Montag, 30. April 2012

Geld- und Krisentheorie

Es gibt offensichtlich grosse Missverstaendnisse selbst unter Bankern ueber die Natur und die Entstehung von Geld im bestehenden Geld- und Bankensystem. Dies liegt vermutlich und z.T. daran, dass die Grundlagen der klasssischen Geldtheorie zu einer Zeit gelegt wurden, in der die Goldbindung bestand. Die Goldbindung verpflichtete das Bankensystem bei der Schoepfung von Geld ein festgelegtes Verhaeltnis zwischen Geldmenge und Goldreserve nicht zu ueberschreiten.  Dieses als Goldstandard bezeichnete System durchlief eine turbulente Geschichte und fuehrte in die verschiedensten Krisen, die durch Waehrungsreformen nur teilweise geloest werden konnten und letztendlich direkt in die Weltwirtschaftskrise 1929, die Bankenkrise in Deutschland und Oesterreich 1931 sowie in den zweiten Weltkrieg fuehrte. Nachdem zweiten Weltkrieg wurde mit dem sog. Bretton Woods System ein System fester Wechselkurse und Goldbindung des US$ als Leitwaehrung etabliert. Diese Goldbindung wurde 1973 aufgegeben, da die USA einseitig den Weg einer expansive Geldpolitik beschritten hatten, um den Vietnamkrieg finanzieren zu koennen. Das war das Ende "echten Geldes", welches demjenigen, der Geld akzeptierte, garantierte, dieses Geld zu jeder Zeit in einem festgelegten Verhaeltnis in Gold eintauschen zu koennen. In Folge wurde zu einem System meist freier Wechselkurse uebergegangen. Dieser Uebergang ist aber offensichlich in der Geldtheorie und in den Koepfen der Menschen bis heute nicht sauber verarbeitet. Selbst manche Banker unterscheiden noch zwischen "echtem Geld" und Kreditgeld. Dabei ist seit der Aufhebung der Goldbindung jedes Geld Kreditgeld, das durch Zentralbanken und Geschaeftsbanken geschoepft werden kann und geschoepft wird. Man spricht auch von Fiat Money (fiat (lateinisch) = es werde), da es aus dem Nichts (ex nihilo) entsteht. Seitdem gibt es nur noch physisches Geld in Form von Banknoten, das nur durch die Zentralbank geschoepft werden kann und Buchgeld aka Giralgeld, welches sowohl von den Notenbanken als auch von den Geschaeftsbanken im Zuge der Kreditvergabe geschoepft werden kann. Und zwar aus dem Nichts. Beim physischen Geld besogt das eine Druckerpresse und die Schoepfung von Buchgeld ist ein Buchungsvorgang innerhalb des Bankensystems bei dem im Zuge der Kreditvergabe zwei Eintraege in der Bankbilanz (meist auf einem Computer gefuehrt) entstehen. Auf Seiten der Aktiva eine Forderung der kreditgebenden Bank gegen den Kreditnehmer und auf Seiten der Passiva ein entsprechend hohes Guthaben auf dem Girokonto des Kreditnehmers. Die Hoehe der Geldschoepfung ist bei der Zentralbank theoretisch unendlich und praktisch nur duch die Faehigkeit der Kreditnehmer akzeptierte Sicherheiten zu stellen begrenzt. Eine Forderung gegen die Zentralbank gilt daher als die "sicherste" Sache innerhalb des Bankensystems, da die Zentralbank nicht Pleite gehen kann, in dem ihr das Geld ausgeht. Die maximale Hoehe der Geldschoepfung durch die Geschaeftsbanken ist theoretisch durch drei Elemente begrenzt.
1.) Durch das haftende Eigenkapital. D.h. die "risikogewichtete" Bilanzsumme darf ein gewisses Verhaeltnis zum haftenden Eigenkapital nicht uebersteigen, wobei auch noch verschiedene Kapitalarten (Tier1, Tier2,...) unterschieden werden. Hier sind vor allem die Basel - II , -III Vorschriften zu nennen, die diese Begrenzung etablieren sollen.
2.) Die Faehigkeit der Kreditnehmer der Bank Sicherheiten zu stellen. Hier hat die Bank sehr weitgehende Spielraeume, was und wie weit sie gestellte Sicherheiten als soche akzeptiert.
In Deutschland war es zum Beispiel ueber lange Jahre ueblich beim privaten Hausbau den Vorrangigen Eintrag in das Grundbuch als Sicherheit fuer eine Hypothek in Hoehe von bis zu 60% des geschaetzten Verkehrswerts des Grundstuecks (inkl. seiner Bebauung) zu akzeptieren. Dieser Prozentsatz wurde aber immer wieder angehoben, in den USA im Lauf der Immobilienblase  z.T. auf 100% und mehr. Auch die Verkehrswertschaetzung ist Angriffspunkt fuer Bestrebungen moeglichst viel Kredit auszureichen/ausgereicht zu bekommen. Daher werden von serioesen Banken vereidigte Sachverstaendige fuer diese Aufgabe herangezogen, die als unbestechlich gelten.
Leider ist es so, dass selbst Leiter des Kreditausschusses aber auch Grosskunden einer Bank immer wieder versuchen Einfluss auf diese Schaetzer zu nehmen, um ihre Interessen durchzusetzen. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass bei Staatsanleihen die Funktion der vereidigten Sachverstaendigen durch Ratingagenturen uebernommen wird.
3.) Mindestreserveanforderungen der Zentralbank (EZB bis Ende 2011 2%, seitdem 1%). Hiermit verpflichtet die Zentralbank die Geschaeftsbanken einen geringen Prozentsatz der Bilanzsumme als Forderung gegen die Zentralbank= eine Einlage bei der Zentralbank und / oder Bargeld in Form von Banknoten und Muenzen der ausgebenden Zentralbank zu halten.
Alle drei Mechanismen stehen z.Zt. in  Diskussionen, die die jeweilige Wirksamkeit in Frage stellen. Tatsache ist, dass die Geschaeftsbanken ihr eingesetzes Eigenkapital in erheblichem Umfang hebeln koennen. D.h. die Bilanzsumme kann durch Kreditvergabe=Geldschoepfung auf ein Vielfaches des eingesetzten Eigenkapitals ausgedehnt werden. Da das Eigenkapital durch zugefuehrte Gewinne ebenfalls stark wachsen kann, ergibt sich das Potential fuer ein exponentielles Wachstum, wie es auch tatsaechlich zu beobachten ist (siehe M0 Base Money vs. M3).
Dieses Potential der Geschaeftsbanken zur Geldschoepfung aus dem Nichts hat in den vergangenen 15 Jahren zu mindestens drei grossen Krisen mit verheerenden Folgen fuer die Realwirtschaft gefuehrt. Die Asienkrise 1997 in der sog. "Hot Money" zunaechst in die aufstrebenden Tigerstaaten stroemte und dann in Folge einer Waehrungsspekulation gegen den thailaendischen Baht panikartig zurueck gezogen wurde. Die sog. Dotcom Blase, in der gigantische Geldmengen zunaechst in die aufstrebende Internetindustrie gepumpt wurden, die sich dann ebenfalls panikartig zurueck zogen, als klar wurde, dass diese Unternehmen niemals eine Chance haben wuerden, Gewinne in entsprechender Hoehe zu generieren. Und die sog. Sub Prime Hypotheken Krise, die sich inzwischen zu einer Weltwirtschaftskrise ausgewachsen hat, in deren Folge nicht nur das Projekt Europa an die Wand gefahren wurde, sondern auch die wirtschaftliche Zukunft vieler weiterer westlicher Industriestaaten in Frage gestellt erscheint.
Ursaechlicher Kern dieser Krisen ist die Faehigkeit des Finanzsystems sehr schnell sehr grosse Mengen Geldes bereit zustellen, um zunaechst in einer sich selbstverstaerkenden Mitkopplung via Asset Price Inflation einen hoch spekulativen Boom auszuloesen und zu unterstuetzen, der dann frueher oder spaeter in sich zusammen brechen muss, und zu einem "Auschwingen" dieser "Abrissbirne", wie Soros es mal genannt hat, fuehrt. Die betroffenen Volkswirtschaften leiden dann unter einer sog. Debtdeflation, die nicht nur die Auswuechse bereinigt sondern auch verheerende Folgen bei ansich gesunden und wuenschenswerten Entwicklungen hinterlaesst.
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Der skandaloese Fakt, dass die neoklassischen Theorien der Volkswirtschaftslehre Banken nur als Durchreichestation von Ersparnissen und Gewinnen hin zu Investitionen betrachten und das Potential zur Geldschoepfung der Geschaeftsbanken und die Moeglichkeit einer dynamischen sich selbstverstaerkenden Mitkopplung ueber Asset Price Inflation nicht sehen und in ihren Modellen nicht beruecksichtigen, macht die sog. Wirtschaftwissenschaften zu Mitschuldigen an diesen Katastrophen. Denn was ist das fuer eine Wissenschaft, die das zentrale Kommunikationsmittel Geld und seine Entstehung nicht verstanden hat und nicht beruecksichtigt? Wie kann man einen Menschen verstehen wollen, ohne sein zentrales Nerven- und Kommunikationssystem in die Betrachtungen einzuschliessen? Das ist mir bis heute schleierhaft. Es gibt nur einen Oekonomen, der dies zu beheben sucht. Und das ist Steve Keen. Selbst Nobelpreistraeger wie Paul Krugman stellen sich auf diesem Auge blind. 
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Das Banker und Zentralbanker sich der Einsicht verweigern, dass seit der Abschaffung des Breton Woods Systems Geld nicht mehr ausschliesslich die Weiterreichung eines Anrechts auf ein reales in begrenzter Menge vorhandenen Gut in Form von Gold darstellt, sondern inzwischen stark ueberwiegend Kreditgeld ist, das aus dem Nichts geschoepft wird, ist nur mit der fuer sie daraus entstehenden Macht und der Moeglichkeit der Erzielung enormer Profite zu erklaeren. Dabei hat schon Ludwig v. Mises in seiner Theory of Money and Credit die Moeglichkeit der Banken zum "...granting of credit through the issue of fiduciary media, that is, notes and bank balances that are not covered by money." hingewiesen. Dabei ging er natuerlich bei "money" vom durch Gold gedeckten Geld seiner Zeit aus.
"The business of banking falls into two distinct branches: the negotiation of credit through the loan of other people's money and the granting of credit through the issue of fiduciary media, that is, notes and bank balances that are not covered by money. Both branches of business have always been closely connected. They have grown up on a common historical soil, and nowadays are still often carried on together by the same firm. This connection cannot be ascribed to merely external and accidental factors; it is founded on the peculiar nature of fiduciary media, and on the historical development of the business of banking."


Das in der heutigen Zeit "Echtes Geld", also durch Gold gedecktes Geld nicht mehr existiert und nur noch  "fiduciary media" = treuhaenderisch verwaltete Medien = treuhaenderisch verwaltetes Buchgeld, wie er es nannte, existiert, wurde einfach "uebersehen" und nicht in die Theorien eingearbeitet. Das ist verheerend, da die Implikationen und Versuchungen die daraus entstehen massive Auswirkungen auf die Qualitaet der wirtschaftlichen Entwicklung und die Entstehung von Krisen haben.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Donnerstag, 26. April 2012

Think tanks ante portas

Dieses Werk wurde von seinem Urheber Sicherheitsoffizier ALÜ als gemeinfrei veröffentlicht. Dies gilt weltweit.
In manchen Staaten könnte dies rechtlich nicht möglich sein. Sofern dies der Fall ist:
Sicherheitsoffizier ALÜ gewährt jedem das bedingungslose Recht, dieses Werk für jedweden Zweck zu nutzen, es sei denn Bedingungen sind gesetzlich erforderlich.

Da hat wohl jemand was von "Gestaltungs- und Fuehrer- Fuehrungsaufgabe" in meinem Blog gelesen und schon spriessen / rollen die "Think Tanks" was das Zeug haelt.
Genau das Richtige fuer Alle, die gerne denken lassen.

Eine Kostprobe gefaellig? :

"Ricke: Aber es stimmt doch: Politiker wollen wiedergewählt werden, Unternehmer müssen Quartals- und Jahreszahlen vorlegen, Wissenschaftler sich auf den nächsten Kongress vorbereiten. Wie kriegt man denn nun alle dazu, ein gemeinsames Ziel zu definieren und das auch wirklich nachhaltig zu verfolgen?

Leipprand: Na ja, man muss erst mal hier glaube ich auch ein bisschen Sympathie mit unseren Führungskräften haben: Es ist natürlich einfach schwerer geworden. Also Sie sagen es, es gibt natürlich Anreize sich erst mal mit den kurzfristigen Dingen zu beschäftigen, genau, der Politiker denkt an seine Wiederwahl, der Unternehmenschef an die Aktienkurse und den Quartalsbericht. Das ist gar nicht so leicht, als Führungskraft hier die langfristigen und die übergeordneten Ziele im Blick zu haben, zumal die Welt einfach noch mal schnelllebiger geworden ist in den letzten Jahrzehnten, komplexer geworden ist und einfach immer mehr Anforderungen und Aufgaben auf die Führungskräfte auch einprasseln. Und deswegen braucht es da schon noch mal eine Kraftanstrengung, sich auch mit den langfristigen Dingen zu beschäftigen."


Halleluja

Georg Trappe

Ich bedanke mich bei Feynsinn fuer den Hinweis.
Siehe auch Think Tanks etc.:   Council on Foreign Affairs, American Council on Germany, Atlantik Bruecke, Atlantic Community, Bertelsmann Stiftung, Europaeische Ratingagentur, Economic Hitmen by US DoD
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Herr Leipprand war Stipendiat der McCloy Studienstiftung, die mit der Haniel Stiftung kooperiert
John J. McCloy
Haniel
Liste_der_500_reichsten_Deutschen
Atlantik Bruecke
"Mitglieder der Atlantik-Brücke waren maßgeblich in den CDU-Parteispendenskandalen, der Flick-Affäre 1980 [33] und der Schwarzgeldaffäre Ende der 90er Jahre, sowie der Leuna-Affäre involviert und wurden rechtskräftig zu mitunter mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. [34][35] Young Leader Karl Theodor zu Guttenberg löste 2009 zunächst eine breite Debatte über das Ausmaß des Lobbyismus in der Gesetzgebung aus.[36] Guttenberg geriet stark in die Kritik, weil er mit der Ausarbeitung des Gesetzentwurf zur Zwangsverwaltung maroder Banken die britische Wirtschaftsgroßkanzlei Linklaters beauftragt hatte, welche enge Geschäftsbeziehungen zu internationalen Großbanken, insbesondere Goldman Sachs, unterhält.[37][38][39] Zudem wurde der eigene Entwurf aus dem Bundeswirtschafts- bzw. Justizministerium ignoriert. Die weitgehende Übernahme des Linklaters-Entwurfs in das Gesetzgebungsverfahren wurde von heftiger Kritik begleitet. [40][41][42][43] Abermals machte Guttenberg negative Schlagzeilen als Hauptdarsteller in der Plagiatsaffäre um seine Dissertation, die letztendlich im Rückritt als Bundesverteidigungsminister gipfelte. Mit Christian Wulff und Kai Diekmann waren zwei weitere Young Leader der Atlantik-Brücke Hauptbeteilligte an einer der großen Politaffären der deutschen Nachkriegszeit, der Wulff-Affäre. In der Affäre um die einst größte europäische Privatbank Sal. Oppenheim ist gegen mindestens ein Mitglied der Atlantik-Brücke Anklage wegen Untreue in einem besonders schweren Fall erhoben worden. [44]"

"2010 waren mehrere Vorstandsmitglieder, darunter zunächst auch der Vorsitzende Friedrich Merz, von ihren Ämtern zurückgetreten, nachdem der Ehrenvorsitzende Walther Leisler Kiep heftige Kritik an Merz geübt hatte und ihn in einem Schreiben zum Rücktritt aufforderte. Merz hatte zum Mißfallen Kieps öffentlichkeitswirksam "der politischen Klasse, insbesondere Angela Merkel, mangelnde politische Führung" vorgeworfen. Merz, der als Modernisierer der "in Ehren ergrauten Institution" Atlantik-Brücke angetreten ist , stellte sich erneut zur Wahl und wurde mit großer Zustimmung wiedergewählt. Der neue Kurs von Merz sieht u.a. eine teilweise Emanzipation von wirtschafts- und finanzpolitischen Zukunftsstrategien amerikanischer Thinktanks vor. [45][46][47]"

Quelle: Wikipedia April 2012

 Merkel Warburg Award

Sonntag, 22. April 2012

Wirtschaft, ein Optimierungsproblem und eine Gestaltungs- / Fuehrungsaufgabe

"Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug" Epikur

Wenn man Wirtschaft als Optimierungproblem verstehen will, dann muss man sich zunächst klar machen, was es denn genau ist, was man optimieren möchte und durch welchen Parameter die zu optimierende Groesse denn zutreffend beschrieben ist. Hier besteht meiner Meinung nach im Mannschaftsport Wirtschaft schon erheblicher Klaerungsbedarf, denn die gängigen Antworten sind mehr als verschwommen und sehr Konfliktträchtig. Die diplomatische und daher auch wohl meist verbreitete Antwort ist wohl die, die Wohlstand als das zu optimierende Gut nennt. Doch wie lässt sich Wohlstand messen, und was ist aus dem alten konsensfaehigen Ziel: Wohlstand fuer Alle geworden? Die Antworten auf diese Fragen lauten regelmaessig, das BIP ist der Wohlstandsindikator und das Ziel Wohlstand fuer Alle ist als Utopie entlarvt und so pragmatischeren Dingen zum Opfer gefallen. Es sieht also so aus, als sei Wirtschaft nach der gaengigen Auffassung nichts anderes als die Optimierung des Wohlstands durch Maximierung des BIPs. Wenn es so einfach ist, woher kommen denn dann alle jene Probleme, die die Wirtschaft in den vergangenen Jahren ganz nebenbei und wie aus heiterem Himmel an den Rand des Zusammenbruchs gefuehrt haben, moechte man fragen.
Die ans Absurde grenzende Antwort scheint mir zu sein: "Das war ein "bedauerlicher" Betriebsunfall, stellt keine dummen Fragen und konzentriert Euch bitte wieder auf die Maximierung des BIPs, dann wird alles wie von selber wieder gut."
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Irgendetwas in mir fuehlt sich durch diese Art von Antwort mehr als beleidigt.  Das scheint mich zwar zum Aussenseiter zu machen, aber ich gebe diesem"beleidigten Etwas" trotzdem gerne Raum, da in aehnlich gelagerten Faellen in der Vergangenheit es genau dieses "mehr als beleidigte Etwas" war, was Dinge hervorgebracht hat, auf die ich nicht verzichten moechte.
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Zielgerichtete Optimierung ist eine klassische Fuehrungsaufgabe, wenn sie von einer Gruppe bewerkstelligt werden soll.
Da ich mit der (Fuehrungs-) Methode "Management by Objectives, Judgement by Results" ausgesprochen gute Erfahrungen gemacht habe, moechte ich ausgehend vom proklamierten Ziel Wohlstandsoptimierung durch BIP Maximierung und dieser Methode versuchen sowohl die (Fuehrungs-)Qualitaeten der Protagonisten, sowie ihre Chancen, dass Ziel zu erreichen, etwas genauer unter die Lupe nehmen.
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Das BIP ist eine Stromgroesse, die in Rechnungseinheiten (Euro, US$ etc.) gemessen und ausgedrueckt wird. D.h. zwischen den realen Waren und Leistungen und dem in Rechnungseinheiten ausgedrueckten BIP liegt eine Bewertung dieser Waren und Leistungen in Form von Preisen. Diese in Rechnungseinheiten gemessene Stromgroesse soll die Gesamtheit der erzeugten Waren und Leistungen = Verbrauch + Veraenderung der Lagerbestaende pro Zeiteinheit, die meistens ein Jahr ist, soll also im Sinne von Wohlstandsoptimierung maximiert werden. Wenn man mal fuer einen Moment gnaedig davon absieht, dass es sich also um eine angestrebte Verbrauchsmaximierung handelt, die in einer Welt endlicher materieller Resourcen einen Irrsinn darstellt, wird klar, das diese Maximierung auf zwei Wegen erreicht werden kann. Erhoehung des realen Outputs, in Form von realen Waren und Leistungen oder durch Erhoehung von Bewertungen = Preisen. Es stellt sich also die Frage, was ist es denn nun, was maximiert werden soll, wenn Wohlstand optimiert wird. Realer Output/Verbrauch oder Preise? Nun die gaengige Antwort ist, das es der reale Output/Verbrauch ist, der maximiert werden muss, wenn der Wohlstand optimiert werden soll und dass daher die Zentralbank per Geldmengen- und Zinspolitik die Inflation der Preise = Geldwert kontrollieren soll. D.h. es wird zwischen einem nominalem und einem realen BIP unterschieden, wobei das reale BIP ein von Inflation bereinigtes BIP ist. Daraus ergibt sich sowohl eine weitere Messaufgabe als auch eine Steuerungsaufgabe fuer die Zentralbank. Sie muss Inflation messen und durch ihre Instrumente der Geld- und Zinspolitik kontrollieren.
Kritikwuerdig ist an dieser Stelle zum einen, das die Zentralbanken bei der Inflationsmessung einen im wesentlichen auf Verbrauchsgueter beschraenkten Warenkorb heranziehen und so die Inflation von Asset Preisen unberuecksichtigt bleibt. Zum anderen sind die Zentralbanken ganz offensichtlich nicht in der Lage in Krisen, die durch exezessive Ausweitung der Geldmenge = Bilanzexpansion bei den Geschaeftsbanken ausgeloest wurden, die Geldmenge zu kontrollieren, wenn sie nicht die Kontrolle ueber den Zins verlieren wollen (1).
Hier ergibt sich also die Moeglichkeit, wenn nicht sogar die Zwangslaeufigkeit, das die Wohlstandsoptimierung durch Verbrauchsmaximierung zur Preismaximierung bei sog. Assets durch exzessive Bilanzerweiterung der Geschaeftsbanken pervertiert.
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Wenn man die (Fuehrungs-)Methode "Management by Objectives, Judgement by Results" erfolgreich anwenden will, dann ist es wichtig, das die angestrebten Ziele eindeutig messbar sind und von allen Beteiligten nicht nur verstanden, sondern auch als erstrebenswert anerkannt sind. Ich habe somit im Vorangegangen aufgezeigt, das beim Ziel Wohlstandsoptimierung durch BIP- = Verbrauchsmaximierung nicht nur der Konsens ueber die Sinnhaftigkeit des Wegs (=Verbrauchsmaximierung) zum Ziel (=Wohlstandsoptimierung) ausgesprochen fraglich ist, sondern auch erhebliche Zweifel an den Mess- und Kontrollmethoden der zur Zielereichung zu kontrollierenden bzw. zu steuernden Parameter Preisniveau und Inflation bestehen.
Aber es kommt noch schlimmer.
Denn abhaengig davon, wen man fragt, bekommt man verschiedene Antworten auf die Frage was der Einzelne in seiner Rolle denn nun optimiert bzw. maximiert.
Kapitaleigner maximieren ihr Eigentum an Real- und Geldvermoegen. Beides sind Bestandsgroessen, die durchaus dem Ziel im Wege stehen koennen.
CEOs in realwirtschaftlichen Unternehmen maximieren als Dienstleiseter der Kapitaleigner ihre Bezuege, in dem sie den sog. Shareholdervalue fuer diese Kapitaleigner maximieren und meinen damit die Maximierung des Gewinns der Unternehmen, der eine Flussgroesse ist und so die Akkumulations- / Wachstumsrate des Kapitals in Haenden der Eigentuemer bestimmt.
Banker, ebenfalls Dienstleister der Kapitaleigner, maximieren ihre Boni indem sie die Eigenkapitalrendite der Bankeigner maximieren, was auf exponentielle Bilanzausweitung bei moeglichst geringem Eigenkapital hinauslaeuft.
Politiker maximimieren ihre Chancen wiedergewaehlt zu werden, in dem sie Steuern erheben
und gehebelt durch Kredite wieder verteilen, nicht ohne sich und ihre Beamten/Staatsdiener dabei zu vergessen.
Und Arbeiter und Angestellte versuchen ihren Lohn zu maximieren indem sie bei all dem ausser viel Arbeit auch noch das Wohlwollen der Chefs zu erreichen suchen.
Also ein  Chaos das nicht ansatzweise ein gemeinsames,  geschweige denn ein verstandenes und akzeptiertes Ziel mit dem Namen Wohlstand enthaelt.
Das ist aus meiner Sicht ein Beleg fuer die miserablen Fuehrungsqualitaeten der Verantwortlichen, die sich in der Missachtung ganz grundsaetzlicher Erfordernisse einer erfolgreichen Bewaeltigung von Optimierungsproblemen und Erreichung von Zielen manifestiert. Da wundert es einen, dass ueberhaupt etwas aus diesem miserababel gefuehrtem Sauhaufen heraus kommt.
Und das, was dabei heraus kommt schauen wir uns nun etwas naeher an.
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Ausgehend von den Annahmen, das:

1. Menschen das Potential haben Ueberschuesse zu produzieren
2. Menschen die Motivation haben, diese Ueberschuesse so einzusetzen, dass sie produktivitaetssteigernd wirken, um sich so eine Entwicklung zu mehr "Wohlstand" zu ermoeglichen.
3. Menschen bei diesem Bestreben aus verschiedensten Gruenden unterschiedlich erfolgreich sind.
4. Das soziale System Wirtschaft ein offenes System ist, das zur lokalen Entropiesenkung = Hierarchie und Strukturbildung faehig ist.

ergibt sich daraus zum einen die Moeglichkeit eines zunaechst exponentiellen Wachstums auf Basis der "Erfolgsformel" von kontinuierlicher und konsequenter Reinvestition von Ueberschuessen in produktivitaetssteigernde Massnahmen und zum anderen das parallel verlaufende Fettaugensyndrom mit der staendig voranschreitenden Konzentration des Kapitals in Form von Real- und Geldvermoegen in den Haenden von immer weniger Menschen (=Hierarchie- und Strukturbildung). Wenn man die oben angesprochenen Komplikationen durch das Banken-/Geld-/Finanz- und Bewertungssystem als untaugliche Versuche, die realen Probleme zu loesen, wertet und in einer ersten Betrachtung aussen vorlaesst und nur diese beiden parallel verlaufenden, realen, empirisch belegbaren Entwicklungen als kennzeichend betrachtet, dann kann man die negativen Rueckwirkungen auf die Entwicklung des BIP durch die staendig steigende Produktivitaet (Tendenz zu Deflation/Preisverfall), Konzentration der Produktions- und Finanzmittel in den Haenden immer weniger Menschen, Ausschluss von immer mehr Menschen vom Produktionsprozess und damit Ausschluss von der Nachfragemoeglichkeit, bei der Modelbildung  in einem zeitabhaengigen Parameter

 

zusammengefasst abbilden, der an die Entwicklung des beim Fettaugensyndrom linear ansteigenden Theil Index gekoppelt ist. Dabei ist B eine Konstante, die die Rate des Ansteigens des Theil Index und der dadurch ausgeloesten kontraproduktiven Probleme beschreibt. Dieser Term ist also eine Abbildung der Resourcen "Kohaesion und sozialer Friede durch Partzipation und Gerechtigkeit", die durch bei fortschreitender Konzentration von Kapital reduziert. Fuer das BIP ergibt sich dann das Produkt aus exponetiell wachsender Produktivitaet und dieser linear abnehmenden Resource.


D.h. es bildet sich die Differenz zweier exponentiell verlaufender Entwicklungen, in der zunaechst der positive Term dominiert aber mit fortschreitender Zeit der negative Term das Regime uebernimmt. 

Daraus egibt sich dann wieder der fuer ein Tipping Point Model typische Verlauf ueber Zeit.

BIP Verlauf als Funktion der Zeit in einem Tipping Point Model

Wollte man also das BIP maximieren, dann muesste man die Entwicklung des Theil Index, also das Fortschreiten der Ungleichverteilung und der daraus resultierenden negativen Rueckwirkung, an der Stelle stoppen, an der das BIP maximal wird.
Das kommt unseren, auf Neoliberalismus gepolten, Eliten aber nicht in den Sinn, denn sie betrachten den Anstieg des Theil Index, also die zunehmende Konzentration von Kapital in den Haenden Weniger, als Antreiber und nicht als ueber Zeit kontraproduktiv werdendes Hindernis. Diese Fehleinschaetzung resultiert aus der Tatsache, das Wirtschaft als offenes System zunaechst wirklich Strukturen und Hierachien schaffen kann und muss, die produktivitatetssteigernd, also verstaerkend  wirken. Der Glaube an endloses exponentielles Wachstum verstellt aber den Blick dafuer, das exponentielles Wachstum Ausdruck eines Systems ist, das durch einen Energiestrom angetrieben im Ungleichgewicht ist und so seine Grenzen sucht. In solchen ungleichgewichtigen rueckgekoppelten dynamischen Systemen koennen Grenzen auch durch das entstehen, was zunaechst das Wachstum ermoeglicht oder antreibt. So gesehen kann eine Ausdifferenzierung=Ungleichwerdung ein zweischneidiges Schwert sein, was sich ab einem gewissen Punkt dem Wachstum entgegen stellt, obwohl es das selbe zunaechst ausgeloest und befoerdert hat. Die "Erfolgsformel" der Produktivitaetssteigerung durch kontinuierliche und konsequente Reinvestition von Ueberschuessen wird so gesehen durch das Fettaugensyndrom zur Falle.
So etwas koennen oder wollen neoliberale Eliten, die noch nicht einmal die primitivsten Grundlagen zur Bewaeltigung einer Optimierungsaufgabe im Team beherrschen und denen absurde, realitaetsferne, neoklassische Wirtschaftstheorien auf Basis Gleichgewichtsmodellen eingehaemmert wurden, aber offensichtlich nicht erkennen.
Selbst dann nicht, wenn sich dieser Effekt in den Bilanzen der Banken unuebersehbar deutlich dokumentiert.
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Das die Realitaet noch eine viel haertere Nuss zu knacken aufgibt, macht es diesen verblendeten Stuempern dann endgueltig unmoeglich, ihrer eigentlichen Aufgabe und Verantwortung gegenueber der Gesellschaft gerecht zu werden. Denn wie oben schon erwaehnt, ist Wohlstandsoptimierung durch Maximierung des Verbrauchs angesichts endlicher materieller Resourcen auf diesem Planeten der blanke Irrsinn. Denn wenn die Erzeugung des BIPs in weiten Teilen auf der Nutzung einer endlichen Resource beruht, was beim bestehenden Energiekonzept der Fall ist, entsteht so eine weitere Rueckkopplung der oben beschriebenen Natur, die eine noch viel groessere  Herausforderung darstellt, als das Einfrieren einer Ungleichverteilung von Kapital, Vermoegen und Einkommen, Firmengroessen etc. auf einem bestimmten produktiven Niveau. Denn ein offenes System braucht einen kontinuierlichen Energiestrom, wenn es existieren will. Es ist noch vorstellbar die Ungleichverteilung auf ein bestimmtes Niveau zurueck zu fueheren und dort einzufrieren aber eine kontinuierliche Senkung der Energiezufuhr bedeutet ab einem gewissen Punkt den sicheren Kollaps der bestehenden Strukturen. Die Aufgabe besteht an dieser Stelle also darin die Energiequelle im laufenden Betrieb zu wechseln und zwar in Richtung einer Energiequelle, die gemessen an menschlichen Massstaeben wirklich unendlich ist und gleichzeitig keine toxischen Abfallprodukte generiert.
Denn das offene System Wirtschaft ist durch seine Einbettung in das System Planet Erde zwar offen fuer Energiezufluesse, Entropieabfluesse aber der Planet Erde ist durch ein Vakuum umgeben und daher fuer Materiefluesse als geschlossen zu betrachten. D.h. ein Energiekonzept das auf Verbrennung endlicher materieller Resourcen beruht oder ein Energiekonzept das toxischwirkende Abgase/Abfaelle erzeugt, ist auf Dauer nicht tragfaehig.  Insbesondere dann nicht, wenn man Wohlstansoptimierung durch Verbrauchsmaximierung betreibt. Und da gibt es nur eine hoch elegante Technologie die das umgeht und das ist Photovoltaik oder jede andere vergleichbare  Art, die Sonnenenergie direkt nutzbar zu machen. Wie damit z.Zt. aus niedrigen Beweggruenden umgegangen wird, wenn neoliberale Stuemper am Werk sind, koennen Sie z.Zt. in jedem Wirtschaftsteil der Mainstreampresse nachlesen. Wenn ich gleichzeitig sehe, wieviel Energie, und damit meine ich menschliche Arbeit/Zeit, in den letzten fuenf Jahren darauf verwendet wurde, dass durch idiotische Banker gestoerte wirtschaftliche Kommunikationssytem Geld- und Finanzwesen zu reparieren und ich die dabei nur marginal von Null abweichenden Fortschritte an dieser Baustelle sehe, dann  muss man wohl an das Wunder glauben, wenn man die Hoffnung nicht aufgeben/verlieren will, dass vielleicht doch nochmal der Tag kommt, an dem man sich den grossen, wirklich ursaechlichen Problemen zuwendet und sich dabei vielleicht auch noch an das konsensfaehige und aktivierende Ziel:"Wohlstand fuer Alle" erinnert.

Sapere Aude!

Georg Trappe


Freitag, 20. April 2012

Wann irren tausend Fliegen?

Die heise Redaktion verzeiht mir hoffentlich, wenn ich eine ihrer Artikelueberschriften entleihe und in einen mir angebracht erscheinenden Kontext stelle. Ifo Geschaeftsklimaindex und ZEW Index.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Deutsche Elite sehnt sich Einparteiensystem herbei

Kann man sich nach etwas sehnen, was schon seit langem Realitaet ist? 
Wenn man Elite ist schon.
Nur muss man, um den Schein von Demokratie aufrecht zu erhalten, das Wahlvolk dahingehend beeinflussen, motivieren, manipulieren, dass es auch das Gefuehl bekommt dieser "unwiderstehlichen Sehnsucht" nach hocheffizienter mononeuronaler Einigkeit nur erliegen zu koennen, indem es vom aktiven! Wahlrecht auch Gebrauch macht. Und fuer alle die, die sich fuer schlau genug halten, dieser umwiderstehlichen Sehnsucht widerstehen zu koennen, wird ein Blinddarm installiert, in den sich der  protestierende Intellekt verlaufen darf.

Halleluja!

Georg Trappe

Mittwoch, 18. April 2012

Was die Entwicklung der Target2 Salden wirklich offenlegt

Zunaechst muss man verstehen was das Target2 System ist, wozu es dient und wie es funktioniert. Das Target2 System ist ein System zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs fuer Grossbetraege zwischen Banken innerhalb der europaeischen Waehrungsunion ueber Landesgrenzen hinweg. Um das Kontrahentenrisiko auszuschliessen, laufen diese Zahlungen ueber die nationalen Zentralbanken und die EZB. Dies geschieht wie folgt.
Ein Kund A bei Bank A in Land A moechte an einen Handelspartner B bei Bank B in Land B einen Grossbetrag "ueberweisen". Dazu wird ein Guthaben des Kunden A bei Bank A auf deren Passivseite geloescht und durch ein entsprechendes Guthaben der Zentralbank A ersetzt. Gleichzeitig wird bei Bank B fuer Kunden B ein Guthaben in gleicher Hoehe auf der Passivseite der Bank B gutgeschrieben und Bank B erhaelt dafuer eine Forderung gegen die Zentralbank B. (Um 0 Uhr werden die Forderung der Zentralbank A gegen Bank A und die entsprechende Verbindlichkeit der Zentralbank B gegenueber Bank B an die EZB weitergereicht.) Es wird also Zentralbankgeld in Hoehe der "Ueberweisung" geschoepft. Es handelt sich um eine passive Geldschoepfung der Zentralbanken, da die Initiative dazu nicht bei ihr liegt, sondern diese durch die "Ueberweisung" ausgeloest wird. Die Bilanz der Bank  A verkuerzt sich nicht! und die der Bank in B verlaengert sich um den "ueberwiesenen"  Betrag in Form eines Guthabens von Kunde B und eine entsprechende Forderung gegen die Zentralbank. Wichtig ist, das eine Forderung gegen die Zentralbank als die sicherste Forderung gilt, da eine Zentralbank dank unbegrenzter Kapazitaet zur Geldschoepfung nicht Pleite gehen kann. Wenn am gleichen Tag ein Vorgang in gleicher Hoehe in umgekehrter Richtung ablaeuft, werden die Target2 Salden der Zentralbanken zu Null, denn die Zahlungsstroeme sind ausgeglichen. Nur wenn ueber laengere Zeitraeume unidirektionale Zahlungsstromueberhaenge, also Zahlungsstroeme ohne ausgleichende Zahlungsstroeme in entgegensetzter Richtung stattfinden, koennen stetig anwachsende Target2 Salden entstehen. Dies ist z.B. der Fall, wenn langanhaltende Leistungsbilanzdefizite aufgrund stark unterschiedlicher Leistungsfaehigkeit der beteiligten Volkswirtschaften entstehen. D.h. wenn z.B. in A immer nur Ware gekauft/Geld "ueberwiesen"  wird und in B immer nur Ware geliefert und Geld als Bezahlung entgegengenommen wird.  Weiterhin koennen Target2 Salden Ausdruck einer Kapitalflucht sein, bei der Guthaben in A aufgeloest und nach B transferiert werden. Die Entstehung von Target Salden bei Leistungsbilanzdefiziten kann aber eliminiert werden, wenn von B aus nicht nur Waren nach A geliefert werden sondern auch Kredite, die die Bezahlung der Waren ermoeglichen. Dann entsteht ganz unauffaellig ein sich kumulierendes Defizit, das sich ausschliesslich in den Buechern der Geschaeftsbanken in B in Form von Forderungen gegen Kreditnehmer in A niederschlaegt. Wenn diese z.B. "risikolose" Staatsanleihen des Landes A sind und Land A damit seine Leute und seine Infrastrukturmassnahmen bezahlt und diese die Waren fuer ihren Konsum bzw. die Infrastrukturprojekte in B einkaufen, dann erlebt B einen Export Boom, die Banker in B einen Boni Boom und im Land A findet ein kreditfinanziertes "Wirtschaftswunder" statt. Leider ist dieses "Wirtschaftswunder" nicht selbsttragend, da die realwirtschaftliche Entwicklung in A gegen die bereits bestens etablierte und aus Ueberkapazitaeten liefernde Realwirtschaft in B keine Chance hat. Insbesondere dann nicht, wenn in B die Realloehne stagnieren und in A die Realloehne dank "Wirtschaftswunder" steigen, was der Wettbewerbsfaehigkeit der Unternehmen in A direkt zuwider laeuft.
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Die folgenden Grafiken belegen exakt diese Entwicklungen.



