Mittwoch, 7. November 2012

Wie die Nummer laeuft

Im Artikel "Dreiecksgeschichten" habe ich auf eine hochproblematische Konstellation im bestehenden Geld- und Bankensystem hingewiesen, die es aufgrund einer, weil in der Zukunft liegenden, verdeckten Asymmetrie Inhabern von Geldvermoegen ermoeglicht  Schuldnern nachtraeglich die Konditionen zu diktieren, zu denen ihnen eine Entschuldung ermoeglicht wird. Oder im Extemfall sogar die Entschuldung zu verunmoeglichen, mit dem Ziel von Zinsstroemen zu leben.

 

Dem wurde entgegengehalten, das der Schuldner zuvor immer eine reale Leistung in Anspruch genommen haben muss. Dies hat aber mit der von mir aufgezeigten Problematik (nachtraegliche, einseitige Veraenderung eines Vertragsverhaeltnisses) wenig zu tun, sondern ist bestenfalls als ein Versuch der Relativierung zu betrachten. Ausserdem ist es in soweit falsch, als das das bestehende Geld- und Banksystem durchaus ein Vorgehen ermoeglicht, in dem Schuldner systematisch uebervorteilt werden. Mit dem folgenden Beispiel moechte ich das kurz darstellen.
-
Wenn Banker B und Capitalist C sich einig sind und die Arbeiterschaft A aufs Kreuz legen wollen, dann wird B einen Kredit in Hoehe von 100 an C geben und dieser diesen als Lohn fuer das Bauen von 3 Haeusern an die Arbeiterschaft auszahlen. C hat dann drei Haeuser. B eine gegen C gerichtete Forderung in Hoehe von 100 und die Arbeiterschaft einen Lohn von 100.
Wenn C nun ein! Haus an die Arbeiterschaft versteigert und dabei einen Preis von 150 erzielen kann, da B der Arbeiterschaft A einen Kredit in Hoehe von 50 anbietet und diese ihn in Erwartung weiterer Bautaetigkeit / Beschaeftigung / Entlohnung durch C annehmen, dann haben am Ende Alle ein Haus, C einen Gewinn von 50 und die Arbeiterschaft Schulden in Hoehe von 50 bei B. Wenn C nun sagt: "Danke das war es." wird die Arbeiterschaft gezwungen sein zu niedrigsten Loehnen bei B und C die Haeuser zu putzen, um den "Schuldendienst" vertragsgemaess leisten zu koennen.
-
In der Realitaet werden B und C nicht so krass vorgehen wie im Beispiel. Die "Margen" werden in subtileren Regionen gesetzt und es wird sicherlich auch nicht nach der ersten Runde Schluss sein mit diesem fuer B und C aeussserst lukrativen Vorgehen. Vielmehr werden nicht nur viele Haeuser gebaut werden, sondern auch Autos, Kuehlschraenke, Fernseher etc.. Aber am Ende erzwingt das Fettaugensyndrom die Offenbarung. Und das ist das Problem vor dem die Welt steht! Und das kann weder mit Geld- und Zinspolitik, noch mit neoliberaler Ideologie geloest werden.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Wenn Sie sich fragen, was mit dem dritten Haus geschehen ist, dann ist die Antwort, das es von C an seinen Freund B vermietet wird und dieser die Miete aus dem Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften zahlt. D.h. auch, C's Haus wird wohl immer etwas sauberer aussehen als B's Haus ;-).

P.P.S. 9.Nov.2012 Das Ganze hat einen sehr realen und aeusserst bitteren Hintergrund. Und wenn Sie sich fragen, welche Rolle deutsche Banker dabei spielen bzw. gespielt haben, als das Projekt Europa gegen die Wand gefahren wurde, dann lesen Sie bitte mal hier nach.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen