Freitag, 4. Mai 2012

Antworten zu Fragen der Geldtheorie (2)

Sehr geehrter Herr Menendez,

vielen Dank fuer Ihr Engagement und Ihre Beitraege zur Klaerung von Fragen der Geldtheorie. Ich greife Ihre Argumente gerne auf, da Sie sehr hilfreich sind der von mir angestrebten Klaerung naeher zu kommen.
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Ich moechte die Begriffe jetziges und modernes Geld hinter mir lassen, da sie aus einer Diskussion entstanden sind in der der meiner Meinung nach unglueckliche Begriff "echtes Geld" eingebracht wurde. Ich wollte mit diesen Begriffen eine Abgrenzung schaffen zwischen Gold gedecktem Geld, wie es zu Zeiten des Bretton Woods Systems bestand, und Geld seit Aufhebung des Bretton Wood Systems. Ich denke wir sollten unsere Diskussion auf das jetzige Eurosystem begrenzen und hier zunaechst Klarheit schaffen. Ich denke dann sind wir uns schon sehr nahe. Zumindest verstehe ich Ihre Aussagen so. Es ist tatsaechlich sehr hilfreich zunaechst saubere Definitionen zu treffen.

1.) Das Bankensystem besteht aus Zentralbanken und Geschaeftsbanken. Ihm stehen Nichtbanken gegenueber. Da es mir um Klaerung geht, moechte ich, zumindest zunaechst, weitere Dinge wie z.B. Schattenbanken, aussen vor lassen. Es handelt sich tatsaechlich um ein hierachisch, kaskadiertes System, in dem die wesentlichen Transaktionen zwischen Zentralbank und Geschaeftsbanken, Geschaeftsbanken untereinander und zwischen Geschaeftbanken und Nichtbanken stattfinden. Transaktionen zwischen Zentralbank und Nichtbanken moechte ich zunaechst ebenfalls aussen vorlassen.

2.) Gelddefinitionen sind:
2.1) Zentralbankgeld, welches ausschliesslich durch die Zentralbanken geschoepft werden kann.
2.1.1) Dies sind Banknoten, die nur von der Zentralbank in Umlauf gebracht werden koennen und somit Forderungen gegen die Zentralbank darstellen.
2.1.2) Giral-/Buchgeld, das durch die Zentralbank geschoepft wurde und als Forderungen der Geschaeftsbanken gegen die Zentralbank verbucht ist. Also bei der Zentralbank auf der Passivseite der Bilanz als Verbindlichkeit gegenueber den Geschaeftsbanken und bei den Geschaeftsbanken auf der Aktiv Seite ihrer Bilanzen als Forderungen gegen die Zentralbank eingetragen ist.
2.2) Geschaeftsbankgeld, welches ausschliesslich durch Gescheaftsbanken geschoepft wird.
2.2.1) Dies ist Giral-/Buchgeld, zutreffender als Sichteinlage/Sichtforderung beschrieben, das durch die Geschaeftsbanken im Zuge der Kreditvergabe geschoepft wurde und durch zwei gleichgrosse Eintraege in die Bilanz der Geschaeftsbank kreiert wird. Eine Forderung der Geschaeftsbank gegen den Kreditnehmer auf der Aktivseite der Bankbilanz und eine gleichhohe Gutschrift auf dem Girokonto des Kreditnehmers auf der Passivseite der Bankbilanz. Diese Gutschrift stellt eine Sichteinlage/Sichforderung da und kann auf Verlangen des Kreditnehmers im Zuge einer Barabhebung in Zentralbankgeld, also eine Forderung gegen die Zentralbank in Form von physischem Geld = Banknoten, umgewandelt werden. Ein solcher Vorgang mindert die Barreserven, also den Bestand an Zentralbankgeld der Geschaeftsbanken. Im Zuge einer Ueberweisung von einem Konto einer Geschaeftsbank A auf ein anderes Konto bei Geschaeftsbank B innerhalb Deutschlands stehen verschiedene Wege offen. Wichtig ist, dass ein unausgeglichner Saldo der ein- und ausgehenden Zahlungen ebenfalls den Zentralbankgeldbestand der Geschaeftsbank veraendert. Ist die Differenz zwischen Zahlungseingaengen und Zahlungsausgaengen negativ, dann verringert sich das Guthaben der Geschaeftsbank bei der Zentralbank und bei einer positiven Differenz erhoeht es sich.

Ich hoffe wir koennen uns zunaechst auf diesen Satz von Definitionen einigen. Ich denke ich habe damit quittiert, was Sie mit hierachisch strukturiert und auf der oberen Ebene zugelassenen Kontrahenten, sowie mit der Einfuehrung des Begriffs Sichteinlage beschrieben haben. Ich sehe mich mit dem oben beschriebenen im Einklang mit den Definitionen der Bundesbank ( 12 ), die in Ihrem Glossar u.a. darlegt:

Geldmenge


Geldschöpfung

Giralgeld

Zentralbankgeld

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Fuer das, worauf es mir ankommt, reichen diese Definitionen, Klaerungen ersteinmal aus.
Denn daraus folgt:
1. Geschaeftsbanken koennen im Zuge der Kreditvergabe Geld schoepfen und zwar in grossem Umfang.
2. Bei dieser Geldschoepfung entstehen zwei Eintraege in der Bankbilanz, die als Forderungen ausgedrueckt, eine Foderung der Bank gegen  den Kreditnehmer auf der Aktivseite der Bankbilanz und eine gleich grosse Forderung des Kreditnehmers gegen die Bank auf der Passivseite der Bankbilanz sind.

Ich denke sie koennen auch dem zustimmen.
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Der dritte wichtige Punkt ist die Frage danach, ob und wodurch diese Faehigkeit der Geschaeftsbanken zur Geldschoepfung begrenzt ist.
Hier gibt es drei wesentliche Punkte, die aber alle in der Diskussion stehen.
1. Mindestreserve Anforderungen
2. Eigenkapitalanforderungen
3. Die Faehigkeit der Kreditnehmer akzeptierte Sicherheiten zu stellen.

Doch bevor ich darauf weiter eingehe, moechte ich zunaechst abwarten, ob wir uns auf das oben geschriebene einigen koennen.

Mit freundlichen Gruessen
Georg Trappe

Editiert: 5.5.2012 5.00h UTC

Kommentare:

  1. Sehr geehrter Herr Trappe,

    das von Ihnen vorgegebene Problemsetting ist im wesentlichen korrekt. Ich hätte dabei allerdings eine Anmerkung, welche die Bezeichnungsweise von 2.1.2 und 2.2 betrifft. Ich gehe immer davon aus, daß man unterschiedliche Sachverhalte auch unterschiedlich behandeln/ bezeichnen muß. Deswegen halte ich es für eine potentielle Quelle unerschöpflicher Mißverständnisse, wenn sowohl für die Zentralbank als auch für die Geschäftsbanken die Bezeichnung "Giral-/Buchgeld" verwendet wird. Denn damit wird bereits verwischt, daß eine Forderung gegen eine Zentralbank etwas anderes ist, als gegen eine Geschäftsbank. Der Unterschied ist: eine Forderung gegen eine Zentralbank IST bereits Zentralbankgeld; eine Forderung gegen eine Geschäftsbank ist, na ja eben eine Forderung auf Zentralbankgeld, welche gelegentlich auch mal nicht in Zentralbankgeld umgewandelt werden kann. (Ich kann mich noch gut an die Geschichte mit der Kaupthing-Bank erinnern, wo jedem, der eine Forderung an diese Bank hatte, unmittelbar klar geworden sein dürfte, daß eine Forderung nicht dasselbe ist wie bares Geld.) Ich würde daher vorschlagen irgendeine sprachliche Abgrenzung zwischen diesen Sachverhalten zu schaffen, um eventuellen Verwechslungen von vornherein aus dem Wege zu gehen. Meine Präferenz wäre es statt Giral-/Buchgeld einfachheitshalber von Sichtforderungen zu sprechen, weil dadurch der Charakter dessen, was die Banken tatsächlich erzeugen, am besten beschrieben ist. Denn das was die Geschschäftsbanken erzeugen sind Schuldverhältnisse, welche temporäre Verfügungsberechtigungen über Zentralbankgeld zum Inhalt haben.

    Zur Frage, ob eine Banknote eine Forderung darstellt oder nicht, habe ich gestern abend/ heute morgen ein paar launige Absätze geschrieben, die für Sie eventuell von Interesse sein könnten:

    http://soffisticated.wordpress.com/2012/05/03/verirrungen-zwischen-geld/

    Zum Glossar der Bundesbank: der dort verwendete Begriff "Geldmenge" ist eher für ökonometrische Untersuchungen geeignet, wo für den stets unterstellten Normalfall eine Unterscheidung zwischen Zentralbankgeld und Sichtforderungen entbehrlich ist. Diese Zielrichtung zeigt sich auch wegen der Tatsache, daß ein großer Teil des Zentralbankgeldes nicht zu diesem Begriff der Geldmenge gerechnet wird. Demzufolge ist dieser Begriff der Geldmenge für theoretische Zwecke denkbar ungeeignet, zumal auch bei M1 nicht kommensurable Dinge mit der Begründung einfach addiert werden, weil sie die gleiche Einheit tragen. Dagegen ist der Begriff Zentralbankgeld unstrittig.

    Der Begriff Geldschöpfung bzw. Geldvernichtung ist dann eindeutig, wenn man dazu sagt, was man meint. Denn die Tilgung eines Geschäftsbankkredites durch einen privaten Kreditnehmer vernichtet zwar die Geldschuld oder besser: das bestehende Schuldverhältnis aufgrund von Zahlung, jedoch nicht das Zentralbankgeld mit dem gezahlt wurde. Das ist nach wie vor da! Demgegenüber handelt es sich tatsächlich um eine Zentralbankgeldvernichtung, wenn Geschäftsbanken ihre Verbindlichkeiten gegenüber der Zentralbank auflösen.

    Fortsetzung...

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  2. ...folgt

    Bei dem Begriff Giralgeld wird es aus theoretischer Perspektive lustig. Daß Giralgeld kein gesetzliches Zahlungsmittel ist, ist noch richtig, die nachfolgende Formulierung, daß Giralgeld normalerweise als Zahlungsmittel akzeptiert wird, ist nichts anderes als falsch. Hier zeigt sich schon, wie eine unklare Begriffsbildung nach drei Absätzen die Sinne vernebelt. Würde man bei dem korrekten Begriff Sichtforderungen bleiben wird jedem unmittelbar klar, daß man eine Forderung sicherlich an jemand anderes abtreten kann und damit der andere die Forderung besitzt - was aber zur Folge hat, daß derjenige, gegen den die Forderung jetzt gerichtet ist - nämlich die Bank des Empfängers - sich das aushändigen lassen muß, worauf die Forderung lautet. In meiner letzten Antwort bezieht sich der Abschnitt über die vermeintliche "bargeldlose Zahlung" auf genau diesen Irrtum. Und im letzten Satz über die jederzeitige Umwandelbarkeit der Sichtforderungen in Bargeld fehlt das kleine Wörtchen "normalerweise"! Aber wahrscheinlich will die Bundesbank niemanden verschrecken und außerdem hat ja Merkbrück für die Sicherheit aller Geldforderungen garantiert. :-)

    Ob es sinnvoll ist zu sagen, daß die Geschäftsbanken Geld schöpfen möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Ich möchte nur darauf hinweisen, daß dieses "Geld" eben kein Zentralbankgeld ist. Solange dieser Unterschied klar ist, habe ich kein Problem mit dieser Bezeichnungsweise. Die buchhaltungstechnischen Üblichkeiten sind natürlich in keiner Weise kontrovers.

    Zu Ihrem dritten Punkt: etwas salopp gesagt ist die Antwort: Kassenbestand (incl. Zentralbankforderungen) und Liquidität. Das liegt daran, daß eine Kreditgewährung für eine Bank stets einen potentiellen Zentralbankgeldabfluß bedeutet, der sie dazu nötigt, den entsprechenden Kassenbestand (...) auf das voraussichtlich erforderliche Maß wieder zu erhöhen. Dies kann eine Bank aber nur durch Verkauf oder Verpfändung von Geldmarktpapieren, oder durch die Vermeidung des Zentralbankgeldabflusses, indem der geforderte Betrag vom Anspruchsberechtigten kreditiert wird. Die von Ihnen aufgeführten Punkte spielen dabei natürlich auch eine Rolle, insofern als sie die Kassenlage (...) einer Bank beeinflussen, bzw. institutionelle Randbedingungen darstellen, welche exogen vorgegeben sind. Punkt 1. ist unmittelbar richtig, Punkt 2. wäre noch zu spezifizieren, während Punkt 3. keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Liquititätsstatus hat.

    Ich glaube, das wäre es für den Moment.

    Beste Grüße

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  3. Sehr geehrter Herr Menendez,
    ich habe versucht Ihre Anregungen zur Begriffsschaerfung einzuarbeiten. Ich bin mit Ihnen einig, dass bei einer Problemanalyse scharfe Begriffsdefinitionen notwendig sind. Allerdings, und das ist eine fuerchterliche Sache, die es im Vergleich zu den Ingenieur- und Naturwissenschaften unendlich schwer macht, scheinen sich die Wirtschaftswissenschaftler bisher nicht auf einen konsistenten Satz von Definitionen in Bezug auf Geld geeinigt zu haben. Wenn also die Definitionen der Bundesbank Ihrer Meinung nach stellenweise falsch sind, dann entsteht fuer mich das Problem, dass ich mich entscheiden muss, mit welcher Definition ich weiter arbeite. Mit der der Bundesbank oder mit der des Herrn Menendez. Sie verstehen sicher, wenn ich den publizierten Definitionen der Bundesbank den Vorrang gebe. Man kann diese sicherlich in Frage stellen, aber was ist denn dann in Kreisen der Wirtschaftswissenschaftler eine allgemein anerkannte Definition in Bezug auf Geld die auch in der Praxis von Bankern anerkannt wird? Wer ist die Autoritaet? Wenn es die nicht gibt, dann ist Hopfen und Malz verloren. Dann herrscht babylonische Sprachverwirrung und da hilft dann weder eine Definition von Ihnen noch eine von mir weiter, denn damit koennen Sie oder ich nur Selbstgespraeche oder eine Metadebatte fuehren aber niemals einem Problem, das wahrscheinlich seinen Ursprung im Geld- und Bankwesen hat, naeher kommen, geschweige denn einer Loesung naeher bringen.

    Mit freundlichen Gruessen
    Georg Trappe

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  4. Was mir noch wichtig ist, ist, dass ich mit Ihrer Sichtweise sehr weitgehend einig bin. Das Geld, was durch Geschaeftsbanken im Zuge der Kreditvergabe geschoepft wird, ist weder Zentralbankgeld noch gesetzliches Zahlungsmittel. Wer Geld in Form einer Sichforderung, wie sie es richtigerweise nennen, also Geld in Form eines Kontoeintrags auf einem bei einer Geschaeftsbank gefuehrten Girokonto akzeptiert, muss damit rechnen, dass die Geschaeftsbank diese Sichtforderung nicht erfuellen kann. Die Erfuellbarkeit dieser Sichtforderungen ist nicht garantiert, auch dann nicht, wenn Merkbrueck etwas anderes gesagt haben.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  5. Sehr geehrter Herr Trappe,

    was stört Sie daran, eine Bemerkung in einem Glossar der Bundesbank für falsch formuliert zu akzeptieren? Wir sind uns einig, daß Sichtforderungen kein Zentralbankgeld darstellen und die Bundesbank schreibt das auch.

    Ich sehe das eher so: auch die Bundesbank weiß, daß das falsch ist, aber was soll sie machen? Soll sie in ihr Glossar hineinschreiben, daß das, was das Publikum "bargeldlose Zahlung" nennt, garnicht das ist, was es zu sein scheint? Und das vor dem Hintergrund, daß die Geschäftsbanken sich größte Mühe geben, um das Publikum davon zu überzeugen, wie sicher das Ganze mit der "bargeldlosen Zahlung" ist?

    Ich schrieb ja auch, daß es für theoretische Zwecke nicht geeignet ist, für die Zwecke einer Öffentlichkeitsbroschüre kann man das so schreiben, um wie gesagt keine Irritationen auszulösen. Ich habe irgendwo zu diesem Thema mal eine juristische Abhandlung gesehen (aber wo?), in der die Frage behandelt wurde, wann eine "bargeldlose Zahlung" tatsächlich rechtswirksam wird. Dort wurde davon gesprochen, daß die Übergabe eines Schecks (ja, ist schon eine Weile her) lediglich ein Zahlungsversprechen an Zahlung Statt darstellt und der Abschluß des Vorganges erst in der Akzeptanz der Verbindlichkeit der Empfängerbank gegenüber dem Zahlungsempfänger besteht. Über den ganzen Rattenschwanz macht man sich heutzutage keine Gedanken mehr, wenn irgendwo eine EC-Karte eingesteckt und eine PIN eingetippt wird.

    Man darf bloß nicht vergessen, was tatsächlich bei so einem Vorgang passiert, denn das gerät inzwischen deswegen völlig aus dem Blickfeld, weil der größte Teil der Vorgänge ja nur noch per EDV bearbeitet werden. Das erzeugt ja inzwischen die Mißverständnisse, daß das ganze Geldwesen ja nur "virtuell" sei. Man kann darüber schwadronieren, aber spätestens, wenn der virtuelle Stoff nicht rechtzeitig ankommt und Vollstreckungsmaßnahmen eingeleitet werden, ist es mit der Virtualität vorbei!

    Nehmen Sie doch einfach das Glossar als Glossar und nicht als heilige Prophezeiung, zumal es sich ausgerechnet in diesem Punkt selbst widerspricht. Ich möchte ja auch nur darauf bestehen, daß die Unterschiede durch Sprachungenauigkeiten nicht zu Mißverständnissen führen!

    Beste Grüße

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  6. Sehr geehrter Herr Menendez,
    Sie schrieben:
    "Daß Giralgeld kein gesetzliches Zahlungsmittel ist, ist noch richtig, die nachfolgende Formulierung, daß Giralgeld normalerweise als Zahlungsmittel akzeptiert wird, ist nichts anderes als falsch."
    Ich denke, was die Bundesbank schreibt ist nicht ganz falsch. Zumindestens stimmt es mit dem taeglich Beobachtbaren ueberein, wobei allerdings der Punkt den Sie herausstellen, in den meisten Faellen aus Unkenntnis oder blindem Vertrauen uebersehen wird. Wenn ich ein Haus verkaufe, an dem ich uneingeschraenkte Eigentumsrechte halte, dann wird der Kaeufer bei seiner Bank dafuer einen Kredit aufnehmen. D.h. die Bank wird auf dem Girokonto des Kaeufers eine Sichteinlage/Sichforderung eintragen und auf der Aktivseite ihrer Bilanz eine gleich hohe Forderung gegen den Kreditnehmer eintragen. Sie wird also ihre Bilanz um genau den Kreditbetrag verlaengern und sie kann das, solange sie dabei die Mindestreserveanforderungen nicht verletzt, die Eigenkapitalvorschriften nicht verletzt und das Haus als Sicherheit akzeptiert. Im weiter Ablauf geschehen geldtheoretisch interessante Dinge. Der Kreditnehmer wird eine Ueberweisung ausloesen um die im Rahmen des Kreditvertrages erhaltenen Sichteinlage/Sichtforderung an mich, den Verkaeufer, zu uebertragen.
    Wenn ich bei der gleichen Bank mein Konto fuehre wie der Verkaeufer, dann wird die Sichteinlage/Sichtforderung vom Girokonto des Verkaeufers auf mein Girokonto umgebucht. Damit ist die im Rahmen der Kreditgewaehrung entstandene Sichteinlage/Sichtforderung in mein Eigentum uebergegangen. Gleichzeitig (ich lasse die Details der notarielen Abwicklung weg)
    geht das Eigentum am Haus an den Kaeufer ueber, in dem der entsprechende Eintrag im Grundbuch vorgenommen wird. Weiterhin wird im Grundbuch eine Grundschuld eingetragen, die die Bank so stellt, dass sie bei Nichterfuellung des Kreditvertrages das Recht hat, das Haus zu verwerten um (Rest)forderungen gegen den Kreditnehmer zu tilgen. Wenn ich als Verkaeufer die Eintragung der Sichteinlage/Sichtforderung als Zahlung akzeptiere, ist damit der
    Verkauf perfekt und ich kann nicht zu einem spaeteren Zeitpunkt Rueckabwicklung verlangen, wenn die Bank ihrerseits die Sichtforderung aus welchen gruenden auch immer nicht mehr erfuellen kann. D.h. wenn ich als Verkaeufer nicht auf Zahlung mit gesetzlichen Zahlungsmitteln = Barzahlung bestehe (oder erhaltene gesetzliche Zahlungsmittel in eine Sichteinlage/Sichtforderung umwandle indem ich sie bei der Bank auf mein Konto "einzahle") dann akzeptiere ich Sichteinlagen/Sichtforderungen als Zahlung.
    Dies geschieht millionenfach jeden Tag und ist daher meiner Meinung nicht ganz falsch beschrieben, wenn die Bundesbank schreibt: "Obwohl Giralgeld kein gesetzliches Zahlungsmittel ist, wird es normalerweise allgemein als Zahlungsmittel akzeptiert."
    Fortsetzung...

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    1. Im diesem Abschnitt hat sich ein fehler eingeschlichen:
      "Wenn ich bei der gleichen Bank mein Konto fuehre wie der Verkaeufer, dann wird die Sichteinlage/Sichtforderung vom Girokonto des Verkaeufers auf mein Girokonto umgebucht. Damit ist die im Rahmen der Kreditgewaehrung entstandene Sichteinlage/Sichtforderung in mein Eigentum uebergegangen."
      Es muss natuerlich Kaeufer anstelle von Verkaeufer heissen:
      "Wenn ich bei der gleichen Bank mein Konto fuehre wie der Kaeufer, dann wird die Sichteinlage/Sichtforderung vom Girokonto des Kaeufers auf mein Girokonto umgebucht. Damit ist die im Rahmen der Kreditgewaehrung entstandene Sichteinlage/Sichtforderung in mein Eigentum uebergegangen.

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  7. ...folgt.
    Was "normalerweise allgemein" uebersehen wird, ist das Risiko, welches ich eingehe, wenn ich von Geschaeftsbanken kreierte Sichteinlagen/ Sichtforderungen bei Zahlungen akzeptiere. Denn diese Sichtforderungen koennen uneinbringlich werden.
    -
    Die Banken sind sich dieses Risiko sehr bewusst und wickeln ihren Zahlungsverkehr untereinander daher ueberwiegend/ausschliesslich? mit Zentralbankgeld ab.
    Dies wird sichtbar, wenn im oben beschriebenen Vorgang die Konten von Kaeufer und Verkaeufer bei verschieden Banken gefuehrt werden. Denn dann kommt die Zentralbank und Zentralbankgeld ins Spiel. Dies ist meiner Meinung nach gut und richtig im Wikipediaartikel "Ueberweisung" unter dem Punkt Ablauf beschrieben:
    http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberweisung_%28Zahlungsverkehr%29
    Ziel dabei ist es das Kontrahentenrisiko auszuschliessen.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  8. Sehr geehrter Herr Trappe,

    die Sache mit der Bilanzverlängerung der Bank bei der Einräumung eines Kredites ist unstrittig. Die von Ihnen aufgeführten Nebenbedingungen möchte ich allerdings dahingehend ergänzen, daß die Kredit erteilende Bank im Zweifelsfall bereit sein muß, den gesamten Kreditbetrag in bar auszuzahlen. Auf diesen Umstand kommen Sie ja weiter unten auch zu sprechen. Diese Möglichkeit des 100% ZBG-Abflusses ist von einer Bank in ihrer Liquiditätsplanung stets mit einzubeziehen, da sie nie darauf vertrauen kann, daß entsprechende kompensatorische ZBG-Einzahlungen dem ZBG-Abfluß entgegenstehen. Dies gilt für eine einzelne Bank, für den Bankensektor als Ganzes gilt dies nicht, denn in einer sektoralen Betrachtung "verliert" der Bankensektor ZBG erst dann, wenn er mehr ZBG auszahlen muß als eingezahlt wird. Der Unterschied zwischen dem, was eine einzelne Bank an Nebenbedingungen zu beachten hat ist durchaus unterschiedlich zu dem, was den Bankensektor als Ganzes betrifft.

    So ist es für eine einzelne Bank schwierig bis unmöglich einen Finanzierungskredit für Großprojekte zu gewähren, weil das mit Sicherheit die Liquiditätslage über das refinanzierbare Maß hinaus strapazieren würde, was sofort die Refinanzierungskosten über die zu erwartenden Zinserträge treiben würde. Ein Bankensektor kann das demgegenüber deswegen machen, weil - egal wohin die Überweisungen im Einzelnen gehen - stets nur eine Umverteilung des ZBGes erfolgt, der Liquiditätsstatus des Sektors sich aber nicht ändert. Wenn man sich das mal durch den Kopf gehen läßt wird klar, warum es bei Großkrediten Bankkonsortien gibt, bzw. klar, nach welchen Kriterien diese Konsortien zusammengestellt werden. Denn bei konkreten großvolumigen Investitionsprojekten wird vom Konsortialführer versucht abzuschätzen, wohin aller Voraussicht nach die Seitens des Schuldners zu erwartenden Überweisungen hingehen werden, bzw. wohin der ZBG-Transfer zu erfolgen hat. Im Idealfall werden die Quoten so zusammengestellt, daß der Schuldner/ Investor seine Zahlungen/ Überweisungen in genau dem Verhältnis zu denjenigen Banken tätigt, welche genau dem Anteil des betreffenden Instituts an dem Konsortialkredit ausmacht. In diesem Fall wird der Liquiditätsstatus eines Konsortialteilnehmers nicht bzw. nur kurzfristig berührt. (Im Klartext: nehmen wir mal an, die Deutsche Bank sei Konsortialführer bei einem Flughafenprojekt, wo 15% der Investitionssumme für einen Maschinenausrüster eingeplant sind, der seine Konten bei der Commerzbank führt. Da die Deutsche Bank nicht kontoführendes Institut des Ausrüsters ist, wird sie darauf hinwirken, daß 15% des Konsortialkredites von der Commerzbank übernommen wird.) Woran liegt´s? An dem Bestreben jeder Bank einen Abfluß von ZBG möglichst zu vermeiden!

    Fortsetzung...

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  9. ...folgt

    Was Wikipedia angeht: soweit man das dort gebrauchte Wort "Geld" mit Sichtforderungen ersetzt, ist die Beschreibung in Ordnung. So wie es aber dasteht wird dem Leser suggeriert, auf dem Konto würde sich Geld im Sinne von ZBG befinden! In den zweiten
    Satz kann man dann einen Sinn hineininterpretieren, wenn man ihn so formuliert: "Diese wird heutzutage in der Regel bargeldlos und lediglich durch Buchungen, die den Transfer von ZBG betreffen, in den Konten der beteiligten Kreditinstitute, sowie deren Konten bei der Zentralbank, durchgeführt." Sonst fehlt nämlich die - wesentliche - Hälfte, die den Übertrag des ZBGes angeht. Etwas weiter unten wird genau darauf Bezug genommen, daß nämlich der Kontoeintrag eine Sache ist, der Überweisungsbetrag (ZBG) darüberhinaus aber auch noch eingehen muß: "...erfolgt eine Zahlung per Überweisung nur dann rechtzeitig, wenn der Überweisungsbetrag innerhalb der Zahlungsfrist bei der Empfängerbank eingeht."

    Zu überwiegend/ausschließlich: ZBG ist das einzige Mittel für die Begleichung von Geldschulden. Insofern unterscheiden sich Banken und private Akteure in keiner Weise. Das gilt im übrigen auch hinsichtlich der Stundung eines ZBG-Übertrags, der dann vorgenommen werden kann, wenn der ZBG-Bestand einer Bank nicht ausreicht, um den entsprechenden ZBG-Transfer durchzuführen. Die anspruchsberechtigte Bank kann in diesem Fall die Übertragung stunden, z.B. einen Tagesgeldkredit gewähren, so daß bei kurzfristigen Liquiditätsdifferenzen die ZBG-Übertragung "vertagt" wird. Dieser Interbankenmarkt verhindert es, daß bei kurzfristigen Liquiditätsdifferenzen, wobei kurzfristig bedeutet, daß in wenigen Banktagen ein gegenläufiger ZBG-Übertrag erfolgen dürfte, bereits die zahlungspflichtige Bank zu einer Liquidation ihrer Aktiva schreiten muß. Da der Interbankenmarkt, der diese Liquiditätsdifferenzen normalerweise ausgeglichen hat aufgrund der unklaren Bonitätsverhältnisse "eingetrocknet" ist - und damit die Zinsen auf den Interbankenmärkten verrückt spielen - ist die EZB mit der "dicken Bertha" dazu übergegangen die Liquiditätslage der Banken zu enspannen, um zu verhindern, daß die Banken schon bei kurzfristigen Liquiditätsengpässen dazu übergehen, ihre Aktiva zu veräußern. Letzteres hätte postwendend die Wertpapiermärkte unter Druck gebracht - eine Entwicklung, die überhaupt nicht zur Erholung der Gesamtwirtschaft beitragen würde, auch wenn man die Bedeutung der Aktienkurse in der Öffentlichkeit und Presse bei weitem übertreibt.

    Beste Grüße

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  10. Sehr geehrter Herr Menendez,
    ich halte fest, dass es zwischen uns inzwischen unstrittig ist, dass:
    1. Gescheaftsbanken im Rahmen der Kreditvergabe ihre Bilanz verlaengern indem sie
    2. Geschaeftsbankgeld/Sichteinlagen/Sichtforderungen kreieren.
    -
    Es ist weiterhin aus meiner Sicht unstrittig, dass eine Geschaeftsbank Mindestreserven an Zentralbankgeld halten muss, um den potentiellen Zentralbankgeldabfluss, der bei Barabhebungen oder bei unausgeglichenen Zahlungsstroemen, die im Zuge des "bargeldlosen" aber nicht zentralbankgeldlosen! Zahlungsverkehrs ueber Bankgrenzen hinweg entstehen kann, entsprechen zu koennen. Da die Mindestreserven der Geschaeftsbanken aber nur einen geringen Bruchteil der durch Geschaeftsbanken geschoepften Geschaeftsbankgeldmenge in Form von Sichteinlagen/Sichforderungen entspricht (seit Anfang 2012 nur 1% vorher 2%) besteht das Risiko, dass Geschaeftsbanken die Sichteinlagen/Sichtforderungen nicht erfuellen koennen. Denn die von den Geschaeftsbanken zu haltende Zentralbankgeldmenge ist von der EZB durch Mindestreserveanforderungen auf nur 1% festgelegt.Der potentielle Zentralbankgeldabfluss betraegt aber, wie sie richtig sagen, 100%. Dies kann z.B. dann geschehen, wenn ein Bankrun einsetzt und die Sichteinlagen/Sichtforderungen von den Kontoinhabern in einem Umfang in Bargeld=Zentralbankgeld umgewandelt werden sollen, die diese von der / den Geschaeftsbanken gehaltene Menge an Zentralbankgeld uebersteigt. Ein solcher Bankrun kann auch "bargeldlos" ausgeloest werden, indem im grossen Umfang Sichteinlagen/Sichtforderungen von einer Geschaeftsbank auf eine andere Geschaeftsbank ueberwiesen werden und die durch Abfluesse betroffene Geschaeftsbank nicht in der Lage ist, einen entgegengesetzten gleichgrossen Zahlungsstrom z.B. durch Kreditaufnahme bei einer anderen Bank zu etablieren.
    Ich denke es ist weiterhin unstrittig, weil durch tagtaeglich beobachtbare Tatsachen belegt, dass von Geschaeftsbanken im Rahmen der Kreditvergabe geschoepftes Geld in Form von Sichteinlagen/Sichtforderungen fuer Zahlungen im grossen Umfang akzeptiert wird. Auch dann wenn dieses Geschaeftsbankgeld=Sichteinlagen/Sichtforderungen, kein gesetzliches Zahlungsmittel darstellen und nicht akzeptiert werden muessen. Sichteinlagen/Sichtforderungen koennen und werden im grossen Umfang als Zahlungsmittel akzeptiert. Zentralbankgeld = gesetzliches Zahlungsmittel muessen akzeptiert werden.
    -
    Koennen Sie dem zustimmen?
    -
    Denn dass ist es, worauf es mir bei der Erklaerung von Instabilitaet ankommt.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  11. Sehr geehrter Herr Trappe,

    es ist ja nicht nur unstrittig, daß eine Bank Mindestreserven halten muß, die ja in gewisser Weise aus ihrem Verfügungsbereich fallen, es ist ja auch so, daß die Banken einen Liquiditätsbestand vorhalten müssen, der sich aus den Anforderungen des Bargeldverkehrs ergeben. Es muß ja nicht immer gleich ein bank-run sein. Insofern gibt die Mindestreserve ja nur die unrealistische Mindestgrenze wider, wobei ich dieser Zahl keine so hohe Bedeutung zumessen würde. Entscheidend ist eher, daß zur Abwicklung aller Transaktionen ZBG erforderlich ist, wobei die prozentuale Höhe der ZBG-Bestände normalerweise einem relativ konstanten zeitlichen Muster folgt, welche die einzelne Bank nach Maßgabe ihrer Erfahrungswerte steuert. Letztere sind von der Mindestreservequote praktisch unabhängig.

    Was Sie beschreiben als "bargeldloser bank-run" ist genau das, was die TARGET-Salden so explodieren läßt. Und die LTROs hatten u.a. zum Ziel, die ZBG-Abflüsse der "Südbanken" möglich zu machen, um großflächige Bankpleiten aufgrund von Illiquidität abzuwenden.

    Schließlich: Kontoeinträge stellen Forderungen dar und Forderungen können übertragen werden und heißen dann Überweisungen. So weit so gut, ich möchte an dieser Stelle noch auf etwas anderes hinweisen: die Forderungen, welche private an Banken halten als Buchgeld zu bezeichnen ist eine Sache. Aber ein Kredit besteht ja aus einem doppelten Schuldverhältnis oder Forderungsverhältnis - je nachdem, was man gerade analysieren will. Sie schreiben, daß die Forderungen an die Bank als Buchgeld angesehen werden soll, o.k.! Es ist allerdings auch umgekehrt, denn auch die Forderung der Bank, welche gegen eine Nichtbank gerichtet ist, kann an einen anderen Gläubiger abgetreten werden. Das betrifft beispielsweise die gesamten Verbriefungen, die ihren Ursprung auch nur in einer Kreditgewährung -i.d.R. für eine Immobilie - hatten. D.h. die Abtretung eines Zahlungsanspruchs kann auch auf der Gegenseite der "normalen" Sichtforderungen erfolgen. Das ist ja auch nichts ungewöhnliches, nur daß man die Abtretung eines nicht sofort fälligen Zahlungsanspruches üblicherweise nicht Überweisung nennt, sondern Wertpapierverkauf bzw. Diskontierung.

    Ich glaube, zu den Ausgangsbedingungen wäre damit so ziemlich alles gesagt. Dann kann ja der Aufzug zum 2. Akt erfolgen! :-)

    Beste Grüße

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  12. Sehr geehrter herr Menendez,

    bevor wir den 2.Akt beginnen moechte ich noch einige der von Ihnen angesprochenen Punkte ergaenzen/quittieren.
    Sie schrieben:"Entscheidend ist eher, daß zur Abwicklung aller Transaktionen ZBG erforderlich ist,...."
    Ich wuerde praezisierend sagen zur Abwicklung aller Transaktionen, die die Grenze einer Geschaeftsbank ueberschreiten ist ZBG notwendig.
    Die TARGET Salden sind auch meiner Meinung nach Ausdruck einer massiven Kapitalflucht aus dem Sueden Richtung Norden. Allerdings ist das TARGET System so gestalltet, dass automatisch ZBG geschoepft wird, wenn ein grenzueberschreitender "bargeldloser bank run" stattfindet. Siehe dazu auch meine Ausfuehrungen im Artikel "Was die TARGET2 Salden wirklich offenbaren."
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/04/was-die-entwicklung-der-target2-salden.html
    Sollte das strittig sein, dann koennen wir das gerne zu einem spaeteren Zeitpunkt klaeren.
    -
    Ich bin mit Ihnen einig ueber das was Sie zum Thema Verbriefung ausgefuehrt haben. Die entgegengesetzt gerichtete Forderung, die bei der Buchgeldschoepfung der Geschaeftsbanken auf der Aktivseite
    der Bilanz eingetragen wird, kann verbrieft und im Zuge eines Wertpapiergeschaefts den Eigentuemer wechseln. Das ist richtig und war ein ganz entscheidenes Element bei der Entstehung der Krise in den USA und der Uebertragung nach Europa. Siehe auch meinen Artikel
    "Gedanken zum Ursprung der Krise".
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/04/eine-theorie.html
    Doch nun zum 2. Akt.
    Fortsetzung...

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  13. Die Kapazitaet des Bankensystems zur Geldschoepfung und die daraus entstehenden Konsequenzen sind meiner Meinung nach in der neoklassischen Theorie und ihren Modellen nicht richtig abgebildet. Banken sind nicht eine Durchreichestation von Ersparnissen und Gewinnen hin zu Investitionen oder von geduldigen Akteuren hin zu ungeduldigen in der Form, das die Ersparnisse der Einen von den Banken weitergereicht werden und so zur (vorgezogener) Nachfrage der Anderen werden. Vielmehr kreieren Banken Nachfrage in dem sie Buchgeld/Sichforderungen schoepefen. Die massive Verlaengerung der Bankbilanzen erhoeht die Nachfrage. Und wenn sich diese Nachfrage auf sog. Assets bezieht, dann kommt eine sich selbstverstaerkende Rueckkopplung in Gang die zunaechst Asset Price Inflation bewirkt und dann in eine Debt Deflation kippt. Steve Keen ist da der Experte und soweit ich weiss einer der Wenigen wenn nicht der Einzige, der dies in dynamischen Modellen richtig erfasst.
    http://www.debtdeflation.com/blogs/manifesto/
    -
    Neben dieser Moeglichkeit zur dynamischen Instabilitaet gibt es aber noch eine andere Sache, die meiner Meinung nach zur Instabilitaet fuehrt und die ich "Fettaugensyndrom" getauft habe. Wenn man davon ausgeht, dass die liquiden Anteile der Geldvermoegen also z.B. die diskutierten Sichtforderungen ebenfalls diesem Konznetrationsprozess ausgesetzt sind, dann hat das massive Auswirkungen auf die Banken und die Risikostruktur ihrer Bilanzen. Ich habe versucht das hier zu illustrieren:
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/05/das-fettaugensyndrom-aus-der-sicht-der.html
    Das Fettaugensyndrom ist aus meiner Sicht der Antreiber fuer viele Dinge die wir bei den Banken beobachten. Flucht nach vorne durch massive Bilanzverlaengerungen gefolgt von dynamischer Instabilitaet via Asset Price Inflation aka Blasen und folgende Debt Deflation.
    Versicherungsideen aka CDS.
    Verbriefungen von hoch riskant gewordenen Forderungen und deren Verkauf als Wertpapiere an diejenigen, die ueber riesige Konten mit Sichtforderungen verfuegen.
    Ich bin auf Ihre Einschaetzung sehr gespannt.
    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  14. Sehr geehrter Herr Trappe,

    Ihre Präzisierung, daß bei einer internen Umbuchung bei einer Geschäftsbank keine ZBG-Bewegungen stattfinden, ist selbstverständlich richtig. Diese erfolgen ja nur dann, wenn ein Saldenausgleich erforderlich ist. Dagegen würde ich Ihrer Einschätzung, daß bei einer TARGET-Überweisung unmittelbar eine Emission von ZBG stattfindet, nicht zustimmen. Der Grund dafür ist doch - wie Sie es ja auch in ihrem verlinkten Blogeintrag darstellen -, daß die "sendende" Zentralbank das ZBG-Guthaben der auftraggebenden Geschäftsbank belastet und damit eine Vernichtung von ZBG stattfindet. (Dieser Aspekt kommt in Ihrem Beitrag nicht so richtig raus.) Denn Forderungen gegen eine Zentralbank gehören zum Zentralbankgeld, was bedeutet, daß der ZBG-Bestand in diesem Land/ Bankensystem abgenommen hat. Daß daraufhin möglicherweise - um den ZBG-Bestand wieder "aufzufüllen" - die Zentralbank weitere collaterals in ihren Bestand aufnehmen muß, um den Banken die Refinanzierung des ZBG-Abflusses zu gewähren, ist nur eine mittelbare Folge einer TARGET-Transaktion. Spiegelbildlich zu der ZBG-Vernichtung im Senderland kommt es zu einer ZBG-Emission im Empfängerland, so daß sich per Saldo lediglich der "Aufenthaltsort" des ZBGes geändert hat. Soweit erstmal dazu.

    Daß die Behandlung des Geldes im ökonomischen Mainstream auf einer Theorie aufsetzt, die im Grunde nur relative Preise kennt, ist klar. Das Ergebnis ist die Quantitätstheorie, die wiederum die Vorstellung von Geld als Tauschmittel festgeklopft hat. So kann man in etwa in aller Kürze das Desaster der Makroökonomie zusammenfassen. Das braucht uns an dieser Stelle nicht zu beschäftigen.

    Viel interessanter ist, was für Prozesse die Banken in Gang setzen, wenn sie einen Kredit gewähren. Zum einen erzeugen sie sicherlich eine Nachfrage, die sich auf unterschiedliche Bereiche beziehen kann. Ich möchte diese in Nachfrage nach Realkapital einerseits, sowie die Nachfrage nach Finanzanlagen unterscheiden. Und zwar deswegen, weil eine Nachfrage nach Realkapital dazu führt, daß daraufhin irgendwann ein konsumierbares Angebot erfolgt, was sicherlich zeitversetzt Nachfrage und Angebot wieder aneinander angleicht. Auf der anderen Seite kann eine Kreditgewährung auch zu dem Zweck erfolgen, daß damit ein Erwerb von Finanzanlagen erfolgt, wobei natürlich die Frage offenbleibt, zu welchem Zweck diese Finanzanlagen aufgelegt wurden. Denn der Anbieter einer Finanzanlage ist ja auch irgendwie gehalten seine Kreditnachfrage zu irgendeinem Zweck zu verwenden, mit dem er die ausgelobte Rendite erzielen kann. Letzteres ist übrigends stets der inquisitorische Einwand von Mainstreamern, daß ja letzten Endes damit ja doch irgendwo in Realkapital investiert werden müsse, ein Einwand, der nicht so leicht von der Hand zu weisen ist. Daß man anhand dieser Zweiteilung - Kredit für Realkapital oder für Finanzanlage - sehr schön aktuelle Entwicklungen analysieren kann, hat Richard Werner in seinem Buch "Neue Wirtschaftspolitik" herausgearbeitet.

    Dann muß man auch auf eine Geschichte hinweisen, nämlich was die Frage angeht, ob Geldvermögen zu einer "Selbstverstärkung" neigt oder nicht. Denn insoweit, wie Banken die Verfügung über ZBG ihren Kunden nur zeitweise gewähren, ist die Postulierung eines "Liquiditätspools", der diese Selbstverstärkung bewirken könnte, nicht wirklich gut begründet. Mal abgesehen davon, daß sich durch derartige Operationen das Nettogeldvermögen des Privatsektors in keiner Weise ändert.

    Fortsetzung...

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  15. ...folgt

    Etwas anderes ist es, wenn man berücksichtigt, daß Staatsschulden systematisch nicht getilgt, sondern bedient bzw. rolliert werden. Hier liegt der Fall vor, daß es im privaten Sektor ein permanentes Anwachsen des Nettogeldvermögens gibt, welches i.d.R. von Kapitalsammelstellen wie Fonds oder Lebensversicherern aufgenommen wird. Diese langfristig angelegten Geldvermögen sind schon eher geeignet die von Ihnen genannten Selbstverstärkungsprozesse zu erzeugen, da diesem Nettogeldvermögen kein gegenläufiger Abschreibungsvorgang entspricht (es sei denn bei einer Währungsreform).

    Das Problem, was diese Kapitalsammelstellen haben ist irgendwie die Träume über die Renditen, die den Anlegern versprochen wurden, zu erwirtschaften. Das Ärgerliche an einem Finanzsystem ist aber, daß sich das gesellschaftliche Nettogeldvermögen nicht vermehrt, sondern stur auf seinem Nettowert Null verharrt und für den privaten Sektor der Eindruck, er würde reicher werden, nur dann aufrechterhalten werden kann, wenn sich der Staat dementsprechend weiter verschuldet. Damit der Staat sich aber weiter verschulden kann, muß der Privatsektor dem Staat das notwendige Geld verleihen und darüberhinaus ihm noch die Zinsen überlassen, die dann der Staatsschuld zugeschlagen werden. D.h. damit sich der private Sektor reicher fühlen kann, darf er seinen Reichtum nicht nur nicht antasten (für einzelne geht das schon!) sondern muß ihn mit den vermeintlichen Erträgen - den Zinsen - immer weiter aufschatzen. Das kann man unendlich weiter treiben, nur dann nicht, wenn irgendwer anfängt zu glauben, daß ja wenigstens die Zinsen aus den Steuern bezahlt werden müßten. Dann geht die Sache sofort schief! Dann heißt es wieder: die Blase ist geplatzt. Wahr ist jedoch: es gab garkeine Blase, sondern nur falsche Vorstellungen darüber, daß man - gesellschaftlich gesehen - in Geldvermögen "sparen" kann. Das ist jedoch ein intellektuelles Problem der Wirtschaftstheorie was sich in dem Desaster der Förderung der "kapitalgedeckten" Rente wiederfindet (Siehe die Kontroverse um das sog. Mackenroth-Theorem). Aber das nur nebenbei.

    Ich habe mir die Sache mit dem Fettaugensyndrom mal angesehen und vermute mal, daß die Herangehensweise mit dem "econophysics"-Ansatz vergleichbar ist. Denn irgendwo vermisse ich dabei die Diskussion darüber, warum bzw. nach welchen Entscheidungsstrukturen die erzielten Ergebnisse sich einstellen. Das ist ja beispielsweise auch eine Kritik von Keen, daß die Analyse von Zufallsprozessen unter der Voraussetzung von 'conservation laws' etliches vermissen läßt, was Ökonomie eigentlich ausmacht:

    http://www.debtdeflation.com/blogs/wp-content/uploads/2007/09/KeenNonConservationMoney.pdf

    (Ich bin auch der Meinung, daß Herr Genreith mit seiner Fixierung auf die Quantitätstheorie wesentliche Aspekte dessen, was Ökonomie ausmacht zu sehr vernachlässigt.)

    Ich bin mir nicht so sicher, ob man davon ausgehen kann, daß es notwendigerweise zu einer derartigen Vermögenskonzentration kommen muß, solange die kapitalistischen "Hygieneprozesse" Konkurs und Abschreibung funktionsfähig sind. Was wir aber seit einigen Jahren beobachten können ist, daß seitens der Staatengemeinschaft alles getan wird, um zu verhindern, daß es zu solchen Korrekturbewertungen kommt. Daß unter derartigen Auspizien das Wachstum der Vermögenskonzentrationen weitergeht, erfordert dann keine Erklärung von Konzentrationsprozessen. Das ist eher ein Thema für Herrn Eichner. Aber vielleicht könnten Sie Ihr Argument, warum es zu selbstverstärkenden Rückkoppelungen kommen muß, ohne daß es gegenläufige Reaktionen gibt, für unsere Zwecke noch mal präzisieren. Ich will ja nicht bestreiten, daß es so etwas wie Herdentrieb und explosive Entwicklungen gibt, mir fehlt jedoch die Einbettung in ökonomische Denkmuster, die ja immer irgendwie im Hintergrund existieren müssen.

