Mittwoch, 9. Mai 2012

Die USA, ausgequetscht wie eine reife Frucht

Das Bankhaus Rott & Frank Meyer bietet in einem aktuellen Blogeintrag mit dem Titel "Ausgequetscht wie eine reife Frucht eine wirklich gute Zusammenfassung der Ablaeufe in den USA, seitdem die "Great Moderation" im Jahr 2000 mit dem Platzen der DotCom Blase ihr Ende gefunden hat. Das Liquidieren der Substanz, soweit vorhanden, ist seitdem der Modus fuer all diejenigen geworden, die sich einst der Mittelschicht (auch der oberen) zurechnen durften. Leider stoppt auch diese Analyse bei den beobachtbaren Symptomen und geht nicht an die tieferen Ursachen. Dabei ist es nicht so schwer.
Das Fettaugensyndrom leistet ganze Arbeit. Es macht auch nicht vor den liquiden oder den liquidierten Anteilen des Geldvermoegens halt. Es entreisst immer mehr Menschen die Mittel, die fuer sie notwendig sind, um am "sozialen" System Wirtschaft teilnehmen zu koennen und konzentriert diese in den Haenden der Wenigen, die schon ueber einen unvorstelbaren Ueberfluss daran verfuegen. Die durch die Quantitaetentheorie suggerierte Vorstellung die gesamte Geldmenge nehme am "Wirtschaftskreislauf" teil ist falsch. Nur ein kleiner Bruchteil wird fuer die tagtaeglichen Transaktionen beansprucht. Das allerdings mit sehr hoher Umschlaghaeufigkeit. Der Rest ist Bestandteil der Fettaugen, liegt traege auf Konten mit unterschiedlichen Laufzeiten und verlangt Rendite und schmaelert so die Geldmenge die fuer die realwirtschaftlichen Transaktionen notwendig ist, wenn diese nicht durch neue Kredite, vergeben durch das Bankensystem, ergaenzt wird; oder verirrt sich ins Casino der Nullsummengeschaefte, wo man sich gegenseitig Ansprueche am Realvermoegen z.B. Aktien abjagt und bei Nettozufluessen ins Casino (z.B. durch geldpolitische Massnahmen der FED) die Preise fuer diese sog. Assets inflationiert bzw. bei Nettoabfluessen wegen erhoehtem krisenbedingtem Liquiditaetsbedarf diese Blasen zusammenbrechen laesst (siehe auch Oszillation des S&P Index seit 2000). All das wurde bisher von den sog. Wirtschaftswissenschaften "uebersehen". Nun tritt es, nachdem der Vorhang der Verschleierung gerissen ist, mit aller Macht und in Form einer verheerenden Krise auf die Buehne des Bewusstseins und keiner will es wahr haben. Denn die Schluesse die aus diesen Beobachtungen zu ziehen sind, sind so erschuetternd und beschaemend, dass niemand sie ziehen moechte bzw. alle es vorziehen im bequemen, "unschuldigen" Status der Dummheit (= Unfaehigkeit aus Beobachtungen zutreffende Schluesse zu ziehen) zu verweilen. Anstatt bei der Analyse zu den wirklichen Ursachen vorzudringen, spielt man lieber ideologischen schwarzer Peter, indem man die Diskussion auf die absurde Frage ob Sparen oder mehr Schulden machen die Loesung sei, verkuerzt. .
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Auf der Ebene der Staaten hat eine Polarisierung statt gefunden. Das eine Lager leidet an realwirtschaftlicher Degeneration wie zum Beispiel die USA (das Leitwaehrungsprivileg macht die USA dabei zu einem Sonderfall) oder Griechenland und das andere Lager exportweltmeistert oder versucht sich darin. In beiden Lagern wirkt aber das Fettaugensyndrom als universale Kraft und treibt so auch diese Polarisierung immer weiter voran. Grosszuegig genaehrt von geldpolitischen Massnahmen wie QE, LTRO, Bailouts, Rettungsschirmen etc., die zwar Zeit kaufen, indem sie den deflationaeren Zusammenbruch hinaus schieben aber die wirklichen Ursachen nicht beheben.

 Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.:
Vielen Dank an Herrn Dr. Eichner fuer den Hinweis auf den Artikel vom Bankhaus Rott&Frank Meyer.

Kommentare:

  1. Hallo Herr Trappe, nur nicht über die Dummheit der Menschen verzweifeln, das lohnt nicht.

    Im grunde sehe ich trotz allem positive Entwicklungen.

    Wie sie so schön sagen, die Beschäftigung ist, dass "man sich gegenseitig Ansprueche am Realvermoegen z.B. Aktien abjagt".

    Es existieren imo drei Möglichkeiten für steigende Kapitalerträge für die Superreichen:

    1. Wachstum (man beutet die Ressourcen aus)
    2. Entsozialisierung (Man wird reicher in dem Arme ärmer werden)
    3. Konsolidierung (Man nimmt den anderen Reichen dem Reichtum weg)

    Da 1 wegfällt kann man nur Hoffen, dass man sich vor allem mit 3 befasst.

    Ausserdem
    Durch die immer drastischere Unfähigkeit des Kapitalismus mit der Schuldenkrise im Zeitalter der schwindenden Ressourcen umzugehen bekommen Kapitalismuskritiker weltweit gehörigen Zulauf.

    Diese werden noch in den Medien als "Radikale" verunglimpft, aber die Infragestellung des Systems ist längst keine Radikalposition mehr sondern annähernd Mehrheitsfähig.

    Die politiscche Machtelite ist dessen natürlich nicht Fähig und wird mit Gewalt am fehlerhaftem System festhalten.

    Selbst wenn die gesamte Menge (Internet community) ruft "Der Kaiser ist ja nackt!", wird er Stramm weitermarschiern und sein versammelter Hofstaat mit ihm.
    http://www.ingoschulze.com/rede_dresden.html

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  2. Hallo Alien Observer

    vielen Dank fuer den Hinweis auf die Rede von Ingo Schulze. Die ist wirklich sehr gut. So wie ich es sehe wird zur Zeit heftig an Jubelfeiern gearbeitet, auf denen die Betroffenen die Option 2 als Heldentat feiern sollen. Bin mal gespannt wieviele bei der Veranstaltung mit vor Stolz geschwellter Brust Hurra bruellen.
    Waere schoen wenn Sie recht behielten und keiner hin kaeme.

    Viele Gruesse
    Georg Trappe

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