Dienstag, 3. April 2012

Banken und die Geldschoepfung (Grundlagen)

Ich denke angesichts der Diskussion zwischen Steve Keen und Paul Krugman (Krugman vs. Keen), dass es ein enormer Vorteil ist kein Wirtschaftswissenschaftler zu sein.
 Man kapiert Dinge einfach schneller.
 Ich versuche mal ein paar Grundlagen zum Thema Banken u. Geldschoepfung, soweit ich sie verstanden habe, zu erklaeren. Ich lasse dazu die Zentralbanken zunaechst aussen vor. Ich betrachte daher auch nur Buchgeld und kein physisches Geld, was nur von Zentralbanken ausgegeben werden kann. Wichtig ist, dass eine Bankbilanz immer ausgeglichen sein muss. D.h. Aktiva (linke Seite der Bilanz) = Forderungen der Bank und Passiva (rechte Seite der Bilanz) = Einlagen muessen! in der Summe immer! den gleichen Betrag haben. Damit das deutlich wird markiere ich Aktiva mit einem Minuszeichen und Passiva mit einem Pluszeichen, was unueblich und nicht fachmaennisch ist, aber dem Verstaendnis meiner Meinung nach hilft. Ich lasse auch ersteinmal Mechanismen, die die multiple Geldschoepfung der Geschaeftsbanken begrenzen sollen aussen vor, betrachte aber zwei Banken A u. B, um den Unterschied der sog. aktiven und passiven Geldschoepfung verdeutlichen zu koennen.


Bank A hat eine Eroeffnungsbilanzsumme von 100. Ebenso Bank B. D.h. Auf Seite der Passiva wird eine Eigenkapitaleinlage von (+)100 und auf Seite der Aktiva eine (Bar)Reserve von (-)100 verbucht. Nun nimmt Bank A die Geschaeftstaetigkeit auf und vergibt einen Kredit von 100 an Kunden A zu 5%. Sie tut dies nicht!, indem sie ihr Eigenkapital aus der Hand gibt. Sie tut das auf der Tastatur ihres Computers, indem sie fuer Kunden A zwei Konten eroeffnet. Eins auf Seite der Aktiva (-)100 und eins auf Seite der Passiva (+)100. Die Bank hat jetzt also eine Forderung von 100 gegen Kunde A in den Buechern und gleichzeitig eine genauso grosse Einlage des Kunden A auf dessen Girokonto. Die Bilanzsumme betraegt jetzt 200 und ist ausgeglichen. Diesen Vorgang nennt man aktive Geldschoepfung. Wenn die Zinsperiode zu Ende ist, werden 5% Zinsen wie folgt verbucht. Auf der Seite der Aktiva wird das Konto von Kunde A mit 5 belastet auf Seite der Passiva das Eigenkapital der Bank um 5 erhoeht (unter der vereinfachenden Annahme, dass der Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften ohne durch Kosten gemindert zu werden durch die Gewinn und Verlustrechnung laeuft und nicht als Dividende ausgeschuettet wird. Aber auch bei Kosten z.B. durch Zahlung von Loehnen oder bei Gewinnausschuettung per Dividende landen die 5 auf Seite der Passiva). Diese Zinsbuchung ist also ebenfalls eine aktive Geldschoepfung denn die Bankbilanz hat sich auf 205 verlaengert.
Auf Seiten er wirtschaftlichen Akteure, in diesem Fall Kunde A und Bank A steht also der volle Betrag zur Verfuegung, nur muss Kunde A wirtschaftlich aktiv werden, um die 5 von der Bank zu bekommen, damit er irgendwann die Zinsen zahlen kann. Wir halten ihm dabei die Daumen.
Richtig Interessant wird die Sache wenn Kunde A mit den 100 auf seinem Girokonto z.B. ein Haus bei Bauunternehmer B bezahlt. Dann landen die 100 auf der Passiva Seite naemlich auf dem Girokonto von Kunde B. Die Bilanz ist immer noch gleich gross. Auch an der Forderung der Bank gegen A hat sich nichts geaendert, nur die "Verteilung" auf Seite der Passiva hat sich veraendert. Bauunternehmer B war wirtschaftlich erfolgreich aktiv und hat ein Girokonto mit (+)100 und Kunde A muss erst noch beweisen, ob er es schafft durch seine Aktivitaeten die Forderung der Bank zu erfuellen. Sie sehen also es ist im Prinzip immer! genug Geld da, um die Bankbilanz auszugleichen, nur ist es zunehmend ungleich verteilt. Das wollte ich mit dem mathematischen Modell verdeutlichen.
Um nun noch den Vorgang der sog. passiven Geldschoepfung zu erklaeren, lassen wir Baunternehmer B sein Girokonto bei Bank B fuehren. Das heisst Kunde A ueberweisst seine 100 auf ein Konto von Herrn B bei Bank B. Damit sind ersteinmal beide Bankbilanzen schief.
Bank A hat eine Forderung von inzwischen 105 gegen Kund A in den Buechern ohne eine entsprechende Einlage auf Seiten der Passiva zu haben und Bank B geht es umgekehrt. Sie hat eine Einlage in Hoehe von 100 auf dem Konto von Bauunternehmer B und keine entsprechende Forderung auf Seiten der Aktiva in den Buechern. Hier kommt nun der Interbankenmarkt ins Spiel auf dem Bank B nun einen Kredit in Hoehe von 100 anbietet und Bank A einen Kredit von 100 sucht. Wenn die beiden zusammen kommen, ist alles wieder ausgeglichen und Bank B hat eine Forderung gegen Bank A in den Buechern und Bank A eine entsprechende Einlage von Bank B verbucht. Allerdings hat dabei ein Vorgang stattgefunden der passive Geldschoepfung genannt wird. Denn durch die Ueberweisung von Bank A nach Bank B musste die Geldmenge wachsen um die Bilanzen ausgeglichen zu halten und zwar um den Kredit den Bank B nun Bank A gegeben hat. Wenn derartige Zahlungsstroeme im Mittel ausgeglichen sind, dann ist das eher kein Problem. Aber die Target2 Debatte zeigt, dass dies nicht immer der Fall ist und massive Ungleichgewichte ausgeloest durch Kapitalflucht oder lange andauernde hohe Leistungsbilanzungleichgewichte sich dann in den Bankbilanzen niederschlagen und bei einem gestoerten Interbankenmarkt nur noch durch Schoepfung von Zentralbankgeld ausgeglichen werden koennen.
In dem von mir erstellten Modell  ( 3 ) ist bewusst kein Ausgleichsmechanismus enthalten, um die Notwendigkeit und die ueber Zeit massiv ansteigenden Anforderungen an einen solchen Mechanismus zu verdeutlichen. Wenn er nicht existiert gehen Banken Pleite und wenn er existiert dann sind es oeffentliche Institutionen, wie die Zentralbanken, die die Loecher stopfen und die damit verbundenen Risiken tragen muessen. Leider bestehen keine anderen Alternativen im System und der ganze Weihrauch und Nebel der sog. Wirtschaftswissenschaften ist eher dazu angetan dies zu verschleiern, als es klar und deutlich als eines der Kernprobleme unseres Wirtschaftssystems zu benennen.
Es existiert eine Troika von fundamentalen Denkfehlern, die katastrophale Folgen hat (1).
Dummerweise ist es so, das selbst als progressiv geltende und Nobelpreis dekorierte sog. Wirtschaftswissenschaftler diese Probleme und ihre fatale Tragweite nicht sehen koennen oder wollen. Sie wissen offenbar noch nicht einmal wie das Bankensystem funktioniert (2).
Die Frage der Begrenzung der Kapazitaet zur Geldschoepfung der Geschaeftsbanken habe ich jetzt aussen vor gelassen, da ich mir nicht ganz sicher bin, ob die offizielle Theorie, die Begrenzung sei durch Mindestreserven und Anforderungen ans Eigenkapital gegeben, zutreffend ist. Aber alleine die Kapazitaet der Geschaeftsbanken Geld per Kreditvergabe aus dem Nichts zu schoepfen stellt Modelle, die einen geschlossenen Geldkreislauf beinhalten und in denen Banken nur eine Durchreichfunktion haben, in Frage. Denn diese Geldinjektion erzeugt Nachfrage und ueberdeckt die Folgen des Konzentrationsprozesses, dem die wirtschaftlich Aktiven auf allen Ebenen ausgesetzt sind. Dadurch entsteht eine sich selbstverstaerkende Mitkopplung, die sich zunaechst in einer asset price inflation (bubble) aeussert, um dann ebenfallls mitgekoppelt und somit sebstverstaerkend in einen Crash ueberzugehen, wenn eine gewisse Zahl von Kreditausfaellen, typischerweise bei den im Konzentrationsprozess als Verlierer zu bezeichnenden, einsetzt.

Sapere Aude!

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