Samstag, 30. April 2011

It's the management stupid. Oligopole haben die Macht.

Dieser Artikel von Peer Steinbrueck auf Zeit Online provozierte bei mir diese Reaktion:

Sehr geehrter Herr Steinbrueck,

ueberall dort, wo sich Oligopole entwickelt haben, steht dem Machtmissbrauch die Tuer offen. Da hilft keine Regulierung oder Bestrafung der Machtmissbraucher, denn Oligopole haben immer die Macht die Lasten, die aus ihrem Machtmissbrauch entstanden sind, auf ihre Kundschaft abzuwaelzen. Ich fasse dies seit einiger Zeit salopp unter dem Begriff des Fettaugensyndroms zusammen. Wenn Sie wirklich etwas an den verheerenden Verhaeltnissen in unserer Gesellschaft aendern moechten, dann kommen Sie an der Brechung der Macht in den Haenden weniger nicht vorbei. Die "Fettaugen" muessen zerteilt und aufgeruehrt werden, ansonsten ersticken sie die Gesellschaft. Konkurrenz muss dahin getragen werden, wo sie hin gehoert. Endlose Akkumulation von Vermoegen und Macht gehoert in einer zivilsierten Gesellschaft, die es mit demokratischen Prinzipien ernst meint verboten. Alles andere ist Symptompfuscherei und vernebelt den Blick fuer die wahren Ursachen dafuer, das sich Banken als Vertreter der Reichen und Reichsten dreist selbst zur fuenften Gewalt erklaeren konnten (Breuer 2000) und inzwischen Restauration und Refeudalisierung soweit voran treiben konnten, das aus unserer Demokratie eine Plutokratie geworden ist. Dies muss endlich von allen Demokraten, die diesen Namen zu Recht tragen wollen und sich nicht mitschuldig machen wollen, erkannt und dann auch mit aller Entschiedenheit bekaempft werden.

Sapere Aude!

Georg Trappe


P.S.:Im Grundgesetz ist mit Art 14 Abs 2 die Sozialpflichtigkeit des Eigentums festgeschrieben. Der Gesetzgeber hat aber in ueber 60 Jahren BRD keine nachfolgende Gesetzgebung geschaffen, die diese Sozialpflichtigkeit des Eigentums wirksam vor deutschen Gerichten durchsetzbar macht. Dies ist in meinen Augen ein "merkwuerdiges" Versaeumnis. Denn der Artikel 88 des Grundgesetzes wurde unter anderem mit dem Bankgesetz postwendend umgesetzt und hat darin das Primat der Politik ueber das Bank-, Kredit- und Geldwesen an eine unabhaengige Bundesbank und inzwischen eine unabhaengige EZB uebertragen. Damit ist es nahezu unmoeglich geworden mit demokratischen Mitteln den dadurch quasi uebergesetzlich gewordenen Status des verheerenden Gesetzes vom Zins und Zinseszins entgegen zu wirken. Das ist das Problem! Und nichts anderes!

Freitag, 29. April 2011

Freiheit? Gleichheit? Bruederlichkeit?

Ein Freund stellte an anderer Stelle vor Kurzem folgende Frage:
 
"Ist der freie Wille nur ein Trick unserer Hoffnung, mit dem wir uns täuschen?"

