Samstag, 1. Dezember 2012

Geld arbeitet nicht! Wie wird dann aus Geld mehr Geld?

Ganz einfach. So einfach, dass Ökonomen es regelmäßig übersehen oder wie Karl Marx mit seinem M-C-M' daran verzweifeln. Denn die schnöde Antwort lautet:
Durch einen Buchungsvorgang.


So, und nur so wird in unserem Banken- und Geldsystem aus Geld mehr Geld. Denn Geld arbeitet nicht. Das ist nicht nur der Titel eines sehr lesenswerten Buches von Hauke Fuerstenwerth, sondern ebenfalls eine schlichte Wahrheit, die meistens von denen, die den Buchungsvorgang ausführen, durch irreführende Werbung negiert wird. Wenn Banken ihren Guthabeninhabern Zinsen gutschreiben, dann schreiben sie auf der andren Seite ihrer Bilanz den Kreditnehmern diese Zinsen plus Kosten plus Gewinn den bereits bestehenden Schulden zu. Die Bilanz der Bank verlängert sich in diesem Moment genau um diesen Betrag und es wird Geld geschöpft. Erst wenn die Schuldner ihren Kredit bedienen, also die Zinsen zahlen, wird Geld vernichtet. Um das Geld für diese Zinszahlung zu erhalten müssen die Schuldner ihrerseits reale Leistungen oder Güter den Inhabern von Guthaben anbieten und auch erfolgreich verkaufen. Gelingt ihnen das nicht, können sie ihren Kredit nicht bedienen. Wenn also jemand in diesem Prozess arbeitet, dann sind es zu aller erst Menschen, die entweder als Schuldner direkt einen Teil ihres Arbeitslohns zur Bedienung der Schuldzinsen  einsetzen müssen oder aber dies indirekt tun, indem sie Waren zu Preisen kaufen müssen, in denen ein "Kapitaldienst" einkalkuliert wurde. Wenn nun aber im Laufe der Entwicklung einer Volkswirtschaft sich nicht nur das Real- sondern auch das Geldvermögen in den Händen immer weniger Wohlhabender konzentriert, dann kommt es zu einer Konstellation, in der die Geldvermögenden die Preise diktieren können, zu denen sie die Leistungs- und Warenangebote der Schuldner akzeptieren. Es entsteht also ein starkes Incentive auf Seiten der Banken und ihrer Wohlhabenden Kundschaft eine Koalition zu bilden, die darauf gerichtet ist diesen Zustand zu verfestigen und möglichst dauerhaft aufrecht zu erhalten. Das dies bis heute weitestgehend unerkannt geblieben ist, verdanken wir nicht nur irreführender Werbung der Finanzindustrie und einer sog. Wirtschaftswissenschaft, die das Geld- und Bankengeschäft weitestgehend ignoriert sondern auch einer Politik, die einseitig, mit den Argumenten des Produktivitaetsfortschritts und der Wettbewerbsfähigkeit die Entwertung von Arbeit fördert sowie die stetig fortschreitende Konzentration und damit die Macht des Kapitals bevorzugt.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Kommentare:

  1. "Erst wenn die Schuldner ihren Kredit bedienen, also die Zinsen zahlen, wird Geld vernichtet."

    Bei der Zinszahlung wird kein Geld vernichtet, sondern Bankeinkommen generiert. Richtig sollte es heißen: Tilgung.

    Gruß, FESTAN - der hier regelmäßig vorbeischaut und sich freut, dass hier erfolgreich aufgeklärt wird.

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  2. Hallo FESTAN,

    vielen Dank fuer den Hinweis, die Korrektur. Richtig ist, das Geld nur vernichted wird, wenn Schulden getilgt werden. In dem Fall, wo ein Schuldkonto mit Sollzinsen belastet wird erhoeht sich die Schuld um diese Zinsen. Gleichzeitig erhoeht sich auf der anderen Seite der Bankbilanz das Guthaben der Guthabeninhaber um die Habenzinsen. Die Differenz aus Sollzinsen-Habenzinsen laeuft durch die GuV der Bank und endet dann ebenfalls auf der Passivseite der Bilanz entweder auf Konten des Personals(Kosten) oder als Gewinn beim Eigenkapital.
    Mit dem Artikel wollte ich darauf hinweisen, dass mehr oder weniger zwangslaeufig eine Konstellation entsteht, in der Banken und Inhaber grosser Guthaben ein gemeinsames Interesse daran haben, das Schulden nicht getilgt werden, weil beide von Zinsstroemen profiieren/leben. Das Fatale dabei ist, das diese Konstellation es den Banken und ihren wohlhabenden Kunden erlaubt die Preise, zu denen Arbeit angeboten wird, um die Sollzinsen bedienen zu koennen, zunehmend zu diktieren. Abgesehen von der dadurch vollzogenen Annaehrung/Wiedereinfuehrung an die/der Sklaverei geraet die Wirtschaft als ganzes dadurch unter einen deflationaeren Druck,
    in dem Loehne zunehmend verfallen. Denn wenn die Guthabeninhaber die Alternative "Investieren" waehlen, also ihr Geld in den "Geldkreislauf" zurueck geben, um damit produktivitaetssteigernde Maschinen zu kaufen, wird Arbeit ebenfalls entwertet.
    Viele Gruesse

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  3. Den zweiten Aspekt, dass volkswirtschaftlich der Fleißige, nämlich der Schuldner, Steuerzahler und Verbraucher alle Schulden bezahlt, egal, wo diese entstehen, macht Dirk Müller in seinen Talk-Show-Beiträgen immer sehr prägnant klar:

    Es ist dabei nämlich völlig wurscht, wo die Schulden entstehen:

    - Der Zins auf persönlichen Schulden wird natürlich direkt vom Schuldner bezahlt.
    - Der Zins auf Unternehmensschulden wird vom Verbraucher bezahlt, da dieser in den Preisen einkalkuliert sein muss.
    - Der Zins auf Staatsschulden wird vom Steuerzahler bezahlt.

    In einer Nettobetrachtung lässt sich dann leicht zeigen, dass nur die oberen 10% Reichsten netto Zinsempfänger sind, gerade aber der Mittelstand netto Zinszahler ist.

    Nur wenn man hohe leistungslose Einnahmen aus Kapitalanlagen welchr Art auch immer hat, also tendenziell mehr invstiert als konsumiert kann man bei dieser Umverteilung von "fleißig" nach "reich" auf die Sonnenseite gelangen.

    Ein Beispiel ohne Schulden:
    Mal angenommen, ich habe ein schuldenfreies Mehrfamilienhaus im Zentrum von München, kann davon leben und nach Steuern und Abschreibung noch einen Haufen Geld zurücklegen. Dann bin ich einer der Glücklichen, die ein leistungslosen Einkommen einstreichen und vom Zinsmechanismus profitieren. Aber wo ist in diesem Beispiel der Zins versteckt? Es ist der Mietzins, den meine Mieter berappen müssen. Zwar sind hier gar keine Schulden im Spiel, aber ich als Hausbesitzer kassiere mit der Miete vereinfacht im Wesentlichen die fiktiven Zinsen, die ich bezahlen müsste, wenn ich das Haus bei der Bank finanziert hätte.

    Und wenn nun alle Mietshäuser der Stadt einer immer kleiner werdenden Gruppe von Reichen gehören, dann sind wir beim ersten Aspekt ...




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  4. Hallo RealTerm,
    vielen Dank fuer die erklaerenden/klaerenden Ergaenzungen. Ihr Gedanke/Ausfuehrung fuehrt wirklich sehr schoen zum Kern des Problems. Man kann sagen eine stetig fortschreitende, ins Exzessive muendende Eigentumskonzentration untergraebt die Errungengenschaften der Moderne.
    Das ist Restauration/Refeudalisierung pur.
    Und wenn man die private Eigentumsbildung aus guten Gruenden nicht Abschaffen will, entsteht daraus ein Optimierungsproblem. Denn weder Null Eigentum noch maximal konzentriertes Eigentum scheinen eine dauerhaft tragfaehige Loesung zu sein. Und die Loesung dieses Optimierungsproblems ist die Aufgabe, die sich jede Fuehrungskraft in Politik und Wirtschaft, die diese Bezeichnung zu recht tragen will, zu stellen hat. Die Behauptung dieses Optimum stelle sich von selber ein, wenn man auf der Ebene der Individuen, Firmen maximiert, moeglicherweise sogar als stabiles Gleichgewicht, ist nichts anderes als eine mickrige Schutzbehauptung, um Faulheit, Denkfaulheit, Unfaehigkeit gegenueber dieser Aufgabe und verantwortungslosen Eogoismus zu kaschieren.
    Viele Gruesse
    GT

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  5. Genau so ist es. Ohne Eigentum geht es nicht! Es muss aber schlicht eine effektive Besteuerung geben, die die Akkumulation von Eigentum begrenzt und bei einem Überschießen von Eigentumstiteln in einr Hand dieses zurückführt, auch wenn das Vermögen legal erwirtschaftet und versteuert wurde.

    Das ist mathematisch einfach zu machen, wenn man Substanzsteuern, wie die Vermögenssteuer oder die Erbschaftssteuer mit steigendem Vermögen immer weiter ansteigen lässt.

    Nur Mathematik interessiert in der Politik halt niemanden.

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  6. Ich denke wir sehen das Problem beide ueberdeutlich und kommen daher auch zu den selben Schluessen. Bei der "Einfachheit" der Implementierung einer Loesung bin ich alledings etwas vorsichtiger. Denn wenn man eine progressive Substanzsteuer erhebt und diese ausschliesslich in Geld zu leisten ist, dann loesen Sie damit die hoch konzentrierten Realvermoegen in Form von Konzernen nicht auf, sondern man handelt sich eine Reihe von Effekten ein, die nicht im gewuenschten Sinne sind. Da hilft dann begleitend zur Substanzsteuer nur ein scharfes Kartellrecht, das Unternehmen zwingt bei Erreichung einer bestimmten Groesse Zellteilung zu vollziehen und das gleichzeitig Pyramidenbildung in Holdingstrukturen etc. strikt verbietet. Redundanz und Wettbewerb muessen erzwungen werden und es darf kein "too big to fail" geben. Der Grund dafuer ist, das die Konzentration ihre Ursachen in sehr elementaren Verhaltensweisen hat, die sich vermutlch nicht durch "Umerziehung zu neuen Menschen" vermeiden lassen und daher Konzentration nachwachsen laesst wie Unkraut. Was in die Koepfe gebracht werden muss, ist die Einsicht, dass es ausgesprochen unklug ist und immer wieder das groesste Unheil heraufbeschwoert, wenn man dieses "Unkraut" endlos und unzivilisiert wuchern laesst. Es ist im Interesse Aller die Funktionsfaehigkeit und die Anpassungsfaehigkeit von Wirtschaft aufrecht zu erhalten. Die zunehmende Verkrustung und Erstarrung in gigantischen, unmenschlichen Strukturen laeuft dem direkt entgegen und muss daher aufgehoben werden, wenn man nicht den Rueckfall in verheerende Kriege und die Barbarei riskieren will.

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    1. Natürlich haben Sie recht, es gibt eine Menge Problemstellungen, Bewertungsfragen, unerwünschte Nebeneffekte, Ausweichstrategien und Fluchtbewegungen. D´accord!

      Ich stelle mir aber schon die Frage, ob man die monopolistische Strukturen nicht auch über eine gestaffelte Substanzsteuer in den Griff bekommt.

      Monopolistische Strukruen stören doch vereinfacht nur dann, wenn sie in den Händen weniger sind. Dann aber greift eine getaffelte, hohe(!) Vermögensteuer und zwingt den Inhaber aufgrund seines hohen Individualvermögens zum Anteilsverkauf.

      Ist das Monopol dann in den Händen der Allgemeinheit (z.B. als Volksaktie), so stört mich die Monopolsituation weniger, weil der Monopolgewinn letzlich durch Aktienkauf jedem zugänglich ist.

      Vielleicht sehe ich das zu einfach, ich dneke nochmal nach.

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    2. Sie sehen das Problem und kommen folgerichtig auf Ideen/Vorschlaege, die die tiefere Ursache adressieren und damit das Potential haben es wirklich zu loesen. Wenn das nur in mehr Koepfen passieren wuerde, dann koennte ich mich wieder meinen Transistoren zuwenden. Ob ich das noch erleben werde, bleibt abzuwarten.
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      Wenn eine Wirtschaft zunehmend in Monopolen oder engen Oligopolen erstarrt, dann versklavt sie nicht nur die Fleissigen zu gunsten der Reichen sondern verliert auch ihre Anpassungsfaehigkeit an sich aendernde Umgebungsbedingungen. Das kann ebenfalls lebensbedrohlich werden. Sehr schoen sieht man das z.B. bei unseren Energieversorgern. Dieser Verein ist nicht mehr faehig dringend notwendige Anpassungsprozesse aus sich heraus zu leisten und wegen seiner Uebermacht haben Alternativen kaum eine Chance sich zu etablieren. Entweder sie werden vereinnahmt und den etablierten Interessen untergeordnet (Windkraft/Nachtspeicherheizung) oder ganz verunmoeglicht.
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      Das sollte Ihrer wirklich guten Idee aber nicht im Wege stehen, sondern nur darauf hinweisen, dass da noch ein zwei, andere dicke Faesser, neben der reinen "Geldgeschichte" im Raum stehen, die meiner Meinung nach ebenfalls geknackt werden muessen.
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      Jede Idee, die vom Status Quo ausgehend Konzentration zurueck fuehrt also bestehende zentralistische Strukturen in dezentrale Strukturen mit mehr Redundanz und weniger "too big to fail" Risiko ueberfuehrt hilft und ist daher aus meiner Sicht mehr als willkommen.
      Eine Buchempfehlung, die dies aus Sicht des Wettbewerbs aufrollt ist:
      http://books.google.co.th/books/about/Wettbewerb_Industrieentwicklung_und_Indu.html?id=PrxhHkcE4XEC&redir_esc=y

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  7. Geld frisst Welt!
    http://www.youtube.com/watch?v=2CwyLdaJA9A&list=PL8BF42E11A10F1DA4&index=1&feature=plpp_video
    T. Plettenbacher zum Thema
    Gute Schaubilder, u.a. dazu, dass -je nach Zinshöhe- bald die Zinsansprüche die Wirtschaftsleistung übersteigen.
    Vielen Dank für den Artikel und an RealTerm für Diskussionsbeiträge!

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    1. Vielen Dank fuer das Video. Zum Thema des eskalierenden Verhaeltnisses von Zinsanspruechen zur realen Wirtschaftsleistung hat H. Genreith sein "Dead Man Walking" Modell entwickelt. Er verfuegt als Physiker ueber eine gut gefuellte "Werkzeugkiste", mit der man den Problemen im Verstaendnis ein gutes Stueck naeher kommen kann.
      Also ein klarer Lesetip von mir.
      http://tandemvipera.blogspot.com/

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