 Seit der Euroeinfuehrung bis 2002/2003 entwickelt sich der Output der indutriellen Produktion in Deutschland und in den Suedstaaten relativ homogen/parallel. Doch mit dem Beginn der Umsetzung der Agenda 2010 in Deutschland und einer gleichzeitig einsetztenden relativ staerkeren Kreditexpansion deutscher Geschaeftsbanken entsteht eine deutliche Divergenz. Trotzdem schlagen die Target Salden nicht aus, weil aus Deutschland nicht nur Waren sondern auch Kredite zur Bezahlung dieser Waren exportiert werden. Die Geldstroeme gleichen sich aus. Die Target Salden bleiben unauffaellig. Dies aendert sich schlagartig in 2007, wenn offenbar wird, dass die europaeischen Banker, allen voran die deutschen, in ihrer Inkompetenz einem gigantischen Betrug  aufgesessen sind, der an der in den USA und dort an der Wall Street und in Washington seinen Ursprung hat. Die gleichen Schlaumeier, die die Besetzung der suedeuropaeischen Maerkte durch deutsche Konzerne in einem "Wirtschaftsblitzkrieg" finanziert haben, beginnen in Panik diese Gelder zurueck zu ziehen, ohne Ruecksicht darauf, dass sie damit den Kreditnehmern jede realistische Chance einer geordneten Rueckzahlung zerstoeren. Gleichzeitig wird die Verantwortung fuer die exesszive Kreditvergabe, dren realwirtschaftliche Konsequenzen sowie fuer die Folgen des panischen Rueckzugs vollkommen zu Unrecht den Kreditnehmern alleine in die Schuhe geschoben.

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Das dabei in Deutschland die in der Bevoelkerung latent vorhandene und weit verbreitete Skepsis gegenueber dem Euro ("Teuro") sowie das nicht weniger verbreitete Vorurteil/Misstrauen gegenueber dem Fleiss und den Faehigkeiten der Suedlaender benutzt wird, um die wirklichen Ursachen der Krise nicht nur zu verschleiern sondern sie direkt den Opfern des deutschen "Wirtschaftsblitzkriegs" in die Schuhe zu schieben, ist eine aehnlich perfide Strategie der tatsaechlich Verantwortlichen  (=deutsche Banker, deutsche Wirtschaftskapitaene und deutsche "Spitzenpolitiker" ueber Parteigrenzen hinweg) wie das Umlenken der Unzufriedenheit der amerikanischen Bevoelkerung in eine  Teebeutelbewegung, die die Verschaerfung der Massnahmen fordert, die die Krise dort erst ermoeglicht und ausgeloest haben. Die Implementierungen dieser Perfidie waere sowohl hier als auch jenseits des Atlantiks ohne willfaehrige Mainstreammedien und sog. "Experten" aka mit blinden Flecken ueberreichlich gesegneten Wirtschaftswissenschaftlern auf beiden seiten des Atlantiks nicht moeglich. Aus dieser Perpektive betrachtet, erscheinen mir die Positionen  und Aussagen, wie sie der Ex BDI Chef Olaf Henkel oder auch ein Herr Reitzle offenbar vertreten,  nur noch als eine fadenscheinige Demagogie, mit der die eigene Verantwortung fuer ein vollkommen verfehltes, letztendlich nur den deutschen 1% dienendes Verhalten verschleiert werden soll.

Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Ich bedanke mich ganz herzlich bei den Autoren und Betreibern von Querschuesse, die Dank ihrer hervorragenden Aufbereitung von Daten, diese Analyse erst moeglich gemacht haben. Ich empfehle Querschuesse jedem, der von den verwirrenden und verschwurbelten Faktenfargmente der Mainstreammedien , die dort allzu gerne zu einer verschleiernden Tunke verquirlt werden, genug hat. Bei Querschuesse  bekommen Sie die klaren, kurz und knackig dargestellten Fakten, an denen Sie interessiert sind, wenn Sie die Zusammenhaenge und tieferen Ursachen der Krise in ihrem Verlauf verstehen wollen.
P.P.S: Eine sehr umfangreiche Darstellung findet sich hier. Weitere hier. und hier.

Montag, 16. April 2012

Die Banken sind die Dummen!

Das Verhalten der Banken ist Ausdruck ihres Kampfes ums Ueberleben, der Dank “ Fettaugensyndrom ” nicht gewonnen werden kann. Auch nicht von Banken, die unendliche Kapaziatet zum Geldschoepfen haben. Denn Banken und das Bankensystem als Ganzes koennen Bilanzen nur erweitern oder verkuerzen. Mehr nicht! Beides verschaerft die Probleme die fuer die Krise ursaechlich sind. Sie koennen die Ungleichgewichte Dank exklusiver staatlich garantierter Eigentumsrechte nicht ausgleichen! Wenn sie die aufgebauten Ungleichgewichte auf Seiten ihrer Passiva mit den von staendig steigendem Risiko des Ausfalls bedrohten Aktiva ausgleichen wollten, staende ihnen dazu nur! das Eigenkapital zur Verfuegung.
Das waere nicht nur Selbstmord sondern auch vollkommen unzureichend.
Die einzige wirkliche Loesung ist ein Schuldenerlass/Verzicht auf Grossvermoegen durch die 1%. 
Anders geht es nicht!
 Zusaetzliche horrende Geldschoepfung = Verlaengerung der Bilanz des Bankensystems kauft nur Zeit, verschaerft aber ueber den Pfad Asset Price Inflation > Rendite auf Assets den Fortschritt des Fettaugensyndroms. Sparen und Schuldenabbau = Austerity=Verkuerzung der Bilanz des Bankensystems fuehrt direkt in die deflationaere Abwaertsspirale und in den entsprechenden realwirtschaftlichen Kollaps. Da sich die 1% und ihre Machtdienstleister aka Eliten in Wirtschaft und Politik der Einsicht in die daraus entstehenden  "TINA" verweigern und die Mehrheit der ahnungslosen Buerger und Politiker durch sog. Wirtschaftswissenschaftler in den nebelverhangenen Wald abstruser, fundamental falscher, neoklassischer Theorien geschickt wurden und so aus ehemals funktionierenden Demokratien Plutokratien entstehen konnten, deren vormals soziale "Marktwirtschaften" seit drei Jahrzehnten zu Plutonomien degenerierten, entfalltet sich seit fuenf Jahren eine Katastrophe ungeahnten Ausmasses nicht nur ungebremst, sondern befeuert durch "Rettungsmassnahmen", die einem Loeschen des Feuers mit Benzin gleichen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Sonntag, 15. April 2012

Was wir von SAP und ORACLE Systemanwendern lernen koennen

In den letzten 20 Jahren ist es in den Unternehmen zunehmend ueblich geworden Geschaeftsablaeufe mit sog. Enterprise Resource Planning  ( ERP ) Systemen zu erfassen und zu steuern. Das reicht von einfachen Lagerverwaltungsprogrammen, die nur Material Zu- und Abgaenge erfassen und so jederzeit einen umfassenden Ueberblick ueber die Lagerbestandssituation und ihre zeitliche Entwicklung geben sollen, bishin zu sehr komplexen Systemen, die den gesamten Material und Arbeitsfluss erfassen und abbilden wollen. Jeder Praktiker wird wissen, dass selbst das ausgefeilteste Programm eine regelmaessige Inventur nicht ueberfluessig macht. Und jeder Praktiker weiss, dass jede Inventur mehr oder weniger grosse Diskrepanzen zwischen System, besser Abbildung im System, und Realitaet aufdeckt und so eine Anpassung des Systemstands an diese Realitaet erzwingt. Es gibt nun verschiedene Wege mit dieser Tatsache umzugehen.
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Der eindeutig duemmste ist, die Mitarbeiter des Unternehmens zu zwingen nur noch Transaktionen vorzunehmen, die das System abbilden kann. Denn damit wird jede Kreativitaet und Innovationsfaehigkeit der Mitarbeiter in Bezug auf die Loesung von alltaeglich im Betriebsablauf auftauchenden Problemen erstickt und das Unternehmen erstarrt in einem Stand, der durch das ERP System und seine Faehigkeiten festgeschrieben ist.
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Eine etwas aufgeklaertere Vorgehensweise erkennt an, dass das System ein Werkzeug ist, das den Menschen als solches dienen soll und passt es fortlaufend an die Dank innovativer Problemloesungskapazitaet der Mitarbeiter sich staendig aendernden Prozesse und Transaktionstypen an. Dies kann sehr leicht dazu fuehren, dass immer mehr Resourcen in die Anpassung des Resource Planning Systems fliessen und so irgendwann der eigentliche Unternehmenszweck in den Hintergrund tritt und aus dem Blick verloren geht.
Es ensteht eine ERP zentrische Technokratie in der das System zum Selbstzweck wird.
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Die dritte und meiner Meinung nach kluegste Art und Weise mit dem Problem umzugehen ist, anzuerkennen, dass das System und das Unternehmen in eine Art Wechselwirkung treten koennen, die das Potential hat, dem urspruenglichen Ziel des Unternehmens direkt entgegen zu stehen. Um ein Abgleiten in diese Fallen zu vermeiden, ist nicht nur eine von Zeit zu Zeit stattfindende Inventur mit Anpassung des Systems an die Realitaet sondern auch eine regelmaessige Erinnerung an die urspruenglichen Ziele und die menschliche und soziale Natur der Unternehmung notwendig.
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Wenn man diese Sichtweise auf die Wirtschaft uebertraegt und das Finanz- und Bankensystem sowie die vorherrschenden Modelle der sog. Wirtschaftswissenschaften als eine Art ERP-System betrachtet, dann wird ueberdeutlich klar, in welche Fallen die Eliten in Wirtschaft und Politik uns damit gefuehrt haben.
Der Neoliberalismus verlangt die Unterwerfung der Menschen unter das System. Er erstickt so Kreativitaet und Innovation. Er verweigert den Abgleich des Systems an eine Realitaet die zunehemend offensichtlich macht, dass die fortschreitende Entwertung von Arbeit und die uebermaessige Bewertung von Kapital und Kapitalverwaltung mit den daraus entstandenen akkumulierten Diskrepanzen nicht laenger aufrecht zu erhalten ist.
Die Protagonisten des Systems verweigern sich der Einsicht, dass ihre Vorstellungen, die sich in Mickey Maus Modellen, Bilanzierungsmethoden und Bankbilanzen manifestieren eine Realitaetsferne erreicht haben, die das urspruengliche Ziel der Unternehmung Wirtschaft, Wohlstand fuer Alle, in das direkte Gegenteil verkehren.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Samstag, 14. April 2012

Gedanken zum Ursprung der Krise

Wenn man die dramatische Dynamik und Kraftentfaltung einer sich selbstverstaerkenden Mitkopplung in der Wirtschaft verstanden hat und ueber die Mittel verfuegt sie in Gang zu setzen und nahezu beliebig anzutreiben, dann ist man ein "Master of the Universe". Man kann nicht nur ganze  Industrien oder kleinere Volkswirtschaften in einen Boom Bust Zyklus treiben, sondern die Volkswirtschaften ganzer Kontinente koennen nach Belieben manipuliert werden. Die Profite, die aus solchen inszenierten Boom und Bust Zyklen aka Bubbles zu ziehen sind, sind gigantisch fuer diejenigen, die die Treibstoffzufuhr=Kredit=Geld kontrollieren. Und daher werden die Betreiber dieser Spektakel nicht im geringsten durch die verheerenden Folgen fuer das Gemeinwohl von diesen Machenschaften abgehalten. Vielmehr ist seit den Vorgaengen um LTCM klar, dass fuer sie kein Risiko besteht und so sehen sie sich nur noch durch ihren "Erfolg" gerechtfertigt, da er aus ihrer Perspektive der Beweis fuer ihre Ueberlegenheit ueber die Untuechtigkeit und das Nichtverstehen/Unwissen der durch sie Manipulierten ist.

Ein "Wirtschaftsweiser" packt aus

Fuenf Jahre nach Beginn der groessten Wirtschaftskrise daemmert es auch dem einen oder anderen "progressiven" Wirtschaftsweisen, dass da was nicht so ganz stimmt mit den Weisheiten, die an den "Eliteschulen" dieser Welt den Studenten eingehaemmert werden, um sie fuer die Fuehrungsaufgaben im Sinne des Neoliberalismus vorzubereiten. In einem Interview mit der FTD aeussert sich Boffinger verharmlosend zu den katastrohalen Zustaenden in der Zunft der Oekonomen, in dem er u.a. sagt:
"Wir müssen als Ökonomen zumindest einräumen, dass viele Modelle nur Zerrbilder der Realität sind. Ich habe die gängigen Lehrbücher systematisch ausgewertet. Die Standardwerke, nicht zuletzt das von Greg Mankiw, stellen die Makroökonomie als ein selbststabilisierendes System dar. Dem Staat kommt dabei überwiegend die Rolle des Störenfrieds zu. Über soziale Sicherungssysteme und Gewerkschaften findet man nahezu nichts."
Aber es kommt noch besser:
" Ja. Was ich vor der Krise völlig unterschätzt habe, ist, welche gefährliche Rolle die Finanzwirtschaft für die Realwirtschaft spielen kann. Banken bestimmen mit ihrer Kreditvergabe entscheidend darüber, wie hoch Investitionen sind und wo sie vorgenommen werden."

und

" In den Modellen agieren die Banken als reine Vermittler, die Ersparnisse einsammeln und sie als Kredite wieder zurück in die Wirtschaft geben. Diese Mickymaus-Modelle sind völlig realitätsfern. Der Finanzsektor braucht keine Einlagen um Kredite zu vergeben, in den Jahren vor der Krise konnten Banken nahezu grenzenlos Kredite aus dem Nichts schaffen. Daran wäre das Finanzsystem fast zusammengebrochen. Diese aktive Rolle der Banken hat bis heute weder Eingang in die Lehrbücher noch in die geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank gefunden."

Die Auseinandersetzung Krugman vs. Keen entfaltet also Wirkung und ein deutscher, als "progressiv" geltender "Wirtschaftsweiser" sieht sich genoetigt fuenf! Jahre nach Beginn der Krise anzuerkennen, dass er das Bankensystem nicht verstanden hat. Dabei waere es so einfach gewesen! Ein Blick in ein Stueck "Bildungsliteratur" der Bundesbank mit dem Titel "Geld und Geldpolitik" haette gereicht, um dieses Defizit zu beseitigen.
"Bei der Giralgeldschöpfung unterscheidet man die „aktive“ und die „passive“ Geldschöpfung der Banken. So entsteht Giralgeld durch Einzahlung von Bargeld auf Girokonten. Bei dieser „passiven“ Form der Giralgeldschöpfung ändern sich die gesamten Geldbestände der Wirtschaft (also Giralgeld in Händen der Nichtbanken plus Bargeld) nicht. Daneben ist das Bankensystem aber auch in der Lage, durch Gewährung von Krediten aktiv Giralgeld entstehen zu lassen und damit die Geldmenge insgesamt zu erhöhen."
Bundesbank-Broschüre: Geld und Geldpolitik, 2007, S. 59
PDF 
Und zur Loesung der Probleme schlaegt dieser "Weise" allen Ernstes etwas vor, was an die Praxisgebuehr fuer die armen Aerzte erinnert:
" Früher gab es in Universitäten einmal das Hörergeld. Für jeden Studenten im Hörsaal gab es für den Professor eine kleine Summe. Das wäre schon einmal ein Anreiz, um einen attraktiven Unterricht zu halten."
Sapere Aude!
Georg Trappe

Ratingagenturen die Geheimwaffe der Finanzoligarchie

Sollte noch jemand Zweifel an der engen Verbindung von Ratingagenturen und der Finanzoligarchie haben, dann wird diese Nachricht ihm helfen, diese aufzuloesen. Denn angesichts einer Faktenlage, die Grossbritanien zu einem der hoechst verschuldeten Laender der Welt macht, bei gleichzeitig eher schwacher realwirtschaftlicher Leistungsfaehigkeit, ist ein AAA nichts anderes als ein absurder Witz.


Die Analyse der Faktenlage fuer die USA, die ebenfalls von den Ratingagenturen mit AAA oder AA bewertet werden, ergibt  ein nicht weniger dramatisches Bild, so das die These, dass die Ratingagenturen willfaehrige Instrumente bzw. gezielt eingesetzte strategische Waffen bei der Durchsetzung der Interessen der Finanzoligarchie sind, von mir aus gutem Grund weiter aufrecht erhalten wird.


Sapere Aude!

Georg Trappe

P.S.: Drei strategische Bomber sind ausreichend und haben sich im jahrelangen Einsatz bewaehrt. Die transatlantisch vereinten 1% verweigern der Ruestungsindustrie die Mittel fuer den Bau eines Eurobombers. Und sollte er doch gebaut werden, dann von der transatlantisch orientierten Bertelsmann Stiftung, die sich als Garant des transatlantischen Solidarpakts der 1% versteht.

Donnerstag, 12. April 2012

Gezielte Desinformation ueber eine verfehlte Wirtschaftspolitik

So sieht die gezielte Desinformation der deutschen Bevoelkerung waehrend der massivsten Wirtschaftskrise seit den 30ern des vergangenen Jahrhunderts durch ihre Mainstream Medien aus :
Unverbluemte Fakten zu den Folgen einer total verfehlten Wirtschaftspolitik finden Sie dagegen in privaten Blogs, wie z.B. hier  Querschuesse-Spanien, Querschuesse-Griechenland.
Fragen Sie sich, warum das so ist. Und leisten Sie Widerstand gegen diese Machenschaften.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Sonntag, 8. April 2012

Warum Maerkte nicht funktionieren (Fazit)