Ich denke, nein. Ich kann jederzeit, in jedem Moment aus einer unendlichen Zahl von Handlungsoptionen waehlen und dann auch versuchen diese Wahl in die Tat um zu setzen. Bei diesem Versuch werde ich aber mit Grenzen konfrontiert, die zum einen in mir und meinen Faehigkeiten begruendet liegen, sowie auch in einem endlichen Potential an Mitteln, das mir zur Umsetzung zur Verfuegung steht. Wege die nun dieses endliche Potential an Mitteln zur Umsetzung meiner freien Entscheidungen moeglichst weit auszudehnen suchen, sind Irrwege in einer Welt, die durch endliche materielle Resourcen gekennzeichnet ist. Denn dann wird sehr leicht eine Grenze ueberschritten die meine Freiheit zur Unfreiheit eines Anderen macht. Ein Freiheitsstreben, das dies nicht erkennt und anerkennt, ist zum Scheitern verurteilt. Gleichzeitig muss ich mir bewusst sein, das meine Wahrnehmung hoch selektiv ist und damit meinem Denken und dem Auswahl- und Entscheidungsprozess einen Fokus verleiht. Die Entstehung dieses Filters und die daraus folgende Ausformung des Fokus, ist wahrscheinlich eine der interessantesten Sachen ueberhaupt. Es fliessen sehr viele Dinge ein, vom aktuellen Kontext in dem man sich zu befinden glaubt, ueber die eigene Geschichte/Erfahrung und den eigenen kulturellen Hintergrund bishin zu dem was man fuer sinnvoll haelt und was nicht, um nur einige der relevanten Elemente zu nennen. Menschenfuehrung beschaeftigt sich z.B. mit dieser Fokusbildung und hat zum Ziel eine Gruppe von Menschen (die Gefuehrten) auf ein gemeinsames Ziel das ihnen sinnvoll erscheint zu fokusieren, um so den Drang zu handeln in eine gemeinsame Richtung zu lenken. D.h. eine wirksame Methode Macht auszuueben, ist die Einflussnahme auf diesen selektiven Wahrnehmungsprozess der zur Fokusbildung fuehrt.Denn diese Fokusbildung ist zum einen eine Notwendigkeit, da sie die unendliche Freiheit auf ein fuer den Menschen "handhabbares" Mass reduziert, zum anderen aber auch ein Einfallstor fuer fuehrende bis manipulative Eingriffe in die "freie" Willensbildung. Die dabei zum Einsatz gebrachten Methoden sind vielfaeltig und tragen entsprechend viele Namen. Erziehung ist ein Beispiel, Werbung ein anderes. Es gibt subtile Methoden und offensichtliche, langfristig wirksame und kurzfristig wirksame. Es existiert ein ueberwaeltigendes Spektrum, was nicht verwundert in einer Welt, in der viele Menschen von der Machtausuebung ueber andere Menschen leben. Es herrscht geradezu ein Methodenwettbewerb, der im Ziel seines Strebens im direkten Widerspruch zu den offiziell verkuendeten Idealen der Freiheit, Gleichheit und Bruederlichkeit steht. Denn der effizienteste Methodenmix obsiegt und die Freiheit (selbst die der Gedanken) geraet immer mehr in Gefahr, wenn sie nicht schon vollends sediert darnieder liegt.
Von Gleichheit und Bruederlichkeit ganz zu schweigen. Da kann es einem schonmal so vorkommen als gaebe es gerade in der Zeit, in der ein exzessiv anmutender (Neo)Liberalismus seinem Zenith zu strebt, die Willensfreiheit nicht mehr. Was ja ein huebsches und ueberaus interessantes Pardoxon waere. Ist es aber nicht! Denn in einer Welt endlicher materieller Resourcen ist die Freiheit des einen die Unfreiheit des anderen, wenn die Freiheit sich im wesentlichen ueber die Zahl der Optionen zu Handlungen definiert, die zu ihrer Durchfuehrung auf diese endlichen materiellen Resourcen zurueck greifen. Diese einfache Einsicht und ein evtl. vorhandenes Gewissen reichen meiner Meinung nach aus, um zu einer Lebensfuehrung zu finden, die sich am Genuegenden anstat am Moeglichen orientiert und somit Leid minimiert. Das Streben nach immer mehr Wissen erscheint mir da inzwischen der Ausdruck eines Glaubens zu sein, der auf die Moeglichkeit der Ueberwindung von prinzipieller Knappheit endlicher Resourcen abzielt. In der neoklassischen Wirtschaftsthoerie heisst das dann unendliches endogenes Wachstum durch unendlich wachsendes Humankapital=Wissen. Mit der empirisch belegten Folge, das immer effizienter die ausufernde Freiheit Weniger auf Kosten der Freiheit Vieler durchgesetzt wird und sich die Freiheit im Ganzen betrachtet in ihr Gegenteil verkehrt. Es gibt aber kein Perpetuum Mobile, auch keins der zweiten Art und es gelten die Erhaltungssaetze. Und Diejenigen, die sich dagegen auflehnen bewirken nur, das andere dafuer die Rechnung zahlen, z.B. durch Unfreiheit. Die Unfreiheit von 26000 Menschen taeglich eine fuer das Ueberleben genuegende Ration zu essen zu bekommen. Die Unfreiheit vor allen Dingen zukuenftiger Generationen ueber genuegend Energie, reine Luft und reines Wasser zu verfuegen. Und die Unfreiheit von Millionen sich in einem genuegenden und wuerdigen Mass am zentralen Lebensbereich Wirtschaft beteiligen zu koennen. Nun hinterlaesst ein Appell an die Genuegsamkeit und Bescheidenheit in einer Welt, die derart auf Konkurrenz um Resourcen zur Maximierung individueller, materieller Freiheiten Weniger ausgerichtet ist, einen schalen Beigeschmack. Denn die Selbstbescheidung und der Aufruf dazu arbeitet ja direkt in die Haende derjenigen, die sich skrupellos alles unter den Nagel reissen. So wie es die angeblichen Forschungsergebnisse, die den freien Willen und damit das Prinzip von Verantwortung in Abrede stellen auch tun. Was also tun? Sich in dieser Pyramide der freiwilligen Knechtschaft einrichten in der Hoffnung, dass man schon ein Plaetzchen in den oberen Stockwerken erwischen wird oder behalten kann? Oder den Helden spielen und sich nicht nur mit den Chancenlosen solidarisch erklaeren sondern mit ihnen heldenhaft untergehen?
Den Notausgang nehmen?
Die didaktische Aufgabe besteht aus meiner Sicht also darin, ein schon bis ins Destruktive ueberzogenes Freiheitsideal so in Frage zu stellen, dass die Minderheit, die sog. Elite, der es ueber alle Masse hinaus gelungen ist, ihre persoenlichen materiellen Freiheiten auf Kosten anderer gigantisch auszudehnen, moeglichst gewaltfrei dazu bewegt wird, von diesem Verhalten im Interesse aller in Zukunft Abstand zu nehmen. Das ist doch mal eine Aufgabe und eine Herausforderung, die den Namen auch verdient, oder? Viel Spass bei der Loesung wuenscht
wie immer mit einem freundlichen
 
