Freitag, 30. November 2012

Warum Wirtschaft kein gleichgewichtsnahes System ist.

Systeme die gleichgewichtsnahe sind und aus sich heraus ein Gleichgewicht anstreben sind aus den Naturwissenschaften hinlänglich bekannt. In der Physik ist es die Thermodynamik, die sich u.a. mit thermischen Ausgleichsvorgängen beschäftigt und die theoretischen Grundlagen dafür liefert. Anschaulicher als ein Vorgang der Waermeleitung ist aber ein analoger Prozess in dem ein Stoff, z.B. ein Tropfen Tinte, in eine Lösung, z.B. ein Glas Wasser diffundiert. Es kommt bei diesem Diffusion genannten Prozess zu einem Ausgleich der anfänglich hohen, lokal begrenzten Farbstoffkonzentration, eines Tintentropfen mit seiner Umgebung, in diesem Beispiel bestehend aus zunächst farblosem Wasser. Nach genügend langer Zeit haben sich die Farbstoffpartikel des Tintentropfens gleichmäßig im gesamten Wasservolumen verteilt, erkennbar durch eine gleichmäßige Trübung. Es herrscht dann ein Gleichgewicht, denn die Konzentration der Farbstoffpartikel ist in allen Wasservolumensegmenten gleich hoch und der Diffusionsprozess hat damit ein Ende gefunden.


Nun behaupte ich, das Wirtschaft nicht! zu den Systemen gehört, die aus sich heraus derartige Gleichgewichte anstreben. Vielmehr deuten Beobachtungen auf das vollkommene Gegenteil hin. Und um meine Behauptung zu ueberpruefen, möchte ich Sie zu einem Experiment einladen. Aus Kostengründen einem Gedankenexperiment.
Wenn ich eine Menschenmenge aufsuche, z.B. auf dem  Stuttgarter Schlossplatz zur Mittagszeit und dort einen Koffer mit einer Million Euro abstelle, also einen lokal hochkonzentrierten Tropfen Geld auf das heiße Pflaster Stuttgarts gebe, um mich dann beobachtend zurück zu ziehen, dann wird alles mögliche passieren aber mit großer Wahrscheinlichkeit nicht etwas, was nur annähernd an den eingangs beschriebenen Diffusionsprozess erinnert. Selbst wenn ich dieses Experiment mit einem Sack Kartoffeln, also einem wirtschaftlichen Gut geringeren Wertes, wiederhole, ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sich die anfänglich hohe lokale Kartoffelkonzentration am Schlossplatz gleichmäßig auf Stuttgart und seine Bevölkerung verteilt. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit, das der Entdecker des Geldkoffers oder auch des Kartoffelsacks sich zum neuen Eigentümer erklärt und alles daran setzt, das die Konzentration des Funds möglichst hoch und ab jetzt bei ihm bleibt, ist ausgesprochen groß. Von daher erscheint es mir vollkommener Unfug zu sein bei der Betrachtung von wirtschaftlichen Prozessen Gleichgewichtsnaehe bzw. das selbständige Streben nach einem Gleichgewicht zu unterstellen. Das Gegenteil ist der Fall. Die wirtschaftlich tätigen Akteure streben Ungleichgewichte an. Sie wollen sich alle differenzieren. Sowohl über Zeit als auch gegenüber ihrer Umgebung. Sie wollen, das es ihnen und ihren Kindern besser geht als es ihren Eltern zuvor ging und sie wollen, dass es ihnen besser geht als ihre nähere oder fernere Umgebung. Und wenn sich Geld und Güter entlang einem Gradienten ausbreiten, dann ist es meiner Meinung nach eher ein Gradient der Macht, der das wirtschaftliche Zusammenspiel hin zu massiven Güter- und Geldkonzentrationen organisiert. Aber auf keinen Fall ist es ein selbständig ablaufender Ausgleichsprozess.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Ein, zwei Fettaugen vom Feinsten (Teil 2)

In einem ersten Artikel mit aehnlicher Ueberschrift hatte ich auf die Firma Intel als ein gutes Beispiel fuer ein Fettauge auf der Ebene der Konzerne verwiesen. Heute moechte ich in einem zweiten Teil die von Intel und seinem Umfeld praktizierten Strategien and Praktiken beleuchten, die nicht nur zur Entstehung dieses monstroesen Fettauges gefuehrt haben sondern inzwischen erhebliche Schatten auf eine Industrie werfen, die bisher als Hochglanzmodell fuer das Konzept der Konzentration auf Kernkompetenzen galt.  Ausgangspunkt sollen zwei aktuelle Meldungen sein, die den Daumen, ueber den ich die Sache anpeilen moechte, zum einen kalibrieren und zum anderen in die Richtung weisen lassen, in der meiner Meinung nach das zu finden ist, was die zukuenftige Entwicklung in diesem Bereich praegen wird.
"SANTA CLARA, Calif., Oct. 16, 2012 – Intel Corporation today reported quarterly revenue of $13.5 billion, operating income of $3.8 billion, net income of $3.0 billion and EPS of $0.58. The company generated approximately $5.1 billion in cash from operations, paid dividends of $1.1 billion and used$1.2 billion to repurchase stock."

"Stacy dürfte der profilierteste Kandidat unter den Dreien sein, zitiert Bloomberg einen weiteren Analysten. "Aber wollen Sie einen Finanztyp als Leiter eines IT-Unternehmens?", fragt Freedman.Der 62-jährige Otellini leitet seit 2005 die Geschicke des weltgrößten Prozessor-Herstellers. Anders als seine Vorgänger kündigte er am Montag für viele überraschend an, noch vor seinem 65. Lebensjahr im kommenden Mai den Hut nehmen zu wollen. Otellini ist der fünfte Chef des Halbleiterspezialisten überhaupt – und war der erste ohne Ingenieurs-Titel."

Wenn bei Intel, wie im letzten Absatz als Moeglichkeit erwaehnt, ein Finanztyp die Nachfolge des Marketing Mannes Otellini antritt, dann waere das aus meiner Sicht eine Bestaetigung der Vermutung, dass derartige Riesen immer wieder Probleme bekommen, weil sie zu unflexibel werden, um auf schnelle Aenderungen mit wirklichen Problemloesungen technologischer Natur zu reagieren. Das ist oft die Stelle, wo ihre Staerke zur Schwaeche wird und diese Golliaths zu Fall oder zumindest ins Wanken gebracht werden koennen. HP z.B. wankt bereits erheblich. Denn das bisherige Hochglanzmodell der Konzentration auf Kernkompetenzen bestehend aus Intel, Microsoft, HP, Dell etc. wird seit einiger Zeit erheblich herausgefordert. Und so wie es aussieht, hat dieses maechtige Kartell erhebliche Schwierigkeiten. Ob das, was auf der Seite der Herausforderer entsteht, im Sinne der Endkunden wirklich besser ist, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt. 
Was mich bei Intel so hellhoerig werden laesst, ist die Tatsache, dass Intel enorme Investitionen taetigen muss, um das Spiel in Gang zu halten und diese Investitionen extrem deflationaer wirken. Die Loesung immer gleich 2 oder 4 CPUs  (Dual Core / Quad Core) zu verkaufen funktioniert auch nur eine Weile, wenn dann eine wacklige Weltwirtschaft und ueberraschend erfolgreiche Konkurrenz am unteren Ende der Preisskala hinzu kommen, dann wird es moeglicherweise auch fuer einen Giganten wie Intel schwierig. Bei HP kam Apothekers Idee das PC Hardware Geschaeft abzuspalten ja nicht von ungefaehr. Denn Intel hat es geschafft die Wertschoepfungskette mit Endprodukt PC so zu gestalten, das alle beteiligten Wertschoepfungstufen durch harte Konkurrenz gepraegt sind und die Margen entsprechend gering sind, ausser bei den quasi Monopolisten Microsoft und Intel, die folglich Cash ohne Ende produzieren. HPs Entscheidung, das PC Geschaeft doch unter eigener Flage weiter zu fuehren, duerfte daher weniger mit dem direkten Gewinn aus diesem Geschaeft zu begruenden sein, als vielmehr von der Idee geleitet sein, durch das Angebot eines kompletten Produktportfolios besser an Kunden heran zu kommen, die man sonst nicht erreicht. Das macht auch Sinn, wenn man HP als Vertrieb, sozusagen als IT Vollsortimenter, begreift. Denn die HP PCs werden ja schon lange nicht mehr von HP entwickelt oder gebaut und Mark Hurd hatte diesen Trend, weg von eigenen Entwicklungen, ueber 5 Jahre ja sehr konsequent auch in anderen Bereichen betrieben. 
Meine Wahrnehmung war und ist. Das Produkt PC, frueher auch IBM kompatibler PC genannt, ist ein Produkt, das auf einer standardisierten Platform beruht, die standardisierte Schnittstellen bietet, an die sich die Komponentenhersteller andocken koennen. Zentrale Komponente ist die CPU und ihre Schnittstellen zur "Peripherie". Intel ist CPU Lieferant und gleichzeitig "Platform Enabler". D.h. Intel setzt die Standards der Schnittstellen, was sicher stellt, das alles zusammen spielt, wenn die Dinge zusammen gestoepselt sind. Damit definiert Intel aber auch den Rahmen, in dem die Differenzierung des Produkts PC moeglich ist. Denn den Komponentenherstellern bleibt nur uebrig die Schnitstellenspezifikationen zu erfuellen und dann in deren Rahmen zu versuchen sich zu differenzieren. Eine Hitachi Festplatte muss im PC ebenfalls so funktionieren wie eine Samsung Festplatte. Dabei sind bestimmte Performance Unterschiede wie z.B. Speichervolumen, Schreib-/Lesegeschwindigkeit oder Stromverbrauch erlaubt, aber eben nur im Rahmen der Spezifikationen. Derjenige der aus diesen Komponenten, CPU, Speicher, Festplatte, Mutterboard etc. den endgueltigen PC zusammenbaut, kann so zwischen diesen kompatiblen Komponenten waehlen und diese nahezu beliebig kombinieren. So entsteht ein Spektrum von Endprodukten, das sich innerhalb einer Generation bei Licht betrachtet, durch ein relativ homogenes Preis/Leistungsverhaeltnis auszeichnet. Tendenziell kann man aber sagen, der billigere PC bietet mehr Rechenleistung/Speicher/etc. pro $ als die High End Produkte. Gleichzeitig verbessert sich das Preis/Leistungsverhaeltnis alle 18 Monate um den Faktor 2. Das heisst ein High End Produkt wird nur dann gekauft, wenn man es unbedingt heute und nicht in 18 Monaten braucht. Seit Anfang des Milleniums sind durchschnittliche PCs so leistungsfaehig, dass sie alle erdenkbaren Aufgaben eines durchschnittlichen Konsumenten locker erfuellen koennen. Seitdem PCs Videos in Echtzeit (25 Bilder/sec) oder schneller nicht nur darstellen sondern auch beliebig umrechnen koennen, waehrend man ein Email schreibt oder im Internet etwas nachliest, ist Leistung fuer durchschnittliche Konsumenten im Ueberfluss vorhanden und kein wirklich differenzierendes Merkmal mehr. Und damit ist dann eine Lage beschrieben, die "Konsolidierung" auf der Ebene der Komponentenhersteller und Systemintegratoren regelrecht erzwingt, wenn der durch Intel gesteckte Rahmen nicht verlassen wird.
 -
HP hat mit Compaq Zugang zu Kunden und zu Lieferantenvertraegen! gekauft und die Compaq Marke wurde bis heute weitergefuehrt mit der Differenzierung, dass unter dem HP Logo verkaufte PCs sich an Geschaefts- und Grosskunden, Compaq PCs an preissensible Konsumenten z.B. auch in Schwellenlaendern wie Thailand richten. Intel hat es bisher geschafft, oft mit recht brutalen Mitteln und zu Gunsten seiner Bottom Line, dass der billigste PC nicht wesentlich unter 300$ zu haben ist. Ein Ausrutscher waren die EEEPC's von Asus, die auf Intels Block Move am unteren Ende der CPU Skala, der sog. Atom CPU beruhen bzw. der daraus resultierende Netbook Glitch. Das ist aber inzwischen ausgestanden bis auf die Angriffe durch Googles ARM/Android basierende iPad Clones in der Region 100$ - 200$. Und hier duerfte sich auch die Diskussion innerhalb Intels entzuenden. Wenn diese alternative Platform Verbreitung findet, und so sieht es ja aus, ist es ein leichtes daraus auch Office PCs zu machen, die eine Tastatur haben und ergonomischen Anspruechen genuegen. Googles Chrome Books und Asus Transformer gehen da schon in diese Richtung. In Verbindung mit der Cloud Computing Idee, wird ein PC dann, auch fuer professionelle Anwender etwas, was man fuer 1$ geschenkt bekommt, wenn man einen 2 Jahresvertrag bei seinem Cloud Provider abschliesst. Google und Co. marschieren ganz eindeutig in diese Richtung. Und das etablierte Kartell kommt in Schwierigkeiten. Denn es hat kaum noch Argumente gegenueber seiner Kundschaft. Alle 2 Jahre verdoppelte Leistung, die 99% der Zeit ungenutzt bleibt. Wofuer? Und die Alternative Preisverfall konnte bisher zwar dank Intels brutaler Monopolpolitik abgewendet werden, aber die dabei angewendeten Waffen werden stumpf. Asus und andere Netbook Anbieter konnte man noch zwingen Intels billigste CPU (Atom) nur in Geraete zu verbauen die ergonomisch und anderweitig extrem eingeschraenkt waren. Bei Geraeten mit ARM CPUs und Android Betriebssystem geht das nicht mehr. Da bahnt sich also eine Revolution an, die den etablierten Grossen ganz schoen Kopfzerbrechen bereiten duerfte. Bei HP ist das sehr deutlich zu Tage getreten. Bei Intel und den anderen laeuft mit einiger Sicherheit, wenn auch weniger offen, aehnliches ab. Denn interessant ist, ARM CPUs sind zu einer ernsten Konkurrenz zu Intels x86 CPUs heran gewachsen. Sie finden sich bisher vorwiegend in den Tablets / Smartphones mit Android Betriebssytem. Intels Block Move gegen diesen Angriff war und ist die sog. Atom CPU. Bemerkenswert ist aber, dass diese CPUs nun auch in Servern, also den High End Geraeten, Anwendung finden. Das koennte eine erfolgreiche Klammer Strategie werden, ueber die man Intel und das etablierte Kartell ernsthaft in Schwierigkeiten bringen kann, vorausgesetzt die Softwareschiene zieht mit, was am oberen Ende (Server) Dank Linux kein Problem sein sollte und am unteren Ende anscheinend durch Google/Android, ebenfalls ein Linux Derivat, das inzwischen erhebliches Momentum entwickelt, auch moeglich erscheint.


Sapere Aude!

Georg Trappe

Dienstag, 27. November 2012

Das Problem und die "Loesungen"

Leser meines Blogs wissen, dass ich die Vorstellung, dass Wirtschaft ein gleichgewichtsnahes System sei, die auf einen Moechtegerningenieur aus dem Dampfmschinenzeitalter mit dem Namen Leon Walras zurueck geht, fuer ausgesprochen fragwuerdig halte. Vielmehr halte ich diese Vorstellung fuer mit ursaechlich dafuer, dass die Probleme soweit eskalieren konnten und die Entstehung der groessten Krise seit der grossen Depression im vergangenen Jahrhundert fuer die "Experten" unvorhersehbar war. Dennoch ist diese Vorstellung interessanterweise weiterhin "Mainstream" in den sog. Wirtschaftswissenschaften. Aber selbst wenn man in dem primitiven, holzschnittartigen Bild bleibt (aus paedagogischen Gruenden, da man ja die Leute da abholen soll, wo sie sich geistig befinden), faellt eine eklatanter Mangel auf, der sogar bis in die Kreise von Nobelpreistraegern der sog. Wirtschaftswissenschaften gepflegt und sogar vehement, bis hin zur Blamage, verteidigt wird. Und dies betrifft die Funktion des Geld- und Bankensubsystems innerhalb der Wirtschaft.



