Montag, 12. September 2011

When the Going Get Tough, the Tough Get ?

Well, to raise a question mark is quite simple. To get going obviously not.
Ist es von mir zuviel verlangt, wenn ich von einem Chefvolkswirt der EZB erwarte, dass er dafuer sorgt, dass seine Zunft angesichts der groessten Wirtschaftskrise seit 80 Jahren in die Puschen kommt? Juergen Stark ist zurueck getreten. Nach steiler Karriere seit 2006 Chefvolkswirt bei der EZB und seit Ende 2007 wie die meisten Mitglieder seiner Zunft von den Ereignissen ueberrollt, wirft der Mann im Jahr 4 der Krise, kurz bevor es ernst wird, das Handtuch.
Was solls? Ein zurueck getretener Quacksalber mehr oder weniger macht den Kohl nicht fett. Meinte meine Grossmutter, die sich noch gut an Massenarbeitslosigkeit, Hyperinflation und daher an Kohl in allen Variationen erinnern konnte, in solchen oder aehnlichen Faellen immer. 
Ich denke, sie hatte recht!

Was mich allerdings angesichts solcher Vorgaenge in grosses Erstaunen versetzt, ist die an den Tag gelegte Unfaehigkeit in Verbindung mit einer ueberraschenden Bereitschaft zur Resignation. Mit Unfaehigkeit meine ich das Unvermoegen nach immerhin 4 Jahren endlich anzuerkennen, das die Wirtschaft in Gewaesser geraten ist, die offenbar nicht kartografisch erfasst sind. Und dann auch dem entsprechend zu handeln, anstatt auf obsolet gewordenen Ansichten zu bestehen. Und mit Bereitschaft zur Resignation meine ich die offenbar weit verbreitete Vorstellung, man koenne sich ungestraft einfach per Beiboot aus dem Staub machen, wenn man feststellt, dass es nicht so laeuft, wie man es in der Schule gelernt hat. Wenn der Kahn keine Fahrt macht und ich nicht weiss, ob es daran liegt, dass der Luftzug fehlt oder der Kahn auf Grund gelaufen ist, dann muss ich irgendwann den Sprung ins Wasser wagen und verdammt nochmal nachschauen ob ich Wasser unter dem Kiel habe oder nicht.
Dazu sind sich aber die Herren Chefvolkswirte ganz offensichtlich zu fein. Lieber beharren sie darauf, das auf Teufel komm raus gespart werden muss, auch dann wenn ganze Volkswirtschaften mit Raten von -5%YoY und mehr abschmieren oder sie verschreiben das immer gleiche Rezept von immer noch mehr Geld, obwohl inzwischen klar ist, dass das alleine die ursaechlichen Probleme nicht loest.
Ich habe in meinem beruflichen Leben mehr als einmal Neuland betreten. Und ich bin dabei mehr als einmal in grosse Schwierigkeiten gekommen, weil die alten Modelle und Vorstellungen nicht mehr zutreffend waren und nicht mehr funktionierten. Das erstemal im grossen Stil in der zweiten Haelfte der 80er Jahre mit dem Versuch Gallium Arsenid (GaAs) anstelle von Silizium Halbleitern fuer digitale Hochfrequenzschaltungen einzusetzen. Dieses Material ist im Hochfrequenzbereich 4 bis 5 mal schneller als das uebliche Silizium, hat im niederfrequenten Bereich aber einige unschoene Eigenschaften (sog. Droop Effect), die die Welt seinerzeit auf Basis der Erfahrungen mit Siliziumhalbleitern nicht kannte. Zwar waren GaAs Halbleiter schon sehr erfolgreich in analogen Schaltungen zum Einsatz gebracht worden, aber die Anwendung fuer digitale Schaltungen, die die gleichzeitige Verarbeitung niederfrequenter und hochfrequenter Signale erfordert, war Neuland. Cray, ein beruehmter Hersteller von Supercomputern, ging bei dem Entwurf der Cray-3 ebenfalls in diese Richtung.
Und ging daran bankrott!
Eine kleine, seinerzeit eher unbedeutende Hewlett Packard Division in Boeblingen hingegen brachte sukzessive mehrere Messgeraete und sogar ein komplettes Testsystem fuer hochintegrierte Schaltungen auf Basis von GaAs auf den Markt, mit einer Geschwindigkeit und Praezision, die ohne GaAs zu der Zeit nicht moeglich gewesen waere. Zwar waren auch dort, wie bei Cray auch, auf Grund des sog. "Droop Effects" Zeitplaene, Budgets etc. ueber den Haufen geworfen, aber es entstand, im Gegensatz zu den hoch angesehen Experten bei Cray, die Einsicht, das die Anwendung eines neuen Materials neue (Simulations-) Modelle erforderte um zutreffende Massnahmen zur Bewaeltigung der Probleme finden zu koennen. Die Bereitschaft sich von der Orthodoxie zu verabschieden, in Verbindung mit einer gewissen Hartnaeckigkeit und Freude an einer Arbeit, die auch schmutzige Finger und ein nasses Fell verursachte, waren der entscheidende Unterschied. Cray hingegen ritt hoch zu Ross im vollen Tempo mit der ganzen Kompanie gegen die Wand. Die im Wikipedia Artikel genannten Gruende fuer den Cray Bankrott sind sicherlich nicht vollkommen falsch aber nicht Ursache fuer den Fakt, dass nie ein voll funktionsfaehiger Computer basierend auf Gallium Arsenid von Cray oder einer anderen Firma ausgeliefert wurde. Im Unterschied zu Juergen Stark hat
Seymour Cray allerdings nie resigniert.

Sapere Aude!
Georg Trappe

Interview mit Juergen Stark, Dezember2011: Wollte Regierungen wachruetteln

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen