Samstag, 26. November 2011

Befremdlich?

SPON liefert einen Artikel mit dem Titel "Befremdliches Angebot" und erklaert warum die Commerzbank Optionsscheine auflegt, die Gewinn versprechen, wenn die Commerzbankaktie unter 1 Euro faellt. Die interessante Frage ist, wieviele dieser Optionen im Besitz der Commerzbankmanager sind? Ich nenne soetwas nicht "befremdlich" sondern KRANK!

Sapere Aude!

Georg Trappe

Freitag, 18. November 2011

Und tschuess!

Antonio Borges der IWF Europa Direktor und ehemalige Goldman Sachs Mitarbeiter ist zurueck getreten. Seine Biografie liesst sich wie die eines typischen Mitglieds der neoliberalen Gruppierung von Finanzeliten, die sich in den letzten drei Jahrzehnten nicht nur die Welt zu eigen gemacht haben, sondern auch ihr unheilvolles Dogma an den Eliteschulen dieser Welt dem Nachwuchs mit aller Macht eingetrichtert haben. Nun da uns der Krempel Dank der Fuehrungsleistungen dieser "Elite" um die Ohren fliegt, fliehen diese "starken Typen" reihenweise aus persoenlichen Gruenden in die Verantwortungslosigkeit. Wir gratulieren uns dazu und wuenschen einen angenehmen Ruhestand. 

Und Tschuess!

Georg Trappe

Nachtrag: Und wenn es fuer Sie nicht ganz nachvollziehbar ist, warum ich den ehemaligen INSEAD Dean A. Borges so schlecht weg kommen lasse, dann schauen Sie bitte mal hier. Da hat S. Goshal, ehemaliger Dean der London Business School in einer bemerkenswert selbstkritischen Art und Weise die fragwuerdige bis verheerende  Wirkung der "Lehren", die an diesen Institutionen der "Eliten" Ausbildung verbreitet werden aufs Korn genommen.

Mittwoch, 16. November 2011

Kipppunkte

Kipppunkte duerften den meisten aus der Klimadiskussion bekannt sein. Sie stellen aber in allen Systemen, in denen es zu Mitkopplungen, also selbstverstaerkenden Rueckkopplungen, kommen kann, ein potentielles Verhaltensmuster dar. So auch im System Wirtschaft. Systeme die aufgrund einer Mitkopplung exponentielles Wachstum entwickeln koennen, entwickeln z.B. einen Kipppunkt, wenn die exponentiell wachsende Groesse mit einer linear gegen Null strebenden Groesse multipliziert wird. In der Realwirtschaft kann soetwas durch exponentiell steigende Produktivitaet und dadurch gegen Null fallende Preise geschehen, wie wir in diesem Aufsatz gesehen haben. Das BIP nimmt nach ueberschreiten des Kipppunkts, der weit vor dem Punkt liegt, an dem die Preise Null erreichen, ab, wenn Arbeitseinsatz und/oder Investitionsrate weiter erhoeht werden. Diese Zenithueberschreitung fuehrt dann zu Instabilitaeten, da zuvor positiv wirkende Rueckkopplungen negativ rueckwirken bzw. zuvor negativ wirkende Rueckkopplungen beginnen positive Rueckwirkung zu entfalten . Ein weiteres einfaches Beispiel aus der Finanzwirtschaft ist die Entwicklung eines Kontos bzw. einer Geldmenge deren Zinssatz kontinuierlich ueber Zeit gegen Null gesenkt wird. Auch hier nimmt der Zinsertrag den typischen Verlauf, wie das folgende Bild zeigt. Dargestellt ist der jaehrliche Zinsertrag ueber 200 Perioden eines Startkapitals von 1, das anfaenglich mit 10% verzinst wird und dessen Verzinsung von Periode zu Periode um 0.05% sinkt, um nach 200 Perioden Null zu erreichen.

x-Achse = Zeit, y-Achse = Zinsertrag
Die Entwicklung des Kontos bzw. der Geldmenge, dem die Zinsertraege immer wieder zugeschrieben werden, nimmt dann diesen Verlauf:

x-Achse = Zeit, y-Achse = Geldmenge
 Welche Wirkung eine solche Entwicklung des "Ertragswertes" des Geldes wie auch der Geldmenge auf eine Realwirtschaft hat, die in den entwickelten Volkswirtschaften bereits mit aehnlichen Problemen kaempft (s.o.), ist nach meinem Stand bis heute nicht untersucht. Das diese Dinge, insbesondere auch im Zusammenhang mit den Konzentrationsprozessen zu vollkommen ueberaschenden und unvorhersehbaren Entwicklungen fuehren koennen, erscheint mir einleuchtend und ist daher sicherlich eine weitere Untersuchung wert. Indikatoren und Belege fuer die Relevanz einer solchen Betrachtung finden sich hier, hier, hier und hier!!!!


Entwicklung US Monetary Base
Quelle 

Sapere Aude!

