Dienstag, 18. Januar 2011

Zwei Probleme

Der Mensch hat erstaunliche Faehigkeiten entwickelt mit Dingen, die linearen Ursache Wirkungs Zusammenhaengen unterliegen, umzugehen.
Die Erfolge der Natur- und Ingenieurwissenschaften beruhen darauf.
Ingenieure meiden Probleme, bei denen sie mit Nichtlinearitaeten zu tun bekommen, wie der Teufel das Weihwasser, denn dort droht der sog. "Solution Morass".

Siehe auch:
Solution Morass
Pharmaindustrie

Die meisten weltlichen Phaenomene insbesondere die der lebendigen Natur sind aber nichtlinearer Natur.

Daraus ergeben sich mindestens zwei Probleme:
1.) Es entsteht ein Druck und die Versuchung die Methoden und Ansaetze, die im linearen Bereich so erfolgreich angewendeten werden, auf den nicht linearen Bereich zu uebertragen. Das muss schief gehen
denn nichtlineare Phaenomene sind sperrig gegen Linearisierungen ueber groessere Distanzen, Zeitraeume, etc.
2.) Die Ingenieure/Technokraten haben "uebersehen", das sie mit der Generierung und globalen Implantierung ihrer linearen Produkte, Bauwerke etc. in grossen Stueckzahlen in ein nichtlineares System eingreifen, das von seiner Natur aus den ihnen bekannten Methoden unzugaenglich ist.

Damit sind Vorhersagen ueber Auswirkungen der Implantate auf das Ganze nahezu unmoeglich geworden. Es werden zwar Symptome und Veraenderungen beobachtet und gemessen, aber es besteht kein Modell oder eine geschlossene Vorstellung, Methode darueber, wie diese Beobachtungen und Messungen zu einer Vorhersage zusammengefuehrt werden koennen. Denn die klassischen Methoden verlieren ihre Gueltigkeit und Durchschlagskraft, wenn es um nichtlineare komplexe Ursache Wirkungs Zusammenhaenge geht.

Wenn eine solche Peinlichkeit noch mit dem zusammen trifft,
was man eine Kultur der Geistesgifte nennen koennte,
(Geistesgifte)
dann hat sie Auswirkungen und einen Verlauf, wie wir es z.Zt. erleben.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Geistesgifte

Es gibt wohl nichts, mit dem man nicht Krieg fuehren, nicht Macht
ausueben und nicht grossen Schaden anrichten kann. Insofern wuensche ich
mir manchmal alle Naturwissenschaftler und Ingenieure wuerden von heute
auf morgen ihre Arbeit einstellen, um so der Hoffnung, man koenne sich
irgendwie aus dem Desaster heraus innovieren, die Grundlage zu
entziehen. Zumindest wuerde dann klar, das man mal ueber den allgemeinen
Geisteszustand diskutieren muss.

Und damit moechte ich den Blick auf eine Ursachenanlayse lenken, die nun
mehr als 2550 Jahre alt ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Drei_Geistesgifte

Wenn man sich dann klar macht, dass die Unkultur amerikanischer Praegung
die bedauerlicherweise zur Lei(d)tkultur geworden ist, genau diese drei Geistesgifte als
Saeulen hat:

Gier > Wall Street, Shareholder Value Konzept, Homo Oeconomicus etc.
Hass > Militaer, Verherrlichung von Gewalt als Konfliktloeser, Hollywood
Unwissen/Verblendung > Werbe und Marketingbudget uebertreffen die
Bildungsaufwendungen

dann wird klar womit man es zu tun hat. Mit einer Geisteskrankheit, die
zur Epidemie geworden ist.

Ein bekuemmertes Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 12. Januar 2011

Power Structure Research zu Beginn der Neuzeit

Durch Gleichgesinnte bin ich auf diesen  Aufsatz, der nun ueber 450 Jahre alt ist, aufmerksam gemacht worden. Vielen Dank. Er ist wohl an Aktualitaet nicht zu ueberbieten.

Sapere Aude!
Georg Trappe

Samstag, 8. Januar 2011

Kopfprodukte

Sowohl eine Rezession als auch ein Aufschwung ist ein Kopfprodukt.
Um zu verdeutlichen, was ich damit meine ein drastisches Beispiel. Deutschland gegen Ende der 20er Jahre. Weltwirtschaftskrise, Reperationszahlungen, eine fragile, junge Demokratie, Arbeitslosigkeit, Orientierungslosigkeit. Eine mehr als verfahrene Situation.
Und dann kommt da eine Type und initiert das groesste bis dahin gewesene staatliche Konjunturprogramm. Investiert in gigantische Bauwerke, Infrastrukturen, Fahrzeuge, Flugzeuge,
Schiffe die alle ganz offensichtlich nur einem einzigen Zweck dienen koennen.

