Sonntag, 16. Dezember 2012

Monopoly

Monopoly ist ein paedagogisch wertvolles Spiel, wenn es darum geht, die Ursachen der Krise zu verstehen. Jeder der es schon einmal gespielt hat, wird die verschiedenen Phasen der wirtschaftlichen Entwicklung im Spielverlauf wiederentdecken und dann natuerlich auch die Endphase erinnern, in der es langweilig wurde und mehr und mehr Mitspieler sich deswegen vom Spiel verabschiedeten. Auch modifizierte Regeln, wie z.B. der Geldverleih zwischen Nichtbanken oder Hypotheken auf Immobilieneigentum, oder Geldmengenexpansion durch die Bank via erhoehtes bedingungsloses Grundeinkommen, koennen diesen Zeitpunkt nur hinaus zoegern aber nicht abwenden.


Ich will nochmal versuchen zu erklaeren woran es liegt:
1. Eine Wirtschaft, in der jeder versucht das bewaehrte "Erfolgsrezept" Reinvestition von Einkommensueberschuessen mit dem Ziel der Produktivitaetserhoehung = mehr Einkommen pro Zeit/Runde fuer sich zu nutzen, entwickelt zwangslaeufig Konzentrationsprozesse, die dazu fuehren, dass letztendlich einige wenige alles haben. Das liegt daran, dass eine positive Rueckkopplung entsteht, derart, dass die hoeheren Einkommen hoehere Investitionen erlauben und diese wiederum die Einkommen erhoehen usw. usf. Da der Erfolg dabei aber ueber die Population und die Zeit streut, kommt es zu einer sich fortschreitend verschaerfenden Ungleichverteilung . Auch dann, wenn das Universum, in dem sich dies abspielt, expandiert.
2. Diese Konzentrationsprozesse beziehen sich auch auf das wirtschaftliche Kommunikationsmittel Geld. D.h. ueber Zeit wird mehr und mehr Wirtschaftsteilnehmern die Moeglichkeit zur Kommunikation/Teilnahme entzogen.
3. Dies kann man durch Kreditexpansion=Geldmengenwachstum zu kompensieren suchen. Das funktioniert eine Zeit lang auch, bis zu dem Zeitpunkt wo alle Sektoren der Wirtschaft mit 100% und mehr des GDP verschuldet sind und einige wenige mit gigantischen positiven Geldvermoegen sehr vielen mit den entsprechenden Schulden gegenueber stehen.
4. Spaetstens dann schlaegt der fundamentale Denkfehler zu. Wirtschaft ist ein irreversibler Prozess entlang der Zeitachse. Keiner kann den Film zurueck drehen und an allem und jedem nagt der Zahn der Zeit. Es gibt kein reales wirtschaftliches Gut, das einen bestaendigen Wert hat, denn alles verfaellt ueber Zeit, wenn nicht immer wieder menschliche Arbeit hinein gesteckt wird, um es aufrecht zu erhalten. Geld hingegen haftet die Illusion der Moeglichkeit von Reversibilitaet und eine Ewigkeitsfiktion / ein Wunschdenken in Bezug auf seine Werthaltigkeit an.
-
Diese Diskrepanzen loesen dann (siehe 3.)) die Krise aus, wenn sie unuebersehbar werden. Wenn kein Weg installiert wird, der Geld entgegen dem den Konzentrationsprozess ausloesenden Gradienten an den Ort seiner Entstehung zurueckfuehrt und dort mit einer Rate vernichtet, die der Vernichtung realer Werte durch den Zahn der Zeit entspricht, bricht das durch eine Wunschvorstellung genaehrte Vertrauen in seine Werthaltigkeit frueher oder spaeter zusammen. Entweder man akzeptiert das endlose Anwachsen der Geldmenge=der Schulden, was aber der Wunschvorstellung vom stabilen Geldwert wiederspricht, oder aber man installiert die oben skizzierte Rueckfuehrung. Japan tut letzteres in dem es mit niedrigst verzinsten Staatsanleihen bei seinen Wohlhabenden das akkumulierte Geld einsammelt und in Wirtschaftsstimulationsprogramme steckt. Wenn diese dann Struktur konservierend ausgerichtet sind, helfen sie nicht oder nur sehr bedingt und kurzfristig. Die USA versuchen das andere, in dem sie die Geldmenge massiv expandieren und in Europa eiert man herum und beharrt im wesentlichen auf dem, was vollkommen unmoeglich ist und folgt damit direkt dem brueningschen Pfad.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Eine beschoenigende Beschreibung der Folgen. Das mittlere Einkommen (mean) pro abhaengig Beschaeftigtem liegt bei etwa 1230 Euro. Das haeufigste Einkommen (mode) ein gutes Stueck darunter, sowie das durchschnittliche Einkommen um ein gutes Stueck darueber. Das sind die Merkmale einer deutlich rechtsschiefen Verteilung. Da diese Rechtsschiefe staendig zunimmt, verschaerfen sich die daraus entstehenden Probleme zunehmend. Kein Wunder, Einkommensstroeme fuehren zu Vermoegen, anwachsende Vermoegen zu weiter anwachsenden Einkommen usw. usf.. Der ganz offensichtliche Abschied der Eliten in Wirtschaft und Politik vom ehemals breiten Konsens "Wohlstand fuer Alle" ist nicht mehr zu leugnen. By the way, die durchschnittliche Haushaltsgroesse liegt bei 2 und nicht bei 4 Personen, wie der verlinkte Artikel verharmlosend suggerieren moechte, und so ein gutes Beispiel fuer die ueblich gewordene "Kommunikationsstrategie" der Eliten ist.



Kommentare:

  1. Landlord´s Game and Prosperity

    Was heute keiner mehr weiß: Monopoly ist ein uraltes Spiel, das 1903/04 von Elizabeth Magie entwickelt wurde und zwar unter dem Namen "Landlord´s Game", frei übersetzt "Das Spiel der Großgrundbesitzer".

    Der Unglaubliche ist nun, dass dieses Spiel von Elisabeth Magie aus Leidenschaft für soziale und ökonomische Gerechtigkeit erschaffen wurde.
    Das Spiel sollte eine "praktische Demonstration des gegenwärtigen Systems der Konzentration von Land sein, mit allen Ergebnissen und Konsequenzen."

    Es gab sogar 1932 für das Spielbrett einen zweiten Regelsatz verbunden mit einem zweiten Namen "Prosperity", Wohlstand, der sich aber -oh Wunder- nicht durchgesetzt hat.

    Vielmehr fand das Spiel in seiner "asozialen" Version Gefallen bei findigen Geschäftsleuten (wen wunderts ;-), so dass sich am Ende wohl noch um das Patent gestritten wurde.

    Ja wir können unser reales Spielfeld durch neue Eigentumstitel (aka Straßenkarten) wie CO2-Zertifikate und Patente auf Erbgut erweitern, dennoch werden wir auch in der realen Welt bald gezwungen, ein neues Spiel zu beginnen, wo wir die Eigentumstitel und das Geld (zumindest ein klein wenig und zu Beginn) etwas gerechter verteilen.

    Beim Neustart in der Realität sind allerdings die Anfangsbedingungen nicht gleich, wie die Geschichten der Familie Quandt und Flick nur allzuschön demonstrieren ...

