Donnerstag, 24. Februar 2011

Vertuschung, Uebertuenchung, Selbstbetrug

Ich denke was sich immer mehr offenbart, sind die Folgen einer seit
Jahrzehnten anhaltenden Vertuschung, die auch Selbstbetrug im grossen
Umfang beinhaltet. Sowie man mit Geld- und Zinspolitik nur Zeit kaufen
kann, aber nicht die fundamentalen, strukturellen Probleme loesen kann,
so kann man sich nicht mit technischem Fortschritt an der Loesung der
sozialen Frage vorbei innovieren. Ein technischer Fortschritt und ein
Technologieschub ermoeglichen die Vertuschung, da Wachstum entsteht und
damit die ungerechte Verteilung von Unten nach Oben, fuer Unten
uebertuencht wird. Es fuehlt sich ertraeglich an, ist es aber nicht
wirklich und das wird erst sichtbar, wenn das Potential des
Technologieschubs, aus welchen Gruenden auch immer, ausgeschoepft ist.

Wenn man zwei Gedankenexperimente wagt, dann wird es, so glaube ich,
sehr klar.

1.) Unendlicher kontinuierlicher technologischer Fortschritt mit der
entsprechenden einhergehenden Produktivitaetserhoehung fuehrt zu
Fabriken, in die nur noch Sand und Sonnenlicht einfliessen und alle
Produkte die man sich vorstellen kann ohne menschliche Arbeit
herausfliessen.
Wie und nach welchem Verteilungsschluessel werden diese Produkte an die
Menschen verteilt, wenn die Fabriken im Eigentum einiger weniger sind?
Welchen Antrieb haben die wenigen Eigentuemer diese Fabriken zu
betreiben und die Gueter an Arbeitslose und Mittellose zu verteilen?

2.) Der technologische Fortschritt hat nicht statt gefunden. Der Stand
der nordamerikanischen Indianer ist das Ende der Fahnenstange. Kein
Fernsehen, kein Telefon, kein Auto. Statt dessen Betrachtung der
Sonnenuntergaenge, Rauchzeichen und Ponyreiten. Wie konnte eine solche
Gesellschaft ueber hunderte von Jahren ohne "Wachstum" die soziale Frage
loesen? Wie wurde das gesellschaftliche Leben in Bezug auf Unterschiede,
Staerkere und Schwaechere, Kinder und Alte gestaltet, ohne Innovation
als Hoffnung fuer die Loesung all dieser Fragen anflehen zu koennen?

Und weil diese Probleme durch den technischen Fortschritt, der sie
uebertuencht hat, groesser geworden sind, als sie jemals waren und die
Loesung auf der Ebene von und in Nationalstaaten schon zur Unmoeglichkeit,
gemessen an den zur Verfuegung stehenden politischen Faehigkeiten,
geworden sind, sucht man die Rettung in der Globalisierung, die die
Probleme noch verknuepft und sie so um die Dimension der kulturellen
Unterschiede und der extrem unterschiedlichen Entwicklungsstaende
erweitert und verschaerft. Genial!

Und wenn man dem noch eins draufsetzen will, dann kommt man bei Ray
Kurzweil aus, der eine Singularitaet predigt.

Nein, wenn es eine rettende Innovation gibt, dann die, diese
Verhaeltnisse und Zusammenhaenge ersteinmal in der Breite zu erkennen
und auch anzuerkennen. Denn wenn man ein Problem loesen will, dann muss
man ersteinmal einsehen, das eins existiert und worin es besteht.
Und insofern haben natuerlich auch die recht, die sagen, die
Einkommensverteilungen sind eher ein Symptom als Ursache. Denn die
Einkommensverteilungen spiegeln Machtverhaeltnisse,
Ausbildungsverhaeltnisse und Wissensverhaeltnisse. Und all diese
Verhaelnisse scheinen reziprok zum Verantwortungsbewusstsein derjenigen
zu sein, die sich Einkommen, Macht, Bildung und Wissen in einem Mass
angeeignet haben, das sie an die Spitze dieser Pyramide, die im Elend
ihre Fundamente hat, stellt.
 
Sapere Aude!
Georg Trappe

Kommentare:

  1. Hallo,

    sie sind bisher auf meinem Blog der einzige Kommentator. Ihr "Ich wünsche mir mehr davon" blieb lange ungehört.

    Gerade allerdings beschäftigt mich auch die "Wachstumsdiskussion".

    Ich möchte Sie einladen wieder einmal reinzuschauen. http://derblickausderferne.blogspot.com/

    Das schlimmste an der Wachstumsdiskussion ist IMO, dass sie im Moment von Ökonomen geführt wird. Ein Ökonom müsste meiner Ansicht nach sehr über seinen Schatten springen um in einer Wachstumsdiskussion etwas fruchtbares beitragen zu können.

    Wann immer ich sogenannte Wirtschaftsexperten zu dem Thema höre stelle ich fest, dass sie zu sehr in ihrem Volkswirtschaftsdenken Denken verhaftet sind un den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen können.

    Das Problem ist, dass sich Ökonmen nicht selbst eingestehen können dass sie aus der Perspektive der Ökonomie heraus die Probleme die durch sie entstanden sind nicht lösen können.

    Denn eine Wissenschaft sich mit der Verteilung des Überflusses beschäftigt wird Bedeutungslos wenn wit in absehbarer Zukunft nicht mehr genug für alle haben werden.

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  2. Ich freue mich, dass Sie wieder aktiv sind.
    In Bezug auf Oekonomen habe ich gelernt zwischen den sog. Mainstream Oekonomen und den Aussenseitern zu unterscheiden. Da gibt es einige, die durchaus offen gegenueber den Erhaltungsssaetzen sind und sich Alternativen vorstellen koennen, die diese beachten und daher tragfaehig sind.
    In diesem Blog finden sich immer wieder interessante Beitraege aus der Aussenseitersicht:
    http://rwer.wordpress.com/2011/02/25/25-graphics-showing-upward-redistribution-of-income-and-wealth-in-usa-since-1979/

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