    Beste Grüße

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  16. Sehr geehrter Herr Menendez,
    einige Dinge vorab, damit Sie das, was von mir vertreten und vorgebracht wird, einordnen koennen. Von meiner Ausbildung her bin ich Ingenier der Elektrotechnik/Elektronik. D.h. ein Anwender eines Teilbereichs der Physik. Ich bin kein Wirtschaftswissenschaftler. Das hat Vorteile, aber auch Nachteile bei der Auseinandersetzung mit / Bearbeitung von Themen der Wirtschaft. Ein Vorteil ist, dass ich nicht eingebettet bin in bestehende oekonomische Denkmuster. Ich kann so freier und vorbehaltloser an Dinge heran gehen. Ein Nachteil ist, dass ich dadurch natuerlich Schwierigkeiten habe, mit Oekonomen zu kommunizieren, da mir die Begrifflichkeiten der Oekonomen nicht so gelaeufig sind, wie es diese von mir evtl. erwarten und die Oekonomen die Begrifflichkeiten die mir gelaeufig sind nicht kennen bzw. nicht so verinnerlicht haben, wie ich es mir unrealistischerweise manchmal wuenschen wuerde. Daher ist das, was wir bisher hier ausgetauscht haben, naemlich eine Klaerung der Begriffe eine unabdingbare Voraussetzung fuer erfolgreiche Kommunikation zwischen Menschen, die einen sehr unterschiedlichen Hintergrund/Ausgangspunkt haben. Das macht es muehselig, schwierig und manchmal auch frustrierend. Bei gegenseitigem guten Willen und Interesse sind die daraus resultierenden Probleme meiner Erfahrung nach aber durchaus loesbar.
    -
    Wenn es um das Verhalten von Menschen bzw. das Verhalten von Menschen in Gruppen und sozialen Systemen geht, waere es meiner Meinung nach verwegen von einem "notwendigerweise zu einer derartigen Vermoegenskonzentration kommen muessen" zu sprechen.
    Menschen sind in meiner Vorstellung, was ihr Verhalten betrifft, frei. Allerdings werden sie durch Verhaltensschemata, die sich in der Vergangenheit, und das darf man ruhig auf einer Zeitskala der Evolution betrachten, als erfolgreich bewaehrt haben, dominiert. Bei physischer Bedrohung sind es immer noch Angriff oder Flucht, obwohl auch andere Optionen, wie z.B. das Gespraech suchen, offen stehen.
    Wenn diese Freiheit zur Modifikation von Verhaltensweisen nicht bestuende, waere der Mensch durch unabaenderliche Verhaltensschemata determiniert und man koennte wirklich von einem "notwendigerweise muessen" reden. Das scheint mir allerdings nicht der Fall zu sein. Vielmehr begruende ich meine Hoffnungen damit, dass ein Lernen mit daraus folgenden Verhaltensaenderungen moeglich ist. Damit ist man dann aber auch gleich da, wo man sich von der Vorstellung statischer, zeitinvarianter Modelle und "Weltformeln" verabschieden darf. Vielmehr macht diese Ueberlegung klar, welche Anmassung bzw. Verweigerung von Lernen in so manchem "Gesetz" der sog. Wirtschaftswissenschaften steckt.
    Fortsetzung...

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  17. ....folgt.
    -
    TARGET2 wuerde ich im Moment zurueckstellen und gerne spaeter diskutieren.
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    Die Defizite es oekonomischen Mainstreams in Bezug auf Geld- und Bankensystem sehen wir beide.
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    Die Quantitaetstheorie sehe ich ebenfalls kritisch. Sie verstellt stellenweise den Blick.
    Auch das originelle Modell des Herrn Genreith sehe ich daher kritisch.
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    Die Schwierigkeit Mikro und Makro in Einklang zubringen ist fundamental und nicht neu. In der Physik war es Boltzmann der dort mit der statistischen Mechanik einen grossen Schritt vorwaerts ermoeglicht hat. Und das war moeglicherweise auch die Stelle, die Leon Walras inspiriert hat und letztendlich zu dem gefuehrt hat, was Sie das Desaster der Makrooekonomie genannt haben.
    Ich vereinfache jetzt und die Physiker, die evtl. mitlesen, moegen mir das bitte verzeihen. Das Problem ist immer eine Theorie, die das Verhalten einzelner Teilchen beschreibt, in Einklang zu bringen, mit einer Theorie, die das Verhalten eines Systems, bestehend aus sehr vielen solcher Einzelteichen, beschreibt. Boltzmanns statistische Mechanik leistet das fuer Systeme die die Ergodenhypothese erfuellen. Denn die statistische Mechanik beruht in ihrem Kern auf der Ergodenhypothese, die davon ausgeht, dass fuer die Messgroessen gilt, dass der Zeitmittelwert und der Scharmittelwert gleich sind. Ein System bestehend aus vielen gleichen Wuerfeln erfuellt diese Ergodenhypothese ebenso wie ein "ideales" Gas z.B. in einem geschlossenen System. Ob ich den Zeitmittelwert eines Wuerfels bei tausend Wuerfen messe oder den Mittelwert einer Stichprobe von tausend Wuerfeln, die alle gleichzeitig einmal geworfen werden, messe, ist unerheblich, denn beide sind nahezu gleich. Auch die Streuung ist nahezu gleich. Das System Wirtschaft ist aber weder ein geschlossenes System noch sehe ich die Ergodenhypothese bei seinen "Wuerfeln"=wirtschaftlich aktiven Menschen erfuellt. Vielmehr gehe ich davon aus, dass das System Wirtschaft als offenes System zu betrachten ist, da es Energie und Materie mit seiner Umgebung austauscht und die Menschen sind bei ihren wirtschaftlichen Aktivtaeten nicht nur sehr unterschiedlich (erfolgreich), sondern sogar per Wettbewerb bestrebt diese Unterschiede zu vergroessern. Und sie sind nicht nur bestrebt, sondern auch dazu faehig.
    -
    Fortsetzung...

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  18. ...folgt.
    Ich bin also mit Steve Keens Ausfuehrungen im von Ihnen verlinkten Aufsatz und seiner Kritik an einigen Punkten der "econophysics" weitgehend einig. Die von ihm erwaehnten "Generalized Lotka Volterra Models"(Richmond, Solomon) habe ich auch betrachtet und inzwischen als unbefriedigend zur Seite gelegt. Das dem "Fettaugensyndrom" zugrundeliegende Modell der Gruppe um Fargione in Minnesota ist nicht nur viel eleganter, sondern auch zutreffender, weil es das Verhaltenen eines offenen Systems, das durch einen Energiestrom angetrieben wird, beschreibt. Die realistischen Grundlagen des Modells sind:
    1. Die Faehigkeit der Menschen Ueberschuesse zu produzieren. D.h. das Ergebnis uebertrifft den Einsatz. Ein Bauer der sein Feld bestellt produziert mehr kcal als er verbraucht. Das gelingt ihm weil er den Energiestrom der Sonne via Photosynthese in den Nutzpflanzen nutzt.
    Er erzielt einen Gewinn oder bezogen auf seinen Einsatz ausgedrueckt eine Rendite.
    2. Die Menschen sind bestrebt diese Ueberschuesse zur Erhoehung ihrer Produktivitaet einzusetzen, um sich so einen Weg in "bessere Zeiten / Verhaelnisse" zu erschliessen. Das ist die "Erfolgsformel" der kontinuierlichen Reinvestition von Ersparnissen und Gewinnen zur Produktivitaetserhoehung.
    3. Die Menschen sind bei diesen Bestrebungen im Vergleich untereinander und ueber Zeit betrachtet wechselnd erfolgreich. Die erzielten Ergebnisse zu einem Zeitpunkt Tn betrachtet streuen sehr stark um einen Mittelwert.
    -
    Diese drei Elemente halte ich fuer gegeben/empirisch belegt und sie reichen alleine! aus, um das Fettaugensyndrom entstehen zu lassen.
    Und zwar unabhaengig davon ob sich das in einer Realwirtschaft ohne Geld abspielt oder in einer Wirtschaft die durch Arbeitsteilung und ein Geld- und Finanzsystem "optimiert" ist. Im letzteren Fall spiegelt sich das Fettaugensyndrom sowohl in den Realvermoegen wie auch in den Geldvermoegen und das hat Implikationen, die zur Instabilitaet fuehren. Die Bilanzen der Banken werden immer riskanter, weil die Moeglichkeit die gegeneinander gerichteten Forderungen auszugleichen immer geringer wird. Die Sichtforderungen ballen sich zunehmend in den Haenden der Einen, die entgegengesetzen Forderungen der Banken sind aber auf Akteure gerichtet, die zunehmend die Mittel und Faehigkeiten verlieren, um an die Sichtforderungen heran zu kommen, die sie benoetigen um, die gegen sie gerichteten Forderungen der Banken zu neutralisieren = die Schulden zu tilgen.
    Das wiederum treibt die Banken zu einem Satz von Verhaltensweisen, der aus Flucht nach vorne = Bilanzerweiterung = mehr vom Gleichen, Versicherungsloesungen a la CDS, Rettungsschirme etc. und Verbriefung/Verkauf der Risiken an Grosseigentuemer von Sichtforderungen besteht.
    Die Flucht nach vorne muendet dann in das was Steve Keen beschreibt.
    Die Versicherungsloesungen reissen AIG und Staaten in den Abgrund und der Verkauf von Verbrieften Risiken an Grosseigentuemer von Sichtforderungen zerstoert das Vertrauen und loest panikartige Flucht dieser Sichtforderungen in sog. sichere Haefen (Gold, Staatsanleihen mit triple A rating, Immobilien, Sachwerte) aus, was diese Sichtforderungen aber nicht aus der Welt schafft sondern nur weiter vagabundieren laesst.
    Das ist meiner Meinung nach eine, wenn nicht die Kernursache der Krise, die aus meiner Perspektive schon mindestens 15 Jahre anhaelt.
    Fortsetzung...

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  19. ...folgt.
    Die Erklaerungsreichweite dieses Modells/dieser Theorie erscheint mir erheblich zu sein. Gleichzeitig hat sie den Character eines "Ei des Columbus" und duerfte damit natuerlich einige Eitelkeiten verletzen, was ihrer Anerkennung deutlich im Wege stehen koennte. Wiedem auch sei. Das Aufschaukeln bei exzessiver Kreditvergabe/Geldschoepfung durch das Bankensystem, was ich als Folge des Fettaugensyndroms sehe und als Flucht nach vorne bezeichne erklaert Steve Keen ganz gut in diesem Artikel:
    http://www.debtdeflation.com/blogs/wp-content/uploads/papers/JEBO_2672.pdf

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  20. Sehr geehrter Herr Trappe,

    ob die Menschen tatsächlich frei agieren können ist ja gerade eines der prominenten ökonomischen Themen. Denn das, was die Mikroökonomie ja bis zum Exzeß durchkaut, ist ja gerade die Analyse von Entscheidungen als Ergebnis einer Wahl zwischen Alternativen. D.h. gibt es keine Alternativen, gibt es auch keine (Mikro-)Ökonomie. Das ist bereits enger gefaßt, als die Frage nach Verhaltensreaktionen, die ein viel weiteres Spektrum an Optionen besitzt.

    Ob und inwieweit sich Walras von Boltzmann hat beeinflussen lassen, ist mir nicht gegenwärtig. Was aber das Forschungsprogramm, was von Walras über Arrow / Hahn, Debreu und andere angeht, konnte immerhin der Existenzbeweis für ein allgemeines Gleichgewicht formuliert werden. Wie man weiß, sind die mathematischen Einschränkungen an die Technologien und die Präferenzen relativ hoch, so daß mir scheint, daß die Behandlungsweise des Individuums eine recht hohe Affinität mit der eines Wärmeteilchens hat. Diese Konzeption des Elements sieht mir ein bißchen zu mechanistisch aus und ob das was mit Ökonomie, verstanden als die Wahl zwischen Alternativen zu tun hat, ist mir irgendwie nicht klar.

    Denn das ist ja gerade das Forschungsfeld der Systemtheorie, die mit ihrer Konzeption der Emergenz bzw. der Autopoiese von der Vorstellung abrückt, daß "das Ganze nur die Summe der Teile" ist. Das betrifft auch den von Ihnen angesprochenen Begriff der Offenheit, der auch für die moderne Systemtheorie einen hohen Stellenwert besitzt, jedoch mit der Einschränkung, daß die Umweltbeziehungen letzten Endes keine Auswirkung auf die "basale Steuerung" des Systems haben. Und so wird aus dem Tauschmodell von Walras ein Modell des Prozessierens von Information - mittels Geld. Geld bildet also eine Spezialsemantik für Interaktionen von Individuen aus, deren Verhandlungsbedarf für ihre Interaktion sich auf standardmäßige Muster beschränkt. Diese Abstraktheit macht Geld für hochdifferenzierte Kooperationsprozesse zur 'conditio sine qua non'.

    Fortsetzung...

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  21. ...folgt

    Insofern paßt der Ansatz von Fargione eher auf die Behandlungsweise von Walras, als auf die Konzeption, Ökonomie als geldvermitteltes Kooperationssystem aufzufassen. Denn Überschüsse, Produktivitäten sind Begrifflichkeiten eines realen Produktionsprozesses. Das kann man ja machen, aber es enthebt einen nicht von der Frage, warum bei Vorliegen höchster Produktivität gelegentlich - bzw. in der Krise allgemein - eine wirtschaftliche Fortführung eines Unternehmens nicht gelingt. Letzteres muß eben nicht unbedingt mit realen Entitäten zu tun haben. Daher scheint mir Ihr Schluß, daß es gleichgültig sei, ob man eine Realwirtschaft oder eben eine Geldwirtschaft behandelt, etwas schwach begründet zu sein. Denn in einer Geldwirtschaft ist - gesellschaftlich gesehen - eine Akkumulation von Geldvermögen eben nur sektoral möglich, aber nicht gesamtwirtschaftlich. Das ist für meine Begriffe auch ein Manko bei Herrn Genreith, weil die Analyse von (Geld-)Kapital stets offenläßt, was es mit seinem Gegenteil auf sich hat. Denn wir hatten ja bereits angesprochen, daß ein Kredit aus gegenseitigen Forderungen besteht, welche jede auf seine Weise ökonomisiert werden kann. Mal salopp gesagt: das Konzept eines Nettogeldes existiert einfach nicht!

    Letzteres hat natürlich hinsichtlich der permanenten Aufschuldung des Staates eine relative Schwachstelle, jedoch ist die gegenwärtige Situation an den Finanzmärkten davon geprägt, daß die Marktteilnehmer feststellen, daß es nicht ausreicht sich gegenseitig Wertpapiere zu verkaufen, um damit Gewinn zu machen. Die von Ihnen beschriebenen Auswüchse sind sicherlich richtig, aber m.E. schon älter als die von Ihnen angegebenen 15 Jahre. Der eigentliche Irrtum besteht eher darin, daß eine Gesellschaft nicht monetär sparen kann und diese Erkenntnis so lange nicht bewußt wird, wie ein fühlbares Wirtschaftswachstum die mitwachsenden Forderungen alimentieren kann. Wenn Wachstumsraten nur noch statistisch hingerechnet werden, gerät automatisch die Zinsforderung des "Sparers" ins Wanken. Und genau das haben wir jetzt. Da kann man natürlich auch nichts versichern, denn auch Versicherer sind ja Teil des Finanzsystems. Das ist halt systemisches Risiko, welches man nicht in den Griff bekommt, auch wenn die Betrachtung des einzelwirtschaftlichen Falls diese Möglichkeit als durchführbar suggeriert. Sie ist es aber nicht!

    Beste Grüße

    Keen kommt später!

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  22. Sehr geehrter Herr Menendez,

    ich betrachte Wirtschaft als offenes System fernab vom Gleichgewicht. Die Gleichgewichtstheorien halte ich fuer sehr fragwuerdig. Die Versuche Wirtschaft auf der Makroebene durch Zustandsgroessen zu beschreiben , aehnlich wie bei thermodynamischen Systemen durch Druck und Temperatur, und diese Makrobeschreibungen/theorien in Einklang zu bringen mit Mikrobeschreibungen/theorien betrachte ich im Fall der Mainstraemwirtschaftswissenschaften als gescheitert. Das musste schief gehen, weil die Ergodenhypothese nicht erfuellt ist. Auf der Seite der thermodynamischen Systeme hat Boltzmann die Bruecke zwischen Makro und Mikro mit seiner statistischen Mechanik gebaut. Aber nur fuer gleichgewichtsnahe Systeme. In dem Moment wo ein thermodynamisches System offen ist und durch einen Energiestrom aus dem Gleichgewicht getrieben wird, geschehen Dinge, die die Vorhersagekraft der statistischen Mechanik zusammenbrechen lassen. Boltzmann & Co koennen das Benard Experiment und die dabei gemachten Beobachtungen nicht erklaeren.
    http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%A9nard-Experiment
    Der Fehler auf Seiten der Mainstreamwirtschaftswissenschaften bestehet meiner Meinung nach darin Wirtschaft aehnlich wie ein gleichgewichtsnahes thermodynamisches System, das die Erdogenhypothese erfuellt zu betrachten. Das wollte ich zum Ausdruck bringen.
    Fortsetzung...