In diesem schlichten Bild wimmelt es nur so von Gleichgewichten, die zum einen von "magischen Haenden" aka Maerkten und und im Zentrum von den allwissenden Wizards des Bankensystems aka "Masters of the Universe" herbei gezaubert werden.
In die Unternehmen fliesst ein Strom von Arbeit und produziert dort Gueter, die wiederum in einem Gueterstrom dem Verbrauch zufliessen. Die Arbeit wird durch einen Geldstrom entlohnt und dieser Lohn wird auf dem dem Guetermarkt zu einem Preis, mit dem die Gueter erworben werden. Beschrieben wird dies durch die Tautologie der Quantitaetstheorie. Dabei vollbringen die Banken angeblich das Wunder, dass die beiden Haelften des "Geldkreislaufs" einander immer entsprechen, d.h. die Banken werden als Durchreichestation betrachtet, die Ersparnisse von "geduldigen" Sparern in Form von Krediten an "ungeduldige" Konsumenten weiterreichen. Dabei ist die umlaufende Geldmenge ($$$) eine exogene, von aussen durch die Zentralbank gesteuerte Groesse.
Der eklatante Fehler in diesem Bild, von den wundersamen Gleichgewichten mal abgesehen, ist die falsche Darstellung der Banken. Denn die privaten Geschaeftsbanken haben im Rahmen ihrer Kreditvergabe die Kapazitaet zur Geldschoepfung aus dem Nichts und koennen dadurch an der Stelle ihrer Wahl Geld in nahezu beliebiger Menge in den "Geldkreislauf" injizieren. Wenn sich diese Injektion z.B. in Form von Hypotheken auf Immobilien(erwerb) bezieht, dann wird damit der "Verbrauch" von Immobilien erhoeht, was den Preis auf dem (Gueter)Markt fuer Immobilien ansteigen laesst, die Produktion von Immobilien ansteigen laesst, die Beschaeftigung und Entlohnung im Bausektor ansteigen laesst usw. usf.. Damit kommt eine sich selbstverstaerkende Mitkopplung in Gang, die unweigerlich in eine Immobilienblase fuehrt. Denn wenn nun die Banken, aus welchem Grund auch immer, die Rate der Nettoneuverschuldung drosseln oder sogar negativ werden lassen, dann kollabiert diese Blase, weil sich die Vorzeichen in der soeben beschriebenen Wirkungskette umkehren. Alles, was zuvor gestiegen ist, schrumpft und es kommt zum Crash. Und Banken koennen so nicht nur ganze Wirtschaftszweige (DotCom-, Immoblase) nach Belieben aufpumpen und dann wieder zusammenbrechen lassen, sondern inzwischen auch ganze Volkswirtschaften (Asienkrise, PIIGS, Argentinien, etc.).


Das ist das Problem, was z.B. Steve Keen und Richard Werner ( Ein unhaltbares System ) aufzeigen. Und was dazu fuehrt, dass einige IWF Mitarbeiter, wenn sie es in ihre Gleichgewichtsmodelle einarbeiten sofort zu dem Vorschlag fuehrt, Vollgeld einzufuehren, was einer Verstaatlichung der Kapazitaet zur Geldschoepfung entspricht. Hurra! moechte man da nach fuenf Jahren Dauerkrise schreien. Doch der Blick in die Schlagzeilen laesst einem statt dessen das Blut in den Adern gefrieren. Der intellektuelle Horror, der einem dort angesichts dieser doch sehr schlichten, leicht zu durchschauenden Problematik entgegen schlaegt und uns als Loesungen verkauft werden soll, grenzt an Terror. Ein Terror des Unverstands auf Seiten der Politiker und der masslosen Gier der Banker und ihrer Auftraggeber, die dieses fuer sie hoch lukrative Instrument mit aller Gewalt nicht nur nicht aus der Hand geben wollen, sondern weiterhin unreguliert in alter Schaerfe fuer ihre Interessen und zu Lasten des Gemeinwohls einsetzen wollen. Und das mit einer Dreistigkeit, die nicht zu uebertreffen ist. Denn, um es mal ganz deutlich und unmisserverstaendlich zu sagen. Die Banken und ihre Auftraggeber haben gemessen am Ziel "Wohlstand fuer Alle" nicht nur vollkommen versagt, sondern sie bewirken das genaue Gegenteil. Sie generieren obszoenen Reichtum fuer Wenige auf Kosten von Mehrheiten, die sie ruecksichtslos auspluendern. Banken haben sich als zutiefst undemokratisch, menschenverachtend und damit als unlegitim geoutet. Das diese "Industrien", ihre Manager und ihre Auftraggeber nach wie vor mit Samthandschuhen behandelt werden, ist nach den katastrophalen Auswirkungen ihres vollkommen verantwortungslosen Treibens im Umgang mit der Kapazitaet zur Geldschoepfung eine Zumutung fuer jeden modernen Menschen, der sich den Idealen von Demokratie, Freiheit, Gleichheit und Bruederlichkeit verpflichtet fuehlt. Denn die Banken und ihre Auftraggeber im Hintergrund treten die Grundlagen einer jeden modernen Gesellschaft mit Fuessen. Immer noch! und mit der Unterstuetzung von Politikern, die den Interessen von Mehrheiten verpflichtet sein sollten. Das ist der Skandal! Und das sind die "Loesungen" die uns nun seit Jahren immer wieder, bis zum Erbrechen,  unterschiedlich garniert, aufgetischt werden:

Schapiro Ruecktritt
Basel III Aufschub
Basel III unwirksam
Finanztransaktionssteuer kommt spaeter
Geldstrafen, mit Vorwarnung!, fuer die Erschaffer des Geldes 
Bankenregulierung ist unamerikanisch
Hochbezahlter Bankberater will Kanzler werden
Die Kanzlerin und die Bankenaufsicht

usw. usf.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 14. November 2012

Der Haken an der Geschichte

Zum Artikel "Wie die Nummer laeuft" erhielt ich die folgende interessante Frage:
"Hallo Herr Trappe,

verwechseln Sie da nicht System mit der Frage, daß ein uninformiertes Verhalten in einem gegebenen System dazu führen kann, daß eine Gegenkoalition sich ein "Fehlverhalten" zunutze machen kann - und dennoch im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten bleibt?

Wenn man die gesetzlichen Möglichkeiten kritisiert: wie sollten sie dann alternativ beschaffen sein?"


Der Haken an dieser Geschichte ist ein unvollstaendiger Vertrag bzw. ein Vertrag der implizite Anteile enthaelt. Kommt haeufiger vor als man denkt und wird regelmaessig immer erst dann bemerkt, wenn die Katze bereits den Baum hinauf gefunden hat bzw. das Kind hart auf dem Brunnengrund aufgeschlagen ist. Ist somit ein reich bestelltes Feld fuer Anwaelte, (Arbeits-)Gerichte und die Forschung. Ich bin nun kein Rechtsexperte, aber in einem Umfeld wo jeder Flexibilisierung fordert, insbesondere bei Arbeitsverhaeltnissen, ist es ein Wahnsinn z.B. Hypothekenvertraege mit Zinsbindung ueber 10 oder 20 Jahre zu schliessen, die sowohl Sondertilgungen als auch andere Arten der Nachverhandlung so gut wie ausschliessen.
Wer also auf der einen Seite Flexibilisierung fordert und durchsetzt und auf der anderen Seite bei derart langfristigen Vertraegen pacta sunt servanda durchsetzt, demonstriert nicht nur sehr deutlich, was ein Machtverhaeltnis ausmacht, sondern riskiert bei fortgesetzter Uneinsichtigkeit gegenueber der daraus entstehenden Problematik, das was wir erleben.
Gesellschaftliche Desintegration!
Oder anders ausgedrueckt, nicht alles was nach dem Buchstaben des Gesetzes legal erscheint, ist auch schon deshalb legitim. Wenn dann noch offener Gesetzesbruch und die Verhoehnung des Grundgesetzes durch diejenigen, die dieses Verhalten an den Tag legen,  nicht nur ungeahndet bleiben sondern mit milliardenschweren Bail Outs belohnt werden, dann steuert man endgueltig auf das zu, was eine sog. Bananenrepublik ausmacht. Und deswegen beantworte ich Ihre gut gestellte Frage etwas unbefriedigend mit:

Vernunft kann man leider nicht gesetzlich erzwingen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Koennte es sein?

Koennte es sein, das nach einem harten Reset, sei es nun durch einen WK 2 oder durch eine kommunistische Revoltion, wirtschaftsliberal gepraegte Volkswirtschaften eine Entwicklung durchlaufen, deren Anfangsphasen mit “Wirtschaftswunder” beschrieben werden und deren Endphase sich durch 500% Gesamtverschuldung bezogen auf das BIP auszeichnen (siehe Japan)? Koennte es sein, das parallel zur BIP und Schuldenentwicklung ein wenig beachteter Konzentrationsprozess ablaeuft, der die Sache regelmaessig zum Absturz bringt, weil durch ihn nicht nur ein Schuldenabbau verunmoeglicht wird, sondern auch das Finanzsystem instabil wird und die in einer arbeitsteiligen Wirtschaft notwendige gesellschaftliche Kohaesion soweit aufgeloest wird, dass es unweigerlich wieder zu einem harten Reset kommen muss, wenn die tieferen Ursachen unerkannt bleiben bzw. ignoriert werden? Wenn es so waere, dann waere die Anwendung des immer selben Rezepts , das sich in der Anfangsphase ja durchaus bewaehrt hat, mehr als dumm. Auch die Aufrechterhaltung des staendig gleichen Ziels waere ein Zeichen fuer mangelndes Verstaendnis.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Sonntag, 11. November 2012

