Mittwoch, 14. November 2012

Der Haken an der Geschichte

Zum Artikel "Wie die Nummer laeuft" erhielt ich die folgende interessante Frage:
"Hallo Herr Trappe,

verwechseln Sie da nicht System mit der Frage, daß ein uninformiertes Verhalten in einem gegebenen System dazu führen kann, daß eine Gegenkoalition sich ein "Fehlverhalten" zunutze machen kann - und dennoch im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten bleibt?

Wenn man die gesetzlichen Möglichkeiten kritisiert: wie sollten sie dann alternativ beschaffen sein?"


Der Haken an dieser Geschichte ist ein unvollstaendiger Vertrag bzw. ein Vertrag der implizite Anteile enthaelt. Kommt haeufiger vor als man denkt und wird regelmaessig immer erst dann bemerkt, wenn die Katze bereits den Baum hinauf gefunden hat bzw. das Kind hart auf dem Brunnengrund aufgeschlagen ist. Ist somit ein reich bestelltes Feld fuer Anwaelte, (Arbeits-)Gerichte und die Forschung. Ich bin nun kein Rechtsexperte, aber in einem Umfeld wo jeder Flexibilisierung fordert, insbesondere bei Arbeitsverhaeltnissen, ist es ein Wahnsinn z.B. Hypothekenvertraege mit Zinsbindung ueber 10 oder 20 Jahre zu schliessen, die sowohl Sondertilgungen als auch andere Arten der Nachverhandlung so gut wie ausschliessen.
Wer also auf der einen Seite Flexibilisierung fordert und durchsetzt und auf der anderen Seite bei derart langfristigen Vertraegen pacta sunt servanda durchsetzt, demonstriert nicht nur sehr deutlich, was ein Machtverhaeltnis ausmacht, sondern riskiert bei fortgesetzter Uneinsichtigkeit gegenueber der daraus entstehenden Problematik, das was wir erleben.
Gesellschaftliche Desintegration!
Oder anders ausgedrueckt, nicht alles was nach dem Buchstaben des Gesetzes legal erscheint, ist auch schon deshalb legitim. Wenn dann noch offener Gesetzesbruch und die Verhoehnung des Grundgesetzes durch diejenigen, die dieses Verhalten an den Tag legen,  nicht nur ungeahndet bleiben sondern mit milliardenschweren Bail Outs belohnt werden, dann steuert man endgueltig auf das zu, was eine sog. Bananenrepublik ausmacht. Und deswegen beantworte ich Ihre gut gestellte Frage etwas unbefriedigend mit:

Vernunft kann man leider nicht gesetzlich erzwingen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

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