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  23. ...folgt:
    Der Produktionsprozess ist das Anzapfen des Energiestroms, der die Sache antreibt. Das habe ich versucht mit dem Bauernbeispiel zu verdeutlichen. Er ist die Grundlage jeder Oekonomie. Wenn er nicht vorhanden ist, dann wird Karten, Monopoly oder sonstwas gespielt aber es handelt sich dann nicht um das, was man gemeinhin Oekonomie nennt und die Lebensgrundlage fuer die meisten Menschen darstellt. Das sich ueber den Produktionsprozess abstrakte Lagen der Verwaltung/Verwertung gelegt haben ist unbestritten. Aber wenn der Produktionsprozess
    erliegt, dann war es das. Da der moderne Produktionsprozess sehr arbeitsteilig und hochstrukturiert ist, ist Geld als Kommunikationsmittel unabdingabr geworden. Wenn nun aber nicht nur das Eigentum an den Produktionsmitteln sich in den Haenden weniger konzentriert, sondern auch noch das Kommunikationsmittel, dann wird der Faktor Mensch/Arbeit mehrheitlich nicht nur von den Produktionsmitteln getrennt, sondern auch noch von der Moeglichkeit seinen Bedarf zu kommunizieren. So einfach ist das. Und das drueckt die Theorie des Fettaugensyndroms und das zugrunde liegende Modell deutlich aus.
    Der Konzentrationsprozess kann auch als fortschreitende Hierachie-/Strukturbildung oder Entropiesenkung verstanden werden. Und es waere nicht die erste Hierachie/Struktur, die unter ihrer Kopflastigkeit und der Ignoranz gegenueber der sie tragenden Energiequelle zusammenbricht. Soetwas kommt vor im Laufe einer Evolution und wuerde die selbsternannte "Krone der Schoepfung" inkl. ihrer selbsternannten "Masters of the Universe" gemessen am Ergebniss als den Einzellern unterlegen ausweisen.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  24. Sehr geehrter Herr Trappe,

    ich bin mir nicht so sicher, ob es tatsächlich ausgerechnet der Umstand ist, daß es sich bei dem ökonomischen Mainstream um eine Gleichgewichtstheorie handelt, der dazu Anlaß geben müßte, um an der Stichhaltigkeit dieser Theorie zu zweifeln. Ich denke, daß dies nicht die entscheidende Angriffsfläche ist, um das vorherrschende ökonomische Paradigma in Zweifel zu ziehen. Das liegt unter anderem auch daran, daß sich jede Theorie, welche sich als Ungleichgewichtstheorie verstehen will, automatisch der Frage ausgesetzt sieht, wie denn ihre Vorstellung vom Gleichgewicht beschaffen ist, anhand dessen das Ungleichgewicht bemessen wird. Dieser Geschichte kann man auch dann nicht ausweichen, wenn man, wie es P.C. Martin mit seinem "Debitismus" macht, das gesamte Geldsystem von vornherein als zum Scheitern verurteilt definiert. In gewisser Weise folgt ja auch Herr Genreith dieser Theorie des monetären Zyklus, der durch die dort verwendeten mathematischen Konzepte sehr schön dargestellt werden kann. Inwieweit das aber im Sinne von Politikberatung verwendet werden kann, daß Ursache/ Wirkung-Zusammenhänge zu Ziel/ Mittel-Strategien umformuliert werden können, ist für mich derzeit nicht ersichtlich. Denn eine Ungleichgewichtstheorie setzt voraus, daß eine Änderung des status quo mit einer fundamentalen Änderung des "Systems" verbunden ist, nur daß eine Zielvorstellung daraus meines Wissens nicht abgeleitet werden kann. Salopp gesagt: es genügt nicht zu wissen, was man nicht will, sondern man muß auch formulieren können, was gewollt ist - und möglichst auch, wie es erreicht werden kann.

    Diesen Widersprüchen kann eine Gleichgewichtstheorie dadurch entgehen, daß sie einen wünschenswerten Sollzustand definieren kann und gleichzeitig bei Abweichungen eine Analyse darüber anbietet, aus welchem Grund diese Abweichungen erfolgt sind. Insofern befriedigt eine Gleichgewichtstheorie den Bedarf an Erklärung und legitimiert darauf aufbauende Handlungsvorschläge. Daß diese Theorie für das, was sie erklären zu können beansprucht, nicht angemessen sein kann, ist ja unbestritten, bedeutet aber, daß eine konkurrierende Erklärung angeboten weden muß, die dem vorgegebenen Standard eine Alternative zur Seite stellt, die möglicherweise aktuelle Probleme besser erklärt, als es das bisher herrschende Paradigma tut.

    Das wissenschaftliche Desaster besteht darin, daß die Kritik des Mainstream sich immer wieder in Kleinstscharmützeln aufreibt, wie es beispielsweise die derzeit hochgelobte 'behavioural economics' tut, die sich auf die Fahne geschrieben hat, ein "besseres" Modell als den homo oeconomicus zu entwerfen um anhand einer "realistischeren" Version menschlichen Verhaltens Ökonomie besser theoretisch in den Griff zu bekommen. Das ist bloß leider aussichtslos, weil Aussagen über gesellschaftliche Prozesse nicht in den intrinsischen Motivationslagen von Individuen, sondern aus der höchst konkreten Art und Weise der Interaktion von Individuen gewonnen werden. Die Spieltheorie weckte ja auch mal die Erwartung, daß dadurch eine andere Erklärungsweise für Ökonomie entwickelt werden könnte - dabei hat sie sich Hals über Kopf in das klein-klein mikroskopischer Befindlichkeitssituationen hineinmanövriert, um dann mit immer höherem mathematischen Aufwand immer kleinere Spezialsituationen zu analysieren.

    Fortsetzung...

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  25. ...folgt

    Es muß einem dagegen doch zu denken geben, wenn eine Theorie, die ihr eigentliches Erklärungsobjekt, nämlich das Zustandekommen eines sozialökonomisch wünschenswerten Zustandes, immer noch mit der Mystik der "unsichtbaren Hand" erklären muß, weil die Frage der globalen Kommunikationsprozesse mit Hilfe des Konzepts des relativen Preises halt nicht zufriedenstellend lösbar ist. Das scheitert ja schon aus kombinatorischen Gründen. Und dennoch ist die Neoklassik auch heute noch die dominierende Theorie der Ökonomie. Daß dieses Ergebnis von ihr damit erkauft wurde, daß die Individuen Reaktionsmuster aufweisen müssen, welche der Ergodenhypothese sehr nahe kommen, macht auch den latenten Totalitarismus der Neoklassik aus.

    Wenn ich das richtig sehe, versuchen Sie Beschreibungen daür zu entwerfen, warum die gegenwärtigen Verhältnisse zu den Auswüchsen neigen, wie sie zu beobachten sind. Was ich dabei noch nicht übersehe ist, welche ökonomischen Prozesse es sind, die die kritisierten Entwicklungen vorantreiben. Es gibt ja durchaus vielfältige Behauptungen und Klagen darüber, daß es diesen "Sog" von "unten nach oben" gäbe, was auf unterschiedliche Weise begründet wird. Das Problem ist: ob man nun Monopole, das Zinssystem oder meinetwegen die allgemeine Korruption dafür für verantwortlich hält, heißt ja nicht, daß der Erklärungstatbestand, der in solchen Aussagen steckt, einfach als gegeben vorausgesetzt werden kann, mit dem Argument "Das sieht man ja". Denn die meisten Argumente scheitern ja schon dann, wenn nicht die individuelle, sondern die gesellschaftliche Ebene betrachtet wird, wo Monopole ihren Monopolgewinn leider deswegen nicht realisieren können, weil die notwendige Nachfrage nicht vorhanden ist. Das Gleiche betrifft das Zinssystem, welches zwar geeignet sein kann, die innergesellschaftliche Verschuldung zu erhöhen, es aber dennoch nicht schafft, das gesellschaftliche Wohlfahrtsniveau anzuheben, da sich das gesellschaftliche Nettogeldvermögen stur an seinen Ausgangswert Null klammert. Letzteres ist immerhin ein Hinweis, daß gesellschaftliche Wohlfahrt nur zustandekommt, wenn Sachvermögensbildung betrieben wird. Insofern ist das gegenseitige Verkaufen von Finanzanlagen ein Glasperlenspiel, welches sich immer weiter verselbständigt, ohne daß sich daraus irgendwelche Wohlfahrtsgewinne ergeben können.

    Ich hoffe, Sie verstehen, daß ich versuche den ökonomischen Kern in diesem Modell zu erkennen, der dann auch Hinweise geben könnte, welche Stellgrößen und in der Folge dann auch politische Maßnahmen dazu geeignet sein können, die gegenwärtigen Fehlentwicklungen zu beheben. Es sieht so aus, als wenn da noch ein bißchen "Übersetzungsarbeit" erforderlich wäre, um zu der Frage vorzustoßen, welcher ökonomische Aspekt für die Situation ursächlich verantwortlich ist. Meines Erachtens ist die individuelle Vorstellung über die Vorzüge des Sparens (virtue) für die fortschreitende gesellschaftliche Überschuldung (vice) der Schlüssel, um zu Aussagen zu kommen, die es ermöglichen, die sich abzeichnenden Zusammenbruchstendenzen zu neutralisieren.

    Beste Grüße

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  26. Sehr geehrter Herr Menendez,

    Sie schrieben:"Wenn ich das richtig sehe, versuchen Sie Beschreibungen daür zu entwerfen, warum die gegenwärtigen Verhältnisse zu den Auswüchsen neigen, wie sie zu beobachten sind. Was ich dabei noch nicht übersehe ist, welche ökonomischen Prozesse es sind, die die kritisierten Entwicklungen vorantreiben."
    Damit fragen Sie nach dem ganz entscheidenden Punkt und ich versuche ihn nocheinmal so gut ich kann zu erklaeren.
    1. Die wirtschaftlich aktiven Menschen sind faehig Ueberschuesse zu produzieren. Also mehr zu produzieren als sie zu ihrer reinen Existenzaufrechterhaltung benoetigt (siehe Bauernbeispiel). Das wird ihm dadurch ermoeglicht, dass Menschen gelernt haben einen Energiestrom anzuzapfen und zwar den, der nahezu alles auf diesem Planeten antreibt. Dieser Energiestrom entsteht durch die Energieeinstrahlung der Sonne und die Wiederabstrahlung an den Weltraum. Dieser Energiestrom ermoeglicht lokale Entropiesenkungen durch Entropieexport. Die Atome und Molekuele tanzen nicht mehr nur den Tanz der brownschen Bewegung sondern bilden z.B. eine Konvektion in der Atmosphaere aus (s.a. Benard Experiment). Oder eine als grosse Oszillation bekannte Stroemung in den Ozeanen, oder betreiben Photosynthese in den Pflanzen, oder betreiben eine Metabolismus in den Lebewesen.
    2. Die wirtschaftlich aktiven Menschen setzen diese Ueberschuesse ein, um ihre Produktivitaet zu erhoehen, um sich so einen Weg in bessere Zeiten/Verhaeltnisse zu erschliessen.
    3. Die wirtschaftlich aktiven Menschen sind bei diesem Unterfangen, betrachtet ueber sukzessive Zeitabschnitte, unterschiedlich erfolgreich.

    Diese drei wirtschaftlichen Prozesse / Prozessattribute alleine! reichen aus, um das Fettaugensyndrom entstehen zu lassen. Mathematisch ist das im Aufsatz/Modell von Fargione beschrieben. Dieser Aufsatz spricht von Entrepeneurs. Ich verallgemeinere in dem ich sage, jeder wirtschaftlich aktive Mensch unternimmt etwas und ist somit ein Unternehmer im weitesten Sinne. Der heutige Stand der wirtschaftlichen Entwicklung ist extrem weit fortgeschritten, ausdifferenziert und es hat sich eine hierachische Struktur gebildet in der die oberen Lagen nicht mehr direkt den Energiestrom per Produktionsprozess anzapfen sondern dies indirekt tun, in dem sie ihr Eigentum an Realkapital/Produktionsmitteln einsetzen und fuer sich Rendite auf dieses Realkapital/Produktionsmittel verlangen. Das geht im abstraktesten Fall auf der hoechsten Hierachieebene auch mit Geld ueber den Zins.
    Die Probleme, die dabei entstehen habe ich schon mehrfach angesprochen. Eine moegliche Loesung zur Behebung der Probleme wird im Fragione Aufsatz auch angesprochen.
    Karl Marx war schon ganz nahe dran. Leider haben Lenin und Co. vollkommen uebertrieben indem sie Privateigentum abgeschafft haben. Denn damit haben sie nicht nur die motivierende Wirkung die von der Moeglichkeit privaten Eigentums ausgeht abgeschafft sondern den Staatsmonopolkapitalismus nur in Staatsmonopolsozialismus umgetauft und damit das groesste Fettauge zur Loesung des Fettaugensyndroms erklaert. Die Kunst wird sein das Fortschreiten der Konzentrationsprozesse auf einem Niveau zu stoppen, das eine qualitative Entwicklung weiterhin ermoeglicht ohne Mehrheiten von der aktiven Partizipation auszuschliessen.
    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  27. Nachtrag:

    Man kann es auch so sehen.
    Der Produktionsprozess ist die Transformation natuerlicher Resourcen in Gueter und Waren, die sowohl der Beduerfnissbefriedigung dienen als auch der Produktivitaetssteigerung.
    In Rechnungseinheiten ausgedrueckt nennt man das BIP.
    Es gibt verschiedene legale Wege seinen Anteil am BIP zu begruenden.
    1. Arbeit > Lohn
    2. Eigentum am eingesetzten Realkapital > Dividenden, Mieten, Pachten
    3. Eigentum an Geld z.B. Sichtforderungen > Habenzinsen.
    4. Eigentum an den Geld entgegengerichteten Forderungen > Sollzinsen.
    5. Aufrechterhaltung eines Gemeinwesens > Steuern auf Lohn, Realkapitalertraege und Finanzkapitalertraege.

    Dabei ist es leider so, das die Unternehmer, deren Unternehmung darin besteht, ihre Arbeitskraft einzusetzen, die Kosten fuer die "allgemeine Lebensfuehrung" nicht absetzen koennen. Alles ueber dem Existenzminimum minus minimaler Webungskosten ist zu besteuernder Ertrag. Abschreibungen auf das eingesetzte Kapital Lebenszeit sind nicht moeglich. Gleichzeitig werden beim Kauf von existenzsichernden Guetern, wie Nahrungsmittel Kleidung, Behausung bis zu 19% Mehrwertsteuer faellig.
    Wenn sie das mit der Besteuerung von Ertraegen aus Realkapital und Finanzkapital vergleichen, dann erkennen Sie ganz deutliche Unterschiede.
    D.h. das Fettaugensyndrom wird massiv beguenstigt. Das ist in einer Aufbauphase, wie z.B. nach dem 2. WK, in der Strukturen errichtet werden, sicherlich berechtigt. In einer Phase der (Ueber)Reife ist es toedlich, da es die Quelle des Wohlstands, produktive Arbeit zur Erzeugung realer Gueter und Waren die reale (und nicht kuenstlich geweckte) Beduerfnisse befriedigen, zunehmend erstickt.
    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  28. Sehr geehrter Herr Trappe,

    es ist mir durchaus bewußt, welcher Problemaufriß bei diesem Modell verwendet wurde, Sie haben diesen ja auch schon an verschiedenen Stellen ausgeführt. Ich habe mir ja auch mal Ihr gnumeric-sheet heruntergeladen und zumindest die Konstruktion von sheet1 verstanden. Insofern denke ich, daß ich die wesentlichsten Grundlagen mitbekommen habe, soweit es dieses Modell betrifft.

    Daß es eine Ebene gibt, auf der es um Realkapital und Produktivitäten geht, bestreite ich ja nicht. Die Neoklassik versucht ja durch ihr analytisches Instrumentarium genau diese Aspekte einzufangen, indem beispielsweise Faktorproportionen sich nach realen Produktivitäten einstellen, bis hin zu der Theorie, daß es eine Frage des Reallohnes ist, ob es zu einer Einstellung eines Beschäftigungsuchenden kommt oder nicht. Sraffa hat das in seinem Büchlein "Warenproduktion mittels Waren" versucht auf ein Produktionspreismodell zu konzentrieren, Marx hat das mit seiner Konzeption des (realen) Mehrwerts versucht zu analysieren.

    Und jedesmal stellte sich heraus, daß es noch eine Geldsphäre gibt, die in der eigentlichen Modellkonstruktion keine Funktion aufwies. Ergebnis? Sraffa hat nur kryptisch von einer Geldzinsrate gesprochen, die "den Freiheitsgrad des Modells schließen" würde, die Neoklassik hat einen Phantasiebegriff erschaffen und verwirrt die Menschheit seither mit irgendwelchen "Umlaufgeschwindigkeiten", nur Marx war sich des Problems bewußt und hat gefragt: "Wie kann der Mehrwert versilbert werden?" Lösen konnte er es allerdings auch nicht.