    AntwortenLöschen
  2. Volle Zustimmung. Und um auf das zurueck zu kommen, was Sie bei einem Ihrer letzten Kommentare geschrieben haben. Es koennte einem wirklich egal sein, wenn sich Personen darueber definieren alles moegliche anzuhaeufen sollen sie es tun. Aber der Spass hoert eindeutig da auf, wo 1.) Mehrheiten mit negativem Vorzeichen an dem beteiligt werden, was sie erarbeitet haben und 2.) wo dringend notwendige Aenderungen, wie z.B. beim Energiekonzept, aus dieser Unvernunft heraus nicht in Angriff genommen werden. So wie ich es sehe, stehen drei, vier Elefanten seit laengerem im Raum und sie werden aus vollkommen unvernuenftigen Gruenden nicht in Angriff genommen. Es wimmelt nur so von falschen Etiketten, die den Blick auf die Wurzeln der Probleme verstellen. Es macht wenig Sinn darueber zu streiten, ob die Ursachen in der Finanzsphaere zu suchen sind oder eher in der Realwirtschaft. Denn beide sind gleichermassen betroffen. Geld ist kein Schleier. Das Geld- und Bankwesen ist integraler Bestandteil der Wirtschaft und es dient ihr u.a. zur Kommunikation von Potentialen (Bestaenden) und Fluessen (Transaktionen). Ausgeloest wurde die Lawine durch eine Verknappung des Kommunikationsmittels, da ist es natuerlich, dass man ersteinmal diese Verknappung wieder aufhebt, indem man die Notenbanken die Geldmaerkte fluten laesst. Aber der Lawinenabgang hat vielmehr offengelegt als die Tatsache, dass bei einer Verknappung des Kommunikationsmittels=Geld der Zusammenbruch droht. Und das ist gut so!
    Leider wird darueber was da offengelegt wurde nicht mal geredet, sondern die Diskussion auf Nebenkriegsschauplaetze und in Blinddaerme gelenkt. Warum? Weil es peinlich ist, wenn die bittere Wahrheit ans Licht kommt? Weil es offenlegt, dass jeder Fortschritt der die Konzentrationsprozesse befoerdert ein Rueckschritt in Feudalverhaeltnisse bedeutet?
    Aufklaerung ist wirklich der Schluessel, wenn man nicht hinter das, was man als Beginn der Moderne bezeichnet, zurueck fallen will. Und wenn man das begreift, dann wird einem auch klar, warum die hochkonzentrierten und investierten Interessen genau das Gegenteil, naemlich Gegenaufklaerung, betreiben. Es ist das alte Spiel, wie wir es aus dem Vorspann zu den Ereignissen von 1789 kennen. Nur wurde ein diskredierter Klerus inzwischen durch sog. “Wirtschaftswissenschaftler” neoklassischer Glaubensrichtung ersetzt.

    AntwortenLöschen
  3. Sehr geehrter Herr Trappe,

    ist dieser Konzentrationsprozess wirklich systemimmanent? Ich habe da meine Zweifel. Nehmen wir einmal an, wir drehen an folgenden Stellschrauben:

    - Löhne und Gehälter hoch aufgrund mächtiger Gewerkschaften
    - höhere Besteuerung von Gewinnen, Einkommen und Vermögen

    Dann kann sich das System doch schnell ins Gegenteil verkehren. Es wird weniger investiert, weil die unternehmerische Tätigkeit sich nicht mehr rentiert. Etc.

    Wie sehen Sie das?

    MFG

    Dr. Andreas Huthmann

    AntwortenLöschen
  4. Sehr geehrter Herr Dr. Huthmann,

    ich gehe inzwischen davon aus, dass die Konzentrationsprozesse auf sehr elementare menschliche Verhaltensweisen zurueck gehen. Siehe auch hier:
    http://georgtsapereaude.blogspot.com/2012/11/what-does-it-take.html
    Das macht aus dem Problem eine wirklich harte Nuss, wenn es um die Erarbeitung von Loesungsvorschlaegen geht.
    -
    Die von Ihnen genannten Ansaetze verlangsamen das Voranschreiten der Konzentration und nur der Griff auf die Vermoegen kann es wirklich stoppen/stabilisieren. Das steht allerdings im Gegensatz zu unserer gaengigen Rechtsauffassung bezueglich des Eigentums, was es nicht wirklich leichter macht, einen politisch durchsetzbaren Loesungsvorschlag zu unterbreiten.
    -
    Zur Wirkung von Lohnerhoehungen alleine, gibt es ein interessantes Modell von Goodwin, dass darueber die Entstehung von Konjunkturzyklen erklaert:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Goodwin_model_%28economics%29
    Es macht aber auch deutlich, dass Lohnerhoehungen alleine bezueglich der Konzentration von Vermoegen keine dauerhafte Loesung darstellen.
    Viele Gruesse
    Georg Trappe

    AntwortenLöschen