Samstag, 5. November 2011

Wie sich das System selbst zerstoert

Eine Gesellschaft, die sich fuer modern und aufgeklaert haelt und gleichzeitig die Grundlagen ihrer Existenz aus Ignoranz selbst zerstoert, darf man wohl als dumm bezeichnen.
Denn: "Im engeren Sinne ist Dummheit die mangelhafte Fähigkeit, aus Wahrnehmungen angemessene Schlüsse zu ziehen. Dieser Mangel beruht teils auf Unkenntnis von Tatsachen, die zur Bildung eines Urteils erforderlich sind, teils auf mangelhafter Schulung des Geistes oder auch auf einer gewissen Trägheit und Schwerfälligkeit im Auffassungsvermögen. Jedenfalls ist die Dummheit ein Fehler, der noch innerhalb der Grenzen der normalen kognitiven Fähigkeiten liegt und deshalb von geistiger Behinderung oder Unsinn unterschieden werden muss." (1)
Das eine Gesellschaft, die zuvor ungekannte, technologische Spitzenleistungen hervor bringt, sich von ihren Eliten und einer  sog. Wissenschaft, die sich ganz offensichtlich durch ihre Ignoranz gegenueber Tatsachen und einer gewissen Traegheit und Schwerfaelligkeit im Auffassungsvermoegen auszeichnet, an den Rand des Abgrunds fuehren laest, ist tragisch dumm. Insbesondere dann, wenn sie, zumindest dem Worte nach, demokratisch verfasst ist und so zumindest die theoretische Moeglichkeit einer Aenderung hat. Spaetestens seit Pareto ist bekannt, das die Bildung von Vermoegen einem Konzentrationsprozess unterliegt, der ueber Zeit stark ungleiche Vermoegensverteilungen hervor bringt. 
Seit Gibrat ist bekannt, dass solche Konzentrationsprozesse auch auf Firmen(groessen) inkl. Banken wirken. Empirisch sind sie immer wieder belegt. Juengst durch einen Report der Credit Suisse und durch eine Studie der ETH Zuerich (Global Wealth Report, Global Network of Corporate Control).

Auch die massiv schaedliche Wirkung dieser Konzentrationsprozesse auf die Qualitaet der wirtschaftlichen Entwicklung ist bekannt, sowie es auch ernstzunehmende Vorschlaege zu ihrer Ueberwindung gibt  (2).  Doch all das wird seit mehr als drei Jahrzehnten ignoriert oder unverstanden zur Seite gelegt, weil es nicht in die Konzepte der vorherrschenden Ideologie neoliberaler Praegung und die neoklassischen Konzepte der sog. Wirtschaftswissenschaften passt. Und das selbst dann noch, wenn bedeutende Banken und weltgroesste Versicherungsunternehmen zusammenbrechen oder nur durch staatliche Hilfe vor dem Zusammenbruch gerettet werden koennen. Selbst der Zusammenbruch ganzer Staaten und Volkswirtschaften scheint die Bereitschaft, die mangelhaften Faehigkeiten aus Wahrnehmungen angemessene Schluesse zu ziehen bzw. die gewisse Traegheit und Schwerfaelligkeit im Auffassungsvermoegen zu ueberwinden, nicht zu erhoehen. Was muss denn noch passieren, moechte man da laut schreiend fragen!

