Samstag, 8. Januar 2011

Kopfprodukte

Sowohl eine Rezession als auch ein Aufschwung ist ein Kopfprodukt.
Um zu verdeutlichen, was ich damit meine ein drastisches Beispiel. Deutschland gegen Ende der 20er Jahre. Weltwirtschaftskrise, Reperationszahlungen, eine fragile, junge Demokratie, Arbeitslosigkeit, Orientierungslosigkeit. Eine mehr als verfahrene Situation.
Und dann kommt da eine Type und initiert das groesste bis dahin gewesene staatliche Konjunturprogramm. Investiert in gigantische Bauwerke, Infrastrukturen, Fahrzeuge, Flugzeuge,
Schiffe die alle ganz offensichtlich nur einem einzigen Zweck dienen koennen.

>Kriegsfuehrung.

Wen muss man ueberzeugen, um soetwas in Gang setzen zu koennen? Wer finanziert soetwas? Auch damals war Parteienfinazierung und politische Arbeit teuer. Auch damals gab es schon Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre. Und auch damals wurden schon mit spitzem Bleistift Renditen ausgerechnet.
Wer also muss dazu Ja sagen einen erheblichen Teil seines Vermoegens in ein solches Programm zu stecken, um es ueberhaupt in Gang setzen zu koennen?

>Die Koepfe einer Gesellschaft, die ueber die notwendigen Mittel verfuegen.

Wenn in diesen Koepfen heute die Vorstellung Fuss fassen koennte, dass eine auf qualitative Entwicklung, oekologische Prinzipien und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschaft, die ja viele wuenschen, eine Loesung ihrer Probleme waere, dann haetten wir morgen einen gruenen Kanzler mit dem entsprechenden Kabinet. Das verspreche ich Ihnen!
Das Problem ist, das in den Koepfen dieser Gesellschaft ein Bild existiert, das eine solche Vorstellung unmoeglich erscheinen laesst. Und dieses Bild, das der Vernunft im Wege steht, fusst auf einer dogmatisch gewordenen, als Wissenschaft getarnten, totalitaeren und menschenverachtenden
Ideologie mit den Namen Neoliberalismus und neoklassische Wirtschaftstheorie, die die Loesung wirklich relevanter Probleme als unrentabel fuer die ausrechnet, die ueber die Mittel verfuegen um eine Richtungsaenderung einzuleiten. Und diese als Wissenschaft getarnte Ideologie hat es fatalerweise in die Vorlesungssaele fast aller Eliteschulen dieser Welt geschafft. Keine Schule fuer angehende Wirtschaftsfuehrer, sei es nun Harvard, London,
Fountainbleau oder wo auch immer, die nicht das neoliberale Dogma und die neoklassische Lehre als das Non Plus Ultra auf dem Lehrplan hat.
Jeder Zweifel, jede Hinterfragung wird im Keim (in den jugendlichen Koepfen angehender Wirtschaftseliten) erstickt.
Wir hatten soetwas in Deutschland schon einmal. Nun hat es sich auf globaler Ebene wiederholt. Mit verheerenden Folgen.
Denn Monokulturen sind extrem empfindlich fuer die epidemische Ausbreitung von Fehlentwicklungen = Krankheiten.
Und das gilt auch fuer Monokulturen in den Koepfen unserer Gesellschaft. Denn wer glaubt, der sozialen Frage durch totalitaeren Marktfundamentalismus ausweichen zu koennen, der irrt!

Sapere Aude!

Georg Trappe

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