    Soll heißen, Geld und Güter unter einen Hut zu bringen, hat seit 200 Jahren die verschiedensten Geister beschäftigt. Das heißt aber, daß die Integration von Geld- und Werttheorie nicht so einfach als gegeben hingenommen werden kann, sondern die Frage nach dem Verhältnis real/monetär gerade eine kritische Schnittstelle bildet und es sich für meine Begriffe zeigt, daß beide Ebenen zwar miteinander interagieren, aber dennoch unterschiedlichen Prinzipien unterliegen. Ich habe das mal in folgender Graphik hineingepackt:

    http://dl.dropbox.com/u/63270495/Hierarchy.jpg

    Fortsetzung...

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  29. ...folgt

    Ich würde also die Entropie auf der realen Seite verorten, während die Geldebene letztlich eine Art gesellschaftliches Informationssystem hinsichtlich der individuellen Ansprüche darstellt, wobei beide Ebenen auf der Marktebene interagieren, letzten Endes aber die monetäre Ebene über Erfolg oder Mißerfolg entscheidet - auch wenn das von einem ethischen Standpunkt aus gesehen als falsch angesehen werden mag. Denn wenn reale Produktivitäten bereits als wirtschaftlicher Erfolg anzusehen wären, könnte man nicht erklären, warum bei einer Rekordernte auf einmal Bauern pleitegehen. Oder denken Sie an die tollen Investitionen in crops, die, von der Weltbank gefördert, dazu geführt haben, daß sich die Weltmarktpreise halbiert hatten, mit dem Ergebnis, daß sich die hoffnungsvollen Entwicklungsländer auf einmal in einer sehr hoffnungslosen Schuldenspirale wiedergefunden haben.

    Vielleicht können diese Anmerkungen Ihnen zeigen, daß es für mich von größtem Interesse wäre zu sehen, wie ein solches Konzept auf geldwirtschaftliche Verhältnisse anwendbar wäre. Zu diesem Thema möchte ich ein Arbeitspapier senden, wo derartige Konzepte dargestellt werden. Sie können sicherlich damit mehr anfangen als ich. Meine Vorbehalte gegen eine derartige Behandlung von Ökonomie bestehen darin, daß ausgerechnet eine der variabelsten ökonomischen Elemente, nämlich die Geldmenge, als fix und gegeben angenommen wird, mal abgesehen davon, daß wir zu Anfang dieser Diskussion erst einmal geklärt haben, was hier darunter zu verstehen sein soll.

    Ihre Hinweise hinsichtlich der Bedingungen, unter denen wirtschaftliche Betätigung stattfindet, sind ja durchaus richtig. Ebenso wie ja auch die Bemerkungen von Herrn Genreith richtig sind, was die Frage des Kapitalkoeffizienten angeht, wobei damit wohl die anwachsende gesellschaftliche Verschuldung gemeint ist. Die Frage wäre jetzt doch, an welchen Stellschrauben des ökonomischen Daseins eine Korrektur angebracht wäre, um den erkannten Fehlentwicklungen einen gegenläufigen Impuls zu versetzen. Und zwar im besten methodologischen Sinne, daß aus erkannten Ursache/Wirkung-Zusammenhängen eine Ziel/Mittel-Kombination abgeleitet werden kann, die zu einer Lösung des erkannten Problems beiträgt.

    Beste Grüße

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  30. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  31. Sehr geehrter Herr Menendez,

    die Verbindung der Geldsphaere mit dem Realen ist tatsaechlich eine aeusserst interessante Sache, weil eine verdammt harte Nuss. Angeblich sind es ja die "Maerkte" die diese Verbindung herstellen und so ganz nebenbei die beste aller moeglichen Welten durch ihre "Effizienz" und "Magie" kreieren. Ich habe ja schon zu Beginn unserer Diskussion darauf hingewiesen, dass dies im Entstehungsmoment von Geld nicht ganz so ist. Da ist es der Kreditausschuss einer Geschaeftsbank, der die gestellten Sicherheiten bewertet / bewerten laesst und so die erste Bewertung / Verbindung zwischen ausgereichter Geldmenge und einem realen Gut herstellt. Dieser Vorgang ist eine konservative bis agressive Prognose ueber den erzielbaren Marktpreis fuer die gestellte Sicherheit im Fall des Kreditausfalls. Das ist eine riskante Sache, da Marktpreise erheblichen Fluktuationen unterliegen koennen. Das liegt daran, das Maerkte nicht so funktionieren, wie es die Grundlagenvorlesung der Wiwis vermittelt. Zum einen koennen Maerkte dynamisch instabil werden zum anderen sind ganz grundlegende Voraussetzungen, die bei einer funktionierende Regelung erfuellt sein muessen, nicht erfuellt.
    Ich habe dazu mal eine Artikelserie geschrieben, die Maerkte aus der Perspektive der Regelungstechnik beleuchtet.
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/04/warum-maerkte-nicht-funktionieren-fazit.html
    Das Problem, was aus meiner Sicht diese Sache zu einer wirklich harten Nuss macht, ist das, was ich den Kippbildeffekt nenne. Das objektiv gleiche Ereignis kann vollkommen unterschiedliche Reaktionen bei den Marktteilnehmern ausloesen.
    Die Theorie sagt z.B. steigende Preise daempfen die Nachfrage und erhoehen das Angebot. Beobachtbar ist aber auch das genaue Gegenteil. Steigende Preise koennen eine Nachfrage ausloesen, die auf weiter steigende Preise spekuliert. Entsprechend reagiert dann auch die Angebotsseite in diesen Faellen eher zurueckhaltend. Und der Uebergang von der einen Verhaltensform zur anderen ist nicht selten spontan. Regelungstechnisch betrachtet heisst das, dass eine Uebertragungskennlinie, z.B. die Nachfragekurve, spontan das Vorzeichen ihrer ersten Ableitung aendert und so aus einer stabilisierenden Gegenkopplung eine eskalationsfaehige Mitkopplung wird. Wenn dann noch die Interessen und die Faehigkeiten (zur Geldschoepfung) der Geschaeftsbanken/ des Bankensystems in die gleiche Richtung ziehen, dann sind wir wieder bei Steve Keen und seinen Erklaerungen zur Entstehung von Asset Preisblasen.
    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  32. Sehr geehrter Herr Trappe,

    ja, die Differenzen von Geld- und Werttheorie sind lange Zeit Hauptgegenstand der volkswirtschaftlichen Kontroverse gewesen, mir scheint, daß seit dem "Ende der Geschichte" auch dieses Thema sehr in den Hintergrund getreten ist. Das Kuriose daran ist aber, daß - nicht wie man meinen könnte - die Werttheorie in der Versenkung verschwunden wäre, sondern es war die Geldtheorie, welche stillschweigend beerdigt wurde. So ist ja beispielsweise von dem, was an geldtheoretischem Wissen in Deutschland vorhanden war und was dann von Keynes einem weiteren Publikum nahegebracht wurde, nichts mehr übrig, lediglich eine Vulgärversion der x-ten Keynesinterpretation fristet immer noch ihr kümmerliches Dasein und das meistens als Sündenbock.

    Dabei ist diese Entwicklung eigentlich alles andere als einleuchtend, weil mit der Entwicklung von Kybernetik, Informations- und Systemtheorie, welche die Definition sozialer Systeme in die Richtung Kommunikationssysteme geschoben haben, ein Ansatz existiert, welcher ein immenses Potential für ein saftiges Forschungsfeld bietet. Denn insbesondere der Kommunikationsaspekt sozialer Systeme legt nahe, daß das Geldwesen für die Frage der gesellschaftlichen Kooperation und für die Lösung der Frage nach einer Interaktionsform, die dem Kriterium einer ausreichenden Abstraktheit und Anonymität entspricht, eine entscheidende Rolle spielt. Gerade Letzteres ist vor dem Hintergrund zu sehen, daß die Kommunikation über (reale) Dinge und die Behandlung realer Dinge deutlich voneinander zu unterscheiden ist. Denn es ist nicht dasselbe, ob über eine physische Produktivität gesprochen wird, oder eine monetäre Rentabilität - auch wenn beides in Prozent angegeben werden kann.

    Diese feinen Unterschiede sind uns ja auch schon bei der Behandlung der Frage untergekommen, was die Frage nach Zentralbankgeld und Sichtforderungen anging. Der Umstand, daß beide Dinge - eine Banknote einerseits, ein dingliches Recht andererseits - eine einheitliche Dimension aufweisen und gleichermaßen auf EURO, Doller oder sonst was lauten, heißt dennoch nicht, daß es sich um identische Dinge handeln würde, die vorbehaltlos miteinander identifiziert werden könnten - von dem Umstand, daß beide Dinge zu einer Geldmenge (!) zusammengerechnet werden ganz zu schweigen. Ich vergleiche das manchmal damit, daß, wenn man in der Elektrotechnik Stromspannung und Stromstärke verwechselt, auch nur Mist rauskommt. Einem Laien fällt so etwas auch nicht auf, dem kann man alles erzählen, denn der Strom kommt ja aus der Steckdose und das Geld aus dem Automaten - und wehe wenn nicht!

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  33. ...folgt

    In ähnlicher Weise ist es ja auch vielen (Hobby-)Ökonomen auch nicht möglich beizubringen, was die Unterschiede zwischen Strömen und Beständen sind. Sie kennen ja vielleicht die üblichen Systemverbesserer, die nicht müde werden zu erzählen, daß ja mit dem Kredit der Zins nicht "mitgeschöpft" worden sei. Daß Zinsen eine Einkommenskategorie sind, die mit dem Kreditbestand nur am Rande zu tun hat, können und wollen sie nicht kapieren - und schon garnicht, daß ein Geldsystem an der Frage des fehlenden Zinses keine Lust hat zu scheitern. Übrigends auch aus diesem Grunde ziehe ich es immer vor davon zu sprechen, daß Banken Schuldverhältnisse erzeugen, während sie das Zentralbankgeld, auf das sich diese Schuldverhältnisse beziehen, eben bei der Zentralbank besorgen müssen. Aus dieser Perspektive erledigt sich auch gleich der Quatsch mit der multiplen "Geldschöpfung" und der Unsinn, der sich um das sog. "fraktionale Bankensystem" dreht. Das ist dann alles ein Aufwasch! Ihr Vergleich mit dem Kippbild trifft an dieser Stelle haargenau zu, denn durch eine kleine Korrektur der Begrifflichkeiten kommt man zu völlig anderen Ergebnissen - auch wenn die manchmal dem widersprechen, was so in diversen einschlägigen Lehrbüchern steht.

    Die Behandlung von Ökonomie als Informationssystem hat natürlich was mit Geld zu tun und damit ist man natürlich sofort bei der Frage der Beziehung von Geldströmen und Geldbeständen. Da Sie ja Keen kennen, ist Ihnen ja sicherlich seine Konstruktion der 'stock-flow-consistent'-Modelle bekannt. Diese an sich uralte Modellklasse läßt sich jedoch inzwischen mit Hilfe von Computern hervorragend für die Analyse verschiedenster ökonomischer Konstellationen einsetzen, obwohl man dabei höllisch aufpassen muß, nicht einer konstruktiven Beliebigkeit anheimzufallen. Wenn ich das richtig verfolgt habe, sind diese Tendenzen bei Keen bereits absehbar. Aber gut, das ist ein weiteres Feld.

    Was Ihre Assetpreisblasen angeht: ich hatte ja schon davon geschrieben, daß die Nettogeldvermögensbestände, die aus der permanenten Akkumulation der Staatsverschuldung ihre Nahrung beziehen, eine Größe sind, welche nicht mehr durch Abschreibung bzw. Kredittilgung aus der Ökonomie verschwinden. In einer Situation, in der die Ertragsrate von Finanzanlagen sicherer und höher ist, als die Investition in Realkapital dürfte es doch kein Wunder sein, daß der durch Kauf und Verkauf auf dem "Kapitalmarkt" tatsächlich nur "umlaufende" Geldbestand zu den bekannten Übertreibungen führt. Wenn man so will, existiert hier ein Bereich, wo die Quantitätstheorie tatsächlich ein valides Anwendungsgebiet hat, da auf den Finanzmärkten wirklich nur Geld und Wertpapiere hin- und hergeschoben werden.

    Was man allerdings bei dieser Geschichte immer beachten muß: dabei entsteht kein Wohlstand! Da aber der Glaube an das Geld schon anhand des Sparschweins geübt wird, wird es schwer werden, die Menschen davon zu überzeugen, daß Wohlstand sich nicht am Kontostand messen läßt...

    Beste Grüße

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  34. Sehr geehrter Herr Menendez,

    ich habe gerade noch einen neuen Artikel eingestellt, in dem ich meine Sichtweise nochmal illustriere und erklaere. Er spricht auch Punkte an die Sie hier erwaehnen bzw. erwaehnt haben. Ich werde leider erst morgen dazu kommen im Detail auf ihre letzten Kommentare einzugehen. Aber ich hoffe das tut unserem Austausch, den ich als sehr anregend empfinde, keinen Abbruch.

    Also bis morgen mit freundlichen Gruessen

    Georg Trappe

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  35. Sehr geehrter Herr Menendez,

    was die Geldtheorie betrifft denke ich, dass da eine Bestandsaufnahme wie sie MMT in Angriff nimmt von Noeten ist. Einfach die Fakten zusammentragen und die Mythen und Maerchen ausmisten. Dann waere schon viel gewonnen. Leider spielen die "Masters of the Universe" nicht so richtig mit, da sie sich nicht in ihre gezinkten Karten schauen lassen wollen. Die Werttheorie ist meiner Meinung nach ein anderes Paar Stiefel. Die Grundlagen dort scheinen mir, wie sovieles andere in den Wiwi auch in einer Zeit gelegt worden zu sein, als der "laplacesche Geist" in seiner plumpen Form in full swing war.
    http://www.zeno.org/Mauthner-1923/A/Laplacescher+Geist
    Das erlebt zur Zeit mit Herrn Ray Kurzweil und seinen Hirngespinnsten von einer technologischen Singularitaet wieder eine gewisse, nicht weniger plumpe Widerauferstehung.
    Ich stehe da eher auf der Seite eines Herrn Weizenbaum und habe das mal mit dem Solution Morass begruendet. http://georgtsapereaude.blogspot.com/2011/01/das-problem.html
    Kurz zusammengefasst: Wenn Menschen zu Nummern werden, dann wird es schnell schlimm. Das geht dann, wenn man nicht aufpasst, ganz schnell soweit, dass man sie ihnen aufs Handgelenk einbrennt, um ueber sie bei industriellen Massentoetungen akribisch Buch fuehren zu koennen. Und das was in den Handelssaelen der Banken und Boersen ablaeuft ist nichts anderes.
    Die computergestuetzte Optimierung einer Strategie die taeglich! 26000 Menschen verhungern laesst, weil die Neoklasik uns vorrechnet, es lohnt sich nicht zu teilen.
    Aber das nur am Rande, um meine Position gegenueber technokratischen Auswuechsen unmissverstaendlich zu klaeren.
    -
    Das Thema Stroeme und Bestaende sind das Lebenselexier der Elektronik. Damit kenne ich mich ganz gut aus. Ich benutze z.B. SPICE ein sehr maechtiges Simulationsprogramm fuer komplexe elektronische Schaltungen um meine theoretischen Ueberlegungen am Computer "experimentel" zu verifizieren. Dazu muss ich nur oekonische Zusammenhaenge in einen elektronischen Schaltplan uebersetzen und schon steht mir ein sehr maechtiges Analysewerkzeug zur Verfuegung.
    Fortsetzung...