Doch zuvor moechte ich versuchen es noch einmal in aller Ruhe an einem hoffentlich anschaulichen, einfachen Beispiel zu erklaeren.
Nehmen wir an, wir haben eine Population von 1000 Individuen oder Firmen. Nehmen wir weiter an, das es eine Bank gibt, die zum Zeitpunkt 0 jeder Firma bzw. jedem Individuum einen gleich grossen Kredit von 1$ gewaehrt. D.h. jeder dieser Akteure fuehrt ab sofort zwei Konten bei der Bank, ein Schuldkonto in Hoehe von -1$ und ein Haben Konto von +1$. Die Bankbilanz belaeuft sich somit auf einen Umfang von 1000$ + Eigenkapital(Barreserven). Die Nettoverschuldung der Akteure ist Null. Der zu zahlende Zinssatz auf die Schulden betrage 5% p.a.. Die Akteure werden mit ihrem Guthaben wirtschaftlich aktiv und bekommen am Ende jeden Jahres dafuer eine zufaellige Rendite zugewiesen,
die im Schnitt ueber die Population von Akteuren ebenfalls 5% p.a. betraegt und ueber die Population betrachtet, einer Normalverteilung gehorcht, die Beispielhaft mit einer Streuung von 0.2 angesetzt wird. Diese Zuweisung einer zufaelligen prozentualen Rendite auf das bis dahin erwirtschaftete Kapital wiederholt sich jaehrlich, so wie sich die Belastung des Schuldkontos in herkoemmlicher Zinseszinsmanier mit dem festen Zinssatz von 5% wiederholt. Nach 75 Jahren betrachten wir den bis dahinn erreichten Stand der so gefuehrten Konten. Die Fragen, die uns interessieren sollten, sind:


Wie hat sich die "Gesamtwirtschaft" (Summe aller Habenkonten) entwickelt?
Wie sieht die Verteilung des "gesamtwirtschaftlichen Erfolgs" aus?
Wie hat sich die Bilanz (Summe aller Habenkonten- Summe aller Schuldkonten) der Bank entwickelt?
Ist sie immer ausgeglichen?

Die Antworten koennten erschuetternder nicht sein.

1.) Die Gesamtwirtschaft kommt mit einer Wachstumsrate von im Schnitt knapp ueber 3% p.a. raus.
2.) Der "erfogreichste" Akteur kommt mit einer durchschnittlichen Rendite von typisch ca. 10% p.a. raus.
3.) Der schlechteste Akteur kommt mit durchschnittlichen Renditen von ca. -4% p.a. raus.
4.) Der Theil-Index steht bei 1,3. D.h. 20% der Akteure verfuegen ueber mehr als 80% der Vermoegen.

x-Achse=Zeit in Jahre, y-Achse Theilindex

5.) Fuer weit ueber 50% der Akteure ist die Bilanz (Habenkonto-Schuldkonto) negativ.
6.) Der Verlauf der Bankbilanz (Passiva-Aktiva) (*)wird nach 20-25 Jahren vollkommen unvorhersehbar und kann extreme Ausschlaege in beide Richtungen vollziehen.
Dahinter verbirgt sich das Problem der "Differenz grosser Groessen" das mit steigender Vermoegenskonzentration in der Kundschaft zunehmend unberechenbarer wird.
Beispielhafter Verlauf der Differenz Bank Passiva-Aktiva
x-Achse Zeit (t-20), y-Achse StdDev Passiva-Aktiva

Das spiegelt sich natuerlich auch in der Streuung der Bilanzdifferenz wieder, die im Bild oben ueber Zeit fuer die Streuung der jeweils vergangenen 20 Jahre dargestellt ist.
Das gleiche Bild ergibt sich fuer die Streuung der gesamtwirtschaftlichen Wachstumsrate in % (Growth %YoY). Aus der Qualitaetssicherung weiss man aber, das ein Prozess, dessen Streuung ansteigt, seine Faehigkeit zur Qualitaet verliert und droht unkontrollierbare Ergebnisse zu liefern.

x-Achse Zeit (t-20), y-Achse StdDev Growth %YoY


Und das in einer Wirtschaft, in der es im Schnitt gut laeuft. In einer Wirtschaft, in der der Erfolg im Schnitt, ueber die Population betrachtet, im Jahr 5% betraegt. In einer Wirtschaft in der die Zuweisung des jaehrlichen Erfolgs nur durch den Zufall bestimmt wird (normalverteilte Renditen mit Durchschnitt 5% und Streuung 0,2).  Keine Machtstrukturen, Seilschaften, Oligopole, Monopole, Lobby, etc. "Nur" die sich durch einen stochastischen, multiplikativen Prozess ergebende und ueber Zeit verschaerfende  log-normal Verteilung der Vermoegen. Wer dies alles nicht glauben will, kann es in einem Spreizblatt (***) auf seinem PC sehr einfach nachvollziehen. Die analytische  Herleitung dazu findet sich hier.

Nun leben wir aber nicht in einer "Zufalls" Wirtschaft, sondern in einer Gesellschaft, die verblendet durch die neoliberale Ideologie diesen "natuerlichen" Effekt noch verstaerkt, anstatt die das Ueberleben sichernde Weisheit aller Kulturen und Zivilisationen, die diese Namen verdienen, zu beachten und einen Ausgleich zwischen Arm und Reich, Schwach und Stark herzustellen und so einer Eskalation dieses systemimmanenten Problems entgegen zu wirken.

Eine moderne, arbeitsteilige Gesellschaft, die derart abhaengig von einer funktionierenden Koordination zwischen ihren verschiedenen Bereichen und Funktionen geworden ist, wie die unsere, kann ohne Vertrauen und ein bestimmtes Mass an Kohaesion nicht existieren. Sie kann sich eskalierende soziale Konflikte einfach nicht leisten. Eine Ideologie, die dies ums Verrecken nicht einsehen will, und jedes Argument, das auf diese Notwendigkeit hinweisst, kalt laechelnd abtut, ist nicht nur dumm sondern fatal. Eine sog. Wissenschaft, die sich den zentralen Lebensbereich Wirtschaft zum Objekt ihrer "Forschung" gewaehlt hat und sich in ihrem Mainstream dabei auf Theorien kapriziert, die nicht nur Krisen und ihre Entstehung nicht erklaeren kann, sondern deren Ursachen noch verstaerkt, ist ueberfluessig wie ein Kropf.  Eine Gesellschaft, die dadurch die mehr als deutlichen Symptome nicht wahrnehmen will oder kann und die tieferen Ursachen ihrer Entstehung nicht verstehen(**)  will oder kann, ist dumm und zerstoert sich selber.

Sapere Aude!

Georg Trappe

(*) Ich weiss, eine Bilanz muss per Definition immer auf Null aufgehen. Was ich verdeutlichen will, ist die eskalierende Diskrepanz zwischen einer stur mit 5% p.a. wachsenden und per Zinseszins fortgeschriebenen Verschuldung und dem wirklichen Leben, in diesem Fall abgebildet durch einen stochastisch multiplikativen Prozess. Fuer die Pingeligen: Lassen sie die Differenzen einfach auf ein Eigenkapital von anfaenglich 100 = 10% wirken und schliessen sie die Bank wenn es aufgezehrt ist.
By the way. Das Problem tritt auch dann auf, wenn der Zinssatz fuer die Schuldkonten ueber Zeit sinkt und sich so der durchschnittlichen realwirtschaftlichen Entwicklung anpasst.

(**) Ein Beispiel des Nichtverstehens (1). Nicht der riesige Schuldenberg alleine ist das Problem, sondern die Kombination aus exponentiell wachsenden Schulden / Vermoegen und einer mit ihr einhergehenden und fortschreitenden Konzentration dieser Vermoegen. Fuer Zeiten nahe dem gleichverteilten Ursprung diese Beispiels, spielt es keine Rolle wenn einer der 1000 mit -100% das Jahr abschliesst. Das waere 1 Promille. Aber am Ende der Zeitreihe dieses Beipiels, spielt es durchaus eine erhebliche Rolle, ob einer der "Global Player", der die Rangliste anfuehrt, die 5% bringt oder nur 4%. Es wird sogar zunehmend unwahrscheinlicher, dass das konzentrierte Vermoegen den Durchschnitt schafft oder uebertrifft. Denn die Wahrscheinlichkeit mit der bestimmte Renditen erzielt werden, ist nicht vermoegensabhaengig sondern normal verteilt ueber die 1000 Player. Die Versuche der "Global Player" dies per Macht zu "korrigieren" gelingen ja offensichtlich immer wieder (siehe "too big to fail"). Das fuehrt aber letztendlich nur zu einer Verschaerfung des Problems, denn die Konzentration schreitet weiter fort und die Zukunft der erzielbaren Renditen bleibt weiter ungewiss und normal  verteilt, was in der vorherrschenden Logik eine zunehmende und  rigidere Machtausuebung zur "Korrektur" durch die "Global Player" erfordert. Das laeuft dann auf Planwirtschaft hinaus, in der der Zufall durch einen machtvoll implementierten Plan ersetzt werden soll. Dabei weiss doch jeder, dass Planung nur den Zufall durch Irrtum ersetzt;-).
Oder Frau Merkel?

(***) Ich habe das Spreizblatt inzwischen noch etwas ausgebaut und aktualisiert. Es kann sehr einfach auf groessere Populationen, z.B. 10000 oder mehr erhoeht werden. Die Simulationsdurchlaeufe kosten dann aber deutlich mehr Rechenzeit und Speicher.
Das "Spielen" mit den Parametern macht dann weniger Spass.
Aber die Kurven werden dann etwas "glatter", doch die Kernaussagen bleiben davon unberuehrt bestehen. Jeder Dualcore PC mit 1GByte RAM sollte das aber locker bewaeltigen koennen. Das Spreizblatt ist mit Gnumeric erstellt, was fuer solche Zwecke responsiver arbeitet als OpenOffice / LibreOfiice oder kommerzielle Programme. Das Programm kann in der Windowsversion hier herunter geladen werden.

Wichtige Ergaenzung 7Nov2011: Der Grund fuer das "Uebersehen" dieses fatalen Effekts ist die unterstellte Ergodizitaet des Systems. Das trifft aber bei offenen gleichgewichtsfernen Systemen, z.B. bei Systemen die eine Phase exponentiellen Wachstums durchlaufen und damit extrem empfindlich auf den Anfangszustand reagieren, nicht oder zumindestens nicht immer zu. Symmetriebrechende Phasenuebergaenge, bzw. ihre Moeglichkeit stehen dem auch im Wege. Ich habe das mal versucht pointiert in einem Leserartikel der ZEIT anzusprechen, nachdem mir dort ein Kollege/Mathematiker? erklaeren wollte, dass das Wetter bzw. das Lorenzsystem ergodisch sei. Die Resonanz war erstaunlich wenig abweichend von Null.
Siehe auch Ergodenhypothese. Das ein Leon Walras das nicht wusste, ist sicherlich entschuldbar. Aber spaetestens seit Gibrat haette man hellhoerig werden muessen.