Sapere Aude!

Georg Trappe

Dienstag, 19. April 2011

Psychologische Kriegsfuehrung

In der Geschaeftswelt ist es ueblich geworden, die Koepfe der potentiellen Kundschaft als das Schlachtfeld zu bezeichnen, auf dem mittels Marketing und Werbung die Auseinandersetzung um die Gunst des Kunden gefuehrt wird. Einen Einblick in diese Denke gibt das Buch Marketing Warfare. Nun ist die zynische Anlehnung an Kriegsstrategien kein Zufall. Vielmehr werden diese auf den einschlaegigen Business Schools gelehrt und gehoeren dort zur Grundausbildung der Strategieentwicklung. Wenn es also um die Koepfe geht, dann ist Psychologie natuerlich auch nicht fern. Und wie im richtigen Leben auch, spielt Psychologie eine zentrale Rolle im Geschaeftsleben und im Kriegsgeschaeft. Seit jeher wird bei gewaltsamen Auseinandersetzungen versucht den Gegner mit psychologischen Mitteln zu beeinflussen, um die strategischen Ziele zu erreichen. Im Kriegsgeschaeft heisst das dann psychologische Kriegsfuehrung. Inzwischen sind also nicht nur die Konzerne und deren Marketing und Vertriebsorganisationen psychologisch hoch geruestet, sondern auch die Armeen dieser Welt. Die Bundeswehr unterhaelt in Koblenz einen Trupp von ca 1500 Mann alleine fuer diese Zwecke. In den USA laeuft das unter Psychological Warfare. In diesem Artikel kommt dann auch Alexander der Grosse vor, der in “Fachkreisen” ja als grosses Vorbild fuer erfolgreiche Kriegsfuehrung gehandelt wird. Ich zititiere:
"Although not always accredited as the first practitioner of psychological warfare, Alexander the Great undoubtedly showed himself to be effective in swaying the mindsets of the populaces that were conquered in his campaigns.

