Montag, 30. April 2012

Geld- und Krisentheorie

Es gibt offensichtlich grosse Missverstaendnisse selbst unter Bankern ueber die Natur und die Entstehung von Geld im bestehenden Geld- und Bankensystem. Dies liegt vermutlich und z.T. daran, dass die Grundlagen der klasssischen Geldtheorie zu einer Zeit gelegt wurden, in der die Goldbindung bestand. Die Goldbindung verpflichtete das Bankensystem bei der Schoepfung von Geld ein festgelegtes Verhaeltnis zwischen Geldmenge und Goldreserve nicht zu ueberschreiten.  Dieses als Goldstandard bezeichnete System durchlief eine turbulente Geschichte und fuehrte in die verschiedensten Krisen, die durch Waehrungsreformen nur teilweise geloest werden konnten und letztendlich direkt in die Weltwirtschaftskrise 1929, die Bankenkrise in Deutschland und Oesterreich 1931 sowie in den zweiten Weltkrieg fuehrte. Nachdem zweiten Weltkrieg wurde mit dem sog. Bretton Woods System ein System fester Wechselkurse und Goldbindung des US$ als Leitwaehrung etabliert. Diese Goldbindung wurde 1973 aufgegeben, da die USA einseitig den Weg einer expansive Geldpolitik beschritten hatten, um den Vietnamkrieg finanzieren zu koennen. Das war das Ende "echten Geldes", welches demjenigen, der Geld akzeptierte, garantierte, dieses Geld zu jeder Zeit in einem festgelegten Verhaeltnis in Gold eintauschen zu koennen. In Folge wurde zu einem System meist freier Wechselkurse uebergegangen. Dieser Uebergang ist aber offensichlich in der Geldtheorie und in den Koepfen der Menschen bis heute nicht sauber verarbeitet. Selbst manche Banker unterscheiden noch zwischen "echtem Geld" und Kreditgeld. Dabei ist seit der Aufhebung der Goldbindung jedes Geld Kreditgeld, das durch Zentralbanken und Geschaeftsbanken geschoepft werden kann und geschoepft wird. Man spricht auch von Fiat Money (fiat (lateinisch) = es werde), da es aus dem Nichts (ex nihilo) entsteht. Seitdem gibt es nur noch physisches Geld in Form von Banknoten, das nur durch die Zentralbank geschoepft werden kann und Buchgeld aka Giralgeld, welches sowohl von den Notenbanken als auch von den Geschaeftsbanken im Zuge der Kreditvergabe geschoepft werden kann. Und zwar aus dem Nichts. Beim physischen Geld besogt das eine Druckerpresse und die Schoepfung von Buchgeld ist ein Buchungsvorgang innerhalb des Bankensystems bei dem im Zuge der Kreditvergabe zwei Eintraege in der Bankbilanz (meist auf einem Computer gefuehrt) entstehen. Auf Seiten der Aktiva eine Forderung der kreditgebenden Bank gegen den Kreditnehmer und auf Seiten der Passiva ein entsprechend hohes Guthaben auf dem Girokonto des Kreditnehmers. Die Hoehe der Geldschoepfung ist bei der Zentralbank theoretisch unendlich und praktisch nur duch die Faehigkeit der Kreditnehmer akzeptierte Sicherheiten zu stellen begrenzt. Eine Forderung gegen die Zentralbank gilt daher als die "sicherste" Sache innerhalb des Bankensystems, da die Zentralbank nicht Pleite gehen kann, in dem ihr das Geld ausgeht. Die maximale Hoehe der Geldschoepfung durch die Geschaeftsbanken ist theoretisch durch drei Elemente begrenzt.
1.) Durch das haftende Eigenkapital. D.h. die "risikogewichtete" Bilanzsumme darf ein gewisses Verhaeltnis zum haftenden Eigenkapital nicht uebersteigen, wobei auch noch verschiedene Kapitalarten (Tier1, Tier2,...) unterschieden werden. Hier sind vor allem die Basel - II , -III Vorschriften zu nennen, die diese Begrenzung etablieren sollen.
2.) Die Faehigkeit der Kreditnehmer der Bank Sicherheiten zu stellen. Hier hat die Bank sehr weitgehende Spielraeume, was und wie weit sie gestellte Sicherheiten als soche akzeptiert.
In Deutschland war es zum Beispiel ueber lange Jahre ueblich beim privaten Hausbau den Vorrangigen Eintrag in das Grundbuch als Sicherheit fuer eine Hypothek in Hoehe von bis zu 60% des geschaetzten Verkehrswerts des Grundstuecks (inkl. seiner Bebauung) zu akzeptieren. Dieser Prozentsatz wurde aber immer wieder angehoben, in den USA im Lauf der Immobilienblase  z.T. auf 100% und mehr. Auch die Verkehrswertschaetzung ist Angriffspunkt fuer Bestrebungen moeglichst viel Kredit auszureichen/ausgereicht zu bekommen. Daher werden von serioesen Banken vereidigte Sachverstaendige fuer diese Aufgabe herangezogen, die als unbestechlich gelten.
Leider ist es so, dass selbst Leiter des Kreditausschusses aber auch Grosskunden einer Bank immer wieder versuchen Einfluss auf diese Schaetzer zu nehmen, um ihre Interessen durchzusetzen. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass bei Staatsanleihen die Funktion der vereidigten Sachverstaendigen durch Ratingagenturen uebernommen wird.
3.) Mindestreserveanforderungen der Zentralbank (EZB bis Ende 2011 2%, seitdem 1%). Hiermit verpflichtet die Zentralbank die Geschaeftsbanken einen geringen Prozentsatz der Bilanzsumme als Forderung gegen die Zentralbank= eine Einlage bei der Zentralbank und / oder Bargeld in Form von Banknoten und Muenzen der ausgebenden Zentralbank zu halten.
