Freitag, 21. September 2012

Zins und Zinseszins Teil 3

Wenn man die Verwirrungen ueber die Entstehung von Geld und Zins/Zinseszins, die meinem Eindruck nach zum Teil von interessierter Seite gefoerdert werden, um die wirklichen Krisenursachen zu vernebeln, aufloesen will, dann erscheint mir eine Fallunterscheidung ganz besonders wichtig. Und das ist die Unterscheidung zwischen Banken und Nichtbanken.
Wie die Dinge im Fall von Banken liegen, habe ich in den voran gegangenen Artikeln ( 1 , 2 ) zum Thema dargelegt. Der Kern Punkt ist. Banken schoepfen im Zuge der Kreditvergabe Geld, das vorher nicht vorhanden war. Sie geben nicht ihr Eigenkapital aus der Hand und sie reichen auch nicht die Einlagen von Sparern an Kreditnehmer weiter!
Bei Nichtbanken, die Geld verleihen, sieht der Fall anders aus. Nichtbanken koennen im Gegensatz zu Banken kein Geld schoepfen! Sie greifen also immer auf existierendes Geld zurueck, was bereits durch Banken geschoepft wurde. D.h. wenn Nichbanken Geld verleihen, dann verleihen sie aus ihrer Sicht Eigenkapital.  Der Unterschied wird sichtbar, wenn man sich die Bilanz anschaut. Bei Banken findet eine Bilanzverlaengerung statt. Die sieht, wie schon in Teil 1 beschrieben, so aus:

Die Eroeffnungsbilanz einer Bank :
Aktiva   I Passiva
Barreserve   500 I 500 Eigenkapital 
-
Die Bilanz nach der ersten Kreditvergabe in Hohe von 100 an den Kunden A:
Aktiva   I Passiva
Barreserve  500 I 500 Eigenkapital
Forderung gegen A 100 I 100 Guthaben A             

Die Bilanzsumme und damit der Geldbestand im System hat sich um 100 auf 600 erhoeht/verlaengert.
 -
Im Fall einer Nichtbank, wenn also z.B. Frau Geerkens Herrn Wulff einen Kredit gewaehrt, dann sieht die Sache in der Bilanz von Frau Geerkens so aus:

Die Eroeffnungsbilanz von Frau Geerkens :
Aktiva   I Passiva
Barreserve   500 I 500 Eigenkapital
-
Die Bilanz nach der Kreditvergabe in Hoehe von 100 an Herrn Wulff:
Aktiva   I Passiva
Barreserve  400 I 500 Eigenkapital
Forderung gegen Wulff 100 I 000 Guthaben Wulff               
          
Die Bilanzsumme ist konstant geblieben.
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Die Modelle der VWL und ihre Verfechter, wie z.B. Paul Krugman, betrachten Banken so, als waeren sie Kapitalsammelstellen fuer Nichtbanken und wuerden das Eigenkapital der Sparer an Kreditnehmer verleihen. Dabei ignorieren sie die Kapazitaet der Banken zur Geldschoepfung. Auf der anderen Seite haben die Zinskritiker beim Geldverleih durch Nichtbanken vollkommen recht, wenn sie sagen, dass diese Geldverleiher durch Zins und Zinseszins eine Unmoeglichkeit schaffen wuerden, wenn es keine geldschoepfenden Banken gaebe. By the way, das BGB verbietet Zinseszins fuer all diejenigen, die ihn und seine verheerende Wirkung nicht verstehen. Warum es Banker von diesem Verbot freistellt, ist mir allerdings nicht klar.
Sapere Aude!

Georg Trappe





Kommentare:

  1. "Auf der anderen Seite haben die Zinskritiker beim Geldverleih durch Nichtbanken vollkommen recht, wenn sie sagen, dass diese Geldverleiher durch Zins und Zinseszins eine Unmoeglichkeit schaffen wuerden, wenn es keine geldschoepfenden Banken gaebe."

    So wie ich diesen Satz verstehe, muss ich widersprechen:

    Nein, die Zinskritiker haben auch dann nicht recht. Der Zins muss auch ohne geldschöpfende Banken nicht ins Unmögliche/Unendliche führen:

    Man nehme als Modell eine 100% gedeckte Goldwährung, also einfach nur eine feste Zahl umlaufender Goldmünzen. Die Goldförderung vernachlässigen wir der Einfachheit halber. Dies ist nun genau der Fall, wo es naturgemäß keine geldschöpfenden Banken gibt, denn Gold kann man nicht aus dem Nichts "schöpfen". Es gibt also nur "Nichtbanken" in diesem System.

    Auch die umlaufende Goldmenge ist nun kein Schuldgeld mehr, also unverzinst.

    Aber selbstverständlich kann auch in diesem System Nichtbank A der Nichtbank B Geld(=Gold) leihen und Zins (in Gold) verlangen.

