Sonntag, 8. April 2012

Warum Maerkte nicht funktionieren (Fazit)

Ich habe vor einem Jahr versucht, in einer kleinen Serie von Artikeln ( 1 , 2 , 3 ) darauf aufmerksam zu machen, dass Maerkte nicht so funktionieren (koennen), wie die sog. Wirtschaftswissenschaften es uns glauben machen wollen. Angesichts der Diskussion Krugman vs. Keen komme ich zu dem Schluss, dass weite Kreise der sog. Wirtschaftswissenschaftler, bis hin zu Nobelpreistraegern, nicht verstehen koennen oder nicht verstehen wollen, dass der in den Grundlagenvorlesungen der Wirtschaftswissenschaften vermittelte Zusammenhang zwischen Angebot, Nachfrage und Preisen die Realitaet nicht zutreffend beschreibt. Das ist in einer Zeit, in der die Weltwirtschaft an den Folgen des Marktfundamentalismus zusammenzubrechen droht, natuerlich mehr als peinlich. Aber es hilft nicht auf verletzte Eitelkeiten und Egos Ruecksicht zu nehem, dafuer steht viel zu viel auf dem Spiel. Daher hier nocheinmal fuer diejenigen, die  moeglicherweise durch die in den oben genannten Artikeln zur Anwendung gebrachten Mathematik ueberfordert sind ein letzter Versuch, der, sollte er nicht fruchten, nur das Fazit zulaesst, dass es nicht am Verstehen liegt sondern am Wollen.
-
Der Konstrukt Markt zielt auf Marktraeumung. Das Ziel ist also die Differenz Angebot minus Nachfrage zu Null zu bringen. Und dies mit Hilfe der sich automatisch einstellenden Stellgroesse Preis. Gleichzeitig verfolgen die Anbieter das Ziel der Gewinnmaximierung.
Wenn Menschen hungern und ihre Nachfrage nach Lebensmitteln nicht befriedigt wird, dann aendert sich diese Nachfrage nicht, wenn die Preise fuer Lebensmittel steigen. Auch dann nicht, wenn sie dies Dank "magischer Haende" automtisch tun.
Wenn Banken ihren Zusammenbruch befuerchten, weil Einlagen/Passiva im grossen Stil abgezogen werden (siehe Target2 Salden) und /oder ihre bisher als risikolos geltende Forderungen/Aktiva (z.B. Staatsanleihen) per Ratingagenturen und "Maerkten" massiv ins Gerede kommen, dann waechst ihre Nachfrage nach verlaesslichen Einlagen/ Passiva sehr schnell ins Unermessliche. Die Beschaffung von Eigenkapital durch Kapitalerhoehung mittels neuer Aktien kann dies in einer solchen Situation nicht leisten, da kaum einer neue Aktien einer Bank kaufen wird, die ihren Zusammenbruch befuerchtet und diese keinen Prospektbetrug auflegen will. Das einzige was bleibt ist das Angebot der Notenbank. Wenn diese in sog. Tendern den Preis=Zins und die Menge des zur Verfuegung gestellten Geldes gleichzeitig festlegt, dann ist das eine Zuteilung die den Bedarf nicht unbedingt decken muss und der Preis=Zins steigt weiter. Die Notenbank verliert die Kontrolle ueber den Zins. Erst eine Massnahme, wie Draghi sie mit den beiden LTRO's aufgelegt hat, hat die Chance den Hunger der Banken nach Geld zu stillen, da da nur der Preis festgesetzt wurde und die Menge von den Nachfragern frei bestimmt werden konnte.
Da sowohl die Zahlung des Preises als auch die Rueckzahlung in der Zukunft liegt, ist das eine  mit Risiken behaftete Sache. 
-
Das Ziel des Konstrukts Markt = Marktraeumung, hat also nichts! mit Wohlstand zu tun. Schon garnicht mit Wohlstand fuer Alle. Weder im Fall der hungernden Menschen, von denen aktuell taeglich 26000 zu Tode kommen, noch im Fall von Banken, denen die Wohlhabenden das Vertrauen und damit das Geld zum Ausgleich von uneinbringlich gewordenen Forderungen entziehen. Pikant dabei ist, dass diese zuvor als risikolos geltenden nun aber uneinbringlich gewordenen Forderungen gegenueber Staaten durch die Wohlhabenden selbst massiv diskreditiert wurden, indem sie per neoliberaler Wirtschaftspolitik oder dreister Steuerflucht die Staaten von ausreichenden Steuereinnahmen zur Bedienung der Zinsen abgeschnitten haben. In einer Wirtschaft, in der angebotsorientierte Politik betrieben wird und die dadurch staendig fortschreitenden Konzentrationsprozesse aka Fettaugensyndrom ignoriert werden, verkommen "Maerkte" zu Arenen, in denen ausschlieslich das Recht des Staerkeren gilt.
Es sind also ganz klar die 1%, die mit ihrem unverantwortlichen Verhalten via Banken die Zentralbanken, die Staaten und die 99% zwingen die Folgen ihres Exzesses zu tragen. Sog. Wirtschaftswissenschaftler, die dies mit nebuloesen Theorien verdecken wollen, sind wie alle sog. Rettungspolitiker, die dem gleichen Ziel dienen, als korrupte Machtdienstleister dieser 1% entlarvt.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen