Mittwoch, 2. November 2011

Zur Neutralitaet des Geldes

Die Quantitaetsgleichung beschreibt einen Zusammenhang zwischen Geldmenge, Geldumlaufgeschwindigkeit, Preisniveau und Output (real) in der Form :

M ($) * V (Umlaeufe/a) = P ($/Stk) * Y (Stk/a)

D.h. bei konstanten Preisen von 1$/Stk kann eine Wirtschaft die 1000 Stk/a produziert und verbraucht, sowohl mit einer Geldmenge von 1000$, die einmal umlaeuft wie auch mit einem $ der 1000mal umlaeuft, funktionieren. Soweit so gut. Es gibt aufbauend auf diese Tautologie in den sog. Wirtschaftswissenschaften Theorien, die in der Behauptung der Neutralitaet des Geldes gipfeln. Das ist, wie vieles andere auch, ein fataler Unfug. 
Ausgehend von der Vorstellung, dass das Funktionieren einer arbeitsteiligen, hoch ausdifferenzierten, modernen Volkswirtschaft prinzipiell vier Dinge voraussetzt, naemlich:

1.) Arbeit
2.) Produktionsmittel
3.) Geld
4.) einen funktionierenden Staat

wird klar das es auch vier Begruendungen gibt, mit denen man Anteile am wirtschaftlichen Gesamtergebniss beanspruchen bzw. erstreiten kann.

1.) Arbeitseinsatz > Lohn
2.) Produktionsmitteleinsatz > Renditen auf Realvermoegen (Mieten, Pachten, Dividenden, etc.)
3.) Geldeinsatz > Zins
4.) Staat > Steuern

Und damit wird dann auch klar, das Geld, dessen zur Verfuegung stehende Menge sehr weit dem Kreditvolumen = dem Bilanzvolumen der Banken entspricht, nicht neutral ist. Denn es ist schon ein Unterschied ob ich auf einen Dollar oder auf 1000 $ Zinsen zahlen muss. Oder?

Diese Ueberlegung zeigt auch, das jeder durch Ueberbeanspruchung und/oder Verweigerung eine Wirtschaft zum Zusammenbruch fuehren kann. Das gilt fuer Arbeitsverweigerung oder exzessive Lohnforderungen genauso, wie fuer Entzug der Produktionsmittel oder exzessive Renditeerwartungen als auch fuer einen dysfunktionalen Staat oder Steuersaetze von 90%.
Nur Geld ist neutral in Bezug auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Oder?
Und der Faktor mit dem Banken Eigenkapital hebeln = die Geldmenge erhoehen um Renditen von 25% zu erzielen auch nicht . Oder?

Und wie es um die ebenfalls behauptete Selbstregulierung der Maerkte bestellt ist, die den optimalen Zins fuer eine ausuferende Geldmenge auf freien Kapitalmaerkten bestimmt, ist in den letzten Jahren wohl auch klar geworden. Oder? 

Und es wird aus dieser Perpektive auch zunehmend klar, wer sich in den vergangenen Jahrzehnten verantwortungsvoll verhalten hat und wer nicht.  

Sapere Aude!
Georg Trappe


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