    Das Gold für den Zins muss sich der Schuldner Nichtbank B bis zur Zinsfälligkeit durch eine Dienstleistung im Wert des Zinsdienstes aus der umlaufenden/vorhandenen Goldmenge verdienen, erbringt er die Dienstleistung gar direkt für Gläubiger Nichtbank A, so dass der Zins mit der Dienstleistung verrechnet werden kann, so wird das Prinzip deutlich: Es kommt praktisch gar nicht zu einer Zinszahlung!

    Gelingt es dem Schuldner B nicht, Gold aus der Umlaufmenge zu verdienen so geht er pleite, der Gläubiger verliert ggf. nicht nur dem Zinsanspruch, sondern auch noch das verliehende Gold.

    Aber natürlich wird es auch in einer 100% gedeckten Goldwährung zur Akkumulation/Hortung des Goldes in den Händen von wenigen Menschen kommen.

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  2. Vielen Dank fuer die Klarstellung. Sie haben vollkommen recht und ich habe mich wohl missverstaendlich ausgedrueckt. Wenn die Geldmenge fixiert ist, dann kann aus Geld nicht mehr Geld werden und die Zinskritiker haben dann in dem Punkt recht, an dem sie behaupten, dass Geld fuer den Zins wuerde "vorenthalten", was dann zwingend dazu fuehrt, dass entweder der Zinsdienst in Form von Ware, Dienstleistung geleistet wird oder der Verleiher um seinen Zins gebracht wird oder evtl. sogar sein verliehenes Gold/Geld/Kapital verliert.
    Der Akkumulationseffekt aka Fettaugensyndrom ist davon unberuehrt. In einer Wirtschaft mit fixierter Geldmenge wird er schneller deutlich, da es dann keine wachsende Nische gibt, deren Wert bemerkenswerterweise netto Null ist. Die "Innovation", die durch die Abschaffung des Bretton Woods Systems geschaffen wurde, besteht also in einer Illusion, die das Fettaugensyndrom und seine Folgen so lange uebertuencht, bis allen klar wird (bei einer Gesamtverschuldung von etwa dem 4fachen des BIP) dass es eine Illusion ist und sich die ursaechlichen Probleme durch Geld- und Zinspolitik nicht loesen lassen. Halleluja

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    1. Ganz genau, das ist sehr gut formuliert! Ich will das noch einmal mit anderen Worten sagen, weil es zur Problemlösung sehr, sehr wichtig ist:

      Der Goldstandard hat prinzipiell auch das Problem des Fettaugensysndroms. Behält man aber den 100% Goldstandard strikt bei und löst ihn nicht bei der ersten Systemkrise auf (was man historisch leider meist gemacht hat), dann können sich keine riesigen Ungleichgewichte aufbauen: Die Krise bleibt deutlich kleiner und kommt viel früher. Indsofern löst ein 100%Goldstandard(insbes.: keine Geldschöpfung durch die Banken)zwar ganz wesentliche Probleme, aber eben nicht alle! Die Akkumulation des Goldes in den Händen weniger wird ohne weitere, zusätzliche Systemänderungen auch im Goldstandard auftreten.

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    2. Ich stimme dem zu. Eine Ausweitung der Geldmenge kauft nur Zeit. Wenn man diese ungenutzt verstreichen laesst, wird das ursaechliche Problem nur groesser. Wenn man sich klar macht, wie lange das Zeitkaufen schon anhaelt und ich waehle da gnaedigerweise die Aufhebung des Bretton Wodds Systems als Startzeitpunkt, dann wird einem auch klar, was sich da inzwischen an Problemmasse aufgetuermt hat.
      Um es aber fuer alle, die hier vieleicht mitlesen klar zu machen, Sparen und Austerity loesen das ursaechliche Problem auch nicht.
      Vielmehr verhindert die Polarisierung zwischen den Positionen Sparen und weiter Zeit kaufen die Auseinandersetzung mit dem ursaechlichen Problem.
      Man kann also sagen, seit Anfang der 70er Jahre verweigern sich die Eliten in Wirtschaft und Politik ihrer Aufgabe ein fundamentales Problem als solches anzuerkennen und zu loesen. Ersatzweise wird seitdem ausschliesslich mit heisser geldpolitischer Nadel genaeht und absurderweise eine Politik verfolgt, die die Konzentrationsprozesse beschleunigt.

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  3. Das Prinzip "teile und herrsche"