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  36. ...folgt:
    Die Sache mit den Zinsen wird klar, wenn man sich die Buchungsvorgaenge in der Bankbilanz anschaut. Das Maerchen, das es an den Zinsen fehlen wuerde entpuppt sich dann schnell als solches. Allerdings zeigt die Betrachtung auch, dass Zinsen katalytisch das Fettaugensyndrom und seine katastrophale Wirkung fuer die Banken verstaerkt.
    Warume diese merkwuerdige Darstellung der "multiplen Geldschoepfung" Einzug in Lehrbuecher gefunden hat und auch heute noch von Zentralbanken so dargestellt wird ist mir ebenfalls schleierhaft. Es soll wohl eine Illusion aufrechterhalten, die dahin geht, das Banken das Geld anderer Leute verleihen. Das tun sie definitiv nicht. Die Kreditvergabe ist ein Geldschoepfungsvorgang, oder wie Sie es nennen eine Schuldverhaeltnisskreation, und kein Weiterreichen von Geld des einen an einen anderen.
    -
    Das die Pekunarisierung, dieser amerikanische Auswuchs des Geldmachens=Geschaeftszweck, ein totaler Irrsinn ist und inzwischen soweit fortgeschritten ist, dass garnicht mehr nach dem realen Beitrag einer geschaeftlichen Aktivitaet zum Wohlstand gefragt wird, Hauptsache die Kasse, der Kontostand, die betriebswirtschaftliche Kennzahl, der Aktienkurs stimmt, sehen wir wohl beide gleich.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  37. Sehr geehrter Herr Trappe,

    was die MMT betrifft, bin ich eher der Meinung, daß deren Vertreter sich viel zu wenig Gedanken darum machen, was die Frage des Geldes als Bestandsgröße angeht. Zwar hat irgendwo deren ehernster Grundsatz, daß ein Staat jederzeit mit Geld das Entstehen von Arbeitslosigkeit verhindern kann, durchaus einen gewissen Appeal. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, daß die chartalistischen Grundlagen ihrer Geldtheorie das Wesentlichste, was eine Geldwirtschaft ausmacht, schlichtweg ignoriert. Es geht nämlich darum, welche Funktion dem Geld zugerechnet wird und das ist eben bei der MMT die Funktion als Steuertilgungsmittel zu fungieren. Mit einer derartigen Grundlage schießen sie sich aber selbst ins Aus, weil damit das Geld den ökonomischen Entscheidungen der Privaten einfach übergestülpt wird. So ähnlich ist es ja auch bei der Neoklassik, wo ein realwirtschaftliches Modell einen monetären Appendix bekommt, "da man ja sieht", daß das Geld als Tauschmittel eingesetzt wird. Genauso "sieht man ja", daß die Privaten wirtschaften, sprich Geld verdienen müssen, um ihre - willkürlichen - Steuern zu bezahlen.

    Der Fehler, der in beiden Theorien gemacht wird ist, die Funktionsprinzipien des Kreditgeldes komplett zu ignorieren, zugunsten einer Funktionsbestimmung, die aus einem anderen Begründungszusammenhang kommt. D.h. Geld ist für die MMT kein Erkenntnisobjekt, sondern ein Erfahrungsobjekt, dessen Erscheinungsform dazu instrumentalisiert wird, einer ökonomischen Kamikazestrategie Vorschub zu leisten. Denn die Existenz von Geld hat was damit zu tun, daß darüber die Frage gelöst wird, wie gegenseitige Ansprüche gewahrt, bzw. gegeneinander saldiert werden können, so daß es sich dabei um ein recht fragiles System handelt, welches durch den hoheitlichen Eingriff der staatlichen Geldschöpfung von dem einmal vereinbarten Verpflichtungsinhalt entfernt. Denn Inflation ist eine Änderung des kontrahierten Verpflichtungsinhalts einer Schuldvereinbarung und ist daher immer geeignet, Sozialzusammenhänge auseinanderbrechen zu lassen.

    Marx hätte so eine Scharlatanerie nie mitgemacht, weil die Frage des Wertstandards für ihn einen ganz anderen Stellenwert gehabt hatte, als es Geld für die MMTler hat. So ist beispielsweise Marx´ Frage nach der Realisierung der Mehrwerts das Eingeständnis eines existierenden Problems, was die MMTler damit beantworten würden: "na dann drucken wir das nötige Geld dafür einfach". Man muß ja Friedman, Sargent und Lucas nicht mögen, aber ihre Kritik dahingehend, daß eine permanente Geldillusion des Publikums für eine ökonomische Theorie nicht die Grundlage bilden kann, ist halt richtig, ob man das will oder nicht.

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  38. ...folgt

    Ja, daß Menschen zu Nummern werden, ist eine schlimme Sache. Das hat aber mit der Verdinglichung des Geldes zu tun, die sich von der eigentlichen Funktion bereits wieder entfernt hat. Denn Geld selbst ist ja, wie gesagt eine Art gesellschaftliches Abrechnungssystem, in dem die gegenseitigen Verpflichtungen - vom Realen abstrahiert - gebündelt, verwaltet und gegeneinander aufgerechnet werden. Diese Abstraktionsleistung ist sicherlich als einer der Schlüssel anzusehen, die zu der Durchbrechung der Beschränkungen der 150-Personen Kohorten geführt hat, wodurch auch erst die Millionengesellschaften entstehen konnten, wie wir sie heute kennen. Man kann es auch umgekehrt sehen: ein nicht funktionsfähiges nationales Geldwesen führt automatisch dazu, daß Klientelismus und Korruption, sowie eine "richtige" Stammeszugehörigkeit als Voraussetzung gesellschaftlicher Achtung unentbehrlich sind. Und vielleicht sind die USA aus dem Stadium, in dem es zu einer Steigerung der gesellschaftlichen Wohlfahrt kommt schon wieder hinaus - in die Sackgasse, die sich dann einstellt, wenn Geld als Selbstzweck angesehen wird. Und das vor dem Hintergrund einer Theorie, die mit Geld garnichts zu tun hat.

    Die Sache mit den Zinsen ist doch ein bißchen diffiziler, als man sich das träumen läßt. Keen hat sich auch in dieser Hinsicht betätigt und einiges dazu geschrieben, was für meine Begriffe ökonomisch nicht so ganz einleuchtend ist. Das hat was mit seinem in seinen Modellen versteckten Mehrwertbegriff zu tun, der auch ihn zu einem Anhänger der realen Überschußwirtschaft werden läßt. Wie auch immer, ich habe jedenfalls ziemlich parallel ein Modell entwickelt, welches sich von dem Argument befreit, einen (vermeintlichen!) monetären Überschuß an eine reale Produktivität zu binden. Ich sende Ihnen mal die Prosadarstellung zu, zusammen mit dem einfachsten (!) monetären Kreislaufmodell, welches von vornherein auf einer dynamischen Struktur aufsetzt, in der die Probleme der statischen Modellanalyse, wie eben die Geschichte mit dem "fehlenden Zins", überhaupt nicht auftreten (müssen).

    Beste Grüße

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  39. Sehr geehrter Herr Menendez,

    soweit ich es sehen kann, hat MMT zwei Aspekte. Der erste ist eine schlichte Bestandsaufnahme der Fakten des bestehenden Geldwesens und eine Ueberfuehrung dieser Fakten in eine schluessige, beschreibende Theorie. In diesem Teil ist Geld ein Erfahrungsobjekt, wie Sie es nennen. Ich finde diesen Teil der Arbeit der MMTler sehr hilfreich. Der zweite Aspekt ist natuerlich Problemloesung, denn es wird ja zunehmend bewusst, das es so wie bisher nicht weiter geht. Und da bin ich mit Ihnen einig, dass MMT da in eine Richtung vorprescht, die bedenklich ist und dabei Gefahr laeuft den ersten Aspekt in Gefahr zu bringen. Das Vermengen von Ursachenanalyse und Problemloesung ist hoch problematisch. Und MMT ignoriert tatsaechlich die Wirkung eines staendig steigenden Geldbestands sowie die sich stetig konzentrierende Verteilung des Geldbestands. MMT hat noch nicht begriffen, warum unter den gegebenen Umstaenden ein staendig steigender Geldbestand notwendig ist, um dem deflationaeren Zusammenbruch zu entkommen und warum diese Flucht nach vorne irgendwann auch gegen die Wand laeuft. Ich denke MMT ist sich der Inflationsgefahr bewusst, das wird auch immer als Risiko benannt, aber verstanden, warum z.Zt. keine Inflation aufkommen moechte haben die MMTler nicht. Also meine positive Bemerkung bezog sich ausschliesslich auf die meiner Meinung nach gute Arbeit in Bezug auf Bestandsaufnahme und Maerchen ausmisten. Mehr nicht.
    -
    Klein ist fein weil menschlich. Die moderne Massengesellschaft ist unergonomisch, unmenschlich. Die Raeder die gedreht werden sind zu gross geworden. Die Faehigkeit ueber die Nasenspitze bis zum Tellerand zu peilen reicht auch bei 3D Blick via Triangulation und seltenen IQ's von ueber 120 nicht aus, um das, was die Moderne ermoeglicht hat in seinen potentiellen Auswirkungen nur annaehernd zu erfassen. Schon garnicht per rigider Planwirtschaft in Form von gewinnmaximierenden, gigantischen Fettaugen aka too big to fail global players. Die kontraproduktiven Kraefte dieses Groessenwahns untergraben zunehemend den anfaenglichen Erfolg. Fortschreitende Ausdifferenzierung erfordert Kohaesion und Vertrauen der beteiligten untereinander in der Gesellschaft. Diese notwendige Kohaesion und das Vertrauen werden aber immer schwieriger aufrecht zu erhalten. das ganze laeuft dann auf einen Tipping Point zu, den ich schon seit einiger Zeit aus verschiedenen Gruenden als ueberschritten betrachte.
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/04/wirtschaft-ein-optimierungsproblem.html
    Fortsetzung...

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  40. Um das mit den Zinsen auch noch zwischen uns explizit zu klaeren, hier meine Sicht der Dinge. Ich gehe dabei wieder von der Buchfuehrung / Bilanz der Geschaeftsbanken aus und meine dabei Buchgeld/Sichtforderungen, wenn ich von Geld spreche.
    Bei der Kreditvergabe geschieht folgendes:
    Der Kreditnehmer bekommt ein Sichtguthaben, welches auf der Passivseite der Bankbilanz eingetragen wird. Die Bank traegt weiterhin eine gleich hohe auf den Kreditnehmer gerichtete Forderung auf ihrer Aktivseite der Bilanz ein. Nach Ablauf einer Zinsperiode wird auf der Aktivseite der geschuldete Betrag um x% Sollzinsen erhoeht. Auf der Passivseite erhaelt derjenige/diejenigen der/die inzwischen das Geld erhalten haben und als Guthaben/Einlage fuehren eine Gutschrift ueber y% Habenzinsen. Die Differenz x-y% laeuft als Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften durch die GUV der Bank und wird dort um Kosten gemindert, um dann auf der Passivseite dem EK zugeschrieben zu werden. Die Teile, die in der GUV als Kosten abgezogen werden, landen auch auf der Passivseite der Bank/des Bankensystems und zwar als Gehaltsgutschriften und Gutschriften fuer Waren und Leistungen, die die Bank im Rahmen ihres Geschaeftsbetriebs gekauft bzw. in Anspruch genommen hat. D.h. es ist immer genug Geld/Guthaben da, um die Schulden inkl. Zinsen auszugleichen. Nur muss der Kreditnehmer wirtschaftlich aktiv werden und Leistungen Waren anbieten, um an das Geld zu kommen, was er benoetigt, um die Zinsen zahlen zu koennen. Entsprechendes gilt natuerlich auch fuer das urspruengliche als Kredit gewaehrte Geld. Der Kreditnehmer tritt also am Markt mit Geldnachfrage (gut gewaehlter Begriff von Ihnen) auf und versucht diese durch ein Waren/Leistungsangebot zu befriedigen. Gelingt ihm das, dann kann er die Verpflichtungen aus dem Kredit erfuellen und diesen inkl. Zinsen tilgen. Wenn der Ertrag seiner wirtschaftlichen Taetigkeit nicht ausreicht den Kredit plus Zinsen zu tilgen, dann greift die Bank auf die gestellten Sicherheiten zurueck und versucht diese so zu verwerten, das die Restschulden getilgt werden. Wie schwierig bis unmoeglich das werden kann, wenn zuvor eine kreditinduzierte Spekulationsblase inkl. "Wertsteigerungen" entstanden ist, hat die US Sub Prime Krise gezeigt. Hier greift die Argumentation von Steve Keen. Aber selbst unter Abwesenheit von solchen durch exzessiven Kredit induzierten Balsen kann es dank Fettaugensyndrom zur Instabilitaet kommen, weil die Verteilung der Guthaben sich staendig konzentriert und diese Konzentration keine Entsprechung in der Verteilung der Schulden hat. Dabei wird dieser Konzentrationsprozess durch den oben beschriebenen Zinsmechanismus katalytisch verstaerkt.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  41. Sehr geehrter Herr Trappe,

    bei der MMT habe ich immer das ungute Gefühl, daß deren Vertreter einer Illusion aufsitzen, die damit zu tun hat, daß sie es als selbstverständlich erachten, daß der US-Dollar die Weltleitwährung ist und auch bleiben wird. Irgendwie wird diese Voraussetzung stillschweigend in die Theorieergüsse mit reingeschummelt um dann zu der Generalvoraussetzung zu kommen, daß ein monetär souveräner staat quasi keine Budgetbeschränkung kennt. Soweit es die USA zur Zeit betrifft mag das ja noch zulässig sein, aber erstens kann sich die USA nicht darauf verlassen, daß es immer so bleiben wird und andererseits weiß man auch, daß eine derartige Geldpolitik, wie sie von der MMT vorgeschlagen wird, in vielen Ländern zu höchst unerwünschten Ergebnissen geführt hat. Ich halte daher die MMT für ein Konzept, welches für eine historisch singuläre Konstellation anwendbar sein kann und damit auch wieder verschwindet.

    Darüberhinaus fehlt mir da immer die Explizierung dessen, was Ökonomie ausmacht - nur Geldausgeben ergibt auch keine ökonomische Theorie. Denn wie wir auch schon angesprochen hatten, ist Geld Ausdruck eines sozialen Verhältnisses und eben nicht eine Sache - ein Ding - was man aus einer einseitigen Perspektive analysieren könnte. Solche Erkenntnisse waren ja auch schon bei Marx angelegt, wobei er immerhin so ehrlich war zuzugeben, daß da ein Problem existiert. Denn die Übersetzung des Mehrwert in Mehr-Geld ist ja gerade das Problem, welches eben nicht selbstverständlich ist. Gerade an dieser Stelle ist mir Ihr Schluß von der Realebene auf die Finanzebene auch ein bißchen zu schnell. Weiter oben führen Sie ja noch mal explizit aus, daß Sie ausdrücklich von einem realen Überschuß ausgegen - im Grunde ist das die Überschußtheorie, die mit dem Namen Ricardo verbunden ist - um dann mit einem Analogschluß auf die Finanzseite zu wechseln. Bei diesem Übergang bleibt undiskutiert warum er gemacht wird bzw. ob und inwieweit das überhaupt zulässig ist. Denn nur weil etwas ähnlich aussieht, heißt es noch nicht, daß es ähnlich ist.

    In Ihrem Kommentar vom 11. Mai definieren Sie das Fettaugensyndrom ausschließlich über die Erzeugung eines realen Überschusses. Dies geschieht vor dem Hintergrund, daß der exogen gegebene Energieüberschuß sich in unterschiedlicher Höhe bei den wirtschaftenden Individuen manifestiert. Das kann man deswegen machen, weil der Begriff des Überschusses in diesem Fall sich auf eine exogene Komponente bezieht, die immer irgendwie verteilt wird. Im Gegenzug heißt das aber auch, daß damit keine soziale Komponente mit impliziert ist - mal abgesehen davon stellt ihre Tabelle ja auch ausdrücklich die Unabhängigkeit der Einzelereignisse fest.

    Diese Voraussetzung kann man, wenn man dann das Finanzwesen betrachtet, dann machen, wenn das Geld der Analyse ein exogen gegebenes "Ding" ist, dessen Verteilung dann nach wahrscheinlichkeitstheoretischen Mustern sich entwickelt. Soweit ich das noch im Kopf habe, ist das Yakovenko-Papier auf dieser Konstruktion aufgebaut. Das ist ebenso die Setzung einer exogenen Komponente wie die - vorhandene - Setzung einer Energiezufuhr in der Kornökonomie. H.Genreith setzt ja in seiner Feldtheorie auch auf dieser Geschichte auf, indem er die Quantitätstheorie als Kontinuitätsgleichung interpretiert, in der er ganz unbefangen voraussetzt, daß ja jeder "weiß", was eine Geldmenge M ist.

    http://ifara.eu/files/dokumente/markomodell.pdf Punkt 7 S. 15

    Fortsetzung...