Ich habe vor einem Jahr versucht, in einer kleinen Serie von Artikeln ( 1 , 2 , 3 ) darauf aufmerksam zu machen, dass Maerkte nicht so funktionieren (koennen), wie die sog. Wirtschaftswissenschaften es uns glauben machen wollen. Angesichts der Diskussion Krugman vs. Keen komme ich zu dem Schluss, dass weite Kreise der sog. Wirtschaftswissenschaftler, bis hin zu Nobelpreistraegern, nicht verstehen koennen oder nicht verstehen wollen, dass der in den Grundlagenvorlesungen der Wirtschaftswissenschaften vermittelte Zusammenhang zwischen Angebot, Nachfrage und Preisen die Realitaet nicht zutreffend beschreibt. Das ist in einer Zeit, in der die Weltwirtschaft an den Folgen des Marktfundamentalismus zusammenzubrechen droht, natuerlich mehr als peinlich. Aber es hilft nicht auf verletzte Eitelkeiten und Egos Ruecksicht zu nehem, dafuer steht viel zu viel auf dem Spiel. Daher hier nocheinmal fuer diejenigen, die  moeglicherweise durch die in den oben genannten Artikeln zur Anwendung gebrachten Mathematik ueberfordert sind ein letzter Versuch, der, sollte er nicht fruchten, nur das Fazit zulaesst, dass es nicht am Verstehen liegt sondern am Wollen.
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Der Konstrukt Markt zielt auf Marktraeumung. Das Ziel ist also die Differenz Angebot minus Nachfrage zu Null zu bringen. Und dies mit Hilfe der sich automatisch einstellenden Stellgroesse Preis. Gleichzeitig verfolgen die Anbieter das Ziel der Gewinnmaximierung.
Wenn Menschen hungern und ihre Nachfrage nach Lebensmitteln nicht befriedigt wird, dann aendert sich diese Nachfrage nicht, wenn die Preise fuer Lebensmittel steigen. Auch dann nicht, wenn sie dies Dank "magischer Haende" automtisch tun.
Wenn Banken ihren Zusammenbruch befuerchten, weil Einlagen/Passiva im grossen Stil abgezogen werden (siehe Target2 Salden) und /oder ihre bisher als risikolos geltende Forderungen/Aktiva (z.B. Staatsanleihen) per Ratingagenturen und "Maerkten" massiv ins Gerede kommen, dann waechst ihre Nachfrage nach verlaesslichen Einlagen/ Passiva sehr schnell ins Unermessliche. Die Beschaffung von Eigenkapital durch Kapitalerhoehung mittels neuer Aktien kann dies in einer solchen Situation nicht leisten, da kaum einer neue Aktien einer Bank kaufen wird, die ihren Zusammenbruch befuerchtet und diese keinen Prospektbetrug auflegen will. Das einzige was bleibt ist das Angebot der Notenbank. Wenn diese in sog. Tendern den Preis=Zins und die Menge des zur Verfuegung gestellten Geldes gleichzeitig festlegt, dann ist das eine Zuteilung die den Bedarf nicht unbedingt decken muss und der Preis=Zins steigt weiter. Die Notenbank verliert die Kontrolle ueber den Zins. Erst eine Massnahme, wie Draghi sie mit den beiden LTRO's aufgelegt hat, hat die Chance den Hunger der Banken nach Geld zu stillen, da da nur der Preis festgesetzt wurde und die Menge von den Nachfragern frei bestimmt werden konnte.
Da sowohl die Zahlung des Preises als auch die Rueckzahlung in der Zukunft liegt, ist das eine  mit Risiken behaftete Sache. 
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Das Ziel des Konstrukts Markt = Marktraeumung, hat also nichts! mit Wohlstand zu tun. Schon garnicht mit Wohlstand fuer Alle. Weder im Fall der hungernden Menschen, von denen aktuell taeglich 26000 zu Tode kommen, noch im Fall von Banken, denen die Wohlhabenden das Vertrauen und damit das Geld zum Ausgleich von uneinbringlich gewordenen Forderungen entziehen. Pikant dabei ist, dass diese zuvor als risikolos geltenden nun aber uneinbringlich gewordenen Forderungen gegenueber Staaten durch die Wohlhabenden selbst massiv diskreditiert wurden, indem sie per neoliberaler Wirtschaftspolitik oder dreister Steuerflucht die Staaten von ausreichenden Steuereinnahmen zur Bedienung der Zinsen abgeschnitten haben. In einer Wirtschaft, in der angebotsorientierte Politik betrieben wird und die dadurch staendig fortschreitenden Konzentrationsprozesse aka Fettaugensyndrom ignoriert werden, verkommen "Maerkte" zu Arenen, in denen ausschlieslich das Recht des Staerkeren gilt.
Es sind also ganz klar die 1%, die mit ihrem unverantwortlichen Verhalten via Banken die Zentralbanken, die Staaten und die 99% zwingen die Folgen ihres Exzesses zu tragen. Sog. Wirtschaftswissenschaftler, die dies mit nebuloesen Theorien verdecken wollen, sind wie alle sog. Rettungspolitiker, die dem gleichen Ziel dienen, als korrupte Machtdienstleister dieser 1% entlarvt.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Samstag, 7. April 2012

Angewandte Kurvendiskussion fuer Oekonomen

Kurvendiskussion ist Lehrstoff der Sekundarstufe 2 und somit Voraussetzung fuer einen Hochschulzugang. Auch! fuer die Studiengaenge der sog. Wirtschaftswissenschaften. Es sollte also verstanden sein, was eine erste und zweite Ableitung ist und was sie bedeuten. Mit "verstanden" meine ich nicht auswendig gelerntes Wissen, das nach dem Abitur vergessen wird, sondern die Faehigkeit dieses mathematische Werkzeug intelligent dahin gehend anwenden zu koennen, dass es einem hilft, aus Beobachtungen zutreffende Schluesse zu ziehen. Diese Faehigkeit scheint aber selbst in den hoechsten Raengen der "Wirtschaftsweisen" aeusserst knapp bemessen zu sein. Anders sind die "blinden Flecken" die inzwischen zusammen mit ideologischer Verbohrtheit einen gigantischen globalen Fleckenteppich bilden, unter den die Ursachen fuer das Desaster der nun seit fuenf Jahren anhaltenden Krise gekehrt werden sollen, selbst bei Nobelpreistraegern wie Krugman nicht zu erklaeren. Das Menschen, die sich nicht nur das Wissen ueber das elementare mathematische Werkzeug der Kurvendiskussion ueber den Tag des Abiturs hinaus bewahrt haben, sondern dies auch noch intelligent = nicht dumm anwenden koennen, um aus Beobachtungen zu zutreffenden Schluessen zu kommen, von Nobelpreistraegern in einer Weise abgekanzelt werden, die bestenfalls als unverschaemt zu bezeichnen ist, ist ein weiteres Indiz dafuer, dass die sog. Wirtschaftswissenschaften von Machtdienstleistern dominiert werden, die nicht nur unfaehig zur Problemloesung sind, sondern diese bewusst und im Interesse ihrer zahlenden Auftraggeber untergraben. Der Nobelpreis fuer sog. Wirtschaftswissenschaften wird so gesehen zu einem zynischen Witz, der die menscherverachtende Dummheit dieser Kaste zur Weisheit umzudeuten versucht.
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Beispiele fuer erfolgreich angewandte Kurvendiskussion in Bezug auf die Erklaerung der Ursachen der Krise durch Steve Keen finden sie hier
und hier.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Freitag, 6. April 2012

"Die Achse des Guten" informiert

Es geschieht ganz selten, dass  "Die Achse des Guten" Fakten und gut recherchierte Informationsquellen per Internet Link offenlegt oder weiterreicht. Wenn es geschieht, kann man davon ausgehen, dass es  sich nicht um Propaganda sondern um Information fuer Betroffene gleich Mitglieder und Gesinnungsgenossen der "Achse des Guten" handelt. Hier ein aktuelles Beispiel dieser seltenen Faelle. Bitte beachten Sie, die per KurzURL chiffrierten Links /Hinweise auf Original Statements und Dokumente zum Thema Steuerabkommen Deutschland / Schweiz am Ende des Artikels. Eine Raritaet, die sie sonst fast nie auf ZEITonline geboten bekommen.
http://www.zeit.de/news/2012-04/05/steuern-schweiz-und-deutschland-verschaerfen-steuerabkommen-05180602 

Sapere Aude!

Georg Trappe

Wirtschaft ist ein offenes System!

Die Vorstellung vom geschlossenen Geldkreislauf und die Tautologie der Quantitaetstheorie ist, in der Form, wie sie von den Wirtschaftswissenschaften dargeboten wird, etwas, was dem Verstaendnis der ursaechlichen Probleme der nun seit fast fuenf Jahren andauerenden Krise ein stueckweit im Wege steht. Denn da sind Banken nur eine Durchreichestation, die aus Ersparnissen und Gewinnen, Kredit fuer Investitionen und Konsum machen. Das Bankensystem kann aber die Geldmenge Dank Kapazitaet zur Geldschoepfung per Kreditvergabe unabhaengig von Ersparnissen und Gewinnen erhoehen/verringern ( 1 ). Die Aenderung der Geldmenge, also deltadebt, addiert sich zu Loehnen und Gewinnen und erzeugt so zusaetzliche bzw. bei schrumpfender Geldmenge abnehmende Nachfrage. Dies ist der Fall, weil die Anpassung der Umlaufgeschwindigkeit, die notwendig ist, um die Quantitaetengleichung zu erfuellen, ein dynamischer! Vorgang ist, der nicht! in unendlich kurzer Zeit erfolgen kann. Das ist der Punkt, den Steve Keen u.a. macht. Was Steve Keen aber auch uebersieht, ist, dass das Bankensystem wie eine semipermeable Membrane wirkt, wo sich auf der einen Seite der Bilanz (Passiva) ein Konzentrationsvorgang abspielt und auf der anderen Seite (Aktiva) etwas ganz anderes und so ein massives Konzentrationsgefaelle entsteht, das nicht mehr ausgeglichen werden kann ( 2 ). Diese Diskrepanz der Struktur auf den beiden Seiten der Bankbilanzen ist inzwischen so gross geworden, dass der interne Ausgleichsmechanismus (Eigenkapital der Bank haftet bei Ausfall von Forderungen) nicht mehr funktioniert, weil die Banken dann ausradiert wuerden (too bog to fail). Die systemkonformen “Loesungen” die noch offen bleiben, nachdem zunaechst Staaten mit erhoehter Schuldenaufnahme in die Bresche gesprungen sind und zum Dank dafuer von den "Maerkten" und Ratingagenturen diskreditiert wurden, sind, den Ausgleich durch oeffentliche Institutionen mit “unendlichem Eigenkapital” = Zentralbanken mit unbegrenzter Geldschoepfungskapazitaet vornehmen zu lassen und/oder die Bankbilanzen zu schrumpfen, womit wir wieder bei Steve Keen waeren, denn das letztere bedeutet debtdeflation und Nachfragezusammenbruch und den direkten Weg in die Deflation mit all ihren Folgen, wie sie seit der Weltwirtschaftskrise im vergangenen Jahrhundert bekannt sind und wie er entgegen jeder Vernunft in den sog. PIIGS Staaten in Frm von Austerity Programmen mit bereits verheerenden Folgen beschritten wird. Beides loest aber nicht wirklich das ursaechliche Problem des Konzentrationsgefaelles auf und die inherente Tendenz des Systems Wirtschaft, dieses staendig wachsen zu lassen, wird so auch nicht behoben.
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Der Neoliberalismus und seine vollkommen verfehlte Wirtschaftspolitik hat dieses Problem auf die Spitze getrieben, da staatliche Massnahmen des kontinuierlichen!!! Ausgleichs, die das Konzentrationsgefaelle damit auf einem produktiven bis ertraeglichem Niveau halten, immer mehr zurueck gedraengt wurden. Die Bildung der Fettaugen auf Seiten der Passiva wurde befeuert und die Risiken auf Seiten der Aktiva staendig erhoeht. Und das auf allen Ebenen!  Auf der Ebene der Individuen, durch Abbau von Sozialtransfers und tiefe Einschnitte in die sozialen Sicherungssysteme, auf Ebene der Firmen durch masssive und einseitige Foerderung der Global Player und National Champions und auf der Ebene der Staaten durch Golbalisierung, Abbau von Handelsschranken und Bildung von Waehrungsunionen, in denen schwaechere Volkswirtschaften keine Chance gegen die Exportweltmeister haben. Das inzwischen, die bisher als risikolos geltenden Staatsanleihen, ueber die die Staaten zunehmend versucht haben einen Ausgleich zu finanzieren, von den "Maerkten" und den Ratingagenturen innerhalb kuerzester Zeit in Grund und Boden geschossen wurden, hat das Problem nur verschaerft, in dem auch diese "Loesung" nicht nur verbaut sondern ins Gegenteil verkehrt wurde.
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Und die Tragik ist, dass der zentrale Punkt, wo das Problem nicht nur entsteht, sondern katalytisch verstaerkt wird und sich am deutlichsten manifestiert, naemlich das Bankensystem, nicht nur nicht verstanden ist, sondern garnicht in den Modellen der sog. Wirtschaftswissenschaften annaehernd realistisch abgebildet wird. Weder die dynamischen Eigenschaften des Systems Wirtschaft sind hinreichend verstanden, noch die massiven staendig fortschreitenden Strukturaenderungen auf mikroskopischer Ebene aufgrund der Konzentrationsprozesse mit ihren verheerenden Auswirkungen u.a. in den Bankbilanzen und den daraus resultirenden Folgen auf makroskopischer Ebene. 
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Die Ursache fuer dieses Nichtverstehen ist die absurde aus einer Zeit der Dampfmaschinenphysik des 19. Jahrhunderts  stammende Annahme, Wirtschaft sei ein geschlossens System, das mit einem geschlossenen thermodynamischen System vergleichbar ist und aus sich heraus ueber Kurz oder Lang ein Gleichgewicht anstrebt.
 Das ist aber nicht der Fall! 
Wirtschaft ist ein offenes System, was in eine Umwelt eingebettet ist, mit der es kommuniziert. Siehe auch Benard Experiment.
Energie fliesst in Form menschlicher Arbeit und seit 200 Jahren stark zunehmend auch in Form fossiler Energietraeger in dieses System hinein und Entropie fliesst hinaus. Das ermoeglicht dem System einen Entropieexport und damit eine lokale Entropieverringerung = Entstehung von Strukturen und Hierachien. Dadurch wird auch das verheerende Fettaugensyndrom moeglich. Die Methoden von Boltzman und Co. verlieren dabei ihre Vorhersagekraft und koennen bestenfalls nur mit aeusserster Vorsicht und fuer infinitesimal kleine Zeitraeume eingesetzt werden. Ich bitte daher alle sog. Wirtschaftswissenschaftler, lesen Sie das Buch Dialog mit der Natur von Ilya Prigonine und Isabelle Stengers. Wenn Sie es nicht verstehen, dann lesen Sie es bitte zweimal, dreimal und wenn noetig oefter. Betrachten Sie Menschen und ihre sozialen Systeme als einen Bestandteil von Natur oder als in Natur eingebettet. Als etwas das lebendig  ist. Aber bitte hoeren Sie endlich auf, die Koepfe der Menschen mit einer asozialen Lehre zu verpesten, die nicht nur offensichtlich falsch ist, sondern inzwischen die Menschheit und ihr soziales! System Wirtschaft an den Abgrund gefuehrt hat.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Donnerstag, 5. April 2012