Alle drei Mechanismen stehen z.Zt. in  Diskussionen, die die jeweilige Wirksamkeit in Frage stellen. Tatsache ist, dass die Geschaeftsbanken ihr eingesetzes Eigenkapital in erheblichem Umfang hebeln koennen. D.h. die Bilanzsumme kann durch Kreditvergabe=Geldschoepfung auf ein Vielfaches des eingesetzten Eigenkapitals ausgedehnt werden. Da das Eigenkapital durch zugefuehrte Gewinne ebenfalls stark wachsen kann, ergibt sich das Potential fuer ein exponentielles Wachstum, wie es auch tatsaechlich zu beobachten ist (siehe M0 Base Money vs. M3).
Dieses Potential der Geschaeftsbanken zur Geldschoepfung aus dem Nichts hat in den vergangenen 15 Jahren zu mindestens drei grossen Krisen mit verheerenden Folgen fuer die Realwirtschaft gefuehrt. Die Asienkrise 1997 in der sog. "Hot Money" zunaechst in die aufstrebenden Tigerstaaten stroemte und dann in Folge einer Waehrungsspekulation gegen den thailaendischen Baht panikartig zurueck gezogen wurde. Die sog. Dotcom Blase, in der gigantische Geldmengen zunaechst in die aufstrebende Internetindustrie gepumpt wurden, die sich dann ebenfalls panikartig zurueck zogen, als klar wurde, dass diese Unternehmen niemals eine Chance haben wuerden, Gewinne in entsprechender Hoehe zu generieren. Und die sog. Sub Prime Hypotheken Krise, die sich inzwischen zu einer Weltwirtschaftskrise ausgewachsen hat, in deren Folge nicht nur das Projekt Europa an die Wand gefahren wurde, sondern auch die wirtschaftliche Zukunft vieler weiterer westlicher Industriestaaten in Frage gestellt erscheint.
Ursaechlicher Kern dieser Krisen ist die Faehigkeit des Finanzsystems sehr schnell sehr grosse Mengen Geldes bereit zustellen, um zunaechst in einer sich selbstverstaerkenden Mitkopplung via Asset Price Inflation einen hoch spekulativen Boom auszuloesen und zu unterstuetzen, der dann frueher oder spaeter in sich zusammen brechen muss, und zu einem "Auschwingen" dieser "Abrissbirne", wie Soros es mal genannt hat, fuehrt. Die betroffenen Volkswirtschaften leiden dann unter einer sog. Debtdeflation, die nicht nur die Auswuechse bereinigt sondern auch verheerende Folgen bei ansich gesunden und wuenschenswerten Entwicklungen hinterlaesst.
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Der skandaloese Fakt, dass die neoklassischen Theorien der Volkswirtschaftslehre Banken nur als Durchreichestation von Ersparnissen und Gewinnen hin zu Investitionen betrachten und das Potential zur Geldschoepfung der Geschaeftsbanken und die Moeglichkeit einer dynamischen sich selbstverstaerkenden Mitkopplung ueber Asset Price Inflation nicht sehen und in ihren Modellen nicht beruecksichtigen, macht die sog. Wirtschaftwissenschaften zu Mitschuldigen an diesen Katastrophen. Denn was ist das fuer eine Wissenschaft, die das zentrale Kommunikationsmittel Geld und seine Entstehung nicht verstanden hat und nicht beruecksichtigt? Wie kann man einen Menschen verstehen wollen, ohne sein zentrales Nerven- und Kommunikationssystem in die Betrachtungen einzuschliessen? Das ist mir bis heute schleierhaft. Es gibt nur einen Oekonomen, der dies zu beheben sucht. Und das ist Steve Keen. Selbst Nobelpreistraeger wie Paul Krugman stellen sich auf diesem Auge blind. 
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Das Banker und Zentralbanker sich der Einsicht verweigern, dass seit der Abschaffung des Breton Woods Systems Geld nicht mehr ausschliesslich die Weiterreichung eines Anrechts auf ein reales in begrenzter Menge vorhandenen Gut in Form von Gold darstellt, sondern inzwischen stark ueberwiegend Kreditgeld ist, das aus dem Nichts geschoepft wird, ist nur mit der fuer sie daraus entstehenden Macht und der Moeglichkeit der Erzielung enormer Profite zu erklaeren. Dabei hat schon Ludwig v. Mises in seiner Theory of Money and Credit die Moeglichkeit der Banken zum "...granting of credit through the issue of fiduciary media, that is, notes and bank balances that are not covered by money." hingewiesen. Dabei ging er natuerlich bei "money" vom durch Gold gedeckten Geld seiner Zeit aus.
"The business of banking falls into two distinct branches: the negotiation of credit through the loan of other people's money and the granting of credit through the issue of fiduciary media, that is, notes and bank balances that are not covered by money. Both branches of business have always been closely connected. They have grown up on a common historical soil, and nowadays are still often carried on together by the same firm. This connection cannot be ascribed to merely external and accidental factors; it is founded on the peculiar nature of fiduciary media, and on the historical development of the business of banking."


Das in der heutigen Zeit "Echtes Geld", also durch Gold gedecktes Geld nicht mehr existiert und nur noch  "fiduciary media" = treuhaenderisch verwaltete Medien = treuhaenderisch verwaltetes Buchgeld, wie er es nannte, existiert, wurde einfach "uebersehen" und nicht in die Theorien eingearbeitet. Das ist verheerend, da die Implikationen und Versuchungen die daraus entstehen massive Auswirkungen auf die Qualitaet der wirtschaftlichen Entwicklung und die Entstehung von Krisen haben.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Kommentare:

  1. "Das war das Ende "echten Geldes", welches demjenigen, der Geld akzeptierte, garantierte, dieses Geld zu jeder Zeit in einem festgelegten Verhaeltnis in Gold eintauschen zu koennen."

    Sorry, daß ich da mal einhake, aber die Aufhebung des Goldstandards war genau DAS Ereignis, welches die Banknote von der Stellvertreterfunktion für Gold zu DEM letztgültigen Zahlungsmittelstandard transformierte. Denn eine endgültige Zahlung wird durch die Übergabe von Zentralbankgeld bewirkt, die - und darauf kommt es an - für den Zahlenden eine Schuldbefreiung bedeutet. Daß die Banken die Aufgabe übernommen haben, diesen Zentralbankgeldverkehr zu übernehmen, ändert an dem zugrundeliegenden Prinzip nichts.

    "Und zwar aus dem Nichts."

    Das wird zwar immer wieder behauptet, aber es ist nichts anderes als falsch! Es gibt schlichtweg keinen Grund eine Sichtforderung auf Zentralbankgeld gegen eine Geschäftsbank, die kein Zentralbankgeld emittieren kann, als XYZ-Geld zu bezeichnen. Genau diese Begriffsverwirrung trägt doch dazu bei, daß die existierenden Unterschiede in der wirtschaftspolitischen Diskussion verschwinden und deswegen auch immer wieder die gleichen Mißverständnisse erzeugt werden.

    "Eine Forderung gegen die Zentralbank gilt daher als die "sicherste" Sache innerhalb des Bankensystems..."

    Genauer: eine Forderung gegen eine Zentralbank, welche das von ihr emittierte Zentralbankgeld betrifft, IST Zentralbankgeld! Allein das Beachten dieser simplen Tatsache macht 90% aller Beiträge zur TARGET-Debatte zu Makulatur.

