Sonntag, 22. April 2012

Wirtschaft, ein Optimierungsproblem und eine Gestaltungs- / Fuehrungsaufgabe

"Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug" Epikur

Wenn man Wirtschaft als Optimierungproblem verstehen will, dann muss man sich zunächst klar machen, was es denn genau ist, was man optimieren möchte und durch welchen Parameter die zu optimierende Groesse denn zutreffend beschrieben ist. Hier besteht meiner Meinung nach im Mannschaftsport Wirtschaft schon erheblicher Klaerungsbedarf, denn die gängigen Antworten sind mehr als verschwommen und sehr Konfliktträchtig. Die diplomatische und daher auch wohl meist verbreitete Antwort ist wohl die, die Wohlstand als das zu optimierende Gut nennt. Doch wie lässt sich Wohlstand messen, und was ist aus dem alten konsensfaehigen Ziel: Wohlstand fuer Alle geworden? Die Antworten auf diese Fragen lauten regelmaessig, das BIP ist der Wohlstandsindikator und das Ziel Wohlstand fuer Alle ist als Utopie entlarvt und so pragmatischeren Dingen zum Opfer gefallen. Es sieht also so aus, als sei Wirtschaft nach der gaengigen Auffassung nichts anderes als die Optimierung des Wohlstands durch Maximierung des BIPs. Wenn es so einfach ist, woher kommen denn dann alle jene Probleme, die die Wirtschaft in den vergangenen Jahren ganz nebenbei und wie aus heiterem Himmel an den Rand des Zusammenbruchs gefuehrt haben, moechte man fragen.
Die ans Absurde grenzende Antwort scheint mir zu sein: "Das war ein "bedauerlicher" Betriebsunfall, stellt keine dummen Fragen und konzentriert Euch bitte wieder auf die Maximierung des BIPs, dann wird alles wie von selber wieder gut."
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Irgendetwas in mir fuehlt sich durch diese Art von Antwort mehr als beleidigt.  Das scheint mich zwar zum Aussenseiter zu machen, aber ich gebe diesem"beleidigten Etwas" trotzdem gerne Raum, da in aehnlich gelagerten Faellen in der Vergangenheit es genau dieses "mehr als beleidigte Etwas" war, was Dinge hervorgebracht hat, auf die ich nicht verzichten moechte.
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Zielgerichtete Optimierung ist eine klassische Fuehrungsaufgabe, wenn sie von einer Gruppe bewerkstelligt werden soll.
Da ich mit der (Fuehrungs-) Methode "Management by Objectives, Judgement by Results" ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht habe, moechte ich ausgehend vom proklamierten Ziel Wohlstandsoptimierung durch BIP Maximierung und dieser Methode versuchen sowohl die (Fuehrungs-)Qualitaeten der Protagonisten, sowie ihre Chancen, dass Ziel zu erreichen, etwas genauer unter die Lupe nehmen.
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Das BIP ist eine Stromgroesse, die in Rechnungseinheiten (Euro, US$ etc.) gemessen und ausgedrueckt wird. D.h. zwischen den realen Waren und Leistungen und dem in Rechnungseinheiten ausgedrueckten BIP liegt eine Bewertung dieser Waren und Leistungen in Form von Preisen. Diese in Rechnungseinheiten gemessene Stromgroesse soll die Gesamtheit der erzeugten Waren und Leistungen = Verbrauch + Veraenderung der Lagerbestaende pro Zeiteinheit, die meistens ein Jahr ist, soll also im Sinne von Wohlstandsoptimierung maximiert werden. Wenn man mal fuer einen Moment gnaedig davon absieht, dass es sich also um eine angestrebte Verbrauchsmaximierung handelt, die in einer Welt endlicher materieller Resourcen einen Irrsinn darstellt, wird klar, das diese Maximierung auf zwei Wegen erreicht werden kann. Erhoehung des realen Outputs, in Form von realen Waren und Leistungen oder durch Erhoehung von Bewertungen = Preisen. Es stellt sich also die Frage, was ist es denn nun, was maximiert werden soll, wenn Wohlstand optimiert wird. Realer Output/Verbrauch oder Preise? Nun die gaengige Antwort ist, das es der reale Output/Verbrauch ist, der maximiert werden muss, wenn der Wohlstand optimiert werden soll und dass daher die Zentralbank per Geldmengen- und Zinspolitik die Inflation der Preise = Geldwert kontrollieren soll. D.h. es wird zwischen einem nominalem und einem realen BIP unterschieden, wobei das reale BIP ein von Inflation bereinigtes BIP ist. Daraus ergibt sich sowohl eine weitere Messaufgabe als auch eine Steuerungsaufgabe fuer die Zentralbank. Sie muss Inflation messen und durch ihre Instrumente der Geld- und Zinspolitik kontrollieren.
Kritikwuerdig ist an dieser Stelle zum einen, das die Zentralbanken bei der Inflationsmessung einen im wesentlichen auf Verbrauchsgueter beschraenkten Warenkorb heranziehen und so die Inflation von Asset Preisen unberuecksichtigt bleibt. Zum anderen sind die Zentralbanken ganz offensichtlich nicht in der Lage in Krisen, die durch exezessive Ausweitung der Geldmenge = Bilanzexpansion bei den Geschaeftsbanken ausgeloest wurden, die Geldmenge zu kontrollieren, wenn sie nicht die Kontrolle ueber den Zins verlieren wollen (1).
Hier ergibt sich also die Moeglichkeit, wenn nicht sogar die Zwangslaeufigkeit, das die Wohlstandsoptimierung durch Verbrauchsmaximierung zur Preismaximierung bei sog. Assets durch exzessive Bilanzerweiterung der Geschaeftsbanken pervertiert.
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Wenn man die (Fuehrungs-)Methode "Management by Objectives, Judgement by Results" erfolgreich anwenden will, dann ist es wichtig, das die angestrebten Ziele eindeutig messbar sind und von allen Beteiligten nicht nur verstanden, sondern auch als erstrebenswert anerkannt sind. Ich habe somit im Vorangegangen aufgezeigt, das beim Ziel Wohlstandsoptimierung durch BIP- = Verbrauchsmaximierung nicht nur der Konsens ueber die Sinnhaftigkeit des Wegs (=Verbrauchsmaximierung) zum Ziel (=Wohlstandsoptimierung) ausgesprochen fraglich ist, sondern auch erhebliche Zweifel an den Mess- und Kontrollmethoden der zur Zielereichung zu kontrollierenden bzw. zu steuernden Parameter Preisniveau und Inflation bestehen.
Aber es kommt noch schlimmer.
Denn abhaengig davon, wen man fragt, bekommt man verschiedene Antworten auf die Frage was der Einzelne in seiner Rolle denn nun optimiert bzw. maximiert.
Kapitaleigner maximieren ihr Eigentum an Real- und Geldvermoegen. Beides sind Bestandsgroessen, die durchaus dem Ziel im Wege stehen koennen.
CEOs in realwirtschaftlichen Unternehmen maximieren als Dienstleiseter der Kapitaleigner ihre Bezuege, in dem sie den sog. Shareholdervalue fuer diese Kapitaleigner maximieren und meinen damit die Maximierung des Gewinns der Unternehmen, der eine Flussgroesse ist und so die Akkumulations- / Wachstumsrate des Kapitals in Haenden der Eigentuemer bestimmt.
Banker, ebenfalls Dienstleister der Kapitaleigner, maximieren ihre Boni indem sie die Eigenkapitalrendite der Bankeigner maximieren, was auf exponentielle Bilanzausweitung bei moeglichst geringem Eigenkapital hinauslaeuft.
Politiker maximimieren ihre Chancen wiedergewaehlt zu werden, in dem sie Steuern erheben
und gehebelt durch Kredite wieder verteilen, nicht ohne sich und ihre Beamten/Staatsdiener dabei zu vergessen.
Und Arbeiter und Angestellte versuchen ihren Lohn zu maximieren indem sie bei all dem ausser viel Arbeit auch noch das Wohlwollen der Chefs zu erreichen suchen.
Also ein  Chaos das nicht ansatzweise ein gemeinsames,  geschweige denn ein verstandenes und akzeptiertes Ziel mit dem Namen Wohlstand enthaelt.
Das ist aus meiner Sicht ein Beleg fuer die miserablen Fuehrungsqualitaeten der Verantwortlichen, die sich in der Missachtung ganz grundsaetzlicher Erfordernisse einer erfolgreichen Bewaeltigung von Optimierungsproblemen und Erreichung von Zielen manifestiert. Da wundert es einen, dass ueberhaupt etwas aus diesem miserababel gefuehrtem Sauhaufen heraus kommt.
Und das, was dabei heraus kommt schauen wir uns nun etwas naeher an.
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Ausgehend von den Annahmen, das:

1. Menschen das Potential haben Ueberschuesse zu produzieren
2. Menschen die Motivation haben, diese Ueberschuesse so einzusetzen, dass sie produktivitaetssteigernd wirken, um sich so eine Entwicklung zu mehr "Wohlstand" zu ermoeglichen.
3. Menschen bei diesem Bestreben aus verschiedensten Gruenden unterschiedlich erfolgreich sind.
4. Das soziale System Wirtschaft ein offenes System ist, das zur lokalen Entropiesenkung = Hierarchie und Strukturbildung faehig ist.

ergibt sich daraus zum einen die Moeglichkeit eines zunaechst exponentiellen Wachstums auf Basis der "Erfolgsformel" von kontinuierlicher und konsequenter Reinvestition von Ueberschuessen in produktivitaetssteigernde Massnahmen und zum anderen das parallel verlaufende Fettaugensyndrom mit der staendig voranschreitenden Konzentration des Kapitals in Form von Real- und Geldvermoegen in den Haenden von immer weniger Menschen (=Hierarchie- und Strukturbildung). Wenn man die oben angesprochenen Komplikationen durch das Banken-/Geld-/Finanz- und Bewertungssystem als untaugliche Versuche, die realen Probleme zu loesen, wertet und in einer ersten Betrachtung aussen vorlaesst und nur diese beiden parallel verlaufenden, realen, empirisch belegbaren Entwicklungen als kennzeichend betrachtet, dann kann man die negativen Rueckwirkungen auf die Entwicklung des BIP durch die staendig steigende Produktivitaet (Tendenz zu Deflation/Preisverfall), Konzentration der Produktions- und Finanzmittel in den Haenden immer weniger Menschen, Ausschluss von immer mehr Menschen vom Produktionsprozess und damit Ausschluss von der Nachfragemoeglichkeit, bei der Modelbildung  in einem zeitabhaengigen Parameter

 

zusammengefasst abbilden, der an die Entwicklung des beim Fettaugensyndrom linear ansteigenden Theil Index gekoppelt ist. Dabei ist B eine Konstante, die die Rate des Ansteigens des Theil Index und der dadurch ausgeloesten kontraproduktiven Probleme beschreibt. Dieser Term ist also eine Abbildung der Resourcen "Kohaesion und sozialer Friede durch Partzipation und Gerechtigkeit", die durch bei fortschreitender Konzentration von Kapital reduziert. Fuer das BIP ergibt sich dann das Produkt aus exponetiell wachsender Produktivitaet und dieser linear abnehmenden Resource.


D.h. es bildet sich die Differenz zweier exponentiell verlaufender Entwicklungen, in der zunaechst der positive Term dominiert aber mit fortschreitender Zeit der negative Term das Regime uebernimmt. 

Daraus egibt sich dann wieder der fuer ein Tipping Point Model typische Verlauf ueber Zeit.

BIP Verlauf als Funktion der Zeit in einem Tipping Point Model

Wollte man also das BIP maximieren, dann muesste man die Entwicklung des Theil Index, also das Fortschreiten der Ungleichverteilung und der daraus resultierenden negativen Rueckwirkung, an der Stelle stoppen, an der das BIP maximal wird.
Das kommt unseren, auf Neoliberalismus gepolten, Eliten aber nicht in den Sinn, denn sie betrachten den Anstieg des Theil Index, also die zunehmende Konzentration von Kapital in den Haenden Weniger, als Antreiber und nicht als ueber Zeit kontraproduktiv werdendes Hindernis. Diese Fehleinschaetzung resultiert aus der Tatsache, das Wirtschaft als offenes System zunaechst wirklich Strukturen und Hierachien schaffen kann und muss, die produktivitatetssteigernd, also verstaerkend  wirken. Der Glaube an endloses exponentielles Wachstum verstellt aber den Blick dafuer, das exponentielles Wachstum Ausdruck eines Systems ist, das durch einen Energiestrom angetrieben im Ungleichgewicht ist und so seine Grenzen sucht. In solchen ungleichgewichtigen rueckgekoppelten dynamischen Systemen koennen Grenzen auch durch das entstehen, was zunaechst das Wachstum ermoeglicht oder antreibt. So gesehen kann eine Ausdifferenzierung=Ungleichwerdung ein zweischneidiges Schwert sein, was sich ab einem gewissen Punkt dem Wachstum entgegen stellt, obwohl es das selbe zunaechst ausgeloest und befoerdert hat. Die "Erfolgsformel" der Produktivitaetssteigerung durch kontinuierliche und konsequente Reinvestition von Ueberschuessen wird so gesehen durch das Fettaugensyndrom zur Falle.
So etwas koennen oder wollen neoliberale Eliten, die noch nicht einmal die primitivsten Grundlagen zur Bewaeltigung einer Optimierungsaufgabe im Team beherrschen und denen absurde, realitaetsferne, neoklassische Wirtschaftstheorien auf Basis Gleichgewichtsmodellen eingehaemmert wurden, aber offensichtlich nicht erkennen.
Selbst dann nicht, wenn sich dieser Effekt in den Bilanzen der Banken unuebersehbar deutlich dokumentiert.
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Das die Realitaet noch eine viel haertere Nuss zu knacken aufgibt, macht es diesen verblendeten Stuempern dann endgueltig unmoeglich, ihrer eigentlichen Aufgabe und Verantwortung gegenueber der Gesellschaft gerecht zu werden. Denn wie oben schon erwaehnt, ist Wohlstandsoptimierung durch Maximierung des Verbrauchs angesichts endlicher materieller Resourcen auf diesem Planeten der blanke Irrsinn. Denn wenn die Erzeugung des BIPs in weiten Teilen auf der Nutzung einer endlichen Resource beruht, was beim bestehenden Energiekonzept der Fall ist, entsteht so eine weitere Rueckkopplung der oben beschriebenen Natur, die eine noch viel groessere  Herausforderung darstellt, als das Einfrieren einer Ungleichverteilung von Kapital, Vermoegen und Einkommen, Firmengroessen etc. auf einem bestimmten produktiven Niveau. Denn ein offenes System braucht einen kontinuierlichen Energiestrom, wenn es existieren will. Es ist noch vorstellbar die Ungleichverteilung auf ein bestimmtes Niveau zurueck zu fueheren und dort einzufrieren aber eine kontinuierliche Senkung der Energiezufuhr bedeutet ab einem gewissen Punkt den sicheren Kollaps der bestehenden Strukturen. Die Aufgabe besteht an dieser Stelle also darin die Energiequelle im laufenden Betrieb zu wechseln und zwar in Richtung einer Energiequelle, die gemessen an menschlichen Massstaeben wirklich unendlich ist und gleichzeitig keine toxischen Abfallprodukte generiert.
Denn das offene System Wirtschaft ist durch seine Einbettung in das System Planet Erde zwar offen fuer Energiezufluesse, Entropieabfluesse aber der Planet Erde ist durch ein Vakuum umgeben und daher fuer Materiefluesse als geschlossen zu betrachten. D.h. ein Energiekonzept das auf Verbrennung endlicher materieller Resourcen beruht oder ein Energiekonzept das toxischwirkende Abgase/Abfaelle erzeugt, ist auf Dauer nicht tragfaehig.  Insbesondere dann nicht, wenn man Wohlstansoptimierung durch Verbrauchsmaximierung betreibt. Und da gibt es nur eine hoch elegante Technologie die das umgeht und das ist Photovoltaik oder jede andere vergleichbare  Art, die Sonnenenergie direkt nutzbar zu machen. Wie damit z.Zt. aus niedrigen Beweggruenden umgegangen wird, wenn neoliberale Stuemper am Werk sind, koennen Sie z.Zt. in jedem Wirtschaftsteil der Mainstreampresse nachlesen. Wenn ich gleichzeitig sehe, wieviel Energie, und damit meine ich menschliche Arbeit/Zeit, in den letzten fuenf Jahren darauf verwendet wurde, dass durch idiotische Banker gestoerte wirtschaftliche Kommunikationssytem Geld- und Finanzwesen zu reparieren und ich die dabei nur marginal von Null abweichenden Fortschritte an dieser Baustelle sehe, dann  muss man wohl an das Wunder glauben, wenn man die Hoffnung nicht aufgeben/verlieren will, dass vielleicht doch nochmal der Tag kommt, an dem man sich den grossen, wirklich ursaechlichen Problemen zuwendet und sich dabei vielleicht auch noch an das konsensfaehige und aktivierende Ziel:"Wohlstand fuer Alle" erinnert.

Sapere Aude!

Georg Trappe


Kommentare:

  1. Your style is very unique in comparison to other folks I've read stuff
    from. Thank you for posting when you have the opportunity, Guess I'll just bookmark this blog.