>Kriegsfuehrung.

Wen muss man ueberzeugen, um soetwas in Gang setzen zu koennen? Wer finanziert soetwas? Auch damals war Parteienfinazierung und politische Arbeit teuer. Auch damals gab es schon Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre. Und auch damals wurden schon mit spitzem Bleistift Renditen ausgerechnet.
Wer also muss dazu Ja sagen einen erheblichen Teil seines Vermoegens in ein solches Programm zu stecken, um es ueberhaupt in Gang setzen zu koennen?

>Die Koepfe einer Gesellschaft, die ueber die notwendigen Mittel verfuegen.

Wenn in diesen Koepfen heute die Vorstellung Fuss fassen koennte, dass eine auf qualitative Entwicklung, oekologische Prinzipien und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschaft, die ja viele wuenschen, eine Loesung ihrer Probleme waere, dann haetten wir morgen einen gruenen Kanzler mit dem entsprechenden Kabinet. Das verspreche ich Ihnen!
Das Problem ist, das in den Koepfen dieser Gesellschaft ein Bild existiert, das eine solche Vorstellung unmoeglich erscheinen laesst. Und dieses Bild, das der Vernunft im Wege steht, fusst auf einer dogmatisch gewordenen, als Wissenschaft getarnten, totalitaeren und menschenverachtenden
Ideologie mit den Namen Neoliberalismus und neoklassische Wirtschaftstheorie, die die Loesung wirklich relevanter Probleme als unrentabel fuer die ausrechnet, die ueber die Mittel verfuegen um eine Richtungsaenderung einzuleiten. Und diese als Wissenschaft getarnte Ideologie hat es fatalerweise in die Vorlesungssaele fast aller Eliteschulen dieser Welt geschafft. Keine Schule fuer angehende Wirtschaftsfuehrer, sei es nun Harvard, London,
Fountainbleau oder wo auch immer, die nicht das neoliberale Dogma und die neoklassische Lehre als das Non Plus Ultra auf dem Lehrplan hat.
Jeder Zweifel, jede Hinterfragung wird im Keim (in den jugendlichen Koepfen angehender Wirtschaftseliten) erstickt.
Wir hatten soetwas in Deutschland schon einmal. Nun hat es sich auf globaler Ebene wiederholt. Mit verheerenden Folgen.
Denn Monokulturen sind extrem empfindlich fuer die epidemische Ausbreitung von Fehlentwicklungen = Krankheiten.
Und das gilt auch fuer Monokulturen in den Koepfen unserer Gesellschaft. Denn wer glaubt, der sozialen Frage durch totalitaeren Marktfundamentalismus ausweichen zu koennen, der irrt!

Sapere Aude!

Georg Trappe

Ein ernster Dialog, oder Schwarzmalerei?

Mit freundlicher Genehmigung von und auf Anregung durch Herrn Dr. Eichner veroeffentlich ich hier einen Email Dialog mit ihm zu den aktuellen Entwicklungen in den USA.

Sehr geehrter Herr Trappe,

Obama wird die USA nicht retten können. Ich war ja zuletzt immer derjenige von uns beiden, der noch einen Funken Hoffnung hatte, er könne vielleicht doch einen Kurswechsel zustande bringen. Dafür gibt es nun offensichtlich keine Grundlage mehr.
Bedenkt man im Lichte der Geithnerschen Warnung, das China nun klar Farbe für Europa und den Euro bekennt und sich das auch etwa kosten lässt, dann sieht es für mich so aus, als seien die USA politisch praktisch isoliert. Nimmt man das Revirement hinzu, dann kann man wohl folgern, dass es nun vielleicht nur noch darum geht, relativ unbeschadet aus der Verantwortung zu entkommen. Andererseits bin ich mir angesichts der Historie der neuen Männer an seiner Seite nicht mehr sicher, ob Obama politisch überhaupt noch eine Rolle spielt. Denn neben diesen bewährten Machern der Korporatokratie verblasst er beinahe zu einer Marionette.
Meine Sorge vor dem Hintergrund der machtpolitischen Verschiebungen (Europa mit China) ist, dass Geithners Warnung und das Revirement der Startpunkt für eine nunmehr verschärfte, vielleicht unerbittliche weltpolitische Gangart der USA zur Verteidigung des Status Quo gewesen sein könnte. Was die USA bisher in dieser Hinsicht alles unternommen haben, war schon nicht ohne. Aber nun stehen sie mit dem Rücken zur Wand, mit einem überaus aufmüpfigen Lateinamerika und einem China, das um die Schwäche der USA weiß und sie intelligent nutzen wird, um selbst Weltmachtstatus zu erlangen.
Vieles deutet m. E. darauf hin, das China in diese Richtung strebt: die Einkaufstour von Rohstoffen und Rohstoffquellen sowie die vielen Beteiligungen, die massive militärische Aufrüstung, die Tatsache, dass Russland China unterstützt (z. B. Energielieferungen) wie nie zuvor, die zunehmende Angst Japans vor China, Chinas demonstrative Unterstützung für den Euro, die Aktivitäten die eigene Währung zu einer Weltwährung zu machen (Honkong).
Europa wirkt angesichts dessen beinahe nur wie ein Spielball der Interessen. Nebenbei bemerkt hat die EU m. E. keine andere Option mehr, als sich bewusst, konsequent und vor allem auch sichtbar von den USA und deren Beeinflussung zu lösen. Aber noch sehe ich nicht, dass etwas in dieser Richtung unternommen wird.
Wenn aber die USA jetzt für alle sichtbar mit dem Rücken zur Wand stehen, zu was werden sie dann zur Verteidigung ihrer globalen Rolle und zur Wahrung ihrer Interessen in der Lage sein? Verzweifelte sind unberechenbar. Aber wahrscheinlich male ich einmal mehr zu schwarz.

Herzliche Grüße
Stefan L. Eichner
--
Sehr geehrter Herr Dr. Eichner,

ich denke, Sie malen nicht schwarz. Ich habe in verschiedenen Kommentaren zu Artikeln in der ZEIT Online versucht darauf hin zu weisen, welche Gefahren daraus erwachsen, wenn die Welt und die US Bevoelkerung entdecken, dass die Supermacht garnicht so super ist.
Wenn eine solche Fehleinschaetzung ueber Jahrzehnte anhaelt, dann tuermt sich etwas auf, dessen friedliche Loesung ein Hoechstmass an Dialogbereitschaft und Faehigkeiten erfordert. Diese sehe ich zwischen USA und China nicht. Die Gefahr, das da die Fetzen fliegen werden, ist in meinen Augen hoechst real und wird von den meisten wohl unterschaetzt. Gleichzeitig wird von Teilen der US Bevoelkerung dieses Ende der (Selbst)Taeuschung = Entaeuschung als demuetigend empfunden. Das gibt im Innern denen auftrieb, die die Wiederherstellung der "amerikanischen Ehre" im Programm haben. Das erinnert mich an Zeiten, in denen die deutsche Supermacht nach dem WK I durch einen aehnlichen, als Demuetigung empfundenen,
Selbsterkenntnisprozess gehen musste (Vertraege von Versailles, Weltwirtschaftskrise, extreme Arbeitslosigkeit, eine fragile junge Demokratie).  Weiterhin ist es ein tief in der Gruendungsgeschichte der USA verwurzelter Glaube, sich mit ueberlegener Waffentechnologie und deren Anwendung das Objekt der Begierde zu verschaffen. Und die Ideen einer globalen Hegemonie und Pax Americana, die es erlaubt die Ersparnisse der Lieferanten zum eigenen Konsumexzess zu nutzen, sind garantiert nicht mit der Wahl Obamas auf dem Muell gelandet. Obama ist inzwischen eine Marionette. Das war er wohl von Anfang an. Denn fuer mich ist nicht erkennbar, dass er sich entschieden und mit einer Chance auf Erfolg gegen die Verursacher des Desasters gestellt hat. Warum er sich nach Powell und Rice als weiterer Afroamerikaner
diese unwuerdige Rolle antut, ist fuer mich unverstaendlich und wird wohl auch sein Geheimnis bleiben. Es koennte an einer Art "Doublebind" liegen, dem wohl viele Karriere orientierte Menschen in ihrer Jugend ausgesetzt waren.

Wie dem auch sei. Die Rolle Europas in diesem Zusammenhang ist ein Trauerspiel, da es keinen eigenen Weg aus der transatlantischen Allianz findet. Wie auch, wenn man sich so hat ueber den Tisch ziehen lassen und das dem Publikum ueber Jahre als strategische Notwendigkeit verkauft hat und dabei noch an der gleichen Krankheit leidet, ohne ein Rezept zur Kur zu haben.

Die Japaner sind zu bedauern, da sie anscheinend in dem ursaechlichen Reifeprozess den anderen Industrienationen ein paar Jahre voraus sind. Was man von ihnen lernen kann, ist, das, wenn im Innern das Potential eines technologischen Standes ausgeschoepft ist, der Konsum durch staatliche Programme nicht dauerhaft zu steigern ist und die Flucht in den Export auf Kredit ebenfalls keine tragfaehige Loesung ist, um auf Dauer deflationaeren Tendenzen zu entgehen. Und das amerikanische Rezept (s.o.) steht ihnen ja als Lieferant nicht zur Verfuegung.