Georg Trappe


Samstag, 5. November 2011

Wie sich das System selbst zerstoert

Eine Gesellschaft, die sich fuer modern und aufgeklaert haelt und gleichzeitig die Grundlagen ihrer Existenz aus Ignoranz selbst zerstoert, darf man wohl als dumm bezeichnen.
Denn: "Im engeren Sinne ist Dummheit die mangelhafte Fähigkeit, aus Wahrnehmungen angemessene Schlüsse zu ziehen. Dieser Mangel beruht teils auf Unkenntnis von Tatsachen, die zur Bildung eines Urteils erforderlich sind, teils auf mangelhafter Schulung des Geistes oder auch auf einer gewissen Trägheit und Schwerfälligkeit im Auffassungsvermögen. Jedenfalls ist die Dummheit ein Fehler, der noch innerhalb der Grenzen der normalen kognitiven Fähigkeiten liegt und deshalb von geistiger Behinderung oder Unsinn unterschieden werden muss." (1)
Das eine Gesellschaft, die zuvor ungekannte, technologische Spitzenleistungen hervor bringt, sich von ihren Eliten und einer  sog. Wissenschaft, die sich ganz offensichtlich durch ihre Ignoranz gegenueber Tatsachen und einer gewissen Traegheit und Schwerfaelligkeit im Auffassungsvermoegen auszeichnet, an den Rand des Abgrunds fuehren laest, ist tragisch dumm. Insbesondere dann, wenn sie, zumindest dem Worte nach, demokratisch verfasst ist und so zumindest die theoretische Moeglichkeit einer Aenderung hat. Spaetestens seit Pareto ist bekannt, das die Bildung von Vermoegen einem Konzentrationsprozess unterliegt, der ueber Zeit stark ungleiche Vermoegensverteilungen hervor bringt. 
Seit Gibrat ist bekannt, dass solche Konzentrationsprozesse auch auf Firmen(groessen) inkl. Banken wirken. Empirisch sind sie immer wieder belegt. Juengst durch einen Report der Credit Suisse und durch eine Studie der ETH Zuerich (Global Wealth Report, Global Network of Corporate Control).

Mittwoch, 2. November 2011

Zur Neutralitaet des Geldes

Die Quantitaetsgleichung beschreibt einen Zusammenhang zwischen Geldmenge, Geldumlaufgeschwindigkeit, Preisniveau und Output (real) in der Form :

M ($) * V (Umlaeufe/a) = P ($/Stk) * Y (Stk/a)

D.h. bei konstanten Preisen von 1$/Stk kann eine Wirtschaft die 1000 Stk/a produziert und verbraucht, sowohl mit einer Geldmenge von 1000$, die einmal umlaeuft wie auch mit einem $ der 1000mal umlaeuft, funktionieren. Soweit so gut. Es gibt aufbauend auf diese Tautologie in den sog. Wirtschaftswissenschaften Theorien, die in der Behauptung der Neutralitaet des Geldes gipfeln. Das ist, wie vieles andere auch, ein fataler Unfug. 
Ausgehend von der Vorstellung, dass das Funktionieren einer arbeitsteiligen, hoch ausdifferenzierten, modernen Volkswirtschaft prinzipiell vier Dinge voraussetzt, naemlich:

1.) Arbeit
2.) Produktionsmittel
3.) Geld
4.) einen funktionierenden Staat

wird klar das es auch vier Begruendungen gibt, mit denen man Anteile am wirtschaftlichen Gesamtergebniss beanspruchen bzw. erstreiten kann.

1.) Arbeitseinsatz > Lohn
2.) Produktionsmitteleinsatz > Renditen auf Realvermoegen (Mieten, Pachten, Dividenden, etc.)
3.) Geldeinsatz > Zins
4.) Staat > Steuern

Und damit wird dann auch klar, das Geld, dessen zur Verfuegung stehende Menge sehr weit dem Kreditvolumen = dem Bilanzvolumen der Banken entspricht, nicht neutral ist. Denn es ist schon ein Unterschied ob ich auf einen Dollar oder auf 1000 $ Zinsen zahlen muss. Oder?

Diese Ueberlegung zeigt auch, das jeder durch Ueberbeanspruchung und/oder Verweigerung eine Wirtschaft zum Zusammenbruch fuehren kann. Das gilt fuer Arbeitsverweigerung oder exzessive Lohnforderungen genauso, wie fuer Entzug der Produktionsmittel oder exzessive Renditeerwartungen als auch fuer einen dysfunktionalen Staat oder Steuersaetze von 90%.
Nur Geld ist neutral in Bezug auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Oder?
Und der Faktor mit dem Banken Eigenkapital hebeln = die Geldmenge erhoehen um Renditen von 25% zu erzielen auch nicht . Oder?

Und wie es um die ebenfalls behauptete Selbstregulierung der Maerkte bestellt ist, die den optimalen Zins fuer eine ausuferende Geldmenge auf freien Kapitalmaerkten bestimmt, ist in den letzten Jahren wohl auch klar geworden. Oder? 

Und es wird aus dieser Perpektive auch zunehmend klar, wer sich in den vergangenen Jahrzehnten verantwortungsvoll verhalten hat und wer nicht.  

Sapere Aude!
Georg Trappe


Dienstag, 1. November 2011

Georg's kleine Volkswirtschaft (Ver. 1.0)

Ich habe mal "Georg's kleine Volkswirtschaft" mit "Georg's kleinem Marktmodell" zusammen geschnallt und einer ersten, vorlaeufigen Analyse unterzogen. Sie erinnern sich sicherlich noch an das harmlos anmutende aber exponentiell gegen Unendlich strebende Monster, in das Arbeit (h) mit einem Produktivitaetsfaktor x2 (Stk/h) multipliziert einfliesst, um mit dem Preis(niveau) x1 ($/Stk) multipliziert das BIP zu ergeben, von dem ein konstanter Anteil i (z.B. 10%) in produktivitaetserhoehende Produktionsmittel investiert wird, deren Bestand wiederum den Produktivitaetsfaktor x2 bestimmt.