Sonntag, 9. Dezember 2012

Joe's Kneipentour

Joe A. ist Banker und kennt sich aus. Am spaeten Samstagabend ueberkommt ihn ein maechtiger Durst. 0,25% bezogen aufs Eigenblut muessen es heute sein. Doch Joe hat nur einen Zentralbankgeldbestand von 10 Euro in Form einer entsprechenden Banknote. Das reicht nicht. Kein Problem, denn wie schon gesagt, Joe kennt sich aus.

 
Und so kommt es, dass Joe beim Betreten der Kneipen immer ersteinmal Liquiditaet beweist, in dem er seinen Zentralbankgeldbestand demonstriert. Nach drei bis vier Bierchen bittet er aber den Wirt anzuschreiben und den Deckel mit den drei bis vier Strichen gut zu verwahren. Dies macht Joe am besagten Samstagabend bei neun bis zehn weiteren Kneipen. Joe tankt also nicht nur kraeftig, sondern er schoepft Geld in Form von Sichtforderungen (Bierdeckel mit Strichen) auf Zentralbankgeld. Morgens um fuenf, beim Verlassen der  letzten Station seiner Kneipentour ueberkommt Joe ein grauenhaftes Gefuehl. Er retourniert seine Aktiva, bzw. das was davon uebrig ist, mit lautem Geraeusch aeusserst unappetittlich auf einem der oeffentlichen Plaetze der Stadt.(Dieser wird spaeter Bad Bank Platz getauft). Eins der dreissig Bierchen muss wohl schlecht gewesen sein. Ein klarer Fall fuer den Staat und seine steuerfinanzierten Reinigungsdienste.  Bild am Sonntag berichtet ueber den Vorfall und die Wirte der Stadt drohen in Panik zu geraten. Das waere der Gau, nicht nur fuer Joe und die anderen Trunkbolde/Banker sondern auch fuer die gesamte Gastronomie der Stadt. Denn den zehn Sichtforderungen auf Zentralbankgeld in der Hoehe von je 6 Euro stehen nun einmal nur Joe's 10 Euro Banknote gegenueber. Mehr nicht! Und an eine Verwertung der Aktiva ist nicht mehr zu denken. Also treten Angie und Peerly vors beunruhigte Publikum und versichern "Alles kein Problem, wir haben das im Griff". Die Panik legt sich und im Hintergrund retten Angie, Peerly und wie sie alle heissen, Joe und all den anderen Trunkenbolden mit der Lizenz zur Geldschoepfung den Arsch, indem sie ihnen nicht nur die Lizenz zur Geldschoepfung nicht entziehen, sondern ihnen auf Steuerzahlerskosten die retournierten Aktiva abwischen und fuer die Zukunft einen hoeheren Bestand an Eigenblut fordern, um resistenter gegen "ein, zwei schlechte Bierchen" zu werden. Gleichzeit halbiert der Zentralbankchef die Mindestreserveanforderungen, also anstatt der 10 Euro reichen nun auch die Demonstration von 5 Euro, um das Anschreiben von Deckeln mit einem vielfachen des Gegenwerts zu erlauben. Und daher gilt, wie immer bei solchen Geschichten, und wenn sie nicht an Leberzirrhose gestorben sind dann saufen und kotzen sie noch heute.

Prost!, aber passen Sie auf, dass Ihnen nicht schlecht wird, wenn Sie ueber diese Geschichte nachdenken.

Georg Trappe

P.S.: Fuer alle (Geldtheoretiker) die sich jetzt fragen, wo bei Joe's Geldschoepfung die entgegengerichtete, auf den Wirt bezogene,  Forderung geblieben ist. Die hat Joe implizit und sofort gegen Bier getauscht, so wie die Banken unbewohnte Immobilien bzw. uneinbringlich gewordene Rechte an Zahlungsstroemen aus Hypotheken (sog. toxische Assets) fuer die bei der Geldschoepfung entstandene entgegengerichtete Forderung erhalten haben.

Kommentare:

  1. Sehr schönes Beispiel!
    Ein kleiner Unterschied besteht freilich: Das Bier, ob ausgekotzt oder dem Standard-Durchgang durch den Körper anheim gefallen, ist unwiederbringlich "futsch".In aller Regel bleibt auch bei übelsten Beihungs-Auswüchsen unterworfenen Immobilien die Möglichkeit, einen Teil der Forderungen zu realisieren; derzeit gibt es z.B. in Valencia und Umgebung Rabatte auf "bank-repossessed" Wohneigentum bis zu ca. 80%. Bleiben als 20% oder etwas mehr für die Banken, bei nicht unüblicher Beleihungshöhe von 80% oder mehr noch vor wenigen Jahren (gesehen wurde da auch "erstes Jahr zinsfrei").

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  2. Wenn es Immobilien sind, die in vernuenftiger Qualitaet errichtet wurden und auch ein paar Jahre Leerstand ueberdauern, dann trifft das zu. Wenn, wie in den USA, der Baustandard eher an Holzhuetten erinnert und wie z.B. im Silicon Valley Termitenbefall nach ein paar Jahren eher die Regel als die Ausnahme ist, dann rauscht der Wert in den Keller. Dazu kommt, dass Maerkte keine Gleichgewichte schaffen, sondern nach dem "short side" Prinzip funktionieren Es werden also immer Quantitaeten zugeteilt. Allerdings wechselt die "short side" von Zeit zu Zeit. In einem Boom gibt es Geld im Ueberfluss und das nachgefragte Gut ist knapp. Der Gueteranbieter bestimmt den Preis. In einem Bust ist das Geld knapp und der Geldanbieter bestimmt den Preis. Die Banken bestimmen mit ihrer Kreditpolitik ob gerade Boom oder Bust herrscht.
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    80% Beleihung ist ja noch "konservativ". In den USA wurden bei schon ueberhoehten Preisen (s.o.) bis zu 100% beliehen. Im Vergleich zu 60% fuer die erste Hypothek waehrend der Wirtschaftswunderjahre in Deutschland ein vollkommener Wahnsinn. Aufgebohrt durch Ausweitung der Kreditvergabe auf den Bestand!!!! durch sog. Home Equity Credits. Das sind nachrangige Hypotheken, die auf den im Boom gestiegenen "Wert" der Bestandsimmobilien vergeben wurden, mit denen dann das neue Auto und der Monsterflachbildschirm TV bezahlt wurde.
    Und unsere Joes & Co hatten nichts besseres zu tun als diesen Mist, verpackt als triple A rated Buchstabensuppe im grossen Stil in die Buecher zu nehmen. Halleluja! Und Angie und Peerly wischen diesen Rotz im Namen des Volkes auf unsere Kosten auf. Und kein Wort ueber die Betrueger jenseits des Atlantiks und die hiesigen Hohlkoepfe. Georg Funke vertickert in Mallorca Immobilien und beschwert sich ueber die ungerechte Behandlung. Soviel kann ich garnicht trinken/essen, wie da ..... moechte.

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  3. Hallo Ex-Vermieter,

    die Boom / Bust Problematik ist eine Sache, ganz klar getrieben durch die Banken mit ihrer Kreditvergabepolitik. Im Hintergrund laeuft aber noch etwas ab, was die ganze Veranstaltung ins Eck pinselt. Und das sind diese verdammten Konzentrationsprozesse. Mit, es geht mal aufwaerts und dann wieder abwaerts, nur um wieder aufwaerts zu gehen, koennte man ja vieleicht noch leben, aber mit einer Entwicklung, die sich beschleunigt in Richtung Wand am Ende der Sackgasse bewegt, eben nicht. Wenn Wirtschaft zunehemend zu einer Sache wird, die sich gegen die Interessen von Mehrheiten richtet, fuehrt das unweigerlich zum grossen Knall.
    Und das geht leider in der ganzen Aufregung ueber das "Heute regnets, morgen scheint wieder die Sonne" Theater unter.

    Viele Gruesse
    GT

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  4. Mit "d'accord" formuliere ich mal ganz verhalten :)
    So verhalten bezgl. Sonnenstunden (-Minuten?), wie mir seit Freitag Abend das deutsche Wetter vorkommt :((
    Ich sehe immer deutlicher, dass einige Spieler den großen Knall zumindest billigend in Kauf nehmen, weil sie sich recht sicher sind, dass sie persönlich nicht in der Nähe sein werden, wenn es grad am lautesten knallt. Außerdem verlassen sie sich auf bewaffnete Schergen.

    Weiterhin Alles Gute!
    T.

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    1. Ihnen auch alles Gute. Und ueberstehen Sie die Feiertage und den Winter gesund und ab und an auch munter ;-).
      Gruesse
      GT

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