Freitag, 10. August 2012

Bemerkenswert!

Es gibt einen aktuellen Artikel auf Querschuesse, der das bemerkenswerte Genie deutscher Politik- und Wirtschaftseliten, insbesondere deutscher Banker, anhand von harten Fakten wiedereinmal schonungslos offen legt.
Dort ist die Rede von einem kumulierten deutschen Leistungsbilanzueberschuss in Hoehe von satten 681 Mrd. Euro alleine mit den Laendern Portugal, Italien, Griechenland, Spanien und Frankreich in den vergangenen zehn Jahren. Soetwas entsteht zum einen nicht von heute auf morgen und loest zum anderen ueblicherweise den Lieferungen entgegengesetzte Zahlungsstroeme aus, die, wenn sie ueber Waehrungsgrenzen erfolgen, zur Abwertung der Waehrung der zahlenden Volkswirtschaft und zur Aufwertung der Waehrung der real liefernden Volkswirtschaft fuehren, was eine solche Entwicklung bremst, da dann die Preise fuer Waren und Leistungen aus Sicht der beziehenden =  zahlenden Volkswirtschaft steigen, es sei denn die beziehende = zahlende Volkswirtschaft "produziert" und zahlt mit Weltleitwaehrung. In einer Waehrungsunion fehlt dieses "Korrektiv", sowie es in einer Weltwirtschaft fehlt, in der die groesste Volkswirtschaft ihre Leistungsbilanzdefizite mit selbstproduzierter Weltleitwaehrung bezahlen kann. Dennoch haetten die Zahlungsstroeme im Targetsystem sichbar werden und zu entsprechenden Targetsalden bei den nationalen Notenbanken fuehren muessen, es sei denn es haette entgegengerichtete, kompensierende Zahlungsstroeme (ohne entsprechende Waren- und Leistungslieferungen) gegeben. Und das war offensichtlich bis Ende 2007 der Fall. Denn die explosive Entwicklung der Target2 Salden setzte erst ein, nachdem das Platzen der Immobilienblase in den USA offenbar war. D.h. bis 2007 wurden die deutschen Exporte in die sog. "PIGS", die durch den per Agenda 2010 erzwungenen Reallohnverzicht der deutschen Belegschaft konkurrenzlos guenstig angeboten werden konnten,  durch Kredite deutscher Banken zu konkurrenzlos niedrigen Zinsen an die sog. "PIGS" finanziert. Erst als die deutschen Banken feststellen mussten, dass sie dem groessten Betrug aller Zeiten zum Opfer gefallen waren, in dem sie sich en masse Muehlsteine in Form von minderwertigen Hypothekenpapieren von ihren Wall Street Kollegen hatten um den Hals legen lassen,  wurde die massive Kreditvergabe an die sog. "PIGS" nicht nur eingestellt, sondern die Kapitalstroeme begannen sich schlagartig umzukehren, um die durch den offenbar gewordenen Wall Street Betrug entstandenen Schaeden in den Bilanzen deutscher Banken zu kompensieren.
 Mit katastrophalen Folgen fuer die Menschen in den betroffenen Nachbarlaendern aber auch, zumindest auf laengere Sicht, fuer die Menschen in Deutschland. Denn der deutschen Belegschaft wurde per Agenda 2010 nicht nur die Partizipation an den Gewinnen des kreditfinanzierten Exportbooms verwehrt, sondern ihr werden auch noch die Risiken sowohl des Engagements am amerikanischen Hypothekenmarkt als auch die Risiken des kreditfinanzierten "Exportfoerderprogramms" aufgehalst und zwar von deutschen Banken "too big to fail" via Verschiebung der Kreditrisiken auf oeffentliche Institutionen aka Bundesbank und EZB.
Da die deutschen Exporte in die Euro Zone inzwischen fallen, was beim eingeschlagenen Sparkurs in den Krisenlaendern nicht verwundern darf, scheint es so, als wuerde das "Erfolgsrezept" nun gegenueber Laendern ausserhalb Europas zur Anwendung gebracht, denn die Ausfuhren dorthin stiegen, auch beguenstigt durch einen stetig fallenden Euro, um fast 20% gegenueber dem Vorjahr.
 Die Frage, die sich dabei aufdraengt, ist: 
Werden auch diese Exporte durch Kredite finanziert? 
Wenn diese Frage mit Ja beantwortet werden muss, was zu vermuten ist, dann entpuppt sich auch diese "Loesung" als eine Scheinloesung und zeigt auf, dass Deutschland auf einem Weg ist, der der Sackgasse, in der Japan seit nun fast zwei Jahrzehnten steckt, sehr aehnlich ist. Denn dann findet offenbar eine Polarisierung statt zwischen Volkswirtschaften, die aufgrund ihrer enormen realwirtschaftlichen Produktivitaet zu Exportweltmeistern werden, und Volkswirtschaften, die wie die USA und die sog. "PIGS" ihre realwirtschaftlichen Kompetenzen zunehmend verlieren und zu kreditfinanzierten Abnehmern fuer diese Exportweltmeister werden. Das dies keine wuenschenswerte und in dieser Auspraegung auf Dauer tragfaehige Konstellation sein kann, ist leicht einzusehen. Dennoch scheinen mir die Entwicklungen und Offenbarungen der letzten Jahre genau in diese Richtung zu deuten.

Sapere Aude!

Georg Trappe

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