Dienstag, 27. November 2012

Das Problem und die "Loesungen"

Leser meines Blogs wissen, dass ich die Vorstellung, dass Wirtschaft ein gleichgewichtsnahes System sei, die auf einen Moechtegerningenieur aus dem Dampfmschinenzeitalter mit dem Namen Leon Walras zurueck geht, fuer ausgesprochen fragwuerdig halte. Vielmehr halte ich diese Vorstellung fuer mit ursaechlich dafuer, dass die Probleme soweit eskalieren konnten und die Entstehung der groessten Krise seit der grossen Depression im vergangenen Jahrhundert fuer die "Experten" unvorhersehbar war. Dennoch ist diese Vorstellung interessanterweise weiterhin "Mainstream" in den sog. Wirtschaftswissenschaften. Aber selbst wenn man in dem primitiven, holzschnittartigen Bild bleibt (aus paedagogischen Gruenden, da man ja die Leute da abholen soll, wo sie sich geistig befinden), faellt eine eklatanter Mangel auf, der sogar bis in die Kreise von Nobelpreistraegern der sog. Wirtschaftswissenschaften gepflegt und sogar vehement, bis hin zur Blamage, verteidigt wird. Und dies betrifft die Funktion des Geld- und Bankensubsystems innerhalb der Wirtschaft.



In diesem schlichten Bild wimmelt es nur so von Gleichgewichten, die zum einen von "magischen Haenden" aka Maerkten und und im Zentrum von den allwissenden Wizards des Bankensystems aka "Masters of the Universe" herbei gezaubert werden.
In die Unternehmen fliesst ein Strom von Arbeit und produziert dort Gueter, die wiederum in einem Gueterstrom dem Verbrauch zufliessen. Die Arbeit wird durch einen Geldstrom entlohnt und dieser Lohn wird auf dem dem Guetermarkt zu einem Preis, mit dem die Gueter erworben werden. Beschrieben wird dies durch die Tautologie der Quantitaetstheorie. Dabei vollbringen die Banken angeblich das Wunder, dass die beiden Haelften des "Geldkreislaufs" einander immer entsprechen, d.h. die Banken werden als Durchreichestation betrachtet, die Ersparnisse von "geduldigen" Sparern in Form von Krediten an "ungeduldige" Konsumenten weiterreichen. Dabei ist die umlaufende Geldmenge ($$$) eine exogene, von aussen durch die Zentralbank gesteuerte Groesse.
Der eklatante Fehler in diesem Bild, von den wundersamen Gleichgewichten mal abgesehen, ist die falsche Darstellung der Banken. Denn die privaten Geschaeftsbanken haben im Rahmen ihrer Kreditvergabe die Kapazitaet zur Geldschoepfung aus dem Nichts und koennen dadurch an der Stelle ihrer Wahl Geld in nahezu beliebiger Menge in den "Geldkreislauf" injizieren. Wenn sich diese Injektion z.B. in Form von Hypotheken auf Immobilien(erwerb) bezieht, dann wird damit der "Verbrauch" von Immobilien erhoeht, was den Preis auf dem (Gueter)Markt fuer Immobilien ansteigen laesst, die Produktion von Immobilien ansteigen laesst, die Beschaeftigung und Entlohnung im Bausektor ansteigen laesst usw. usf.. Damit kommt eine sich selbstverstaerkende Mitkopplung in Gang, die unweigerlich in eine Immobilienblase fuehrt. Denn wenn nun die Banken, aus welchem Grund auch immer, die Rate der Nettoneuverschuldung drosseln oder sogar negativ werden lassen, dann kollabiert diese Blase, weil sich die Vorzeichen in der soeben beschriebenen Wirkungskette umkehren. Alles, was zuvor gestiegen ist, schrumpft und es kommt zum Crash. Und Banken koennen so nicht nur ganze Wirtschaftszweige (DotCom-, Immoblase) nach Belieben aufpumpen und dann wieder zusammenbrechen lassen, sondern inzwischen auch ganze Volkswirtschaften (Asienkrise, PIIGS, Argentinien, etc.).


Das ist das Problem, was z.B. Steve Keen und Richard Werner ( Ein unhaltbares System ) aufzeigen. Und was dazu fuehrt, dass einige IWF Mitarbeiter, wenn sie es in ihre Gleichgewichtsmodelle einarbeiten sofort zu dem Vorschlag fuehrt, Vollgeld einzufuehren, was einer Verstaatlichung der Kapazitaet zur Geldschoepfung entspricht. Hurra! moechte man da nach fuenf Jahren Dauerkrise schreien. Doch der Blick in die Schlagzeilen laesst einem statt dessen das Blut in den Adern gefrieren. Der intellektuelle Horror, der einem dort angesichts dieser doch sehr schlichten, leicht zu durchschauenden Problematik entgegen schlaegt und uns als Loesungen verkauft werden soll, grenzt an Terror. Ein Terror des Unverstands auf Seiten der Politiker und der masslosen Gier der Banker und ihrer Auftraggeber, die dieses fuer sie hoch lukrative Instrument mit aller Gewalt nicht nur nicht aus der Hand geben wollen, sondern weiterhin unreguliert in alter Schaerfe fuer ihre Interessen und zu Lasten des Gemeinwohls einsetzen wollen. Und das mit einer Dreistigkeit, die nicht zu uebertreffen ist. Denn, um es mal ganz deutlich und unmisserverstaendlich zu sagen. Die Banken und ihre Auftraggeber haben gemessen am Ziel "Wohlstand fuer Alle" nicht nur vollkommen versagt, sondern sie bewirken das genaue Gegenteil. Sie generieren obszoenen Reichtum fuer Wenige auf Kosten von Mehrheiten, die sie ruecksichtslos auspluendern. Banken haben sich als zutiefst undemokratisch, menschenverachtend und damit als unlegitim geoutet. Das diese "Industrien", ihre Manager und ihre Auftraggeber nach wie vor mit Samthandschuhen behandelt werden, ist nach den katastrophalen Auswirkungen ihres vollkommen verantwortungslosen Treibens im Umgang mit der Kapazitaet zur Geldschoepfung eine Zumutung fuer jeden modernen Menschen, der sich den Idealen von Demokratie, Freiheit, Gleichheit und Bruederlichkeit verpflichtet fuehlt. Denn die Banken und ihre Auftraggeber im Hintergrund treten die Grundlagen einer jeden modernen Gesellschaft mit Fuessen. Immer noch! und mit der Unterstuetzung von Politikern, die den Interessen von Mehrheiten verpflichtet sein sollten. Das ist der Skandal! Und das sind die "Loesungen" die uns nun seit Jahren immer wieder, bis zum Erbrechen,  unterschiedlich garniert, aufgetischt werden:

Schapiro Ruecktritt
Basel III Aufschub
Basel III unwirksam
Finanztransaktionssteuer kommt spaeter
Geldstrafen, mit Vorwarnung!, fuer die Erschaffer des Geldes 
Bankenregulierung ist unamerikanisch
Hochbezahlter Bankberater will Kanzler werden
Die Kanzlerin und die Bankenaufsicht

usw. usf.

Sapere Aude!

Georg Trappe

1 Kommentar:

  1. Danke Georg T.! Spricht mir wieder mal aus dem Herzen.

    Ich will meinen persönlichen Absatz hinzufügen:

    Und das die sogenannte freie Presse nicht jeden Tag zum Sturm auf die Glaspaläste aufruft macht sie selbst zum Mittäter und ist der Grund warum man mehr für den cent bekommt wenn man Klopapier kauft, da kratzt es wenigstens nicht wenn die Scheiße aufs Papier kommt.

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