Donnerstag, 15. Dezember 2011

Das Comeback des Monetarismus

Das Comeback des Monetarismus
heisst ein Titel der heutigen Online Ausgabe des Handelsblatt. Das ist in etwa so, als wuerde man am Tag nach Untergang der Titanic mit dem Titel "Historischer Durchbruch in der Seefahrt" in einer Fachzeitschrift fuer Segelsportler eroeffnen.
Und tatsaechlich lernen wir, was eine Wende ist:
"Eigentlich haben die Notenbanken in den vergangenen 30 Jahren alles richtig gemacht. Sie haben die Inflation in Schach gehalten, ohne dabei das Wachstum abzuwürgen. Genau das ist nach gängiger Meinung von Volkswirten der Auftrag von modernen Zentralbanken.
Grund zum Jubeln gibt es für die Notenbanker trotzdem nicht. Die Industriestaaten sind in die tiefste Wirtschafts- und Finanzkrise seit der "Großen Depression" gefallen, und ein Ende der Misere ist noch lange nicht in Sicht."

Und wir lernen auch was eine Halse ist:
"Die gewaltige Kreditblase, sie sich bis 2007 bildete und deren Platzen eine neue Weltwirtschaftskrise auslöste, konnten diese Modelle nicht erfassen. Ökonom Werner führt dieses Versagen der Monetaristen und Zentralbanker auf einen Denkfehler zurück: "Es wird so getan, als ob es für Wachstum und Stabilität gleichgültig wäre, wofür Geld und Kredit verwendet werden, aber das stimmt nicht." Mit dem Verwendungszweck stehen und fallen die ökonomischen Effekte des Kredits."

Wow, ich bin tief beeindruckt. Das ist also ein historischer Durchbruch (Neo-Monetarismus;-) in der bemannten Seefahrt, nachdem sich in der Nacht zuvor die Titanic  in Richtung Meeresgrund auf den Weg gemacht hat. Trotzdem werden in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung weiterhin Ersparnisse automatisch zu Investitionen ( 1 ) und es spielt auch weiterhin keine Rolle, welchen Entwicklungsstand dabei die betrachtete Volkswirtschaft erreicht hat ( 2 , 3 ). Nun ja, jede Chefredaktion hat mal einen schlechten Tag und das es den meisten Oekonomen offenbar regelmaessig schwer faellt, aus Wahrnehmungen angemessene Schluese zu ziehen ( 4 ), das hatten wir ja auch schon mal.  Doch gestern muss es ein besonders schlechter Tag gewesen sein. Denn wer im fuenften Jahr nach offenbar werden der massiven Denkfehler neoliberaler Ideologie solche Krokodilstraenen vergiest, weil ".....In einer Situation, in der kein Land der Welt seine Schulden im Griff hat, braucht es eine liberale Partei, die darauf achtet, dass wegen dramatischer Haushaltszahlen nicht reflexartig der Griff des Staates in die Taschen der Bürger entsteht. In einem politischen Klima, in dem immer und überall zuerst gefragt wird, ob der Staat etwas regeln kann, braucht es eine Meinung, die fragt, ob nicht zuerst der Bürger sich selbst organisieren kann. Und in einer Debatte, in der es darum geht, das rechte Maß an Souveränität an die richtige Institution abzugeben, braucht es eine Stimme, die dafür kämpft, möglichst viel dort zu belassen, wo es am übersichtlichsten geregelt werden kann: vor Ort. Das alles sind urliberale Themen. Ich finde es jammerschade, dass sich dafür kein ernstzunehmender Vertreter in der Politik mehr findet.", dem ist offenbar mehr abhanden gekommen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Samstag, 10. Dezember 2011

Was waere wenn?