Die durch den Reifeprozess entstandenen Verkrustungen muessen aufgeloest werden. Daran fuehrt wohl kein Weg vorbei. Und das wird geschehen. So oder so. Wenn nicht proaktiv in einem einigermassen kontrollierten Vorgang durch Zerschlagung der Konzerne und eine Gesetzgebung, die exklusive Eigentumsrechte an ueber Generationen akkumuliertem Megavermoegen unterbindet, dann in einem unkontrollierbaren Ausbruch von verzweifelter
Gewalt. Und das ist meiner Meinung nach leider eine durchaus reale Moeglichkeit
im neuen Jahrzehnt.

Herzliche Gruesse

Georg Trappe

Freitag, 7. Januar 2011

Die Zahlungsunfaehigkeit der USA steht bevor

Durch einen guten Bekannten wurde ich auf diese beiden Artikel aufmerksam gemacht:
http://www.handelsblatt.com/politik/international/dramatischer-appell-geithner-warnt-kongress-vor-zahlungsunfaehigkeit-der-usa;2725906
http://www.handelsblatt.com/politik/international/us-regierung-rueckzug-der-getreuen;2725892
Er bat mich auch um eine Einschaetzung. Und die sieht wie folgt aus:
Der Hinweis des US Finanzministers auf die bevorstehende
Zahlungsunfaehigkeit ist in etwa das, was ich mir als einen Bestandteil
der von mir vermissten Blut, Schweiss und Traenen Rede zu Beginn der
Obama Amtszeit gewuenscht haette. Jetzt im Zusammenhang mit der von den
Reps durchgesetzten Fortsetzung der Steuervorteile fuer die Profiteure
des Desasters ist es ein wirkungsloses "Schwarzer Peter" schieben.
Insgesamt habe ich den Eindruck, und damit komme ich dann zum
Revirement, dass es Obama und seiner Mannschaft nur noch darum geht
moeglichst mit einigermassen sauberer Weste wieder aus der Verantwortung
heraus zu kommen. Sozusagen als der Praesident, der angesichts
unloesbarer Probleme wenigstens eine Krankenversicherung durchgesetzt
hat. Darueber kann man dann ein Buch schreiben und auf Vortrags- oder
Charity Veranstaltungen zum Zeitvertreib mit klugen Reden brillieren.

Eine Volkswirtschaft, die sich ueber Jahrzehnte zum einen
deindustrialisiert hat und gleichzeitig die Gelder die von ihren
Warenlieferanten zur Investition! wieder an sie zurueck flossen, im Zuge
des groessten jemals angelegten Betrugs in den eigenen Konsum fliessen
liess, ist nicht zu retten. Auch nicht von einem Obama.

Die Beendigung der Taeuschung der Lieferanten ueber die Unfaehigkeit und
den Unwillen die aufgelaufene Rechnung jemals mit realen Leistungen
begleichen zu koennen, geschieht mit der beruechtigten Salamitaktik.
Und nebenbei arbeitet das groesste PIG aller Zeiten seine PIIGS Liste ab
und zieht so "freundschaftlich" verbundene Volkswirtschaften mit in den
Abgrund, nachdem die AAA gerateten Muehlsteine erfolgreich von den
hiesigen Banken an den Steuerzahler weitergereicht wurden. Und in
unseren Parlamenten streitet man derweil, welche Hymne man denn spielen
soll, wenn es denn so weit ist, das nur noch Zeit fuer
eine Hymne verblieben ist. Und die Gelehrten werden bis zum letzten Tag
darueber streiten und es wohl niemals begreifen, das ein
Wirtschaftssystem, das so konzipiert ist, das es ohne Wachstum zusammen
bricht, zwangslaeufig zusammenbrechen muss, wenn ein der Systematik
innewohnender und gesetzlich abgesicherter Reifungs- und
Konzentrationsprozess dazufuehrt, das die Wahrscheinlichkeit fuer
tatsaechlich wachstumsausloesende Investitionen, die diese Bezeichnung
auch tasaechlich verdienen wuerden, staendig abnimmt.

Ein Halleluja auf den neoklassischen Sand, in dem die meisten
neoliberalen Koepfe der wirtschaftlichen und politischen Eliten
dank Freikauf mit Steuermitteln immer noch stecken und wo sie weiterhin
nicht zu mehr im Stande sind, als vollkommen ueberbezahlt auf endogenes
Wachstum, das vom Himmel faellt zu hoffen!

Sapere Aude!