Als waere nichts geschehen

Da wurde gerade das Projekt Europa von unseren "Eliten" in Politik und Wirtschaft krachend gegen die Wand gesetzt und dann, als waere nichts geschehen, plaedieren Vertreter von deutschen Industrie- und Wirtschaftsverbaenden sowie Politiker fast aller Parteien fuer „Eine transatlantische Freihandelszone und perspektivisch einen einheitlichen Wirtschaftsraum....", wenn man diesem Artikel des Handelsblatts Glauben schenken mag.
Ich fasse es nicht. Da hinterlaesst, ausgeloest durch den in den USA initiierten, groessten Betrug aller Zeiten, wirtschaftsliberaler Amok ein wirtschaftlich halb verwuestetes Europa und noch bevor die Scherben aufgeraeumt sind, plaediert man offen fuer den naechsten Eskalationsschritt in diesem Wahnsinn. Was soll das? Habt Ihr sie noch alle, moechte man da fragen. Die Ursachen des letzten Desasters noch nicht mal ansatzweise verstanden und schon das naechste, noch groessere Rad drehen. Und das ausgerechnet mit denen als Partner, die die letzte Katastrophe losgetreten haben. Ist das ein Beispiel fuer die praktische Anwendung des Vorsichtsprinzips in deutschen Fuehrungsetagen? Oder ist es Beleg dafuer, das Ihr seit jeher mit der Wall Street Bande unter einer Decke steckt?

Sapere Aude!

Georg Trappe


Samstag, 10. November 2012

A nation without a future

Die beste US Wahlanalyse in Form einer wunderbaren Zug-um-Zug Dechifrierung der Siegesrede Obamas habe ich in einem Kommentar der Bangkok Post zu Obamas Rede gefunden. Sie beginnt mit den folgenden Saetzen:
" "It moves forward because of you."
Those were the words of United States President Barack Obama in his victory speech on Wednesday, referring to the path of the American union as determined by the American people.  But Mr President, I live in a country that refuses to move forward......"
-
Doch lesen Sie selbst hier.
-
Der Kommentar trifft Punkt fuer Punkt mit hoher Praezision, weil sich die nicht explizit angesprochenen Verhältnisse in den USA in Wahrheit bereits in hohem Maße den angeprochenen thailändischen angenähert haben und damit deutlich gemacht wird, wohin die Reise für die USA wirklich geht. So gesehen dürfte die Siegesrede Obamas faktisch die Wende für die USA bedeuten und den endgültigen, aber nicht aufzuhaltenden Abstieg einer Weltmacht. Obamas Rede war eine historische Rede, an die man sich immer erinnern wird, weil sie den absoluten Höhepunkt des kollektiven Selbstbetruges darstellt. Und der thailaendische Kommentator drueckt dies bestmoeglich aus, wenn er aus thailaendischer Perspektive schreibt:
""The best is yet to come."
But Mr President, Thailand is a country living in fear that the worst has yet to come, while doing nothing to prepare for it, hoping that luck, praying that faith, will see us through."

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Vielen Dank an Dr. Eichner, der mich auf die Dechifrierung aufmerksam gemacht hat.
P.P.S.: Wer sich fuer eine kritische Kommentierung aktueller Vorgaenge in Thailand interessiert oder gar der Frage nachgeht, ob es soetwa wie Selbstaehnlichkeit, Skaleninvarianz bei gesellschaftlichen Prozessen in verschiedenen Kulturkreisen gibt, der wird hier fuendig.
 Z.B. "The rise of the planet of the merchants".

Donnerstag, 8. November 2012

Super Mario liest Querschuesse

Nun ist es soweit! Super Mario Draghi brillierte auf dem Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt mit Einsichten, die er nur durch die Lektuere von faktenbasierten Blogs, wie Querschuesse, aber keinesfalls aus den Mainstream Medien gewinnen konnte.
Die neuesten Konjunkturdaten deuteten darauf hin, "dass die Ausläufer der Krise nun auch die deutsche Wirtschaft erreicht haben", sagte der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB).
Das ist ein revolutionaerer Durchbruch auf dem steinigen Weg der Erkenntnis. Haette er nur mal etwas frueher in den Archiven von Querschuesse gestoebert, dann haette er vielleicht auch den einen oder anderen Troikaner davon ueberzeugen koennen, dass Austeritaetsmassnahmen in einer Krisensituation wie der derzeitigen kontraproduktiv wirken. Ich bin gespannt, wann der Super Mario begreifen wird, dass geldpolitische Massnahmen alleine, das Problem auch nicht loesen werden.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 7. November 2012

Wie die Nummer laeuft

Im Artikel "Dreiecksgeschichten" habe ich auf eine hochproblematische Konstellation im bestehenden Geld- und Bankensystem hingewiesen, die es aufgrund einer, weil in der Zukunft liegenden, verdeckten Asymmetrie Inhabern von Geldvermoegen ermoeglicht  Schuldnern nachtraeglich die Konditionen zu diktieren, zu denen ihnen eine Entschuldung ermoeglicht wird. Oder im Extemfall sogar die Entschuldung zu verunmoeglichen, mit dem Ziel von Zinsstroemen zu leben.