    Also visit my web site b ostermann

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  2. Herr Trappe, diesen Beitrag hätte ich mal VOR dem Schreiben meiner Gedanken zum Wachstum lesen sollen. TOP! Ich glaube in Ihren Blogs sind noch eine ganze Reihe solcher Schätze vergraben, und dabei gibt es noch so viele andere Blogs und Bücher zu lesen (und zu lernen). Sie sind mir da einfach Jahre voraus...

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    1. Vielen Dank fuer die freundlichen Worte. Sie haben recht, wenn Sie sagen, das einige Dinge inzwischen in diesem Blog vergraben sind.
      Ich muss mir mal was ueberlegen, wie man die Kernaussagen wieder besser zugaenglich macht.
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      Ich freue mich immer sehr, wenn ich Blogs wie den ihren entdecke und kann Sie nur ermutigen in dieser Richtung weiter zu machen. Die Faehigkeit und den Mut zu haben den eigenen Kopf zu benutzen und die dabei erzielten Ergebnisse zur Diskussion zu stellen, halte ich fuer wichtig.
      Wenn der eine oder andere Artikel von mir dazu Anregung ist, dann freut es mich besonders.

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    2. @thewisemansfear
      Ich denke Menschen faellt es ausgesprochen schwer Zusammenhaenge zu durchblicken, in denen Nichtlinearitaeten eine Rolle spielen. Ich vermute, das liegt an unserem Wahrnehmungsapparat, der doch sehr stark durch eine Sichtlinie ueber die Nasenspitze hin zum Tellerrand gepraegt ist und so ein eher egozentrisches lineares Weltbild entstehen laesst. Jede Kruemmung laesst also ersteinmal einen Horizont entstehen, hinter dem es fuer die menschliche Vorstellungskraft schwierig wird. Eine Wirtschaftsweise, deren "Erfolgsrezept" zu einem stochastischen multiplikativen Prozess fuehrt, produziert so gesehen fuer die meisten Menschen ein unvorhersehbares Ergebnis. Keiner versteht, was es bedeutet wenn Bill Gates es schafft seine Firma und sein Vermoegen 35 jahrelang jedes Jahr im Schnitt um 38% wachsen zu lassen, waehrend andere sich mit 2% oder weniger zufrieden geben muessen. Wenn dann noch durch eine neoliberale Ideologie die Bill Gates dieser Welt zu Ikonen aufpoliert werden und so alles getan wird, das die Streuung der Wachstumsraten ueber Zeit und Population maximal wird, dann versteht offenbar keiner, dass dadurch die Rate des Anstiegs des Theilindex maximal wird und dies aus verschiedenen Gruenden Kraefte hervorruft und hervorrufen muss, die das Gebilde instabil werden lassen. Dieses weitverbreitete Unverstaendnis, was in Zeiten, in denen nahezu jeder einen Rechner in seiner Hosentasche mit sich herum traegt, der die Gesamtrechenleistung aller Rechner der Nasa zu Zeiten der Mondfluege uebersteigt, verblueffend, weil Ergebnis eines nichtlinearen Prozesses, ist, ist meiner Meinung nach die tiefere Ursache der Komplikationen.

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    3. Der Mensch hangelt sich seit jeher an Vertrautem entlang. Für exponentielles Wachstum gibt es in der Natur aber keine Entsprechungen. Auch nicht intuitiv kann ein Mensch die iterativen Verdoppelungen über 10++ Schleifen abschätzen, von daher haben Sie vollkommen recht.
      Der Vorgang läuft ja auf makroökonomischer Ebene sehr langsam ab, so dass ich unwillkürlich an den Frosch im sich langsam erhitzenden Kochtopf denken muss. Die Gefahr wird solange nicht erkannt, bis es zu spät ist. Allein wenn man sich vor Augen hält, dass die Realwirtschaft Richtung Deflation tendiert, von der Finanz"wirtschaft" her sich aber alles auf Inflation hin bewegt, macht die Zerrissenheit des Systems deutlich.

      Mich beschäftigt auch seit Kurzem, wie man das vorhandene Wissen aufbereiten und verknüpfen kann, so dass nicht an den unterschiedlichsten Orten von verschiedenen Leuten das Rad immer wieder neu erfunden werden muss. Das Wissen ist ja ganz augenscheinlich da.
      Guten Rutsch an dieser Stelle!

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    4. Ich wuensche Ihnen auch einen guten Start ins neue Jahr.

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