Das Elend der sog. Wirtschaftswissenschaften

Die oeffentliche Auseinandersetzung Krugman vs. Keen offenbart Zustaende in den sog, Wirtschaftswissenschaften, die wirklich nur noch Kopfschuetteln ausloesen koennen. Denn wenn das, was sich in dieser "Diskussion" offenbart, eine zutreffende Beschreibung der allgemeinen Zustaende in den sog. Wirtschaftswissenschaften ist, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Weltwirtschaft seit Jahren am Kollaps vorbei schrammt und keiner versteht, woran es denn nun wirklich liegt und was getan werde kann, um den Kollaps abzuwenden.
Nicht nur, dass das Funktionieren des Bankensystems nicht verstanden ist,
sondern es ist offenbar noch nicht einmal verstanden, welche Bedeutung allgemeine Konventionen und deren Einhaltung fuer den erfolgreichen Verlauf von Kommunikation haben.  
Und es scheint ebenfalls nicht klar zu sein, was eine unabhaengige und was eine abhaengige Variable in einem Funktionszusammenhang ist. Und die Konventionen, auf die sich der "Rest" der Welt bei der Darstellung solcher Zusammenhaenge geeinigt hat, scheinen auch nicht zu gelten. Da darf man sich wirklich nicht wundern, wenn "intelligente?" Menschen endlos im Kreis diskutieren und letztendlich, ohne den geringsten Fortschritt erreicht zu haben, aufgebracht sich gegenueber stehen, weil sie jede Grundlage fuer die Erreichung eines gegenseitigen Verstaendnisses verloren/missachtet haben. Das hat auch nichts mehr mit Verstaendnis oder Nichtverstaendnis von Mathematik zu tun, sondern mit dem Verstaendnis der Voraussetzungen, was fuer eine erfolgreiche Kommunikation notwendig ist und dafuer auf beiden Seiten waehrend der Kommunikation eingehalten werden muss.

Wenn der Leitzins die unabhaengige Variable ist, dann gehoert er auf der x-Achse (waagerechte Koordinate) abgetragen. Wenn die Geldmenge eine  Funktion des Leitzinses ist, also gm=f(lz), dann gehoert sie auf der Y-Achse (senkrechte Koordinate) abgetragen. Das ist weltweit anerkannte Konvention. Wenn man diese, aus welchen Gruenden auch immer nicht einhaelt, dann muss man ausdruecklich mit roter Schrift und zehn Ausrufezeichen
auf diese Ausnahme hinweisen, sonst stifftet man nur Konfusion.

Wenn es Situationen gibt, in denen die Geldmenge nicht mehr dem durch die Funktion  beschriebenen Zusammenhang gehorcht, dann ist diese Funktion, weil als zeitinvariant angenommen, falsch, zumindestens in dieser Situation, die ja durchaus eine Ausnahmesituation sein kann, in der es so aussieht oder tatsaechlich so ist, dass die Geldmenge zur unabhaengigen Variablen wird, die ihrerseits den Zins bestimmt.
Dann entsteht die Frage, wer hat die Macht ueber die Geldmenge. Die Notenbank per Leitzins oder die Geschaeftsbanken per Kapazitaet zur Geldschoepfung und Geldzerstoerung = Bilanzerweiterung bzw. Bilanzschrumpfung. Der Streit darueber, wird aber nicht geloest oder der Loesung naeher gebracht, in dem man das eine oder andere Kraft souveraener Willkuer behauptet, sondern man muss sich von den Vorstellungen loesen, die ihre Wurzeln in einer bestenfalls marginal verstandenen Dampfmaschinenphysik des 19. Jahrhunderts haben. Man muss anerkennen, dass Situationen zu beobachten sind, in denen der Funktionszusammenhang sich umzukehren scheint. Und dann muss man ein Modell entwickeln, das soetwas reflektiert und eine entsprechende Rueckwirkung auf Angebot und Nachfrage enthaelt. Ich habe das in meinem Artikel "Warum Maerkte nicht funktionieren" getan und versucht zu demonstrieren, dass ein solches Modell aufzeigt, dass dadurch dynamische Instabilitaet entstehen kann. Ich habe auch versucht die Bedeutung nichtlinearer Funktionszusammenhaenge (Kennlinien) zu erklaeren und darauf hingewiesen, was passiert, wenn Funktionszusammenhaenge nicht zeitinvariant sind.
 Denn das sind sie ja ganz offenbar nicht. 
Steve Keen hat all dies offenbar verstanden und versucht zu einer Modellierung zu kommen, die auf der einen Seite im Einklang mit den Beobachtungen steht und auf der anderen Seite die Fortschritte der letzten 100 Jahre bei der theoretischen Betrachtung dynamischer Systeme einarbeitet. Krugman hingegen ist einer Vorstellung verhaftet, die nocht nicht einmal unter Einhaltung von anerkannten Konventionen kommunizierbar ist. Da ist einmal der Zins auf der y-Achse die unabhaengige Variable und dann aendern sich Nachfragekurven aufgrund von nebuloesen Dingen und es spielt fuer ihn anscheinend ueberhaupt keine Rolle, wenn in der Realitaet zu beobachten ist, dass es offenbar Situationen gibt, in der sich der postulierte Ursachen / Wirkungszusammenhang umkehrt.
 

Sapere Aude!
 

Georg Trappe

Dienstag, 3. April 2012

Banken und die Geldschoepfung (Grundlagen)

Ich denke angesichts der Diskussion zwischen Steve Keen und Paul Krugman (Krugman vs. Keen), dass es ein enormer Vorteil ist kein Wirtschaftswissenschaftler zu sein.
 Man kapiert Dinge einfach schneller.
 Ich versuche mal ein paar Grundlagen zum Thema Banken u. Geldschoepfung, soweit ich sie verstanden habe, zu erklaeren. Ich lasse dazu die Zentralbanken zunaechst aussen vor. Ich betrachte daher auch nur Buchgeld und kein physisches Geld, was nur von Zentralbanken ausgegeben werden kann. Wichtig ist, dass eine Bankbilanz immer ausgeglichen sein muss. D.h. Aktiva (linke Seite der Bilanz) = Forderungen der Bank und Passiva (rechte Seite der Bilanz) = Einlagen muessen! in der Summe immer! den gleichen Betrag haben. Damit das deutlich wird markiere ich Aktiva mit einem Minuszeichen und Passiva mit einem Pluszeichen, was unueblich und nicht fachmaennisch ist, aber dem Verstaendnis meiner Meinung nach hilft. Ich lasse auch ersteinmal Mechanismen, die die multiple Geldschoepfung der Geschaeftsbanken begrenzen sollen aussen vor, betrachte aber zwei Banken A u. B, um den Unterschied der sog. aktiven und passiven Geldschoepfung verdeutlichen zu koennen.