Freitag, 24. August 2012

Hurra! AIG Rettung abgeschlossen

Krisenbewaeltigung: FED trennt sich von den letzten AIG Papieren meldet das Handelsblatt in seiner Online Ausgabe. Vor genau 4 Jahren, im September 2008, brach der weltgroesste Versicherungskonzern unter der Last faellig gewordener CDS (Kreditausfallversicherungen) beinahe zusammen und musste vom amerikanischen Staat und der FED mit gigantischen Summen in Hoehe von  insgesamt 182,5 Mrd. US$ gerettet werden. Nun hat die FED New York wohl die letzten Papiere ihres sog. Maiden Lane III Portfolios verkauft. Mit Gewinn, wie es im Handelsblatt heisst. Wie das bei einem durchschnittlichen Erloes von 56 Cents pro Dollar "face value" funktioniert, verstehe ich zwar nicht, aber dafuer bin ich wohl zuwenig mit der einen oder anderen Finanzakrobatik vertraut. Wie dem auch sei, der amerikanische Staat haelt  weiterhin 61% der Anteile an AIG und ist daher noch lange nicht aus dem Schneider. Auch dann nicht, wenn der AIG CFO, David Herzog, stolz verkuendet, dass mit den von ihm zurueck gekauften Papieren  (CDOs auf Basis von Sub Prime und anderen Hypotheken) zum Teil Renditen um die 10% erzielt werden ( 1 ). Wer diese Renditen zahlt und was diese Zahlungen ermoeglicht, bleibt leider im Dunkeln. Immerhin ist zu verstehen, dass ein Papier, was urspruenglich zu 100 ausgegeben wurde und 5,5% Zinsen bringen sollte, bezogen auf einen Rueckkaufpreis von 56 nun 9,8% Zinsen bringt. Halleluja! Wir freuen uns auf den naechsten Quartalsbericht der AIG und David Herzog freut sich auf einen dicken Bonus fuer diese Heldentat. Wenn man nun weiter fragt, was in den vergangen vier Jahren bei AIG aus der Katastrophe noch gelernt wurde, dann bleibt einem angesichts der Steilheit der Lernkurve der Mund offen stehen ( 3 ). Nicht nur die regula de tribus wurde verstanden, sondern auch das Gehirn hinter der Katastrophe, Gary Gorton,   hat Fortschritte in seinem steten Bemuehen um ein vertieftes Verstaendnis der Ursachen gemacht. Zumindest entsteht fuer einen Moment in diesem Interview dieser Eindruck, wenn er sagt:
"I would say that the discussion is at a very low level. It is basically uninformed and anti-intellectual. I think the discussion ought to be about bank runs. As I said above, the crisis was a bank run, but unfortunately one that was not clearly observed. The laundry list of "causes" misses the essential point that the private sector cannot create riskless assets to back bank money. So, there is always the chance that holders of bank money will become suspicious of the backing collateral. This occurred in 2007."
Nun ja, die Auffassungsgabe oder Mitteilungsfreude des Yale Professors Gorton ist eben nicht ganz so schnell, wie die eines Porter Stansberry, der nur wenige Wochen nach dem Debakel im Oktober 2008 unter anderem schrieb:
"And this is where AIG comes into the story.
Around the world, banks must comply with what are known as Basel II regulations. These regulations determine how much capital a bank must maintain in reserve. The rules are based on the quality of the bank's loan book. The riskier the loans a bank owns, the more capital it must keep in reserve. Bank managers naturally seek to employ as much leverage as they can, especially when interest rates are low, to maximize profits. AIG appeared to offer banks a way to get around the Basel rules, via unregulated insurance contracts, known as credit default swaps. 
Here's how it worked: Say you're a major European bank..." ( 2 ).
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Sehr sehenswert ist in diesem Zusammenhang auch dieses Video von Porter Stansberry.
 Es gibt einen tiefen Einblick, wie die USA und ihre Buerger in Bezug auf ihr Geld ticken(*).
 Wer nach diesem Video immer noch glaubt, dass die Vorgaenge in Europa und um den Euro, insbesondere das Verhalten der US Ratingagenturen und der hiesigen Mainstream Medien und der verlaengerten Achse des Guten seien Zufall, der hat nicht verstanden, warum die Rettung von AIG inzwischen als abgeschlossen gilt.

Sapere Aude!

Georg Trappe

(*) Es geht mir nicht! darum, Werbung fuer eine Anlageberatungsfirma zu schalten, sondern um die Analyse, den patriotisch begruendeten "State of Denial", die Polarisierung die sich daraus ergibt, die "Loesungsansaetze" die sich aus dieser polarisierten Sicht ergeben und natuerlich auch darum, dass es in der amerikanischen Mentalitaet immer nur "Opportunities" gibt, die man erkennen und lautstark bewerben muss, um daraus ein Geschaeft zu machen. Das die Flucht vor der bitteren Realitaet in vermeintliche Alternativen, genausowenig Loesung ist, wie die "Staerkung" des US$ durch von US Seite betriebene Abwertung der "Alternativen" wird dabei nicht erkannt.

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