Mittwoch, 15. August 2012

Woher der Wind weht

Die Wirtschaftsschlagzeilen in den letzten Tagen sprechen eine klare Sprache.
Leider ahnen die wenigsten, was sie wirklich bedeuten.
 Da erwirtschaftet die deutsche Volkswirtschaft mit 41,5 Millionen Erwerbstaetigen einen Handelsueberschuss, der in diesem Jahr mit voraussichtlich 200 bis 210 Mrd. den von China mit ueber 800 Millionen Erwerbstaetigen erwirtschafteten Handelsueberschuss weit uebertreffen wird. Diese stolzen Zahlen illustrieren aber nicht nur den hohen Stand der Produktivitaet und der Wettbewerbsfaehigkeit der deutschen Wirtschaft, sondern sie markieren wahrscheinlich auch den vorlaeufigen Hochpunkt einer seit langen Jahren anhaltenden Entwicklung, die nicht nur durch die Ruecknahme sozialer Fortschritte in Deutschland moeglich gemacht wurde, sondern auch das Projekt Europa krachend an die Wand gefahren hat.
 Mehr als die Haelfte der 30 DAX Konzerne ist im Besitz einer Banklizenz. Damit sind diese Konzerne in der Lage ihren Kunden nicht nur Waren und Dienstleistungen dank seit Jahren stagnierender Realloehne zu aeusserst wettbewerbsfaehigen Preisen anzubieten, sondern  auch eine absatzfoerdernde, "massgeschneiderte" Finanzierung in Form von guenstigen Krediten oder entsprechenden Leasingvertraegen. Als ein Indiz dafuer, welches Ausmass und welche Bedeutung diese Art der kreditfinanzierten Absatzfoerderung hat, moechte ich nur beispielhaft auf Zahlen der Mercedes-Benz Bank verweisen, die von einer Penetrationsrate von 55% in Deutschland sprechen. D.h. 55% des inlaendischen Absatzes sind durch die eigene Bank finanziert. Das auch Siemens sich in 2010 um eine Banklizenz beworben hat und diese auch erhalten hat, ist ein weiterer Hinweis darauf, wie wichtig Konzernen dieser Groessenordnung die Kontrolle ueber die Kreditvergabe an ihre Kunden ist. Dabei hat die Zusammenarbeit zwischen deutscher Grossindustrie und deutschen Grossbanken eine lange Tradition und gilt bisher als gut koordiniert und weltweit als beispielhaft. Es erscheint allerdings mehr als widerspruechlich, wenn auf der einen Seite die erst durch Kreditvergabe ermoeglichten Absatzerfolge gefeiert werden und auf der anderen Seite die dabei entstehende Verschuldung als exzessiv und "ueber die Verhaeltnisse leben" angeprangert wird. Vollends absurd wird die Geschichte, wenn sich die Konzerne, die die so erzielten Exporterfolge feiern, sich ihrerseits durch die Kredite, die sie bei ihren Belegschaften in Form von Arbeitsleistungen gegen das Versprechen von zukuenftigen Zahlungen=Betriebsrenten aufgenommen haben, wegen der aktuell niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt "erdrueckt" sehen, waehrend sie gleichzeitig Aktienrueckkaufprogramme ankuendigen, die durch die Auflage von Anleihen finanziert werden sollen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Die Allianz gehoert zu den Spitzenreitern  der DAX Unternehmen beim Gewinn (s.o.).
Versicherer profitieren vom Zinstief. Eigenkapitalrenditen deutlich ueber 10% (nach Steuern).

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