Mittwoch, 12. Dezember 2012

Die Drehtuer oder aus der Theorie selbst referenzieller Systeme lernen

Ich erhielt soeben den Hinweis auf die Meldung das der Mayor von London den Chef-Ökonomen von Standard Chartered als Wirtschaftsberater einstellt. Da fragt man sich natürlich, wie dort Finanzmarktreform und -aufsicht (jetzt in der Verantwortung der Bank of England) erfolgreich sein sollen. Ein gutes Beispiel für die berühmte Drehtür.


Um die Mächtigen zu kontrollieren muss man als Kontrolleur ein Mitglied des Clubs der Mächtigen sein. Eine wirklich interessante Logik. Genau das, was man sich unter Checks and Balances so vorstellt, oder? Das Problem ist aber eine wirklich harte Nuss. In der Systemtheorie kennt man selbst - referenzielle Systeme und bietet dort interessanterweise die Bildung von Hierarchien als (Auf)Lösung für das Entstehen von Paradoxien an. Sie sagt auch aus, das selbst - referenzielle Systeme ausschließlich mit sich selbst beschäftigt sind, klammert aber interessanterweise dabei die Ressourcenzufuhr von außen explizit aus. Ich drehe das immer gerne um und sage, in einem System, in dem Ressourcen keine Rolle mehr spielen, entsteht zwangsläufig Seblstreferenzialitaet und damit ein Hang zu absurder und wuchernder Hierarchiebildung. Damit wird dann das Streben nach dem Paradies, also nach Unabhängigkeit von Ressourcen, als der direkte Weg in die Hölle entlarvt (sogar theoretisch abgesichert). Man kann also sagen, dass Gesellschaften oder ihre Teile, wie zum Beispiel das Geld- und Bankwesen, die ihre Abhängigkeiten von objektiv immer notwendigen Ressourcen zunehmend ignorieren, Merkmale selbst - referenzieller Systeme entwickeln und sich so auf einen aeusserst fragwürdigen Weg begeben haben. Dazu passt dann auch noch der neuste Coup von Jamie Dimon, der allen Ernstes behauptet: »Die  USA sind der beste Wirtschaftsmotor, der je gebaut wurde« und sich dabei als Vorreiter der Initiative seiner Gesinnungsgenossen "Fix the Debt" hervor tut. All das zeigt, das diese Psychopathen jeden Bezug zu dem, was unserer Gesellschaft oder besser gesagt Teilen davon, das ueppige Leben erst ermoeglicht, naemlich zu allererst menschliche Arbeit und dann Raubbau an den Ressourcen der Natur, verloren haben.

Sapere Aude!

Georg Trappe

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