Sonntag, 13. Mai 2012

Wirtschaft eine dissipative Struktur (Teil1)



Ich moechte mit obigem Bild und im Folgenden nocheinmal versuchen, meine Sichtweise von Wirtschaft zu erklaeren. Menschen haben gelernt die Energiequelle, die nahezu alles auf unserem Planeten antreibt, fuer ihre Existenzsicherung anzuzapfen. Diese Energiequelle ist die Sonne. Der durch die Sonne etablierte Energiestrom (Sonneneinstrahlung>Abstrahlung an den Weltraum) ermoeglicht lokale Entropiesenkungen per Entropieexport. Dies erklaert die Entstehung von Strukturen und Phaenomenen hoeherer Ordnung auf unserem Planeten, wie Stroemungen in der Atmosphaere und den Ozeanen ueber Pflanzen bis hin zu Lebewesen. All diesen Strukturen und Phaenomenen ist gemeinsam, dass sie offene Systeme darstellen, die durch einen Energiestrom aus dem Gleichgewicht getrieben werden. Wenn Menschen diesen Energiestrom anzapfen, dann tun sie dies meist indirekt, indem sie z.B. Pflanzen anbauen, die per Photosynthese die Energie der Sonne nutzen, um aus einfachen Molekuelen wie CO2 und H2O hoeherwertige Molekuele zu bilden (z.B. Pflanzenfette) die bei einer Nutzung durch Verbrennung (im Zuge der Nahrungsaufnahme/Metabolismus aber auch in Maschinen z.B. Biodiesel) diese Energie wieder freigeben. Menschen sind in der Lage mehr Energie zu ernten, als sie zu ihrer Existenzsicherung benoetigen. Sie erzielen Ueberschuesse und bezogen auf die durch sie eingesetzte Energie, Renditen. Das versetzt sie in die Lage diese Ueberschuesse, die nicht verbraucht/konsumiert werden, zu investieren. Sie tun dies mit dem Ziel ihre Produktivitaet weiter zu erhoehen, um sich so einen Weg in eine bessere Zukunft, gekennzeichnet durch weniger Arbeit und mehr materiellem Wohlstand, zu erschliessen. Das artikuliert sich dann in der "Erfolgsformel" Produktivitaetserhoehung durch kontinuierliche und konsequente Reinvestition von Ersparnissen und Gewinnen. Diese kontinuierliche Produktivitaetserhoehung fuehrt zu naechst auf einen exponentiellen Wachstumspfad, der die Errichtung von hoch komplexen Strukturen ermoeglicht, die immer effizienter und produktiver werden und so Reichtum und Luxuskonsum in zuvor ungeahntem Ausmass ermoeglichen. Diese Entwicklung war geradezu explosionsartig in den vergangenen 300 Jahren, nachdem Thomas Newcomen 1712 die erste brauchbare Waermekraftmaschine erfunden hatte. Denn dadurch wurde die Nutzung fossiler Brennstoffe, also von unter Luftabschluss und unter Druck konservierter Biomasse die die eingefangene Sonnenenergie (s.o.) von Millionen Jahren speichert, im grossen Stil ermoeglicht. Damit war auch der Start in die Moderne und der Uebergang vom Feudalismus in den Kapitalismus ermoeglicht. Denn bis dahin waren es vor allem Landflaechen, die die "Energieernte" dienten. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts waren es aber zunehmend Maschinen und Brennstoffe fuer diese Maschinen, die als Grundlage fuer die Produktion neben der traditionellen Landwirtschaft und dem Handwerk an Bedeutung gewannen. Heute sind in Deutschland weniger als 1% der Erwerbstaetigen in der Landwirtschaft taetig und das obwohl die BRD sich in Bezug auf Hauptnahrungsmittel wie Getreide und Fleisch selbst versorgen kann, (wenn ihr nicht der Energiehahn zur Aufrechterhaltung der hoch mechanisierten und intensivierten Landwirtschaft zugedreht wird).
Und damit bekam das Machtmittel in Form von Eigentum am Land Konkurrenz in Form von Eigentum an modernen Produktionsmitteln.  Das Bank- und Geldwesen aenderte sich dabei nur in sofern, dass jetzt nicht mehr nur Kredite an den Souveraen zur Finanzierung von Heeren fuer Expeditionen zur Landnahme im Vordergrund standen, sondern die Finanzierung von Fabriken und Industrien an Bedeutung gewann. Dabei hat das Bank- und Geldwesen einen fundamentalen Fehler in die Moderne hinueber "gerettet". Geld fliesst immer den realen Guetern entgegen. Wenn nun alle realen Gueter ihren Ursprung in einer Energiequelle haben, dann konzentriert es sich letztendlich in den Haenden,  in denen sich die Produktionsmittel, also die Energietransformatoren konzentrieren. D.h. sobald grosse realwirtschaftliche Monopole oder Oligopole entstehen, die die Quellen des Wohlstands und die Grundlage der Wirtschaft ihr Eigentum nennen koennen, wie z.B. Grossgrundbesitzer, Energiekonzerne, Industriekonzerne etc. ziehen diese das Geld an wie ein Magnet. Fuer das Bankensystem, das darueber in seiner Bilanz Buch fuehrt, entsteht damit ein massives Problem, denn es hat im Grunde nur zwei Optionen.

1. Bilanz verlaengern und staendig weiter Geld schoepfen, womit der See, auf dem die Fettaugen schwimmen, zwar immer groesser wird, wodurch aber das Problem der fortschreitenden Konzentration nicht behoben wird.

2. Oder Bilanz einfrieren/verkuerzen, womit das Geld bei den Schwaechsten / bereits Ueberschuldeten zunehmend knapp wird und eine Kettenreaktion ausgeloest wird, die als deflationaere Spirale bekannt ist und in deren Folge dann auch die Banken zusammenbrechen, weil das Eigenkapital nicht ausreicht, die dann massiv ausfallenden Kredite zu ersetzen.

Das Bankensystem hat aber kein geeignetes/legales Mittel die konzentrierten Vermoegen auf seiner Passivseite mit den immer riskanter werdenden Kreditforderungen auf seiner Aktivseite auszugleichen. Daher auch all die merkwuerdigen Versuche diese Risiken irgendwie los zu werden. Seien es nun CDSs, die diese Risiken gleichmaessig im Bankensystem verteilen sollen, Bad Banks, die diese Risiken Richtung Staat verschieben oder triple A rated Buchstabensuppe = Verbriefte Risiken verschleiert und teuer an Inhaber grosser Guthaben verkaufen.  Das letztere geht zwar in die richtige Richtung, grenzt aber haarscharf an Betrug und duerfte nach dem Sub Prime Desaster wohl keine Abnehmer in nennenswertem Umfang mehr finden.
Und auch den in der Realwirtschaft Aktiven geht die Moeglichkeit des Ausgleichs zunehmend verloren, da die Geldvermoegen sich in Folge des Konzentrationsprozesses zunehmend anders verteilen als die Schulden.
Bei einem Kapitalfaktor von 3 bis 4, und damit meine ich die Summe aller Schulden einer Volkswirtschaft bezogen auf ihr BIP scheint das System instabil zu werden. Denn dann wird die Unmoeglichkeit des Ausgleichs anscheinend unuebersehbar und das Geldvermoegen geraet in Panik. D.h. es sucht sog. sichere Haefen (z.B> Gold, triple A rated Staatsanleihen, Immobilien, Aktien, Sachwerte aller Art, aufstrebende Volkswirtschaften, aufstrebende Industrien etc.) und pendelt dabei wie eine Abrissbirne durch die Anlageklassen. Es wechselt dabei aber nur die Haende und verschwindet nicht. Verschwinden wuerde es nur, wenn es den Weg in die Haende der Hochverschuldeten finden wuerde und diese damit ihre Schulden beim Bankensystem tilgen wuerden. Das ist bei Geldknappheit in diesen Kreisen mehr als unwahrscheinlich, da sie sich damit zwar schuldenfrei stellen wuerden, aber sich gleichzeitig von der einzigen ihnen verbliebenen Moeglichkeit zur Teilnahme am System Wirtschaft ausschliessen wuerden. Denn Geld ist das einzige legale Mittel materiellen Bedarf beim System Wirtschaft zu kommunizieren/anzumelden/geltend zu machen. Wenn aber die staendige Erhoehung der Produktivitaet und die damit einhergehenden stetigen Konzentrationsprozesse immer mehr Menschen von einer erfolgversprechenden Teilnahme in Form von gut bezahlter Arbeit ausschliessen, dann bleibt nur Verschuldung (direkt oder indirekt ueber den Staat und seine Sozialhilfesysteme) als legale Option offen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

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