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    1. Sehr geehrter Herr Menendez,

      vielen Dank fuer ihre guten Anmerkungen, die mich angeregt haben Ihnen mit einem weiteren Post zum Thema zu antworten.
      Siehe auch:
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/05/antworten-zu-fragen-der-geldtheorie.html

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  2. In diesen Geldsystemdiskussionen - Es ist geboten die Systemstabilität von der Frage des inneren Werts von Geld zu lösen.

    Fiat Money ist es egal wieviel es Wert ist, es ist eher ein Mittel genügend bereitzustellen. Tauschwert, systematische Verfügbarkeit ...

    Austrians sind mit Vorsicht zu genießen. Die Austrians vertreten ein ganz anderes Wirtschaftsmodell und Geld sehen sie als eigentumsgleiches Vermögen an - ist doch auch den liberalen Geistern der Austrians geschuldet, Eigentum ist ein Grundpfeiler des Liberalismus und dessen Antastbarkeit. Der Austrian ist Kapitalist, der investiert eigenes Geld und vertraut in sein Talent.

    Die Neoliberalen geben einer Gruppe Schwätzern, Gauklern und Scharlatan wertloses Geld zur Produktion von Schlagenöl (Innovation im übertrieben Maße). Selbst wenn man die Ansicht vertritt, Geld würde seinen Wert beim Tausch erlangen, sprich bei der Vergabe von Kredit, so steht im Moment auch der Gegenwert in Frage. Geld ist ein Ausdruck der Kultur.

    Ihre Kritik ist wohl berechtigt. Fiat Money = Verlust von Kultur, eine Triebfeder des Niedergangs, selbst wenn immer genug da ist ...

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    1. Hallo Bunny,

      Sie haben recht und ich sehe es sehr aehnlich. Die Frage wer wann und wie Bewertungen vornimmt ist ein ganz fundamentales Problem eines geldbasierenden Wirtschaftssystems. Ich habe das versucht in einem weiteren Artikel nochmal zum Ausdruck zu bringen. Siehe auch:
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/05/antworten-zu-fragen-der-geldtheorie.html
      Ich habe auch einen weiteren Artikel in Vorbereitung der das Fettaugensyndrom ( http://fettaugensyndrom.blogspot.com/ )
      und seine destablisierende Wirkung auf das
      Bankensystem verdeutlichen soll.
      Wird vielleicht heute noch fertig.
      Stay tuned;-)

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  3. Lebenskünstler10. Juni 2013 um 18:49

    Sehr geehrter Herr Trappe,

    ich bin über mehrere Ecken auf Ihren Blog gestoßen, habe mich mal ganz kurz ein bißchen umgesehen und finde sehr viele sehr interessante und sehr gute Texte.

    Ihre Art des Denkens gefällt mir. Was die Ergebnisse betrifft, so sind wir uns in etlichen Punkten durchaus ähnlich, manches sehe ich vielleicht anders. Auf jeden Fall bietet Ihr toller Blog sehr viele gute Anregungen, man kann eine Menge dazulernen.

    Was das Geld betrifft, in ganz wenigen Worten skizziert: ich sehe die Wirtschaft als ein Geflecht von Kreditbeziehungen, deren Ursprung ein Kauf auf Kredit ist: "Ich geb dir xy (= Arbeitsleistung, Ware, usw.) und du bist mir dafür etwas schuldig". Das ist quasi das ökonomische Bit. Banken und Notenbanken betrachte ich dabei als Intermediäre in einer Kreditkette:

    Gläubiger => Schuldner
    Gläubiger => Geschäftsbank => Schuldner
    G => NB => GB => S
    G => GB1 => GB2 => S
    usw.

    Kreditkontrakte können eröffnet, zessiert und geschlossen werden. Der Wert der Währung (= Wert der Schuld, Schuldmaß) wird in jedem einzelnen Kaufakt neu bestimmt.

    Soviel nur als erste Andeutung meines "Modells". Es hat mit Debitismus, Heinsohn&Steiger, Stützel zu tun, ist aber etwas Selbstgebasteltes aus eigener Überlegung.

    Mit einer mathematischen Modellierung habe ich nichts am Hut, weil der Mensch irrational ist und sich mal so und mal anders verhält. Politik usw. Dazu diverse Umwelteinflüsse (Hochwasser, Vulkanausbrüche, Klimawandel usw. usf) - es ist alles zusammen einfach nur ein riesiger, völlig chaotischer Prozeß.

    Einstweilen herzliche Grüße und vielen Dank für den Blog!

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    1. Hallo Lebenskuenstler,

      vielen Dank fuer Ihr Interesse an meinem Blog und den freundlichen Kommentar. Es freut mich immer sehr, wenn Leser mir sagen bzw. schreiben, dass sie etwas "Selbstgebasteltes" aus eigener Ueberlegung zu den hier diskutierten Themen in Haenden haben. Das ist genau das, wozu ich mit diesem Blog anregen moechte. Ich bin inzwischen fest davon ueberzeugt, dass sich die "Experten" in etwas verrannt haben, was keinen vernuenftigen Ausgang bietet. Viele Menschen spueren das, sind entsprechend beunruhigt und finden in den Mainstream Medien nur Fragmente einer Expertendiskussion, die seit Jahren in einem absurden Kreis verlaeuft. Wenn man sich dann auf den Weg macht und versucht die Grundlagen dieser sog. Wirtschaftswissenschaften ausfindig zu machen, dann stellt man fest, dass etwas mit den Fundamenten dieses Theorie- und Gedankengebaeudes nicht stimmt. Damit wird dann auch der ganze "hochkaraetige", mathematische Ueberbau mehr als fragwuerdig. Jeder Ingenieur, der eine Grundlagenvorlesung der Regelungstechnik gehoert und verstanden hat, muss bei genauer Betrachtung zu dem Schluss kommen, dass "Maerkte" keine funktionierende Regelungen sein koennen, weil ganz fundamentale Bedingungen, die bei einem Funktionieren im Sinne einer Regelung erfuellt sein muessen, nicht erfuellt sind. Wer dann noch realisiert, dass Banken nicht! die Durchreichestationen von Ersparnissen der Sparer hin zu den Schulden der Schuldner sind, wie die gaengige VWL das ueblicherweise darstellt, weiss dann hoffentlich endgueltig, mit was man es zu tun hat.
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      Wenn man sich also aus gutem Grund von den Vorgaben und Denkschemata, der "Experten" frei macht und von beobachtbaren Fakten ausgehend seine eigenen Schluesse zieht, dann entsteht ein hochinteressantes Bild, in das sich letztendlich die Maerchenstunden der sog. Wirtschaftswissenschaftler und die davon durch die Mainstream Medien verbreiteten Fragmente dann doch wieder nahezu nahtlos einfuegen. Allerdings als das genau Gegenteil von dem, was sie behaupten zu sein.
      Und sie erfuellen damit natuerlich auch eine Funktion / einen Zweck. Und der besteht u.a. darin eine Struktur und ihre funktionalen Zusammenhaenge zu verschleiern, um so zumindest eine Illusion von Demokratie und der Annaeherung an moderne Ideale, wie Gleichheit, Freiheit und Bruederlichkeit aufrecht zu erhalten, waehrend in Wirklichkeit massive Restauration ablaeuft. D.h. Ihre Schlussbemerkung "....- es ist alles zusammen einfach nur ein riesiger, völlig chaotischer Prozeß." ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gewollt.
      Allerdings ist den Betreibern dieser Veranstaltung 2007/2008 ein "Betriebsunfall" passiert, der auf einen erheblichen Kontrollverlust schliessen laesst. Denn in Folge dieses "Betriebsunfalls" hat der Schleier, bestehend aus unhaltbaren wirtschaftswissenschaftlichen Theorien, Risse bekommen, die klar denkenden Menschen durchaus Fortschritte bei der "Suche" nach der Wahrheit ermoeglicht. Dabei ist aber immer wieder verwunderlich, wie bereitwillig sich der eine oder andere "Suchende" in ganz offensichtliche Sackgassen verirrt, wo doch mindestens ein Attribut der Wahrheit wie ein gigantischer, unuebersehbarer Leuchtturm aus diesem Dschungel heraus ragt.