To keep the new Macedonian state and assortment of powerful Greek tribes
from revolting against their leader, Alexander the Great left some of  his men behind in each city to introduce Greek culture, control it, oppress dissident views, and interbreed. Alexander paid his soldiers to marry non-Greek women. He wanted to assimilate people of all nations."
Viel interessanter ist aber, was aus PSYOPS in juengster Zeit geworden ist. Dieser Artikel ist ein echter Augenoeffner und hat in USA ein erhebliches Aufsehen erregt, bis hin zu einer offiziellen Untersuchung der Vorgaenge, die natuerlich im Sande verlaufen wird. Ich zitiere:
"The top U.S. commander in Afghanistan is ordering an investigation into claims that an Army unit trained in psychological operations was improperly told to manipulate American politicians – including Rep. Steve Israel (D-Dix Hills) – to get more money and troops for the war. The staff of Lt. Gen. William Caldwell, head of the effort to train Afghan security forces, ordered the information…"
Es besteht der Verdacht das ehemalige Offiziere der Bundeswehr aus dem Bereich der Inneren Fuehrung und der sog. Operativen Information kurz OPINFO die unter anderem von Franz Josef Strauss, man erinnere sich, dem ersten Atomminister und dem Beschaffer des ersten Atomwaffentraegersystems fuer Deutschland, dem Starfighter, gegruendet wurde, gezielt und im Auftrag in verschiedenen Onlineforen Meinungsmache betreiben.

Das Ganze ist also angesichts der juengsten Entwicklungen kein Spass sondern bitterer Ernst und riecht gewaltig nach Wiederaufleben der Harzburgerfront im Zeichen des Deutschrittertums, dem die Republik die sog. Familiaren Adenauer, Straus und Stoiber verdankt. All das im Rueckblick auf den steilen Aufstieg und den merkwuerdigen Fall vuz Guttenberg betrachtet, macht mir grosse Sorgen.Siehe auch INFOOPS, IO2, MEDIAOPS.
Einen Einblick wie es zu diesen Verstrickungen mit dem Waffenbruder kam, gewaehrt Egon Bahr in diesem Artikel. Ich zitiere nochmal den letzten Absatz:

“Ein Relikt der Lebenslüge ist übrigens geblieben: Noch heute wird von der nuklearen deutschen Teilhabe gesprochen. Es gibt ein Geschwader der Bundesluftwaffe, das amerikanische Atombomben ans Ziel tragen soll. Das Wort »Teilhabe« suggeriert, dass wir dabei eine Mitbestimmung haben. Die hatten wir nie. Helmut Schmidt hatte als Bundeskanzler vergeblich ein deutsches Veto gegen den Einsatz erörtert. Derzeit wird überlegt, ob die Flugzeuge, die nur bis 2012 oder 2013 einsatzfähig sind, ersetzt werden müssen. Aber mit Barack Obama im Weißen Haus sollte es leicht sein, dieses letzte Symbol der Vergangenheit loszuwerden.”
Ich teile seinen Optimismus aus gegebenem Anlass nicht.

Sapere Aude!
Georg Trappe

Sonntag, 3. April 2011

Warum Maerkte nicht funktionieren. Teil 2

Meine Kritik beruht im wesentlichen auf zwei Punkten, die meine regelungstechnische Analyse des gaengigen “Marktmodells” heraus gearbeitet hat.

