Dienstag, 6. November 2012

Gurkengipfel

Es wird einem schwer gemacht in diesen Tagen, denn man hat die Wahl. Soll man sich in Lach- oder Weinkraempfen kruemmen? Aber eigentlich ist es auch wieder egal. Hauptsache ist doch, das die Kruemmung der Krampf ausloesenden Gurken den EU Richlinien entspricht (maximal 10mm auf 10cm Laenge). Sie koennen einem dann beim Krampfen als Vorbild dienen.



Da hat sich doch das Volk der Dichter und Denker vor ziemlich genau drei Jahren, nachdem es ein ganzes Jahr Zeit hatte ueber die Ursachen der groessten Finanzkrise seit der Weltwirtschaftskrise in den 30ern des vergangenen Jahrhunderts nachzudenken, ausgerechnet eine schwarz-gelbe Gurkentruppe in die Regierung gewaehlt und die hat auf ihrem aktuellen Gurkengipfel nichts besseres zu beschliessen, wie:

Mehr Geld fuer Autobahnbau
Herdpraemie
Minimalistische Notfallrente
und Abschaffung der Praxisgebuehr!

Und wendet man den verzweifelten Blick mit der Kraft der verbleibenden Hoffnung auf die Ergebnisse des G!!!-20 Treffen, so findet man auch dort nur den nun bis zum Erbrechen staendig wiederholten vergurkten K(r)ampf um Sparen oder mehr Schulden machen vor.
Es ist nicht mehr auszuhalten. Und wenn man beginnt nach Opposition oder gar Alternativen Ausschau zu halten, dann werden einem von den auf TINA getrimmten Mainstream Medien Steinbruecks vor gegaukelt und Regierungsberater vorgestellt, die inzwischen ihren Auftraggebern offen Schocktherapien empfehlen.
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Ich fasse es nicht. Nach fuenf Jahren Dauerkrise verweigern sich die Eliten nach wie vor der Aufgabe aus Beobachtungen zutreffende Schluesse zu ziehen. Sie weigern sich, die auf allen Ebenen der Wirtschaft staendig voranschreitenden Konzentrationsprozesse wahrzunehmen. Sie verweigern sich der Ueberlegung, dass diese staendig zunehmende Konzentration von Vermoegen, Banken und Firmen ursaechlich fuer Instabilitaet sein koennen. Sie wollen die Funktionsweise des bestehenden Geld- und Bankensystems nicht verstehen. Denn wuerden sie es verstehen, muessten sie einsehen, dass sich staendig konzentrierende Geldvermoegen nicht nur einen Schuldenabbau unmoeglich machen, sondern dazu fuehren, dass weiten Teilen der Realwirtschaft bei einem Stop der Geldmengenausweitung das Kommunikationsmittel verknappt/entzogen wird, was direkt in eine deflationaere Spirale fuehrt. Sie muessten auch einsehen, dass mit staendiger Ausweitung der Geldmenge bestenfalls Zeit gekauft werden kann, um diese fundamentalen Probleme zu loesen, aber, wenn dies nicht geschieht, unweigerlich der Tag kommt, an dem die Wirtschaft entweder unter der Schulden-/Zinslast zusammenbricht oder das Vertrauen in die Werthaltigkeit des Geldes angesichts der immer offensichtlicher werdenden Unmoeglichkeit der Schuldentilgung schlagartig verloren geht. Sie muessten einsehen, dass nicht nur die Gleichgewichtstheorien der neoklassischen Wirtchftswissenschaften Humbuk sind, sondern alle darauf aufbauenden Modelle und Vorstellungen auch. Sie muessten einsehen, dass die aus der neoliberalen Ideologie abgleiteten Handlungsanweisungen die ursaechlichen Konzentrationsprozesse beschleunigen und damit in ihrer Wirkung verschaerfen. Sie muessten einsehen, dass Volkswirtschaften Entwicklungen durchlaufen und die erfolgreichen Rezepte der Aufbauphase fuer eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik in fortgeschrittenen Entwicklungsphasen nicht nur ungeeignet sind sondern destruktiv wirken. Aber alle derartigen Einsichten sind offenbar nicht gewollt.
 
Warum?

Weil der grosse Knall die bessere Loesung fuer unsere "Eliten" ist?

Sapere Aude!

Georg Trappe


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