Nachtrag 9Nov2011: Um das mit der Ergodizitaet und der Bedeutung der Erdogenhypothese auch nochmal bildlich nachvollziehbar zu machen. Die Erdogenhypothese ist ein zentraler Bestandteil der statistischen Mechanik. Wenn sie nicht aufrecht erhalten werden kann, dann bricht die Gueltigkeit der Aussagen und der Methoden der statistischen Mechanik zusammen.
Dem System Wirtschaft Ergodzitaet zu unterstellen, ist aus verschiedenen Gruenden zweifelhaft. Denn Ergodizitaet bedeutet Schaarmittel=Zeitmittel. Wuerfel erfuellen diese Bedingung. Der Mittelwert von 1000 sequentiellen Wuerfelwuerfen (Zeitmittel) oder einem Wurf von 1000 Wuerfeln auf einmal (Schaarmittel) ist gleich. Auch die Streuung ist gleich. Nun stellen sie sich die Frage ob die  Ergebnisse einer wirtschaftlich aktiven Person am Ende von 1000 Tagen im Mittel und in der Streuung dem ensprechen, was eine Population von 1000 wirtschaftlich aktiven Personen im Mittel  (und der Streuung) pro Person an einem Tag abliefert. Wenn Sie sich bei der Beantwortung der Frage unsicher sind, dann schauen sie mal hier .
Desweiteren erfordert der Nachweis von Ergodizitaet eine Betrachtung ueber lange, gegen Unendlich gehende Zeitraeume. Aufgrund der Erhaltungssaetze kann man bei Atomen und Molekuelen "ewiges Leben" annehmen. Doch welcher wirtschaftliche Aktivist lebt ewig?  Wirtschaft ist ein offenes System, in das neue Akteure eintreten und das von Akteuren altersbedingt verlassen wird und das, wenn man ueberhaupt von einem Gleichgewicht reden will, in einer Art Fliessgleichgewicht steht. Und was mit Fluessen, ausser das sie manchmal laminar und manchmal turbulent sind, so alles passieren kann, weiss man auch seit laengerem.
Atome und Molekuele kommunizieren in der statistischen Mechanik im wesentlichen durch "Stoesse". Wir leben zwar in einer Ellebogengesellschaft, aber da laeuft doch mehr zwischen den wirtschaftlichen Aktivisten ab als zwischen Billardkugeln. Oder?
Und haben sie schon mal ein Atom oder Molekuel gesehen, das seine Nachkommen gross zieht, sorgsam behuetet, ausbildet und belehrt, um ihm dann irgendwann sein Erbe zu uebergeben? Ich nicht. Aber im Grunde laufen die Theorien der Mainstream Wirtschaftswissenschaften darauf hinaus, das sich wirtschaftlich aktive Menschen wie Atome und Molekuele in einem geschlossenen System verhalten und daher durch Zustandsgroessen wie Druck und Temperatur,  die im Mittel fuer alle gleich sind, beschreiben lassen. Das man dabei einen Effekt, wie den oben beschriebenen, mit seinen fatalen Wirkungen fuer die Gesamtwirtschaft uebersieht, spielt anscheinend keine Rolle. Das die Banken bereits vor der Krise diesen Effekt kannten und sich so sicher fuehlten, dass sie sich oeffentlich als Katalysatoren angeboten haben, zeigt diese Geschichte . Das sie davon inzwischen nichts mehr wissen wollen und das vertuschen wollen, ist auch klar. Das der Verfasser des Plutonomy Reports aber mittlerweile bei der Deutschen Bank sein horrendes Geld verdient, sollte einem zu denken geben (4), (5). Und dass das Vertuschen dieses Effekts einer Loesungsfindung nur im Wege steht auch. Man kann das Problem der  Differenz grosser Groessen, die sich exponentiell entwickeln, mit dem Schmankerl, das die eine Seite nicht nur stark streuende stochastische Elemente enthaelt, sondern diese auch noch einem stetig fortschreitenden Konzentrationsprozess unterliegen, nicht durch Vertuschung und Gesichtswahrung loesen. Man muss es verstehen, seine verheerende Wirkung erkennen und anerkennen, um dann die richtigen Schluesse ziehen und in wirksame Massnahmen ueberfuehren zu koennen. Das, und nichts anderes ist gefordert. Die Zeit, die man mit Bail outs, Versicherungsloesungen, Rettungsschirmen = geldpolitischen Massnahmen kaufen kann, laeuft davon. Oder richtiger ausgedrueckt, der Preis fuer ein Jahr Problemloesungszeit steigt exponentiell.

Nachtrag 11Nov2011: Da die Banken sich der Risiken, die sie mit exzessiv ausuferernden Krediten gezuechtet haben, inzwischen nicht mehr durch trippel A rated Buchstabensuppe Papiere (ABS, CDOs, usw. usf.) entledigen koennen, betreiben sie nun folgendes Risikomanagement. 
Das Elend ist, dass diese Risiken einmal in die Welt gesetzt  fortbestehen und nun zu einem Teil eines schaebigen Schwarze Peter Spiels werden.

Nachtrag 17November2011: Einige Hinweise auf das Ausmass des ideologisch bedingten "blinden Flecks"  der zum "Uebersehen" dieses Effekts fuehrt, finden Sie auch hier und
hier.


Nachtrag 20November2011: Ich habe soeben festgestellt, das mein Profil und damit mein Zugang zu all meinen Kommentare und Leserartikel der vergangenen Jahre auf ZEIT Online geloescht wurden. Ich hatte zuvor in einigen Kommentaren auf den obigen Artikel verlinkt. Diese Kommentare waren mir zum Teil geloescht worden, mit der lapidaren Bemerkung eine Verlinkung auf eigene Webseiten sei nicht gewuenscht, dazu gebe es das Profil. Nachdem ich meine Kommentare entsprechend korrigiert hatte und dabei auf mein Profil bei ZEITOnline verlinkt hatte und ein Email an die Redaktion mit der Bitte diesen Artikel doch evtl. in redaktionell ueberarbeiteter Form als Leserartikel aufzunehmen gesendet hatte, nun die Loeschung des Profils = Zugang zu Beitraegen meinerseits zu vielen Diskussionen und Artikeln  um das Thema Auswirkungen der noeliberalen Ideologien auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in den vergangenen Jahren. Und das ohne weitere Erklaerungen oder Kontakt (z.B. per Email) durch die ZEITOnline Redaktion. Ich finde das ist ein bemerkenswertes Vorgehen gegenueber einer fundierten Kritik zu einem aktuellen und hoch brisantem Thema.

Risiko Grossbanken: Das grosse Zittern vor dem Absturz

Kommentare:

  1. Eine sehr gelungene und überzeugende Darstellung des Problems, die zugleich unmissverständlich verdeutlicht, wo Problemlösungen werden ansetzen müssen.

    Viele Grüße
    SLE

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  2. Sehr geehrter Herr Dr. Eichner,

    vielen Dank fuer Ihr Lob. Vielmehr moechte ich mich aber nochmals fuer die vielen Anregungen und Hinweise bedanken. Ich beneide Sie um ihre "coole Art" mit der Sie auch lebenserfahrenen und im Pulverdampf ergrauten Recken, die ja nicht selten ein gewissses Ego vor sich her tragen, den Groschen "schmackhaft" machen. Bei mir war es auch nicht leicht, obwohl ich die Witterung in Bezug auf das Fettaugensyndrom ja schon aufgenommen hatte. Ich denke aber, inzwischen ist der Groschen bei mir zumindestens soweit durch, dass ich verstanden habe, von welch zentraler Bedeutung die Konzentrationsprozesse wirklich sind. Wie Sie wissen, zaehle ich auch zu denen, die mathematisch "inclined" sind. Von daher war fuer mich der Augenoeffner die oben angefuehrte Studie aus Minesota. Nachdem ich die in das "Bankbilanz" Beispiel ueberfuehrt hatte und ich die erratischen Verlaeufe dieser Bilanz, die fuer jeden Simulationslauf des Modells anders ausfallen vor Augen hatte, viel es mir wie Schuppen von den selbigen. Damit war dann auch klar, woher die Idee mit den CDS's kommt und welche urspruengliche Intention dahinter steht.

    Viele Gruesse

    Georg Trappe

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  3. Sie bieten eine Erklärung für die grossen Schwankungen und die damit verbundenen grossen Risiken für die Volkswirtschaft, was ich aber nicht ganz verstehe: welchen Zusammenhang hat das mit der aktuellen Eurokrise?!