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  42. ...folgt

    Nur: da sitzt der Hase im Pfeffer, denn das ist ja genau die Behandlungsweise des Geldes nach Art der Neoklassik, die sich ja auch mit Händen und Füßen wehrt die Tatsache zu akzeptieren, daß sich in dieser Welt schlichtweg alles ums Geld dreht. Natürlich wurde versucht, die "wahren" Vorgänge hinter dem "Schleier des Geldes" herauszufinden, was dabei aber stets unterstellt wurde ist, daß sich das Ding Geld-Wert nach den realen Konditionen orientieren würde. Dann wurde noch das Marktmodell der Geldtheorie übergestülpt und fortan behauptet, daß damit das Thema Geld hinreichend erfaßt sei. Gemeinsames Zeichen der angesprochenen Theorien ist, daß stets von einer exogenen "Menge" ausgegangen wird, deren Existenz quasi als "condition sine qua non" vorausgesetzt wird. (Und dann kommen noch solche konzeptuellen Kuriositäten wie die "Umlaufgeschwindigkeit des Geldes" zum Vorschein.)

    Man muß sich aber nicht damit begnügen, Geld als eine definierbare "Menge" zu betrachten. Die Keen-Krugman Kontroverse ist ja inzwischen schon ziemlich prominent geworden, in der es ja gerade um die Frage geht, ob Geld als exogen von der Zentralbank vorgegeben interpretiert wird oder die Geldschöpfung aus "thin air" erfolgt. (Vgl. die Zusammenfassung http://www.advisorperspectives.com/newsletters12/An_Attack_on_Paul_Krugman.php ) Die Kontroverse lief schon mal unter der Bezeichnung currency-banking Debatte und endete wissenschaftspolitisch gesehen mit dem Sieg der currency-Position. Und da sind wir noch heute!

    Sobald Geld aber als soziales Verhältnis gesehen wird, gerät die Exogenitätshypothese ins Schlingern, denn dann ist es eben nicht mehr möglich das Ding Geld ohne sein Gegen-Ding Schuld zu analysieren. Denn sowohl Forderungsbestände haben ökonomische Wirkungen, wie auch Verbindlichkeiten bestimmte Reaktionsmuster hervorrufen, so daß erst im Zusammenspiel beider Teile von einer Theorie gesprochen werden kann, welche überhaupt die Chance hat, die Interdependenzen von Forderungen und Verbindlichkeiten im Zusammenhang zu begreifen. Die Theoriefamilie, welche sich als "stock-flow-consistent" begreift (eigentlich eine Selbstverständlichkeit) besteht aus Goodley/ Lavoie einerseits und Keen andererseits, wobei ich mein Modell auch dazu zählen würde. Daß ich das als Gleichgewichtsmodell formuliere bedeutet ja nicht, daß instabile Entwicklungspfade damit ausgeschlossen wären, denn die Verfügung über Vermögen hängt vielfach sicherlich von den Erwartungen über die Wertansätze von Realkapital ab. Und die wiederum von der erfolgreichen Geldnachfrage der Unternehmer auf den Warenmärkten...

    Es sieht zwar so aus, als würde man sich dabei in ein heilloses Kausalitätschaos stürzen, aber dem ist nicht der Fall. Das vermeidet man nämlich genau dann, wenn die Vorgänge der Zentralbankgeldschöpfung und der Krediteinräumung säuberlich getrennt werden. Wie dann argumentiert werden kann, steht ja in meinem Paper...

    Beste Grüße

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  43. Sehr geehrter Herr Menendez,

    wie schon angedeutet sehe ich bei MMT zwei Aspekte. 1.) Wie funktioniert das Geld-und Bankwesen. 2.) Loesungsansaetze zur Ueberwindung der Krise. Den ersten Punkt finde ich sehr hilfreich, den zweiten inhaltlich eher problematisch. Und es ist schon klar, das da eine amerikanische Perspektive gewaehlt ist und auch amerikanische Interessen einfliessen. Denn den MMTlern ist schon klar, in welches Eck sich die USA gepinselt haben und es waere natuerlich schon schoen wenn man den Lebensunterhalt von 300 Mio mit Geld drucken verdienen koennte und die laestige reale Arbeit auf chinesiche, japanische, deutsche oder sonstige Werkbaenke verschieben koennte. Nur wird sich die Welt nicht 300 Mio gefraessige Parasiten gefallen lassen. Das hat sie lange genug.
    -
    MMT beschreibt Geld nicht als Ding sonder als IOU. Das heisst "Ich schulde Dir was". Ich denke das ist soziales Verhaeltnis genug. Leider ist 1IOU=1$ etwas abstrakt. Nur die Amerikaner wissen genau, was sie fuer einen frisch gedruckten Dollar bekommen. Diejenigen die diese akzeptieren machen eine Wette auf die Zukunft und die ist aeusserst ungewiss. Wenn eine serioese Bank Geld schoepft prueft sie im wesentlichen zwei Dinge. 1.) Kann der Kreditnehmer aus seinem operativen Geschaeft den zur Bedienung des Kredits notwendigen Zahlungsstrom ueber die Kreditlaufzeit erwirtschaften? 2.) Fuer den Fall dass dies schief gehe sollte verlangt sie die Stellung von Sicherheiten, deren Marktwert sie bei der Kreditvergabe abschaetzt. Im Fall der USA als gesamte Volkswirtschaft sind sie Bank und Kreditnehmer in einem und pruefen sich selber. Diejenigen, die jeden Monat 60 Mrd US$ =200$ pro Amerikaner! akzeptieren und dafuer reale Waren liefern sind die Dummen. Sie koennen sich darauf verlassen, das diese Pruefung solide durchgefuehrt wurde oder sie haben Waren gegen Papier bzw. inlationierte sog. in US$ nominierte Assets getauscht. Und das seit Jahrzehnten.
    Fortsetzung...

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  44. ...folgt:
    Oekonomie in der neoliberalen Auspraegung ist das radikale Streben nach "paradisischen Zustaenden". Moeglichst wenig arbeiten und moeglichst viel konsumieren und besitzen. Zur Durchfuehrung und Rechtfertigung dieser "Optimierung" ist alles recht, es darf nur nicht den Schein von Legalitaet verletzen. Und wenn es das tut, dann muss man die Gesetze eben aendern = deregulieren oder Kritiker als Moralisten, Verschwoerungstheoretiker oder sonstwie abstempeln. Wenn die Mittel zur Durchsetzung dieser "Optimierung" gleichmaessig verteilt sind und bleiben, dann und nur!!! dann koennte das ein "ausbalanciertes" Modell sein. Das dem Fettaugensyndrom unterliegende Modell zeigt aber auf, dass alleine die Tatsache einer zufaellig schwankenden Ungleichheit im Erfolg einen Konzentrationsprozess in Gang setzt, der aus Oekonomie, so betrieben, eine Gaskammer macht, in der selbst die "Erfolgreichsten" und ihre selbsternannten "Masters of the Universe" letztendlich in massive Schwierigkeiten geraten und immer rigider vorgehen muessen, um ihre Nase ueber der Zyangaslinie zu halten.
    -
    Geld ist Mittel zum Zweck. Zweck ist die oben dargestellte "Optimierung" in einer arbeitsteiligen Gesellschaft zu betreiben. Ohne Geld koennen weder Sie noch ich an diesem "Spiel" teilnehmen. Daher der nahtlose Uebergang zwischen Realsphaere und Finanzsphaere. Das Diejenigen, die die Lizenz haben dieses Mittel zum Zweck aus dem Nichts zu schoepfen den Rest der Welt ueber diese Tatsache lieber verwirrt und im Dunkeln gelassen sehen, ist auch klar. Insbesondere dann, wenn die Regierbarkeit und Existenz der groessten Volkswirtschaft davon abhaengt (s.o.).
    An dieser Aufgabe der Desinformation muehen sich vorwiegend sog. Experten aka Wirtschaftswissenschaftler und Mainstreammedien gewinnbringend ab.
    Fortsetzung...

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  45. ...folgt:
    Wie Sie ja auch schon richtigerweise erkannt haben, ist die Summe allen Geldes und die Summe der entgegengerichteten Forderungen gleich gross. Beide aendern sich zwar staendig, meistens in Richtung mehr, aber Netto ist das Ergebnisse immer Null. Das in etwa Vergleichbar mit Elektronen (negativen Ladungstraegern) und den Protonen der Atome, die einen elektrischen Leiter oder Halbleiter bilden. Wenn Sie den Kupferdraht anfassen ist der elektrisch neutral. Erst wenn sie die Elektronen von den Protonen trennen, ensteht ein elektrisches Potential das Stromfluss ermoeglicht. Beim Geld geschieht etwas aehnliches. Da werden Geld und entgegengerichtete Forderung getrennt (Bank / Kreditnehmer) und dann Geld gegen reales Gut/Leistung getauscht (Kreditnehmer/Verkaeufer). Damit entstehen Spannungsfelder. Bank>Kreditnehmer>Realleister>Bank
    Die Bank sorgt sich, ob der Kreditnehmer die auf ihn gerichtete Forderung erfuellen wird, der Kreditnehmer freut sich ueber das mit dem Geld gekaufte reale Gut und der Realleister haelt jetzt eine Forderung gegen das Bankensytem in Haenden und fragt sich ob er seine Erwartung einer realen Gegenleistung von der Bank oder dem Kreditnehmer erfuellt bekommt.
    Im Gegensatz zu Elektronen und Protonen, die sich nur durch einen Energieeinsatz von einander trennen lassen, ist die Trennung von Geld und entgegengerichteter Forderung ein Fingerschnips auf der Tastatur des Bankcomputers. Der Transfer des Geldes Kreditnehmer > Realleister ist hingegen mit einer realen Leistung = Energieeinsatz verbunden. Der weitere Unterschied zwischen Elektronen und Protonen ist, dass diese bei der Rekombination genau die Energie abgeben die rein gesteckt wurde um sie zu trennen. Wenn der Realleister das Geld zur Bank bringt wird er aber keine reale Gegenleistung von dieser dafuer bekommen. Vielmehr kann nur der Kreditnehmer die Rekombination ausloesen, indem er wirtschaftlich aktive wird, also ein reales Waren/Leistungsangebot erstellt und dieses hoffentlich zu einem Preis losschlaegt, welches ihn in die Lage versetzt den Kredit zu tilgen. Dabei wird er versuchen, wie alle anderen auch, in seinem Sinne zu "optimieren" (s.o.). Wenn ihm das weniger gut oder besser gelingt, als der Bank und dem urspruenglichen Realleister, dann entsteht so das Fettaugensyndrom mit entsprechendem Niederschlag in den Buechern der Banken, wobei die Banken bzw. ihre Eigentuemer in jedem Fall via Zinsen einen ordentlichen Reibach machen, wenn sie die Gewinne aus Zinsdifferenzgeschaeften nicht dem haftenden EK zuschreiben sondern als Dividende oder Boni ausschuetten. Die Trennung Realsphaere und Finanzsphaere ist unsinnig. Das Geld- und Bankwesen ist integraler Bestandteil von Wirtschaft. Exogen ist tatsaechlich nur die reale Energiequelle. Geld ist eine Kreation innerhalb des Systems Wirtschaft durch Banker. Und zwar aus dem Nichts ohne wesentlichen Energieeinsatz und netto immer Null.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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  46. Sehr geehrter Herr Trappe,

    ich habe den Eindruck, daß wir irgendwie an einem toten Punkt angekommen sind, wo unsere Methoden, Ökonomie zu analysieren nicht mehr ohne weiteres kompatibel sind. Soweit es darum ging, konkrete geldtheoretische Fragen zu diskutieren, verlief dieser Thread durchaus in einem produktiven Diskurs, in dem ich auch ein bißchen gelernt habe, manche Dinge, die ich vielleicht etwas überspitzt gesehen / dargestellt habe, zu relativieren. Und da es nicht selbstverständlich ist einen so interessierten und kompetenten Diskussionspartner zu haben, möchte ich Ihnen auch noch mal dafür meine Anerkennung aussprechen, in dieser Sache ein würdiger und fairer - was nicht selbstverständlich ist - "Sparringspartner" gewesen zu sein.

    Ich denke aber, daß die Frage, ob und inwieweit die reale und die monetäre Sphäre miteinander zusammenhängen (Sie) oder nicht (ich) eine Angelegenheit ist, welche einer eigenen Diskussion bedarf. Ich habe - was mich betrifft - erfahren, daß die Frage, welche Herangehensweise an Ökonomie präferiert wird bereits darüber entscheidet, welche Schlußfolgerungen daraus gezogen werden. Ich habe ein bißchen den Eindruck, daß Sie den gegenwärtigen Zustand zutiefst bedauern und in dem Fettaugensyndrom eine Möglichkeit gefunden haben, die Entwicklungen der Gegenwart zu erklären. Es scheint für mich so zu sein, daß Sie da auch ein gutes Stück Moral in diese Erklärung legen. Ich bin im Gegensatz zu Ihnen offenbar ein ganzes Stück desillusionierter, weil ich in ökonomischen Handlungen kaum noch oder überhaupt keine Moral mehr erkennen kann, weil Ökonomie - als Geldtheorie verstanden - sich notwendigerweise mit abstrakten Entitäten beschäftigt, welche aufgrund der grundlegenden Konzeption des Geldwesens eben nicht mehr mit persönlichen Grundlagen zu tun hat. Und auch nicht mal mehr mit persönlich zurechenbaren Wahrscheinlichkeiten.

    Dennoch kann ich Geldtheorie als eine soziale ökonomische Theorie anerkennen, weil für meine Begriffe erst die Abstraktion von persönlichen Beziehungen die Wohlfahrtsgewinne des Kapitalismus möglich gemacht haben. Das mag man verfluchen. Aber ich bin nicht soweit wie der Zauberlehrling, der es aufgegeben hat, die Dinge, die (von ihm) gerufen wurden, zu beherrschen.

    Ich würde mich freuen, das o.a. Diskussionsthema mit Ihnen an einer neuen Stelle aufnehmen zu können! Das mag vielleicht ein bißchen Zeit der Reflexion erfordern. Ich denke aber, das wäre es wert!

    Mit freundlichen Grüßen

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  47. Sehr geehrter Herr Menendez,

    einen toten Punkt kann ich in der aus meiner Sichr lebhaft erscheinenden Debatte zwar nicht erkennen, aber ich respektiere natuerlich Ihren Wunsch auf eine Pause / Unterbrechung der Diskussion an dieser Stelle. Vielleicht
    ist es wirklich besser, nach einem Moment der Reflexion, den Faden an einem anderen Ort wieder aufzugreifen. Ich wuerde mich darueber sehr freuen.
    -
    Ich denke, das jeder, der sich als freier Mensch begreift, nicht um die enge, aber leider viel zu oft ignorierte bis bestrittene Verknuepfung von Freiheit und Verantwortung herum kommt.
    D.h. dann aber auch, dass ich nicht um die Frage nach der Verantwortbarkeit meiner Handlungen und der Handlungen anderer herum komme. Und spaetestens damit bin ich dann bei einer Abwaegung/Bewertung/Urteilsfindung. Die wird sich in der Regel an verschiedenen Massstaeben orientieren. Z.B. geltendes Recht, Ethik, Eigennutzen, Gemeinwohl etc. Das ich solche Bewertungen / Urteile mit meiner Argumentation verknuepfe, ist eine "Ungeschicklichkeit", die ich mir inzwischen leiste. Denn immerhin dauert diese Krise seit 5 Jahren an und es ist nicht nur die groesste Krise sondern auch die dritte Krise dieser Art in 15 Jahren, von der ich persoenlich betroffen bin. D.h. die "Experten" haben die Chance einer rein sachlichen Diskussion nicht nur ungenutzt und ergebnisslos verstreichen lassen, sondern ergehen sich in der endlosen Wiederholung der staendig selben unhaltbaren Thesen und Theorien.
    Das ueberfordert mittlerweile meine Geduld ab und an.
    Anstatt sachlich begruendete Gegenargumente gegen meine These vom Ursachenbuendel inkl. Fettaugensyndrom vorzubringen, wird mir von diesen "Experten" immer wieder alter Wein in neuen Schlaeuchen kredenzt. Das ist angesichts der Tragoedie, die sich ja nicht nur in Europa breit macht, hoeflich ausgedrueckt, mehr als eine Zumutung. Ich hoffe daher auf Ihr Verstaendnis, wenn ich mich mit dem einen oder anderen drastischen Hinweis auf die daraus entstehenden Konsequenzen und mit meinem Urteil ueber die dafuer Verantwortlichen nicht mehr vornehm zurueck halte.

    Mit freundlichen Gruessen
    Georg Trappe

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