Mittwoch, 22. August 2012

Das Beispiel Japan

Das Beispiel Japan verdeutlicht mit seiner aktuellen Entwicklung, wie die angeblichen Allheilmittel Wettbewerbsfaehigkeit=Produktivitaetsvorsprung und Exportweltmeisterei erst zur Einbahnstrasse und dann zur Sackgasse werden.

 Quelle

Auf Querschuesse gibt es einen Artikel, der dies eindrucksvoll anhand von wie immer sehr gut aufbereiteten Daten verdeutlicht. Japans Handelsbilanz war in den zwei Jahrzehnten vor dem Ausbruch der Krise 2007/08 immer deutlich positiv. Kumuliert hat  Japan damit ein gigantisches  Vermoegen angespart, das Japan unter anderem in Form von  US Staatsanleihen im unvorstellbaren Wert von 1,1 Billionen haelt. Nun zeichnet sich moeglicherweise eine Wende bei dieser Entwicklung ab, die zum einen durch die Krise in den USA und in Europa aber sicherlich auch durch die Katastrophe in Fukushima ausgeloest wurde. Denn Japan hat die unglaubliche Zahl von 56 AKWs abgeschaltet und der Laden laeuft trotzdem weiter, fast so als waere nichts geschehen. Allerdings vermehrt durch Oel und Gas befeuert und bei ruecklaeufigen Exporten nach Europa und die USA. Dadurch kann es zu einer Richtungsumkehr der  Kapitalstroeme kommen, indem Japan US Anleihen verkauft, um damit das Handelsbilanzdefizit zu finanzieren. Ein legitimes Vorgehen in schweren Zeiten nach ueber zwei Jahrzehnten Lieferung von realen Guetern gegen einen gigantischen Berg von IOUs. Allerdings entsteht die interessante Frage, welchen Weg dieses Geld nehmen wird, denn es ist mehr als fraglich, das die USA etwas Reales liefern koennen, was man in Japan auch wirklich braucht. Daher geht in den USA die Angst um, das der Verkauf von US Staatsanleihen  in signifikanter Menge durch Japan nicht nur die Zinsen fuer diese hoch treiben koennte sondern auch gleichzeitig die zweite Achillesferse der USA, das Oel, verteuern koennte. Desweiteren stellt sich die Frage, wie sich die US Ratingagenturen angesichts dieser potentiellen Probleme verhalten werden. Denn Japans Staatsschulden sind mit 230% des BIP exorbitant, wenn gleich sie nicht wie im Falle der USA von Auslaendern finanziert werden, sondern eine innere Verschuldung vorliegt. Sollten die US Ratingagenturen aber auf die Idee verfallen Japans Staatsanleihen wegen des moeglicherweise chronisch werdenden Handelsbilanzdefizits deutlich herabzustufen, dann waere damit Japans bisheriger Weg die Binnennachfrage soweit zu stuetzen wie es notwendig ist, um den inneren Frieden zu wahren, verbaut. Ob sich Japans Gesellschaft aber nach zwei Jahrzehnten harter Arbeit fuer einen Berg von triple A rated IOUs auch noch eskalierende soziale Haerten mit der Begruendung aufbuerden laesst, das japanische Staatsanleihen weniger Aussicht auf Rueckzahlung haben als US Staatsanleihen, darf bezweifelt werden.

Sapere Aude!

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