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  4. @yagoda
    Ich denke man darf die aktuelle Eurokrise nicht von dem abtrennen, was ihr voraus ging und sie ausgeloest hat. Die sog. Eurokrise ist aus der Finanzkrise, die als Sub Prime Hypothekenkrise in den USA ihren Ausgangspunkt nahm, hervor gegangen. Die US Banken galten aufgrund ihrer Groesse als stark. Ihnen flossen gigantische Mittel zu. Und sie haben sie im grossen Stil in etwas investiert, was sich als Fehlinvestition herausgestellt hat. Das hat gewaltige Loecher nicht nur in die Bilanzen der US Banken gerissen sondern auch in die Bilanzen europaeischer Banken an die diese verbrieften Hypotheken in verschiedenster Form verkauft wurden. Das hatte zur Folge, dass Banken gerettet werden mussten und die Realwirtschaft gestuetzt werden musste und zwar von den Staaten. Daher die explodierenden Staatsschulden, die aber von den ohnehin schwaecheren Volkswirtschaften nicht mehr getragen werden koennen. Insbesondere dann nicht, wenn aufgrund der durch die Krise ausgeloesten Unsicherheiten die Zinsen dramatisch ansteigen. Das ist eine Kettenreaktion, die selbstverstaerkende Element enthaelt und die in meiner Vorstellung niemals in der dramatischen Form haette ablaufen koennen, wenn die Konzentration im Bankenbereich nicht soweit fortgeschritten waere, wie sie nunmal ist. Auch das "Versichern" mit CDSs hat nicht geholfen, vielmehr ist der weltgroesste Versicherer AIG zusammengebrochen. Eine Wirtschaft mit vielen kleineren Banken und Versicherungen ist stabiler als eine mit wenigen grossen. Wenn da eine kippt ist das keine Problem, wie ich das versucht habe im Artikel zu erlaeutern. Eine Wirtschaft mit vielen kleinen und mittelstaendischen Unternehmen ist stabiler als eine mit wenigen Grossen. Ein Fehltritt dieser Giganten genuegt um ganze Volkswirtschaften oder wichtige Teile davon in den Abgrund zu reissen. Die Oelkatastrophe von BP im Golf von Mexico hat z.B. das UK Rentensystem auf schwerste getroffen. Dezentrale Strukturen sind aus Risiko- und Stabilitaetssicht zentralen, monolithischen Strukuren weit ueberlegen. Und aus meiner Sicht ist die Eurokrise eine direkte Folge dieser hochriskanten, hochkonzentrierten und ins Wanken geratenen Strukturen im Banken- und Versicherungsbereich.

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  5. Gut, das mit den monolithischen systemen habe ich jetzt verstanden...
    Da die simulation, die diese erstaunlichen ergebnisse bringt ja sehr einfach aufgebaut, folgender einfacher einwand: die individuen mit konzentriertem vermögen legen dieses vermögen ja meistens gerade nicht monolitisch in einem block an , sondern streuen ihr geld, z.b. In fonds, d.h. Die schlechten geldkonzentrationen sind nur diejenigen in grossen firmen und nicht etwa privatvermögen?!

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  6. @yagoda
    Die Bewertung gut oder schlecht ist meiner Meinung nach nur anhand eines Ziels moeglich. Wenn der breite Konsens ueber das Ziel von Wirtschaft darin besteht, dass diese Wirtschaft eine qualitative Entwicklung nehmen sollte, die moeglichst dauerhaft Wohlstand fuer moeglichst viele Beteiligte generiert, dann muss man wohl die Entwicklung der Vermoegens- und Einkommensverhaeltnisse in den letzten 3 Jahrzehnten als verfehlt und am Ziel vorbei betrachten.
    -
    Die Diversifizierung der Anlage dieser hochkonzentrierten Vermoegen findet fast ausschliesslich auf bereits bestehende Unternehmungen statt und dort bevorzugt auf die Grossen. Die Vermoegensanteile, die in Gruendungen und junge Unternehmen gesteckt werden sind im Vergleich dazu verschwindend gering. Das ergibt sich z.B. aus der Betrachtung des Verhaeltnisses von sog. Venture Capital und der Kapitalisierung bereits boersennotierter Unternehmungen. Dahinter steckt das typische konservative, Risiko vermeidende Verhalten, was den im Artikel beschriebenen Effekt uebersieht und ausklammert. Gleichzeitig wird von und mit den sog. Investmentbanken eine enorme M&A Aktivitaet betrieben.
    Kinder in die Welt zu setzen ist ein wirtschaftliches Risiko, aus dieser Brille betrachtet, die diesen Effekt nicht beruecksichtigt. Eine Gesellschaft, die keine Kinder in die Welt setzt, altert und stirbt aus. Eine Wirtschaft, die ueber alle Masse ihre alten und grossen Firmen und Konzerne massiv beguenstigt, verkrustet und zerbricht. Eine arbeitsteilige, hoch ausdifferenzierte Gesellschaft, die ein hohes Mass an Koordination zwischen ihren Bereichen und Funktionen leisten muss, wenn sie bestehen will, ist auf Kohaesion angewiesen und kann sich derartige Fehlentwicklungen nicht leisten, wenn das oben genannte Ziel angestrebt werden soll.