1.) Eine Regelung die versucht mit einem Regler (=Preis(bildungsprozess)) gleichzeitig zwei Regelstrecken (Angebot und Nachfrage) so zu regeln, das diese immer ausgeglichen und in einem Gleichgewicht sind kann nicht funktionieren, wenn sich die Regelstrecken in ihrem dynamischen Verhalten und anderen wichtigen Parametern stark von einander unterscheiden.

2.) Eine Regelung die versucht mit einem Regler(=Preis(bildungsprozess)) eine Regelstrecke zu regeln, die in ihrer Uebertragungsfunktion ein wechselndes Vorzeichen der ersten Ableitung der Uebertragungsfunktion hat oder sogar ein zeitvariantes Vorzeichen der ersten Ableitung der Uebertragungsfunktion hat, kann nicht funktionieren.

Ich denke, das haben die Insider auch erkannt. Die Loesung fuer 1.) heisst naemlich eine Regelstrecke aus dem Regelkreis heraus zu nehmen und ihr ein Primat = Macht zu geben, waehrend die andere Regelstrecke im Regelkreis verbleibt und so dann funktionieren kann.
Die Frage ist nun, welche Regelstrecke erhaelt das Primat = die Macht zur Dominanz des Systems. In den Wirtschaftswissenschaften heisst das dann angebotsorientierte oder nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik. Die neoklassische Wahl faellt auf die angebotsorientierte Wirtschaftspolitik und gipfelt im Sayschen Theorem, was da besagt, dass sich jedes Angebot seine Nachfrage selber schafft. Wuerde man das in der Konsequenz durch fuehren, das in den Angebotsprozess anstatt des Preises ein Plan einfliesst (z.B.ein drei Jahresplan), dann haetten wir den Zustand einer Planwirtschaft,
mit all seinen bekannten Folgen.

Der Unterschied besteht nun darin, das zum einen der Angebotsprozess idealerweise aus vielen paralell geschalteten Anbietern besteht, die in Konkurrenz zueinander stehen, sowie der Nachfrageprozess aus vielen Nachfragern besteht, die auch in Konkurrenz zueinander stehen. Die Eingangsgroesse, die diese Angebotsprozesse steuert ist aber nicht der Preis, sondern die Renditerwartung. Angebote, die erzeugt werden ohne diese minimale Renditeerwartung (Zins) erfuellen zu koennen verschwinden, weil es angeblich risikolos =”besser” waere das Kapital auf die Bank zu bringen, anstatt es in eine Unternehmung zu stecken, die weniger Gewinn abwirft als ein Bankkonto und noch risikoreicher als ein solches ist. Faktisch wird dann, wenn das Kapital auf dem Bankkonto landet, die Allokationsentscheidung in die Haende der allmaechtigen Banken gelegt.

Es entsteht also ein Kapitalmarkt der die gleiche Struktur hat, wie der bisher betrachtete generische Markt. Allerdings mit dem Unterschied, das seine Stellgroesse nicht der Preis ist, sondern der Zins oder die daraus abgeleitete Mindestrenditeerwartung, die auch zur Steuerung des Warenangebotsprozesses dient.

Der Kapitalmarkt hat nun das gleiche Problem, wie unser urspruenglich betrachteter generischer Markt. Der Zins regelt die Kapitalnachfrage der Waren- und Dienstleistungsangebot erzeugenden Unternehmungen und die Kapitalnachfrage, allerdings mit dem Unterschied, das auf diesem Level der “staatliche” Eingriff, das Primat in Form von Zinsfestsetzungen durch die "politik unabhaengige" Notenbank erlaubt wird. Also eine Steuerung und keine Regelung stattfindet, obwohl die Eingreifenden, also die Notenbanker nicht vollkommen frei von Rueckkopplungen und Einfluessen sind, die auf sie einwirken, wenn sie die Zinsen fest setzen.
Die Fuehrungsgroesse der EZB z.B. ist der Geldwert bzw. die Inflation der Preise eines bestimmten Warenkorbs. Die US FED versucht gleichzeitig zwei Fuehrungsgroessen gerecht zu werden, was regelungstechnisch ein Unding ist, naemlich dem Geldwert bzw. dem Inflationsziel, als auch der Beschaeftigung.
Wenn man diesen Gesamtkonstrukt mathematisch abbildet, kommt man zu einem mindestens dreistufigen Lotka Volterra Raeuber Beute System, bestehend aus Konsumenten, Waren- u. Dienstleistungsanbietern und Kapitalisten. Wenn man es aber auf die Spitze treibt und die Schichtungen innerhalb der drei Spezies auch noch abbildet, dann kommt man zu einem sog. Generalized Lotka Volterra System mit N Spezies. Interessanterweise stellen sich bei einer numerischen Simulation eines solchen N-Spezies Systems relativ unabhaengig von der Parametrisierung pareto-, zipfverteilte Vermoegens- und Einkommensverhaeltnisse ein. Ich habe nach dieser “Entdeckung” versucht herauszufinden, ob noch andere zu aehnlichen oder gleichen Schluessen gekommen sind. Bisher habe ich nur Peter Richmond und Sorin Solomon gefunden, die diese Beobachtung ebenfalls gemacht und in verschiedenen Papern beschrieben haben. Allerdings scheinen sie nur von der (inuitiven?) These, dass ein Lotka Volterra System eine zutreffendes Modell sein koennte, ausgegangen zu sein. Denn die Herleitung ueber das “falsche Marktmodell” hin zu dieser Betrachtung scheint neu bzw. ihnen nicht gelaeufig zu sein.

Bemerkenswert ist weiterhin, das wissenschaftliche Untersuchungen ueber die Ursachen der pareto-, zipfverteilten Vermogens- und Einkommensverhaelnisse aeusserst rar gesaet sind. Es gibt zwar jede Menge empirische Untersuchungen, die diese Zustaende immer wieder neu bestaetigen, aber eine tiefergehende Ursachenanalyse mit belastbaren Ergebnissen ist kaum, wenn ueberhaupt zu finden.

Sehr merkwuerdig, wie ich finde!

Die Rueckschluesse auf die Wirksamkeit eines politischen Primats, wie es immer wieder diskutiert wird, sind dramatisch, wenn dieses GLV Modell tatsaechlich eine einigermassen realitaetsnahe Beschreibung darstellen sollte. Doch dazu spaeter mehr.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Samstag, 2. April 2011

Ersparnisse = Investitionen

Dieser Ansatz der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist ein Teil des Problems. Denn eine Investition wird nicht dadurch zur Investition, dass sie auf einem Konto mit dem Namen Investition verbucht wird.

Aus der Sicht eines Investors ist eine Investition nur dann eine solche, wenn sie nach einer Zeit x sich selbst plus einen Ertrag wieder eingespielt hat. D.h. jede Investition ist aus dieser Sicht spekulativ, da auf eine unsichere Zukunft bezogen.

Nun muss man noch eine wichtige Unterscheidung treffen, die fuer den Investor, mit dem Ziel einen Kapitalrueckfluss plus Gewinn zu erzielen, aber von untergeordneter Bedeutung ist. Es gibt Investitionen in Nullsummenspiele, in denen nichts geschaffen sondern nur bereits Geschaffenes umverteilt wird, und es gib Investitionen, die darauf gerichtet sind sog. Externalitaeten, wie z.B. Rohstoffe, zu internalisieren, um so Werte zu schaffen = Transformation von Umwelt in Dinge die den Menschen Nutzen (im weitesten Sinne) bringen.