 

Dem wurde entgegengehalten, das der Schuldner zuvor immer eine reale Leistung in Anspruch genommen haben muss. Dies hat aber mit der von mir aufgezeigten Problematik (nachtraegliche, einseitige Veraenderung eines Vertragsverhaeltnisses) wenig zu tun, sondern ist bestenfalls als ein Versuch der Relativierung zu betrachten. Ausserdem ist es in soweit falsch, als das das bestehende Geld- und Banksystem durchaus ein Vorgehen ermoeglicht, in dem Schuldner systematisch uebervorteilt werden. Mit dem folgenden Beispiel moechte ich das kurz darstellen.
-
Wenn Banker B und Capitalist C sich einig sind und die Arbeiterschaft A aufs Kreuz legen wollen, dann wird B einen Kredit in Hoehe von 100 an C geben und dieser diesen als Lohn fuer das Bauen von 3 Haeusern an die Arbeiterschaft auszahlen. C hat dann drei Haeuser. B eine gegen C gerichtete Forderung in Hoehe von 100 und die Arbeiterschaft einen Lohn von 100.
Wenn C nun ein! Haus an die Arbeiterschaft versteigert und dabei einen Preis von 150 erzielen kann, da B der Arbeiterschaft A einen Kredit in Hoehe von 50 anbietet und diese ihn in Erwartung weiterer Bautaetigkeit / Beschaeftigung / Entlohnung durch C annehmen, dann haben am Ende Alle ein Haus, C einen Gewinn von 50 und die Arbeiterschaft Schulden in Hoehe von 50 bei B. Wenn C nun sagt: "Danke das war es." wird die Arbeiterschaft gezwungen sein zu niedrigsten Loehnen bei B und C die Haeuser zu putzen, um den "Schuldendienst" vertragsgemaess leisten zu koennen.
-
In der Realitaet werden B und C nicht so krass vorgehen wie im Beispiel. Die "Margen" werden in subtileren Regionen gesetzt und es wird sicherlich auch nicht nach der ersten Runde Schluss sein mit diesem fuer B und C aeussserst lukrativen Vorgehen. Vielmehr werden nicht nur viele Haeuser gebaut werden, sondern auch Autos, Kuehlschraenke, Fernseher etc.. Aber am Ende erzwingt das Fettaugensyndrom die Offenbarung. Und das ist das Problem vor dem die Welt steht! Und das kann weder mit Geld- und Zinspolitik, noch mit neoliberaler Ideologie geloest werden.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Wenn Sie sich fragen, was mit dem dritten Haus geschehen ist, dann ist die Antwort, das es von C an seinen Freund B vermietet wird und dieser die Miete aus dem Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften zahlt. D.h. auch, C's Haus wird wohl immer etwas sauberer aussehen als B's Haus ;-).

P.P.S. 9.Nov.2012 Das Ganze hat einen sehr realen und aeusserst bitteren Hintergrund. Und wenn Sie sich fragen, welche Rolle deutsche Banker dabei spielen bzw. gespielt haben, als das Projekt Europa gegen die Wand gefahren wurde, dann lesen Sie bitte mal hier nach.

Dienstag, 6. November 2012

Gurkengipfel

Es wird einem schwer gemacht in diesen Tagen, denn man hat die Wahl. Soll man sich in Lach- oder Weinkraempfen kruemmen? Aber eigentlich ist es auch wieder egal. Hauptsache ist doch, das die Kruemmung der Krampf ausloesenden Gurken den EU Richlinien entspricht (maximal 10mm auf 10cm Laenge). Sie koennen einem dann beim Krampfen als Vorbild dienen.



Da hat sich doch das Volk der Dichter und Denker vor ziemlich genau drei Jahren, nachdem es ein ganzes Jahr Zeit hatte ueber die Ursachen der groessten Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise in den 30ern des vergangenen Jahrhunderts nachzudenken, ausgerechnet eine schwarz-gelbe Gurkentruppe in die Regierung gewaehlt und die hat auf ihrem aktuellen Gurkengipfel nichts besseres zu beschliessen, wie:

Mehr Geld fuer Autobahnbau
Herdpraemie
Minimalistische Notfallrente
und Abschaffung der Praxisgebuehr!

Und wendet man den verzweifelten Blick mit der Kraft der verbleibenden Hoffnung auf die Ergebnisse des G!!!-20 Treffen, so findet man auch dort nur den nun bis zum Erbrechen staendig wiederholten vergurkten K(r)ampf um Sparen oder mehr Schulden machen vor.
Es ist nicht mehr auszuhalten. Und wenn man beginnt nach Opposition oder gar Alternativen Ausschau zu halten, dann werden einem von den auf TINA getrimmten Mainstream Medien Steinbruecks vor gegaukelt und Regierungsberater vorgestellt, die inzwischen ihren Auftraggebern offen Schocktherapien empfehlen.
-
Ich fasse es nicht. Nach fuenf Jahren Dauerkrise verweigern sich die Eliten nach wie vor der Aufgabe aus Beobachtungen zutreffende Schluesse zu ziehen. Sie weigern sich, die auf allen Ebenen der Wirtschaft staendig voranschreitenden Konzentrationsprozesse wahrzunehmen. Sie verweigern sich der Ueberlegung, dass diese staendig zunehmende Konzentration von Vermoegen, Banken und Firmen ursaechlich fuer Instabilitaet sein koennen. Sie wollen die Funktionsweise des bestehenden Geld- und Bankensystems nicht verstehen. Denn wuerden sie es verstehen, muessten sie einsehen, dass sich staendig konzentrierende Geldvermoegen nicht nur einen Schuldenabbau unmoeglich machen, sondern dazu fuehren, dass weiten Teilen der Realwirtschaft bei einem Stop der Geldmengenausweitung das Kommunikationsmittel verknappt/entzogen wird, was direkt in eine deflationaere Spirale fuehrt. Sie muessten auch einsehen, dass mit staendiger Ausweitung der Geldmenge bestenfalls Zeit gekauft werden kann, um diese fundamentalen Probleme zu loesen, aber, wenn dies nicht geschieht, unweigerlich der Tag kommt, an dem die Wirtschaft entweder unter der Schulden-/Zinslast zusammenbricht oder das Vertrauen in die Werthaltigkeit des Geldes angesichts der immer offensichtlicher werdenden Unmoeglichkeit der Schuldentilgung schlagartig verloren geht. Sie muessten einsehen, dass nicht nur die Gleichgewichtstheorien der neoklassischen Wirtchftswissenschaften Humbuk sind, sondern alle darauf aufbauenden Modelle und Vorstellungen auch. Sie muessten einsehen, dass die aus der neoliberalen Ideologie abgleiteten Handlungsanweisungen die ursaechlichen Konzentrationsprozesse beschleunigen und damit in ihrer Wirkung verschaerfen. Sie muessten einsehen, dass Volkswirtschaften Entwicklungen durchlaufen und die erfolgreichen Rezepte der Aufbauphase fuer eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik in fortgeschrittenen Entwicklungsphasen nicht nur ungeeignet sind sondern destruktiv wirken. Aber alle derartigen Einsichten sind offenbar nicht gewollt.
 
