Samstag, 14. April 2012

Ein "Wirtschaftsweiser" packt aus

Fuenf Jahre nach Beginn der groessten Wirtschaftskrise daemmert es auch dem einen oder anderen "progressiven" Wirtschaftsweisen, dass da was nicht so ganz stimmt mit den Weisheiten, die an den "Eliteschulen" dieser Welt den Studenten eingehaemmert werden, um sie fuer die Fuehrungsaufgaben im Sinne des Neoliberalismus vorzubereiten. In einem Interview mit der FTD aeussert sich Boffinger verharmlosend zu den katastrohalen Zustaenden in der Zunft der Oekonomen, in dem er u.a. sagt:
"Wir müssen als Ökonomen zumindest einräumen, dass viele Modelle nur Zerrbilder der Realität sind. Ich habe die gängigen Lehrbücher systematisch ausgewertet. Die Standardwerke, nicht zuletzt das von Greg Mankiw, stellen die Makroökonomie als ein selbststabilisierendes System dar. Dem Staat kommt dabei überwiegend die Rolle des Störenfrieds zu. Über soziale Sicherungssysteme und Gewerkschaften findet man nahezu nichts."
Aber es kommt noch besser:
" Ja. Was ich vor der Krise völlig unterschätzt habe, ist, welche gefährliche Rolle die Finanzwirtschaft für die Realwirtschaft spielen kann. Banken bestimmen mit ihrer Kreditvergabe entscheidend darüber, wie hoch Investitionen sind und wo sie vorgenommen werden."

und

" In den Modellen agieren die Banken als reine Vermittler, die Ersparnisse einsammeln und sie als Kredite wieder zurück in die Wirtschaft geben. Diese Mickymaus-Modelle sind völlig realitätsfern. Der Finanzsektor braucht keine Einlagen um Kredite zu vergeben, in den Jahren vor der Krise konnten Banken nahezu grenzenlos Kredite aus dem Nichts schaffen. Daran wäre das Finanzsystem fast zusammengebrochen. Diese aktive Rolle der Banken hat bis heute weder Eingang in die Lehrbücher noch in die geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank gefunden."

Die Auseinandersetzung Krugman vs. Keen entfaltet also Wirkung und ein deutscher, als "progressiv" geltender "Wirtschaftsweiser" sieht sich genoetigt fuenf! Jahre nach Beginn der Krise anzuerkennen, dass er das Bankensystem nicht verstanden hat. Dabei waere es so einfach gewesen! Ein Blick in ein Stueck "Bildungsliteratur" der Bundesbank mit dem Titel "Geld und Geldpolitik" haette gereicht, um dieses Defizit zu beseitigen.
"Bei der Giralgeldschöpfung unterscheidet man die „aktive“ und die „passive“ Geldschöpfung der Banken. So entsteht Giralgeld durch Einzahlung von Bargeld auf Girokonten. Bei dieser „passiven“ Form der Giralgeldschöpfung ändern sich die gesamten Geldbestände der Wirtschaft (also Giralgeld in Händen der Nichtbanken plus Bargeld) nicht. Daneben ist das Bankensystem aber auch in der Lage, durch Gewährung von Krediten aktiv Giralgeld entstehen zu lassen und damit die Geldmenge insgesamt zu erhöhen."
Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2007, S. 59
PDF 
Und zur Loesung der Probleme schlaegt dieser "Weise" allen Ernstes etwas vor, was an die Praxisgebuehr fuer die armen Aerzte erinnert:
" Früher gab es in Universitäten einmal das Hörergeld. Für jeden Studenten im Hörsaal gab es für den Professor eine kleine Summe. Das wäre schon einmal ein Anreiz, um einen attraktiven Unterricht zu halten."
Sapere Aude!
Georg Trappe

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