    "Dem Gold verdanken wir die Arbeitsteilung und damit auch die Kulturgüter, denen wir uns erfreuen. Dem Gold aber verdanken wir auch wieder, dass von den geschaffenen Gütern der bei weitem größte Teil, und zwar das Beste, dem Schmarotzertum verfällt. Ist doch das Gold der Vater des Kapitalismus. Dank seinen körperlichen (Edelmetall) und seinen gesetzlichen Vorrechten (gesetzliches Zahlungsmittel) nimmt das Goldgeld eine Ausnahmestellung ein unter den Gütern, deren Austausch auf das Geld angewiesen ist. Das Goldgeld ist darum auch zum allgemeinen Sparmittel geworden, und der Sparer gibt es nicht wieder heraus, es sei denn, dass man ihm einen Zins verspricht. Früh oder spät verfällt aber alles Geld, das der Staat als Tauschmittel in Umlauf setzt, der Kasse irgendeines Sparers, sodass wiederum alles umlaufende Geld aus den Sparkassen kommt, also mit Zins belastet den Markt betritt, um seine Tätigkeit als Tauschmittel zu erfüllen. Diese Doppeltätigkeit des Geldes als Tauschmittel und als Sparmittel ist gegensätzlicher Natur und als Missbrauch des Tauschmittels zu betrachten. Dadurch, dass dem Güteraustausch nur verzinsliches Geld zur Verfügung steht, wird der Zins Vorbedingung der Warenerzeugung überhaupt.
    …So kam mit dem Gold und der Arbeitsteilung zugleich der große Friedensstörer, der Zins, auf die Welt. Die Arbeitsteilung an sich verlangt keinen Zins. Wer sollte da auch Zins zahlen und weshalb? Die Arbeitsteilung hätte also den Menschen allgemeinen Wohlstand bringen sollen, da sie ja kein Vorrecht einzelner, sondern allen Menschen zugänglich ist. Aber aus den Händen des Goldes empfing die Menschheit diese Götterkraft nur unter der Bedingung des Zinses, und damit auch der Trennung der Menschen in arm und reich. Als ob neidische Götter der Menschheit den Machtzuwachs nicht gegönnt, die Unabhängigkeitserklärung der Menschen vom göttlichen Gängelband gefürchtet und dem dadurch vorgebeugt hätten, dass sie nach dem Grundsatz "teile und herrsche" den Zins als Spaltpilz in die Menschenfamilie eingepflanzt hätten!"

    Silvio Gesell ("Ist der Bürger- und Völkerfrieden vereinbar mit der Goldwährung?", 1916)

    Euro und Dollar sind deshalb Zinsgeld (fehlerhaftes Geld mit parasitärer – der wesentlichen Tauschfunktion widersprechenden – Wertaufbewahrungsfunktion), weil sie wie alle anderen heutigen "Währungen" gänzlich unreflektiert dem Edelmetallgeld der Antike nachgeäfft wurden. Und auch heute gibt es noch Äffchen, die den "Goldstandard" anbeten.

    Der einzige wirklich stichhaltige Beweis Gottes (künstlicher Archetyp Jahwe = Investor) ist die Unfähigkeit seiner Untertanen, die Natürliche Wirtschaftsordnung zu verstehen:

    http://www.swupload.com//data/Das-Juengste-Gericht.pdf

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  4. Ich bin zwar kein "Experte", aber Ihre Beweisführung, dass Banken "Geld aus dem Nichts" schöpften, kann ich nicht nachvollziehen:
    1. Mir ist grundsätzlich nicht klar, wie diese Verbuchung ihren Standpunkt stützten würde. Wenn Sie eine Forderung an jemanden haben, ist dies Geld?
    2. Wenn der Kreditnehmer das geliehene Geld abhebt und ausgibt oder zu einer anderen Bank überweist, was passiert dann? Dann müsste ja Geld vernichtet werden, oder?

    Sehr klar und deutlich ist für mich dagegen die Argumentation von Helmut Creutz:
    Geldschöpfungen der Banken – Realität oder Theorie?
    http://www.humane-wirtschaft.de/geldschoepfungen-der-banken-realitaet-oder-theorie-helmut-creutz/

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    1. Ich habe im Artikel den entscheidenen Eintrag in den Buechern der Bank blau hinterlegt, um ihn nochmals deutlich heraus zu heben. In dem Moment, wo der Kredit durch die Bank vergeben wird, werden diese beiden Eintraege kreiert (Aus dem Nichts!). Das Guthaben A ist Geld ueber das A verfuegen kann. Die gleich hohe Forderung der Bank gegen A ist ein Schuldkonto und bleibt solange bestehen, bis A sagt ich zahle den Kredit zurueck. Dann und nur dann werden beide Eintraege wieder geloescht und damit das Geld "vernichtet".
      Eine ausfuehrliche Diskussion wie das zweistufige Geldsystem funktiniert, finden Sie hier:
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/05/antworten-zu-fragen-der-geldtheorie.html
      und hier:
      http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/05/antworten-zu-fragen-der-geldtheorie-2.html
      Sehr gut ist auch die Serie von Helmut Reinhardt auf cashkurs:
      http://www.cashkurs.com/Detailansicht.80.0.html?&cHash=4f55238119&tx_t3blog_pi1[daxBlogList][showUid]=8349
      Einer der wenigen Wirtschaftswissenschaftler, die das Banken- und Geldsystem verstanden haben ist Steve Keen
      und der bekam jetzt auch Zustimmung von Kollegen des IWF:
      http://www.debtdeflation.com/blogs/2012/11/11/the-imf-goes-radical/
      Buecher v.Helmut Creutzer habe ich nun nicht gelesen, aber auf seiner Website unter "Haefig gestellte Fragen" schreibt er u.a.: "Hier ist einmal zu beachten, dass die Banken nur jene Geldmittel verleihen können, die sie von den Sparerkunden erhalten....."
      Das ist definitiv falsch!!!
      Viele Gruesse
      Georg Trappe

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