Mittwoch, 30. Dezember 2009

Nachschlag zur Feiertagsdiskussion

 ----- Original Message -----

Sent: Tuesday, December 29, 2009 12:07 PM
Subject: Nachschlag zur Feiertagsdiskussion

Hallo Rolf,

ich hoffe es hat Dir nicht die Sprache verschlagen. Wiedem auch sei, hier noch ein paar dieser merkwuerdigen Gedanken:

- Das Geld mit denen die Manager (Agents) bezahlt und auf Linie mit den Shareholder Interessen gebracht werden, ist nicht
das Geld der Shareholder, die einmalig das sog. Eigenkapital in die Firma investiert haben und evtl. Gewinne reinvestiert haben,
sondern das Geld der Kunden, die Produkte kaufen und bezahlen.
- Ein Produkt welches einen wirklichen Beitrag liefert wird immer mit Gewinn verkaufbar sein.
- Nicht jedes Produkt, das mit Gewinn verkauft wird, stellt einen wirklichen Beitrag dar.
- Das gilt insbesondere fuer sog. Finanzprodukte.
- Wenn es sinnvoller, weil lukrativer erscheint, gigantische Summen in Wetten (Nullsummenspiele) zu stecken als in wirkliche Investitionen,
die wirkliche Produkte zur Loesung wirklicher Probleme zum Ziel haben, dann stimmt etwas nicht. Insbesondere dann nicht, wenn auf der
einen Seite brennende Probleme Vieler ungeloest bleiben und auf der anderen Seite bei dem Umverteilungsspiel einige wenige ueber die
dabei entstehenden Transaktionskosten einen gigantischen Reibach machen.
- es wird immer Behauptet das Derivate (=Optionen=Wetten) keinen Einfluss auf das Underlying haben, sowie wie Sportwetten keinen Einfluss
auf den Spielausgang z.B. von Bundesliga Spielen haben (sollten). Deswegen werden an die fuehrenden Spieler im Business auch regelmaessig
Wettscheine=Optionen verschenkt. Das ist in der Bundesliga noch nicht ueblich.

Was ist eigentlich passiert:
- Es sind Illusionen zerstoert worden. Im wesentlichen die Illusion das 5 Millionen schlecht bezahlte oder arbeitslose Haeuslebauer in USA
ihre Hypothekenzinsen und Tilgungen bezahlen koennen. Und die Illusion der endlosen Wertsteigerung von Immobilien ueber Zeit und
die damit einhergehende Moeglichkeit sein sinkendes Einkommen durch sog. Home Equity Kredite aufzubessern und so den
Konsumrausch aufrecht erhalten zu koennen. 
- Es hat keine Zerstoerung von realer Hardware durch Naturkatastrophen, Krieg oder aehnliches gegeben.
- Aber leider waren es die Illusionen sehr reicher und maechtiger Menschen und Institutionen die da zerstoert wurden.
- Daher wird jetzt alles getan, die Illusion wieder herzustellen und dazu die Allgemeinheit in die Pflicht genommen.
Fachmaennisch ausgedrueckt heisst das Reinflationierung. Wertlos gewordenes Papier wird durch anderes Papier (im wesentlichen Dollar) ersetzt.
- Die Frage nach der tieferliegenden Ursache(n) der uebersteigerten Erwartungen  (=Illusionen) wird vermieden oder in eine difuse Smoke and Mirror Diskussion
mit rekursiven Kausalitaeten umgelenkt.
- Das Spiel des Kaisers neue Kleider hat aber ein Ende gefunden:
- Denn die USA sind hoffnungslos an allen Fronten (Privat, Regierung, Firmen, Aussenhandel) ueberschuldet und haben keine Chance jemals diese Schuldenberge wieder abzubauen. Pech fuer die USA und Pech fuer die Glaeubiger. Pech auch fuer alle die ueberwiegend in die USA verkauft haben.
- Damit ist das westliche Leitbild USA den Bach runter.
- Das neoliberale marktfundamentalistische Wirtschaftmodel funktioniert so nicht. Der Anschein der vergangenen Jahrzehnte es wuerde funktionieren wurde
im wesentliche durch Kredite finanziert. Die Rechnung dafuer liegt auf dem Tisch und wird wie ein schwarzer Peter hin und her geschoben.
- Der ganze neoliberale Verkaufshokuspokus mit Laffer Kurve und Trickle Down Effekt ist als unhaltbar entlarvt. Die Schauspieler Logik des Herrn Regaen, das man den Reichen mehr geben muss und den Armen weniger, damit der Laden laeuft, war nie ueberzeugend. Jetzt ist klar warum nicht.

Folgen:
- Die durch den Wienerkongress eingeleitete Restauration ist fehlgeschlagen. Die Biedermeierzeit ist vorbei. Das Volk laesst sich keine neofeudalen Strukturen aufzwingen. Die Chancen das 1848/49 sich wiederholen steigen.
- Beschwichtigungen. Beschoenigungen. Ablenkungen a la Schweinegrippe (die es zum Ende des Vietnamkriegs schon mal gab). Verteilungskaempfe. Die Versuche nochmal richtig hinzulangen bevor es richtig kracht. Angst. Absicherungsstrategien. Besinnung auf die "wirklich" werthaltigen Dinge. Gold, Immobilien, Inflationsangst,
noch mal richtig Schulden machen und in Immobilien investieren (siehe Empfehlung durch ehemaligen IBM, BDI Mann O. Henkel). Ekel vor sich selber (siehe Poullain Interview).

Sapere aude!

Georg

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