslung mal vom Unwissen ausgeht und fuer einen Moment den Stolz auf das angeblich exponentiell wachsende Wissen vergisst. Wenn man zur Abwechslung mal den Ernstfall des Scheiterns zum Mass der Dinge erhebt und nicht den antizipierten Erfolg, dann kommt man zu etwas, was ich mal Ergonomie gesellschaftlicher, politischer und sozialer Verhaeltnisse genannt habe.
So wie es keinen Sinn machte, den Menschen in den Fabriken des Fruehkapitalismus mangelnde Festigkeit ihrer Gliedmassen vorzuwerfen, wenn diese von den vollkommen ungeschuetzten unergonomischen Maschinen meiner damaligen Kollegen abgerissen wurden, so macht es keinen Sinn den Menschen in unserer Gesellschaft mangelndes Wissen oder mangelnde Vernunft in Bezug auf die gesellschaftlichen, politischen und sozialen Prozesse vorzuwerfen.
Der Grund warum so viele Menschen sich nicht in das einbringen koennen, was so existenziell wichtig fuer sie ist, ist der Mangel an Ergonomie. Der Mangel am Respekt vor dem menschlichen Mass.
Dazu haben wir Ingenieure nicht unerheblich beigetragen.
Den groessten Vorwurf ueber die offensichtliche Respektlosigkeit gegenueber dem menschlichen Mass bei Bauwerken und Maschinen hinaus, den ich unserer Zunft dabei machen muss, ist der, dass wir eine wichtige Grundlage unseres "Erfolgs" nicht vermitteln. Und dies ist das Wissen ueber unser Unwissen in Bezug auf nichtlineare dynamische Systeme. Wir vermeiden Nichtlinearitaeten wie der Teufel das Weihwasser, weil wir uns der Unloesbarkeit der Probleme die daraus entstehen bewusst sind. Und wenn wir sie nicht vermeiden koennen, dann greifen wir auf Linearisierungen zurueck, die nur einen infinitesimal kleinen Geltungsbereich um den "Arbeitspunkt" fuer den wir sie machen haben.
Das Unheil, was wir durch das verschweigen unseres "Geheimrezepts" ausloesen, entsteht im wesentlichen in zwei Dimensionen. Zum einen entsteht ein Druck auf andere Bereiche, den diesem Geheimnis entsprungenen "Erfolgen" ebenbuertiges entgegen zusetzen. Daraus folgt z.B. eine Wirtschaftswissenschaft, die sich als Physik der Geisteswissenschaften versteht, und versucht Wirtschaft aus linearen Gleichgewichtsmodellen heraus zu erklaeren. Das das schief gehen muss, ist jedem Ingenieur, der sich mit den jaemmerlichen Grundlagen, auf denen die Kontrollillusion erzeugenden mathematischen Konstrukte der Wirtschaftwissenschaften aufbauen, auseinander setzt, sofort klar, wenn er sich die Muehe machen wuerde, mal einen Blick ueber den Zaun zu werfen.
Die zweite Dimension ist aber noch viel dramatischer. Denn trotz des Wissens ueber unser Unwissen ignorieren wir diesen blinden Fleck im grossen Stil, wenn wir unsere linearen Konstrukte in grosser Zahl, ueber lange Zeiten und inzwischen raeumlch global, in eine von Natur aus nichtlineare Welt setzen. Diese Ignoranz besteht darin, das wir wissen, das wir nicht wissen koennen, welche Auswirkungen diese massive Implementation linearer Konstrukte in eine nichtlineare Umwelt zeitigen wird. Und mit nichtlinearer Umwelt meine ich nicht nur die Natur im engeren Sinne sondern auch menschliche, gesellschaftliche, politische und soziale Systeme.
Sehr deutlich wird dies wenn wir uns das Glanzstueck der Ingenieurmethoden, die Finite Elemente Methode, auf ihre Faehigkeit Vorhersagen zu Vorgaengen zu machen, in denen die Bauteile massiv in den nichtlinearen Bereich hinein belastet werden, untersuchen.

Sie geht gegen Null.

Illustriert wird dies sehr schoen, wenn man sich die Bedeutung einer Entdeckung klar macht, die Edward N. Lorenz ca. 1962 machte. Er erkannte das Computer gestuetzte Vorhersagen des Wetters ein massives Problem darstellen, da das zugrundliegende aus "nur" drei gekoppelten nichtlinearen Differentialgleichungen bestehende System sehr empfindlich auf Anfangs- und Randbedingungen reagiert.
Seitdem hat sich die Rechenleistung der besten Supercomputer (lineare Maschinen) um den Faktor 1 Billion gesteigert. Die Computer gestuetzte Wettervorhersage wurde gleichzeitig bei etwas gutem Willen von 1 Tag auf 5 bis 10 Tage verbessert.
Mein Schluss daraus ist. Unsere linearen Faehigkeiten sind erstaunlich. Aber wenn wir den linearen Bereich verlassen, dann versagen unsere Methoden. Jede Abstraktion, jede Setzung, auch die einer Verfassung, ist aber eine Linearisierung. Sie funktioniert daher auch nur in der Umgebung (raeumlich, zeitlich, zahlenmaessig) in der sie geschaffen wurde. Die Ausdehnung dieser Linearisierungen ueber diese kleinen Distanzen hinaus, kann aufgrund der nichtlinearen Eigenschaften unserer Umwelt in weitesten Sinne nicht funktionieren. Sie muessen zwangslaeufig Unheil ausloesen, wenn sie mit diesem totalisierenden Anspruch auf globale Verhaeltnisse ausgedehnt werden. Daraus folgt fuer mich, Klein ist schoen!
Die "One Size Fits All" Loesungen der Weltbank, des IWF etc.
und die monokulturellen "Bigger Better King" Ansaetze sind zum Scheitern verurteilt. Auch dann wenn mit grosser Macht ihre Durchsetzung betrieben wird. Denn die Welt, in der wir leben, ist nun mal hauptsaechlich nichtlinearer Natur und daher sperrig gegen lineare Vergewaltigungen die aus einer Anmassung ohne Gleichen resultieren. Wir werden dies lernen und akzeptieren muessen, wenn wir nicht an unseren eigenen totalisierenden Utopien verbluten wollen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