      Viele Gruesse

      Georg Trappe



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    2. Sehr geehrter Lebenskuenstler,

      ich moechte noch einen sehr gut formulierten Satz von Ihnen aufgreifen und etwas ausfuehrlicher darauf eingehen.
      Sie schrieben:
      "Kreditkontrakte können eröffnet, zessiert und geschlossen werden. Der Wert der Währung (= Wert der Schuld, Schuldmaß) wird in jedem einzelnen Kaufakt neu bestimmt."
      Ich denke, das ist zutreffend, wenn man dabei beruecksichtigt, dass diese jeweilige Neubestimmung nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern in einem historischen, politischen, kulturellen und hoffentlich menschlichen Kontext stattfindet, in dem u.a. soetwas wie Macht auch eine Rolle spielt.
      Die vulgaer liberale Vorstellung ignoriert das vollkommen und tut so als wuerde diese Neubestimmung immer in einem luftlerren Raum zwischen Parteien, die sich auf Augenhoehe treffen, statt finden. Dem ist natuerlich nicht so und das wissen diejenigen, die solche Vorstellungen verbreiten selbstverstaendlich auch. D.h. soetwas kann nur von Leuten kommen, die es aus historischen, politischen usw. Gruenden fuer sich als vorteilhaft betrachten, wenn andere dies im Glauben an die "reine Lehre = im luftleeren Raum" uebersehen.
      Wir befinden uns aber nicht in einem theoretischen Urzustand, sondern in einer Realitaet, die im wesentlichen durch ausgesprochen zugespitzte Eigentums- und damit Machtverhaeltnisse gepraegt ist. Das geht soweit, dass inzwischen das nominelle Regulativ einer Demokratie (jeder Buerger hat eine gleichgewichtige Stimme) ausser Kraft gesetzt wurde, indem nur noch vorselektierte Politiker zur Wahl stehen, die ueberwiegend aus eigenem Interesse die Positionen etablierter Macht vertreten.
      http://money.msn.com/investing/latest.aspx?post=70cc8f98-07b4-4e4e-923e-5569bd82627d

      Viele Gruesse
      Georg Trappe

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    3. Lebenskünstler11. Juni 2013 um 18:21

      Hallo Herr Trappe !

      „… Wirtschaftswissenschaften …. dass etwas mit den Fundamenten dieses Theorie- und Gedankengebaeudes nicht stimmt.“

      Das Problem erstreckt sich auch weiter auf die juristische Seite. Es gibt an anderer Stelle in diesem Blog eine hochinteressante Diskussion mit Dr. Menendez, in der diese Seite beleuchtet wird.

      Der Kern dieses Problems, auf den Sie auch (glaube ich) hinweisen, scheint mir zu sein: Früher haben die Leute mit Goldmünzen bezahlt, das war ein Tausch Ware gegen Ware. Ein Geldschein war eine Forderung auf (Depot-) Gold. Wer mit einem Geldschein bezahlte, tilgte eine Schuld, denn der Geldschein stand ja stellvertretend für die Goldmünze.

      Heute hingegen ist die Forderung undefiniert, ein Geldschein ist die Dokumentation einer Forderung, aber nicht auf Gold, sondern auf etwas Undefiniertes. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

      Diesen Schritt vom Tausch Ware gegen Ware zum Schuldverhältnis = Kreditkontrakt haben viele Gedankengebäude ignoriert. Juristische Gesetze und Formulierungen wie z. B. „bezahlen“ usw. stammen aus einer Goldmünzenvergangenheit, die es heute so nicht mehr gibt. Das schafft einige Verwirrung und wird dem tatsächlichen modernen Sachverhalt nicht mehr so ganz gerecht.

      Ich bin übrigens kein „Goldbug“. Ich halte das moderne „Fiat-Money“ bzw. Schuldgeld für das bessere System. Das mag vielleicht erstaunen, aber meine Überlegungen haben mich zu dieser Meinung gebracht.

      „…ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gewollt.“

      Ich bin da viel unbekümmerter, naiver und ganz fern jeglicher Verschwörungstheorien. Natürlich gibt es mächtige und einflußreiche Gruppierungen. Aber diese Gruppierungen sind nur insoweit mächtig, als sie vom „kleinen Mann“ gestützt werden: Durch das Kreuzerl bei Wahlen und durch die Kaufentscheidung beim Einkauf. Wenn keiner Partei XY wählt und niemand bei YZ einkauft, dann gibt es diese Partei und diesen Konzern nicht. Aber das ist ein schwieriges Thema und Sie sehen das vermutlich etwas anders.

      „… in einer Realitaet, die im wesentlichen durch ausgesprochen zugespitzte Eigentums- und damit Machtverhaeltnisse gepraegt ist.“

      Mein Kriterium dabei: Ist es dem kleinen Mann, dem Habenichts möglich, eigenes Kapital zu bilden? Oder sind die politischen Randbedingungen so, z. B. durch Steuerquoten und Überregulierung, daß der Habenichts kaum eine Chance hat?

      Mehr vielleicht ein andermal an anderer Stelle. Es wird einige Zeit dauern, bis ich mich in Ruhe hier umgesehen habe. Texte in Hülle und Fülle.

      Beste Grüße!

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    4. Hallo Lebenskuenstler,

      ich stimme mit Ihnen darin ueberein, dass der Wandel des Geldwesens vom Gold- und Muenzgeld ueber Noten hin zum Buchgeld auf elektronisch gefuehrten Konten Schwierigkeiten nach sich zieht, die bei unscharfen Begriffen anfangen und darauf aufbauenden u. entsprechend wackligen, u.z.T. ueberholten Theoriegebaeuden enden. Der Abschied vom Bretton Woods System war mit Sicherheit eine Zaesur, die bis heute nicht durchgaengig und konsequent in die betroffenen Theorien eingearbeitet ist.
      Ihr Satz: "Heute hingegen ist die Forderung undefiniert, ein Geldschein ist die Dokumentation einer Forderung, aber nicht auf Gold, sondern auf etwas Undefiniertes. Das ist ein wesentlicher Unterschied." ist ein offensichtlicher Beleg dafuer.
      Denn der wesentliche Unterschied zwischen einem an Gold oder sonstwie gebundenem Geldsystem und dem heutigen Geldsystem ist, das der Bestand an zur Umlauffaehigkeit veredelten Forderungen heute nahezu beliebig erhoeht werden kann. Und das hat Konsequenzen. Eine davon ist die, dass der Punkt, an dem das Wirtschaftssystem aufgrund der voranschreitenden Konzentrationsprozesse beim Eigentum zusammenbricht, heraus geschoben werden kann.
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      Es gibt grundsaetzlich zwei Arten Einkommen zu generieren. Erstens Arbeit und zweitens die Verwertung von Eigentum.
      Der Landarbeiter, der ein Feld pfluegt, das nicht sein Eigentum ist, ist ein Beispiel fuer den ersten Fall. Ein Landeigentuemer, der sein Land durch Landarbeiter pfluegen und bestellen laesst und einen Teil der Ernte fuer sich einbehaelt ein Beispiel fuer den zweiten Fall.
      Dazwischen gibt es eine Hierachie von "Arbeitern", die beim Vorarbeiter anfaengt und ungefaehr beim Zetsche aufhoert. In einem Schuldgeldsystem gibt es noch einen interessanten dritten Fall. Und das ist die Generierung von Einkommen aus etwas, was netto (fast) immer Null ist und in beliebiger Menge aus Luft geschaffen werden kann.
      Diese dritte Moeglichkeit in Verbindung mit dem allgemeinen Streben nach Eigentum und Einkommen aus Eigentum fuehrt sehr zielgenau an den Abgrund, vor dem die Welt z.Zt. steht.
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      Um Ihre Unbekuemmertheit und Naivitaet in Bezug auf die Macht, die von denen ausgeht, die die Lizenz zur Schaffung von zur Umlauffaehigkeit veredelten Forderungen haben, zu erschuettern, moechte ich Sie an Hjalmar Schacht erinnern. Denn Schacht war nicht nur einer der Unterzeichner der Eingabe von zwanzig Landwirten, Bankiers und Industriellen an Paul von Hindenburg mit der Aufforderung, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen, sondern auch die zentrale Figur, die nach Hitlers Machtergreifung in der Rolle des Reichsbankpraesidenten die Finanzierung der deutschen Aufrüstung mit Hilfe von Mefo Wechseln organisierte. Noch im gleichen Jahr (1933) einigten sich Reichsbankpräsident Schacht, der Hitler-Vertraute Hermann Göring und Reichswehrminister Werner von Blomberg auf den Finanzrahmen für die Rüstung: 35 Milliarden Reichsmark, verteilt über acht Jahre. Dabei sollten vier Jahre für den Aufbau der Verteidigungskapazität genutzt werden und weitere vier Jahre für die Schaffung einer Offensivarmee.
      http://de.wikipedia.org/wiki/Mefo-Wechsel
      http://de.wikipedia.org/wiki/Hjalmar_Schacht

      Viele Gruesse
      Georg Trappe

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