Donnerstag, 5. April 2012

Das Elend der sog. Wirtschaftswissenschaften

Die oeffentliche Auseinandersetzung Krugman vs. Keen offenbart Zustaende in den sog, Wirtschaftswissenschaften, die wirklich nur noch Kopfschuetteln ausloesen koennen. Denn wenn das, was sich in dieser "Diskussion" offenbart, eine zutreffende Beschreibung der allgemeinen Zustaende in den sog. Wirtschaftswissenschaften ist, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Weltwirtschaft seit Jahren am Kollaps vorbei schrammt und keiner versteht, woran es denn nun wirklich liegt und was getan werde kann, um den Kollaps abzuwenden.
Nicht nur, dass das Funktionieren des Bankensystems nicht verstanden ist,
sondern es ist offenbar noch nicht einmal verstanden, welche Bedeutung allgemeine Konventionen und deren Einhaltung fuer den erfolgreichen Verlauf von Kommunikation haben.  
Und es scheint ebenfalls nicht klar zu sein, was eine unabhaengige und was eine abhaengige Variable in einem Funktionszusammenhang ist. Und die Konventionen, auf die sich der "Rest" der Welt bei der Darstellung solcher Zusammenhaenge geeinigt hat, scheinen auch nicht zu gelten. Da darf man sich wirklich nicht wundern, wenn "intelligente?" Menschen endlos im Kreis diskutieren und letztendlich, ohne den geringsten Fortschritt erreicht zu haben, aufgebracht sich gegenueber stehen, weil sie jede Grundlage fuer die Erreichung eines gegenseitigen Verstaendnisses verloren/missachtet haben. Das hat auch nichts mehr mit Verstaendnis oder Nichtverstaendnis von Mathematik zu tun, sondern mit dem Verstaendnis der Voraussetzungen, was fuer eine erfolgreiche Kommunikation notwendig ist und dafuer auf beiden Seiten waehrend der Kommunikation eingehalten werden muss.

Wenn der Leitzins die unabhaengige Variable ist, dann gehoert er auf der x-Achse (waagerechte Koordinate) abgetragen. Wenn die Geldmenge eine  Funktion des Leitzinses ist, also gm=f(lz), dann gehoert sie auf der Y-Achse (senkrechte Koordinate) abgetragen. Das ist weltweit anerkannte Konvention. Wenn man diese, aus welchen Gruenden auch immer nicht einhaelt, dann muss man ausdruecklich mit roter Schrift und zehn Ausrufezeichen
auf diese Ausnahme hinweisen, sonst stifftet man nur Konfusion.

Wenn es Situationen gibt, in denen die Geldmenge nicht mehr dem durch die Funktion  beschriebenen Zusammenhang gehorcht, dann ist diese Funktion, weil als zeitinvariant angenommen, falsch, zumindestens in dieser Situation, die ja durchaus eine Ausnahmesituation sein kann, in der es so aussieht oder tatsaechlich so ist, dass die Geldmenge zur unabhaengigen Variablen wird, die ihrerseits den Zins bestimmt.
Dann entsteht die Frage, wer hat die Macht ueber die Geldmenge. Die Notenbank per Leitzins oder die Geschaeftsbanken per Kapazitaet zur Geldschoepfung und Geldzerstoerung = Bilanzerweiterung bzw. Bilanzschrumpfung. Der Streit darueber, wird aber nicht geloest oder der Loesung naeher gebracht, in dem man das eine oder andere Kraft souveraener Willkuer behauptet, sondern man muss sich von den Vorstellungen loesen, die ihre Wurzeln in einer bestenfalls marginal verstandenen Dampfmaschinenphysik des 19. Jahrhunderts haben. Man muss anerkennen, dass Situationen zu beobachten sind, in denen der Funktionszusammenhang sich umzukehren scheint. Und dann muss man ein Modell entwickeln, das soetwas reflektiert und eine entsprechende Rueckwirkung auf Angebot und Nachfrage enthaelt. Ich habe das in meinem Artikel "Warum Maerkte nicht funktionieren" getan und versucht zu demonstrieren, dass ein solches Modell aufzeigt, dass dadurch dynamische Instabilitaet entstehen kann. Ich habe auch versucht die Bedeutung nichtlinearer Funktionszusammenhaenge (Kennlinien) zu erklaeren und darauf hingewiesen, was passiert, wenn Funktionszusammenhaenge nicht zeitinvariant sind.
 Denn das sind sie ja ganz offenbar nicht. 
Steve Keen hat all dies offenbar verstanden und versucht zu einer Modellierung zu kommen, die auf der einen Seite im Einklang mit den Beobachtungen steht und auf der anderen Seite die Fortschritte der letzten 100 Jahre bei der theoretischen Betrachtung dynamischer Systeme einarbeitet. Krugman hingegen ist einer Vorstellung verhaftet, die nocht nicht einmal unter Einhaltung von anerkannten Konventionen kommunizierbar ist. Da ist einmal der Zins auf der y-Achse die unabhaengige Variable und dann aendern sich Nachfragekurven aufgrund von nebuloesen Dingen und es spielt fuer ihn anscheinend ueberhaupt keine Rolle, wenn in der Realitaet zu beobachten ist, dass es offenbar Situationen gibt, in der sich der postulierte Ursachen / Wirkungszusammenhang umkehrt.
 

Sapere Aude!
 

Georg Trappe

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