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  7. "Nachtrag 20November2011: Ich habe soeben festgestellt, das mein Profil und damit mein Zugang zu all meinen Kommentare und Leserartikel der vergangenen Jahre auf ZEIT Online geloescht wurden. Ich hatte zuvor in einigen Kommentaren auf den obigen Artikel verlinkt."

    Na, willkommen im Klub der Zensierten. Genau so ging es mir da auch.

    Uebrigens wurde auch mein SPIEGEL online Name geloescht vor kurzem, obwohl ich den seit etwa 6 Jahren hatte - nach ueber 2000 Beitraegen. Keine Antwort auf die Frage, warum?

    Da hatte ich allerdings sehr viel auf meinen Blog verlinkt - vielleicht war das berechtigt.

    Aber generell will man einfach keine andere Meinungen als die die einem von der PResse vorgekaut werden.

    Aber es ist wohl so, indem die Presse noch ein wenig Meinungen zensiert, die ihr nicht gefallen, versuchen sie, die Deutungshoheit weiter zu verteidigen, die ihr durch das Internet floeten geht. Das wird sich aber nur temporaer aufhalten lassen.

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  8. @matt_us
    Ich frage mich was das soll. Auf der einen Seite werden Leser eingeladen, ihre Kommentare und Leserartikel beizusteuern und wenn es nicht in den Kram passt, dann soetwas. Gleichzeitig werden die Grenzen, die den Rahmen stecken, in den das passen muss, immer enger gesetzt, mit der Folge, das die Kommentare und Leserartikel immer weiter verflachen und auf Daumen hoch Daumen runter Niveau hin konvergieren. Und das in einer Zeit, in der eine tieferschuerfende oeffentliche Debatte notwendiger ist als jemals zuvor. Ich kann da nur verstaendnislos den Kopf schuetteln. Wenn Medien wie die ZEIT nur noch Werbetraeger sind, die auf kritikloses Abnicken der vorgekauten Meinung im redaktionellen Teil abzielen, dann fuehle ich mich im Club der Blogger, die diesen Machenschaften etwas entgegensetzen, deutlicher wohler. Also vielen Dank fuer Ihr Willkommen!
    GT

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  9. Was ist aus matt_us geworden?
    eurogate liegt ebenfalls brach!

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  10. Ich weiss es leider nicht. Als klar wurde, dass matt_us seine Aktivitaeten wohl eingestellt hatte, habe ich ihn nochmal kontaktiert und nachgefragt aber leider keine Antwort von ihm bekommen. Ich vermute, dass bei ihm, wie bei vielen anderen auch nach einer gewissen Zeit der Dampf raus war. Die Blogerei ist manchmal eine ziemliche Einbahnstr.. Man sieht zwar Statistiken von einer grossen Zahl von Seitenaufrufen aber man fragt sich dann doch manchmal, ob das Menschen oder Robots waren. Insofern ist der eine oder andere Kommentar oder eine Nachfrage wie die Ihre das Brot des Bloggers ;-).
    Einen guten Start in das neue Jahr wuenscht Ihnen
    Georg Trappe

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