Freitag, 30. November 2012

Ein, zwei Fettaugen vom Feinsten (Teil 2)

In einem ersten Artikel mit aehnlicher Ueberschrift hatte ich auf die Firma Intel als ein gutes Beispiel fuer ein Fettauge auf der Ebene der Konzerne verwiesen. Heute moechte ich in einem zweiten Teil die von Intel und seinem Umfeld praktizierten Strategien and Praktiken beleuchten, die nicht nur zur Entstehung dieses monstroesen Fettauges gefuehrt haben sondern inzwischen erhebliche Schatten auf eine Industrie werfen, die bisher als Hochglanzmodell fuer das Konzept der Konzentration auf Kernkompetenzen galt.  Ausgangspunkt sollen zwei aktuelle Meldungen sein, die den Daumen, ueber den ich die Sache anpeilen moechte, zum einen kalibrieren und zum anderen in die Richtung weisen lassen, in der meiner Meinung nach das zu finden ist, was die zukuenftige Entwicklung in diesem Bereich praegen wird.
"SANTA CLARA, Calif., Oct. 16, 2012 – Intel Corporation today reported quarterly revenue of $13.5 billion, operating income of $3.8 billion, net income of $3.0 billion and EPS of $0.58. The company generated approximately $5.1 billion in cash from operations, paid dividends of $1.1 billion and used$1.2 billion to repurchase stock."

"Stacy dürfte der profilierteste Kandidat unter den Dreien sein, zitiert Bloomberg einen weiteren Analysten. "Aber wollen Sie einen Finanztyp als Leiter eines IT-Unternehmens?", fragt Freedman.Der 62-jährige Otellini leitet seit 2005 die Geschicke des weltgrößten Prozessor-Herstellers. Anders als seine Vorgänger kündigte er am Montag für viele überraschend an, noch vor seinem 65. Lebensjahr im kommenden Mai den Hut nehmen zu wollen. Otellini ist der fünfte Chef des Halbleiterspezialisten überhaupt – und war der erste ohne Ingenieurs-Titel."

