Mittwoch, 20. Juni 2012

Europa ist blind

Europa, oder genauer gesagt, Europas Elite ist blind fuer die Ursachen der eigenen Probleme. Nicht zu Unrecht wird dem reichen Europa von den Schwellenlaendern die Frage gestellt, warum eine derart reiche und hoch entwickelte Region Hilfe von deutlich weniger reichen und entwickelten Laendern zur Bewaeltigung der Probleme erwartet und benoetigt. Wuerde man in Europa ernsthaft ueber diese Frage und dieses Paradox nachdenken, dann wuerde man sich damit auf den Weg einer Ursachenanalyse begeben und so zumindest der Chance einer wirklichen Loesung naeher kommen. Doch das ist nicht im Sinne der 1% und ihren Eliten in Wirtschaft und Politik. Vielmehr weisen diese Hinweise auf das Paradox und damit auf die wirklichen Ursachen harsch zurueck.
"Wir müssen uns von niemandem belehren lassen", sagt der sichtbar verärgerte Kommissionspräsident an die Adresse der ungebetenen Ratgeber aus den Schwellenländern
 ( 1 ).
Soetwas nenne ich Lernresistenz und Realitaetsverweigerung, denn es ist wahr, dass die Laender Europas nicht nur ueber einen weit ueberdurchschnittlichen Reichtum in Form von Einkommen und Vermoegen pro Kopf ihr Eigen nennen koennen sondern auch der Bildungsstand der Bevoelkerung ist im Schnitt, gemessen am Stand der uebrigen Welt, ueberdurchschnittlich. So gesehen, ist es ein absolutes Armutszeugnis fuer die europaeischen Wirtschafts- und Politikeliten, dass sie angesichts derart positiver Standortfaktoren seit fuenf Jahren nur sich verschaerfende Probleme aber keine Loesungen produzieren. Wuerden sie einen Moment lang ueber die berechtigte Frage der Schwellenlaender nachdenken, dann wuerde ihnen vielleicht auffallen, dass das europaeische Paradoxon, was nur eine hoefliche Umschreibung fuer eine grandiose Idotie ist, seine Ursachen in einem von mir salopp als "Fettaugensyndrom" bezeichneten Effekt hat. Unbestreitbarer und nie zuvor dagewesener Reichtum wird zum massiven Problem fuer einen ganzen Kontinent, wenn er sich zunehmend in den Haenden weniger konzentriert. Denn damit werden die Mittel, die zur Loesung der Problemen benoetigt werden, radikal von den Menschen abgetrennt, die ueber Motivation und Kompetenz zur Problemloesung verfuegen und in die Haende derjenigen gelegt, die weder ueber Motivation noch Kompetenz zur Loesung der Probleme verfuegen, weil sie, aus ihrer Perspektive betrachtet, garkein Problem haben. In Europa stinkt der Fisch also mal wieder vom Kopf her. Und das so penetrant, dass es kaum auszuhalten ist.

Sapere Aude!

Georg Trappe

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