Samstag, 1. September 2012

Weidmanns Heil

Nun sucht moeglicherweise auch Jens Weidmann sein Heil in der Flucht vor den bitteren Konsequenzen, die aus dem Verhalten seiner Elitekollegen in Wirtschaft und Politik vor allem aber aus dem Verhalten von Bankern (auch deutschen) entstanden sind. Wenn es noch zu verstehen ist, das es zu Frustrationen kommt, wenn man Problemloesungen in einem Theoriegebaeude sucht, das keine Loesungen bietet, so erwarte ich doch vom Intellekt eines Bundesbankpraesidenten die Faehigkeit auch dann aus Beobachtungen zutreffende Schluesse zu ziehen, wenn diese nicht mit der vorherrschenden Ideologie in Einklang zu bringen sind. Dabei bieten die Datensammlungen seiner deutschen Bundesbank eine wahre Goldgrube von gut protokollierten Beobachtungen, die Schluesse zulassen, die, wenn man das bestehende ideologisch begruendete Gebaeude verlaesst, auch in die Richtung von moeglichen Loesungen deuten, die deutlich vielversprechender sind als die neoklassiche Wahl zwischen Pest und Cholera.

Die Bilanzesumme deutscher Banken hat seit dem 1.1.1999 folgenden Verlauf genommen:


Der Anteil von Auslandsaktiva (ca. 60% davon an ausl. Banken):


Von diesen Krediten ans Ausland flossen ca. 80% in die Laender Europas und ca. 50% in die Laender der EWU und haben dort bis 2007 u.a. deutsche Exporterfolge finanziert.


Was wuerden Sie, Herr Weidmann, als Praesident einer Nationalbank von der EZB erwarten, wenn Sie bzw. Ihr Land von einer derat massiven Umkehr der Kapitalstroeme aus der groessten und staerksten Nachbarvolkswirtschaft betroffen waeren?
Warum wirken Sie als deutscher Bundesbankpraesident nicht mit Massnahmen und Vorschlaegen auf die deutschen Banken bzw. die deutsche Wirtschaft ein, um deren desastroeses Verhalten abzustellen?
Warum verlangen Sie von unseren Nachbarn nun, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, das Unmoegliche?
Denn die Daten ihres Hauses belegen auch, dass unsere Nachbarn nicht nur von Krediten deutscher Banken empfindlich abhaengig gemacht wurden, sondern dass deren Volkswirtschaften zu keinem Zeitpunkt den Hauch einer Chance gegen die stetig voranschreitende Produktivitaet/Preiswettbewerbsfaehigkeit der deutschen Industrie hatte:


Soetwas holt man auf keinen Fall mit Sparen auf(*).

Halali!

Georg Trappe

Um das interessante Bild des Verhaltens deutscher Banken abzurunden, hier noch der Verlauf der Kreditvergabe an inlaend. Unternehmen und private Haushalte im Zeitraum Jan. 1999 bis Jun. 2012.


Und an die inlaendischen oeffentlichen Haushalte:


(*)Nachtrag 4.Sept.2012:
Und um es ganz klar und unmissverstaendlich zu sagen: Ich halte Inflation, die Erhoehung von Mehrwertsteuern etc. fuer die asozialsten "Loesungen". Und staendiges "Zeit kaufen" alleine ist selbstverstaendlich auch keine Loesung. Allerdings wuerde ich nicht soweit gehen, deswegen Herrn Weidmann als den "Banker des Volkes" zu bezeichnen, denn er ist mit seinem Standpunkt und seinem Verhalten fuer eine Polarisierung mitverantwortlich, die die Diskussion von einer tiefergehenden Ursachenanlyse und damit von einer dauerhaft tragfaehigen Loesung fern haelt.

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