Was waere, wenn der juengste Eurogipfel den lang erhofften Befreiungsschlag geliefert haette, auf den die Welt bis heute vergeblich wartet? Nun die angeschlagenen Volkswirtschaften wuerden wieder wachsen, anstatt zu schrumpfen und die dadurch ansteigenden Steuereinnahmen der Staaten wuerden einen sukzessiven Abbau der jaehrlichen Nettoneuverschuldung erlauben, aehnlich, wie es Deutschland  kurz vor dem Ausbruch der Krise nach fast 40 Jahren! erstmalig! moeglich war ( 1 ).  Wohlgemerkt, es wuerde vielleicht moeglich, das Wachstum der Staatsschulden langsam auf Null zurueck zu fahren. Ein Abbau des gigantischen Schuldenberges bliebe trotzdem sehr unwahrscheinlich.
Der Euro wuerde im Wert gegenueber US$ und anderen Waehrungen steigen und das Trommelfeuer der Ratingagenturen muesste sich ein anderes Ziel suchen. Wenn man sich nun die Frage stellt, welches Ziel dann logischerweise in den Fokus der Ratingagenturen und der "Maerkte" ruecken wuerde, wird einem klar, warum es nie zu diesem lang erhofften Befreiungsschlag kommen wird. Und wenn man sich weiterhin die Frage stellt, wohin die Ersparnisse und die dann ueberall in Europa sprudelnden Gewinne der von der Krise befreiten EU Staaten denn fliessen wuerden, wenn sie nicht mehr in Staatspapiere der schwaecheren EU Volkswirtschaften fliessen, dann wird einem klar, was das wirkliche Problem dieses Konstrukts ist. Und dann wird auch klar, was uns an Schwachsinn in diesem Kasperletheater zugemutet wird. EU Vertragsaenderungen und Sanktionen sollen nun das richten, was drastische Herabstufungen durch Ratingagenturen und dadurch dramatisch ansteigende "Strafzinsen" nicht nur nicht richten konnten, sondern verschaerfend an Schaden angerichtet haben. D.h. die diskutierten Sanktionen muessten wirksamer, also in ihrer Hoehe noch dramatischer sein als die "Strafzinsen", die nun durch die "Maerkte" gefordert werden.  Mir erschliesst sich diese Logik nicht. Ihnen?

Sapere Aude!

Georg Trappe

Nachtrag: Wie abwegig das sog. transatlantische Denken und die Vorstellung ist, die massgeblichen Kreise in den USA und in Europa haetten ein ernsthaftes Interesse an der Rettung des Euro, zeigt die Wirkung der Einbindung des von den USA dominierten IWFs in das sog. "Rettungskonzept".
Siehe auch hier.
Kasperletheater zwischen Koalition und Bundesbank
IWF Beteiligung erhoeht Risiken
Vertrag zur Fiskalunion aufgeweicht
Es wird wohl kein funktionierendes Rettungskonzept oder einen funktionierenden Rettungsschirm geben, weil ein unbeschadetes Ueberleben des Euros den Untergang des US$ bedeuten wuerde. Das haben die europaeischen 1% auch schon kapiert und dem entsprechend werden die 99% mit Kasperletheater Zug um Zug auf das eingestimmt, was die Dramaturgie dieses schaebigen Spiels erfordert.Das war wohl seit der NRW Wahl nie anders
( *** ).
Ein Hebel mit dem namen China  bringt es auf den Punkt:
"Ein Mitarbeiter von CIC, der namentlich nicht erwähnt werden möchte, formuliert es noch deutlicher: "China hat keine Almosen zu verteilen. Und wenn nicht einmal die Deutschen bereit sind, ihr Vermögen zur Rettung des Euro einzusetzen: Warum sollten die Chinesen das tun?"

Eine gute Zusammenfassung, warum aus der "Euro Rettung" nichts wird, findet sich auch hier.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Symptompfuscherei ohne Ende!

Mehr als vier Jahre nach Ausbruch der Krise beschaeftigen sich die Eliten in Wirtschaft und Politik nach wie vor mit Symptompfuscherei ( 1 3 4 ) und sind offensichtlich nicht in der Lage oder nicht willens eine saubere Analyse der Krisenursachen und ein darauf basierendes, schluessiges Konzept zur Ueberwindung der Krise vorzulegen, geschweige denn zu implementieren. Gleichzeitig perpetuieren die Mainstream Medien dieses hoch bezahlte Bild des Jammers auf allen Kanaelen in einer Art und Weise, das jeder vernunftbegabte Mensch es nur noch als Zumutung empfinden kann.
Es liegt wahrscheinlich daran, dass nicht wahr sein kann, was nicht wahr sein darf!
Denn die Fakten liegen klar und deutlich auf dem Tisch und das ziehen der sich daraus ergebenden Schluesse ist nun wirklich nicht so schwer.
Zumindest dann nicht, wenn man bei klarem Verstand ist und sich vom vorherrschenden Dogma frei macht.