Freitag, 3. Februar 2012

Ein interessantes Interview

Dieses Interview mit Ex-BDI-Chef Henkel ist lesenswert, denn es offenbart sehr schoen die inneren Widersprueche der Positionen, die ein Herr Henkel stellvertretend fuer die Eliten hier kund tut. Es offenbart die kindische Weltsicht einer Gruppe von Fuenfjaehrigen im Suesswarenladen. Herr Henkel hat als Chef der IBM Deutschland einen grossen Teil seiner Karriere auf einer "Insel der Glueckseligen" verbracht, auf der das Rosinenpicken in jeder Hinsicht ueber Jahrzehnte eine Selbstverstaendlichkeit war und zum Teil, wenn auch inzwischen mit starken Abstrichen, immer noch ist. Ein solches Verhalten ist aber nur in einer Firma bzw. in einem Industriezweig moeglich, der sich in einer starken Wachstumsphase befindet, da er neu erschlossene Technologien in Produkte und Dienstleistungen umsetzt. Sobald Saettigungs- oder Kannibalisierungseffekte auftreten, geraten auch diese "Inseln der Glueckseligen" in das rauhe Fahrwasser der Realitaeten, die durch die die Troika der neoliberalen Denkfehler geradezu zwangslaeufig entstehen. Herr Henkel klammert dies nicht nur aus, sondern er tut so, als ob eine ganze Volkswirtschaft sich zu einer "Insel der Glueckseligen" erklaeren koennte und so das Rosinenpicken zu einem dauerhaft tragfaehigen Prinzip der Wirtschaftspolitik machen koennte. Das ist Unfug. Denn eine IBM im 20ten Jahrhundert konnte zwar ueber lange Zeiten immer nur die Besten eines Jahrgangs einstellen, eine Volkswirtschaft muss aber Wege finden allen Buergern eine Teilhabe am wirtschaftlichen Leben zu ermoeglichen. Eine IBM kann Fehlgriffe bei der Auswahl des Personals, bei den Lieferanten oder sogar bei den Kunden realtiv einfach korrigieren. In einer Volkswirtschaft gibt es aber keine Fehlgriffe, die man einfach korrigieren kann, sondern nur eine Wirtschaftspolitik die dem Allgemeinwohl verpflichtet ist. Und dazu gehoert auch die Integration von Schwaecheren in die Wirtschaft wie auch die Pflege von friedlichen und auf Ausgleich angelegte Aussen- und Handelsbeziehungen mit weniger stark entwickelten Volkswirtschaften. Das sind aber Aufgaben, die ein Herr Henkel als Chef der IBM Deutschland und als Interessenvertreter der deutschen Industrie immer fuer sich ausklammern und anderen zuschieben konnte.  Interessant waere in diesem Zusammenhang auch zu wissen, wie Herr Henkel inzwischen zum Thema Globalisierung steht. Denn die Probleme, die daraus entstehen, duerften der Struktur nach denen die z.Zt. Europa in Atem halten sehr aehnlich gelagert sein, dies aber bei einem deutlich hoehren Gewicht. Dass das aber niemals die Probleme eines Herrn Henkel oder der Kreise sein werden, fuer die er hier spricht, wird endgueltig klar, wenn er sich in den letzten Saetzen zu dem bekennt, was ihm die griechischen Eliten, nachdem sie ihr Land ruiniert haben, vorgemacht haben.Flucht vor den Folgen des eigenen Versagens.

Sapere Aude!

Georg Trappe

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