Wenn bei Intel, wie im letzten Absatz als Moeglichkeit erwaehnt, ein Finanztyp die Nachfolge des Marketing Mannes Otellini antritt, dann waere das aus meiner Sicht eine Bestaetigung der Vermutung, dass derartige Riesen immer wieder Probleme bekommen, weil sie zu unflexibel werden, um auf schnelle Aenderungen mit wirklichen Problemloesungen technologischer Natur zu reagieren. Das ist oft die Stelle, wo ihre Staerke zur Schwaeche wird und diese Golliaths zu Fall oder zumindest ins Wanken gebracht werden koennen. HP z.B. wankt bereits erheblich. Denn das bisherige Hochglanzmodell der Konzentration auf Kernkompetenzen bestehend aus Intel, Microsoft, HP, Dell etc. wird seit einiger Zeit erheblich herausgefordert. Und so wie es aussieht, hat dieses maechtige Kartell erhebliche Schwierigkeiten. Ob das, was auf der Seite der Herausforderer entsteht, im Sinne der Endkunden wirklich besser ist, steht dabei auf einem ganz anderen Blatt. 
Was mich bei Intel so hellhoerig werden laesst, ist die Tatsache, dass Intel enorme Investitionen taetigen muss, um das Spiel in Gang zu halten und diese Investitionen extrem deflationaer wirken. Die Loesung immer gleich 2 oder 4 CPUs  (Dual Core / Quad Core) zu verkaufen funktioniert auch nur eine Weile, wenn dann eine wacklige Weltwirtschaft und ueberraschend erfolgreiche Konkurrenz am unteren Ende der Preisskala hinzu kommen, dann wird es moeglicherweise auch fuer einen Giganten wie Intel schwierig. Bei HP kam Apothekers Idee das PC Hardware Geschaeft abzuspalten ja nicht von ungefaehr. Denn Intel hat es geschafft die Wertschoepfungskette mit Endprodukt PC so zu gestalten, das alle beteiligten Wertschoepfungstufen durch harte Konkurrenz gepraegt sind und die Margen entsprechend gering sind, ausser bei den quasi Monopolisten Microsoft und Intel, die folglich Cash ohne Ende produzieren. HPs Entscheidung, das PC Geschaeft doch unter eigener Flage weiter zu fuehren, duerfte daher weniger mit dem direkten Gewinn aus diesem Geschaeft zu begruenden sein, als vielmehr von der Idee geleitet sein, durch das Angebot eines kompletten Produktportfolios besser an Kunden heran zu kommen, die man sonst nicht erreicht. Das macht auch Sinn, wenn man HP als Vertrieb, sozusagen als IT Vollsortimenter, begreift. Denn die HP PCs werden ja schon lange nicht mehr von HP entwickelt oder gebaut und Mark Hurd hatte diesen Trend, weg von eigenen Entwicklungen, ueber 5 Jahre ja sehr konsequent auch in anderen Bereichen betrieben. 
Meine Wahrnehmung war und ist. Das Produkt PC, frueher auch IBM kompatibler PC genannt, ist ein Produkt, das auf einer standardisierten Platform beruht, die standardisierte Schnittstellen bietet, an die sich die Komponentenhersteller andocken koennen. Zentrale Komponente ist die CPU und ihre Schnittstellen zur "Peripherie". Intel ist CPU Lieferant und gleichzeitig "Platform Enabler". D.h. Intel setzt die Standards der Schnittstellen, was sicher stellt, das alles zusammen spielt, wenn die Dinge zusammen gestoepselt sind. Damit definiert Intel aber auch den Rahmen, in dem die Differenzierung des Produkts PC moeglich ist. Denn den Komponentenherstellern bleibt nur uebrig die Schnitstellenspezifikationen zu erfuellen und dann in deren Rahmen zu versuchen sich zu differenzieren. Eine Hitachi Festplatte muss im PC ebenfalls so funktionieren wie eine Samsung Festplatte. Dabei sind bestimmte Performance Unterschiede wie z.B. Speichervolumen, Schreib-/Lesegeschwindigkeit oder Stromverbrauch erlaubt, aber eben nur im Rahmen der Spezifikationen. Derjenige der aus diesen Komponenten, CPU, Speicher, Festplatte, Mutterboard etc. den endgueltigen PC zusammenbaut, kann so zwischen diesen kompatiblen Komponenten waehlen und diese nahezu beliebig kombinieren. So entsteht ein Spektrum von Endprodukten, das sich innerhalb einer Generation bei Licht betrachtet, durch ein relativ homogenes Preis/Leistungsverhaeltnis auszeichnet. Tendenziell kann man aber sagen, der billigere PC bietet mehr Rechenleistung/Speicher/etc. pro $ als die High End Produkte. Gleichzeitig verbessert sich das Preis/Leistungsverhaeltnis alle 18 Monate um den Faktor 2. Das heisst ein High End Produkt wird nur dann gekauft, wenn man es unbedingt heute und nicht in 18 Monaten braucht. Seit Anfang des Milleniums sind durchschnittliche PCs so leistungsfaehig, dass sie alle erdenkbaren Aufgaben eines durchschnittlichen Konsumenten locker erfuellen koennen. Seitdem PCs Videos in Echtzeit (25 Bilder/sec) oder schneller nicht nur darstellen sondern auch beliebig umrechnen koennen, waehrend man ein Email schreibt oder im Internet etwas nachliest, ist Leistung fuer durchschnittliche Konsumenten im Ueberfluss vorhanden und kein wirklich differenzierendes Merkmal mehr. Und damit ist dann eine Lage beschrieben, die "Konsolidierung" auf der Ebene der Komponentenhersteller und Systemintegratoren regelrecht erzwingt, wenn der durch Intel gesteckte Rahmen nicht verlassen wird.
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HP hat mit Compaq Zugang zu Kunden und zu Lieferantenvertraegen! gekauft und die Compaq Marke wurde bis heute weitergefuehrt mit der Differenzierung, dass unter dem HP Logo verkaufte PCs sich an Geschaefts- und Grosskunden, Compaq PCs an preissensible Konsumenten z.B. auch in Schwellenlaendern wie Thailand richten. Intel hat es bisher geschafft, oft mit recht brutalen Mitteln und zu Gunsten seiner Bottom Line, dass der billigste PC nicht wesentlich unter 300$ zu haben ist. Ein Ausrutscher waren die EEEPC's von Asus, die auf Intels Block Move am unteren Ende der CPU Skala, der sog. Atom CPU beruhen bzw. der daraus resultierende Netbook Glitch. Das ist aber inzwischen ausgestanden bis auf die Angriffe durch Googles ARM/Android basierende iPad Clones in der Region 100$ - 200$. Und hier duerfte sich auch die Diskussion innerhalb Intels entzuenden. Wenn diese alternative Platform Verbreitung findet, und so sieht es ja aus, ist es ein leichtes daraus auch Office PCs zu machen, die eine Tastatur haben und ergonomischen Anspruechen genuegen. Googles Chrome Books und Asus Transformer gehen da schon in diese Richtung. In Verbindung mit der Cloud Computing Idee, wird ein PC dann, auch fuer professionelle Anwender etwas, was man fuer 1$ geschenkt bekommt, wenn man einen 2 Jahresvertrag bei seinem Cloud Provider abschliesst. Google und Co. marschieren ganz eindeutig in diese Richtung. Und das etablierte Kartell kommt in Schwierigkeiten. Denn es hat kaum noch Argumente gegenueber seiner Kundschaft. Alle 2 Jahre verdoppelte Leistung, die 99% der Zeit ungenutzt bleibt. Wofuer? Und die Alternative Preisverfall konnte bisher zwar dank Intels brutaler Monopolpolitik abgewendet werden, aber die dabei angewendeten Waffen werden stumpf. Asus und andere Netbook Anbieter konnte man noch zwingen Intels billigste CPU (Atom) nur in Geraete zu verbauen die ergonomisch und anderweitig extrem eingeschraenkt waren. Bei Geraeten mit ARM CPUs und Android Betriebssystem geht das nicht mehr. Da bahnt sich also eine Revolution an, die den etablierten Grossen ganz schoen Kopfzerbrechen bereiten duerfte. Bei HP ist das sehr deutlich zu Tage getreten. Bei Intel und den anderen laeuft mit einiger Sicherheit, wenn auch weniger offen, aehnliches ab. Denn interessant ist, ARM CPUs sind zu einer ernsten Konkurrenz zu Intels x86 CPUs heran gewachsen. Sie finden sich bisher vorwiegend in den Tablets / Smartphones mit Android Betriebssytem. Intels Block Move gegen diesen Angriff war und ist die sog. Atom CPU. Bemerkenswert ist aber, dass diese CPUs nun auch in Servern, also den High End Geraeten, Anwendung finden. Das koennte eine erfolgreiche Klammer Strategie werden, ueber die man Intel und das etablierte Kartell ernsthaft in Schwierigkeiten bringen kann, vorausgesetzt die Softwareschiene zieht mit, was am oberen Ende (Server) Dank Linux kein Problem sein sollte und am unteren Ende anscheinend durch Google/Android, ebenfalls ein Linux Derivat, das inzwischen erhebliches Momentum entwickelt, auch moeglich erscheint.


Sapere Aude!

Georg Trappe

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