Eine potentielle Investition, die nicht in ein Nullsummenspiel geht, wird aus dieser Sicht zu schlichtem Verbrauch, wenn sie keinen Gewinn erzielt.Sie muss dann ganz oder in Teilen abgeschrieben werden. In einer hochentwickelten Wirtschaft wird die Wahrscheinlichkeit, dass die potentielle Investition, die nicht in ein Nullsummenspiel geht, eine tatsaechliche Investition wird, also die Transformation von z.B. Rohstoffen zu nuetzlichen Dingen bewirkt UND dabei einen Gewinn erzielt wird, immer geringer, da die niedrig haengenden Fruechte bereits abgeerntet sind. Dies loest  Kostensenkungs- und Konzentrationsprozesse aus, die die qualitative Entwicklung der betroffenen Volkswirtschaft beeintraechtigt. Die Auswege fuer Investoren sind die von der Finanzindustrie organisierten Nullsummenspiele, in denen nur bereits vorhandenes Kapital umverteilt wird oder aber die Investition in eine weniger entwickelte Volkswirtschaft, in der die niedrig haengenden Fruechte noch nicht abgeerntet sind, z.B. in den BRIC Staaten. Das Perverse ist aber, dass die Gewinne, die in diesen aufstrebenden Volkswirtschaften erzielt werden, zu einem grossen Teil in die bereits entwickelten Volkswirtschaften zurueckfliessen und dort nach "sicheren" Investitionsmoeglichkeiten suchen.

Beispiel China und seine enormen Reserven in US Treasuries oder auch die oelexportierenden Laender der arabischen Welt, die ihre Oelertraege in den USA "reinvestieren". Dies hat den entwickelten Volkswirtschaften, allen voran den USA einen systemisch "aufgezwungenen" Konsum = Kapitalvernichtung ermoeglicht, der auch noch durch den Vertrieb von triple A rated Buchstabensuppe Papieren, die auf faulen Hypothekenkrediten beruhten, zum Geschaeftsmodell der Wallstreet Banken wurde und so beschleunigt Richtung Wand gefahren wurde.

Sie haben recht, wenn z.B. die Babyboomer entdecken, das ihre potentiellen Investitionen sich als bereits verkonsumiert herausstellen, dann haben wir eine Offenbarung mit dem Namen Weltwirtschaftskrise! Denn dann wird vielen, wenn nicht allen schlagartig klar, dass zwar auf dem Konto mit dem Namen Investition verbucht wurde, die Realitaet aber in den seltensten Faellen diese Bezeichnung verdiente, da keine nutzbringende UND gleichzeitig gewinnbringende Anlage des Kapitals stattgefunden hat. Der neoklassische Sand in dem die verantwortlichen Koepfe immer noch stecken, verstellt den Blick auf diese Realitaet durch sein Postulat des endlosen endogenen Wachstums. Das dumme ist, die Realitaet hat keine neoklassischen Wirtschaftswissenschaften studiert und scheint ziemlich ignorant gegenueber Loesungsansaetzen zu sein, die aus dieser Denkschule kommen. Wer dies konsequent zu Ende denkt, wird auch erkennen muessen, das die aktuelle Reaktion der Zins- und Geldpolitik auf die Weltwirtschaftskrise angemessener war und ist, als sie es Ende der zwanziger Jahre war, wo durch ein rigides Sparen die Krise nur verschaerft wurde. Aber Geld- und Zinspolitik alleine koennen keine Loesung der zugrundeliegenden strukturellen Probleme bewirken. Das wird im nun vierten Jahr der Krise ueberdeutlich sichtbar werden.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.:
Ich habe dazu vor etwa einem Jahr mal zwei Artikel verfasst. Auch die Kommentare dazu sind lesenswert.
Ich behaupte inzwischen. Die Wirtschaftsteile der gaengigen Medien sowie Handelsblatt, FTD etc. haben vorrangig eine Aufgabe. Diesen Sachverhalt mit viel heisser Luft und schwulstigem Fachgeschwurbel zu vernebeln.

Da werden Deutsche gegen Griechen aufgehetzt und umgekehrt obwohl die wirklichen Ganoven die politikberatenden neoklassischen Oekonomen sind, die uns diesen Mist als "State of the Art" ihrer Zunft verzapft und eingebrockt haben. Im Auftrag einer im Hintergrund agierenden mittlerweile transatlantisch oder sogar glogal agierenden "Harzburgerfront" von mir auch "Solidarpakt der Geld- und Machteliten" genannt. Siehe auch Power Structur Research.

http://de.wikipedia.org/w...
GT