Warum?

Weil der grosse Knall die bessere Loesung fuer unsere "Eliten" ist?

Sapere Aude!

Georg Trappe


Sonntag, 4. November 2012

What does it take?

What does it need, to ignite a steady process concentrating wealth into the hands of a few?

1.) Humans productive enough to create a surplus.
2.) The idea to reinvest the surplus with the aim to increase productivity even further to open up a way into a better future for themself and their children.
3.) A random distributed (over time and over population) individual success rate (return on investment) in achieving this goal.

That's it!

These three ingredients alone are enough to drive a process of steady wealth concentration into the hands of a few. The rate with which the concentration progress proceeds, depends primarly on the spread (sigma) of the  individual return rates.
Even with in average (over the population) negative return rates concentration rises over time.
Economics that don't understand this and politics that increase the spread (sigma) of the return rates, driven by the belief, that a wider spread creates a higher common wealth, are accelerating this effect. The net results are not only wealth concentration, but also progressing concentration of firms and banks. And when you assume this concentration process valid and working also on money,  it explains the escalating instability of banks after a certain period of time as well.

If you are seriously interested in the mathematics behind this sneaky thing, you may want to take a look at:

http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0020728#aff1

http://fettaugensyndrom.blogspot.com/p/english-version.html

When we understand this and recognize, that this is not only causing instability in our financial system and our societies, but undermines the very foundations of modern democracies, we are free to choose  and can apply strategies to stop it with civilised and legal means. If we fail to do so, this will further destroy our financial systems, our economies, the cohesion between people and finally peace.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Freitag, 2. November 2012

Ist es vorstellbar?

In einer Reihe von Artikeln habe ich Grundlagen zu Prozessen, die zur Entstehung von rechtsschiefen Verteilungen bei Vermoegen (aber auch Firmengroessen etc.) fuehren, zum Thema gemacht ( 1 , 2 ). Dabei hatte ich dargelegt, dass derartige Konzentrationsprozesse Durchschnitt und Median ueber Zeit immer weiter auseinander treiben. Besonders tueckisch wird die Sache aber, wenn man sich vorstellt, dass in einer wirtschaftlichen Aufbauphase Durchschnitt und Median zunaechst parallel ansteigen, um erst spaeter zu divergieren, wobei der Median einen Scheitelpunkt durchlaeuft, um dann in ein Sinkflug ueber zu gehen, waehrend der Durchschnitt, von den Mainstreammedien im Auftrag bejubelt, weiterhin steigt.

x Achse = Zeit, y Achse = Durchschnitt(blau), Median(lila)


Eine derartige Entwicklung, insbesondere dann, wenn sie unerkannt bleibt und/oder verschleiert / ignoriert wird, erklaert meiner Meinung nach sehr weitreichend die eskalierende Symptomatik wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Probleme der Gegenwart. Denn eine Gesellschaft, die zunaechst die Erfahrung macht, dass ein breiter Konsens ueber das Ziel "Wohlstand fuer alle" besteht und auch eine fuer Mehrheiten nachvollziehbare Annaehrung an dieses Ziel erlebt, muss zwangslaeufig ihre Kohaesion und Orientierung verlieren, wenn sich die Sache in ihr Gegenteil verkehrt, indem sich ueber Zeit nicht nur der Konsens ueber das Ziel aufloest, sonern Wohlstand sowie Zugang zu Wohlstand zunehmend zu einem Privileg der Eliten werden.
Wie weit dieser Prozess schon fortgeschritten ist belegen die Zahlen. Das mittlere Reinvermoegen  einer Person von ueber 17 Jahren in Deutschland betrug 2007 15300 Euro. Das durchschnittliche Nettovermoegen betrug im gleichen Jahr 88000 Euro. Wenn dann nicht nur mittlere Vermoegen (also die Vermoegen von Mehrheiten) sinken, sondern auch noch das mittlere Einkommen sinkt, wie es die Zahlen fuer das letzte Jahrzehnt belegen, dann wird es hoffentlich auch fuer meinungsstarke aber faktenschwache Zielbeuger und Konsensbrecher der wirtschaftsliberalen Fraktionen vorstellbar, warum es so nicht weiter gehen kann.

Sapere Aude!

Georg Trappe