The Solution Morass

In dem auf dieser Website des Department of Aerospace Engineering Sciences der University of Colorado at Boulder veroeffntlichten Skript habe ich diese sehr gute Beschreibung des Problems, das sich aus Nichtlinearitaet ergibt, gefunden.

"The Solution Morass

In nonlinear analysis the two FEM interpretations (mathematical and physical) are not equal in importance. Nonlinear analysis demands a persistent attention to the underlying physics to avoid getting astray as the “real world” is covered by layer upon layer of mathematics and
numerics.
Why is concern for physics of paramount importance? A key component of finite element nonlinear analysis is the solution of the nonlinear algebraic systems of equations that arise upon discretization.
FACT is:

The numerical solution of nonlinear systems in “black box” mode is much more difficult than in the linear case.
The key difficulty is tied to the essentially obscure nature of general nonlinear systems, about which very little can be said in advance. And you can be sure that Murphy’s law
(If something can go wrong, it will go wrong.) works silently in the background.
One particularly vexing aspect of dealing with nonlinear systems is the solution morass. A determinate system of 1, 1000, or 1000000 linear equations has, under mild conditions, one and only one solution.
The computer effort to obtain this solution can be estimated fairly accurately if the sparseness (or denseness) of the coefficient matrix is known. Thus setting up linear equation solvers as “black-box” stand-alone functions or modules is a perfectly sensible
thing to do. By way of contrast, a system of 1000 cubic equations has 31000 ≈ 10300 solutions in the complex plane. This is much, much larger than the number of
atoms in the Universe, which is merely 1050 give or take a few. Suppose just several billions or millions of these are real solutions. Which solution(s) have physical meaning? And how do you compute those solutions without wasting time on the others?
This combinatorial difficulty is overcome by the concept of continuation, which engineers also call incremental analysis. Briefly speaking, we start the analysis from
an easily computable solution — for example, the linear solution — and then try to follow the behavior of the system as actions applied to it are changed by small steps called increments. The previous solution is used as a starting point for the iterative solution-search procedure."

Und:

"Rough nonlinearities are characterized by discontinuous field relations, usually involving inequality
constraints. Examples: flow-rule plasticity, contact, friction. The local response is nonsmooth. Solution techniques for these problems are in a less satisfactory state, and case-by-case consideration is called for. The local and overall responses are generally path-dependent,
an attribute that forces the past response history to be taken into account.
The key difficulty is that conventional solution procedures based on Taylor expansions or similar differential forms may fail, because such Taylor expansions need not exist!
An encompassing mathematical treatment is lacking, and consequently problem-dependent handling is presently the rule. For this class of problems incremental methods, as opposed to incremental-iterative methods, still dominate."

Kurz gesagt:

Wenn es zu pfadabhaengigen nichtlinearen Phaenomenen kommt, dann ist das Feinste vom Feinsten, was die Ingenieurwissenschaften bezueglich dessen, was mit modernsten Supercomputern handhabbar ist, heute zu bieten haben, keinen Pfifferling wert.
Und die Mainstream Oekonomen versuchen die Wirtschaft mit linearen Gleichgewichtsmodellen zu erklaeren!
Und die demokratisch gewaehlten Volksvertreter glauben diesen Idioten! Und wir alle unterwerfen uns einer primitiven Zinseszinsrechnung aus bloeder Gewohnheit!
Ich fasse es nicht. Und ich begreife auch nicht die Mathematiker und Physiker, die sich in den Dienst
eines solchen Unterfangens stellen. Weiterhin begreife ich auch nicht, wie Naturwissenschaftler und
Ingenieure, denen obiges aus der taeglichen Arbeit bewusst ist, Oekonomen und Politiker widerspruchslos
bei diesem haarstraeubenden Akt gewaehren lassen koennen. Manchmal frage ich mich schon,
bin ich verrueckt oder sind grosse Teile meiner Umgebung verrueckt? Denn der Punkt ist, wer die Vorstellungen, Modelle und Methoden die gluecklicherweise auf die 0,1% der Faelle passen in denen sie erfolgreich angewendet werden koennen auf die 99,9% der sich evolutionaer = pfadabhaengig nicht linear enstandenen Welt anwendet, ist zwangslaeufig zum Scheitern verurteilt.
Und da hilft ein tieferes Verstaendniss derjenigen Theorien, die die unpassenden Vorstellungen,
Modelle und Methoden auf die ueberwaeltigende Mehrheit der weltlichen Phaenomene anwendet, nur in sofern weiter, als das man erkennt, in welchen Wahnsinn sich die Menschheit in ihrer Arroganz verrannt hat. Das ist die Bedeutung der vierten Kraenkung von der Benvenuto spricht.
Das ist die Erkenntnis, der wir uns stellen muessen. Unsere Faehigkeiten erlauben zutreffende Vorstellungen,
Modelle und Methoden in 0,1% der Faelle. Nicht mehr!

Sapere Aude!
Georg Trappe