Freitag, 31. August 2012

Bundesbank Daten enthuellen Verursacher der Eurokrise

Unter der unspektakulaeren Ueberschrift "Auslandsforderungen deutscher MFIs gegenüber der Südperipherie und Irland" liefert Querschuesse mal wieder grosses Kino.



In der ihm eigenen Bescheidenheit enthuelt Steffen mal kurz mit zwei, drei Diagrammen die wahren Verursacher der Eurokrise. Das  traurige ist, kaum einer bemerkt es! Denn die Mainstreammedien stehen den meisten Mitbuergern mit ihrer systemkonformen und nur scheinbar kritischen aber die Fakten vernebelnden Berichterstattung tonnenschwer auf der Leitung. Seit Mitte 2003 haben die deutschen!!! Banken ihre Kredite an die sog. PIIGS von ca. 250 Mrd. auf fast 580 Mrd. bis Anfang 2008 mehr als verdoppelt und so einen grossen Teil der Exporte der deutschen Industrie dorthin finanziert. Mitte 2007 mussten die selben deutschen!!! Banken erkennen, dass sie in ihrem Groessenwahn einem perfiden Betrug durch ihre Wall Street Kollegen auf den Leim gegangen waren und begannen die zuvor vergebenen Kredite an die ausgerechnet durch die Wall Street "PIIGS" getauften Nachbarlaender zurueck zu fordern (siehe auch hier). Und zwar in dem gleichen atemberaubenden Tempo, wie sie sie zuvor vergeben hatten. Wenn man die Bedeutung einer derartig massiven Umkehr der Kapitalfluesse fuer eine Volkswirtschaft verstanden hat, dann wundert man sich, dass in den betroffenen Laendern die Banken und die Wirtschaft nicht schon laengst zusammen gebrochen sind. Zum Glueck gibt es den Target2 Mechanismus, der die abfliessenden Kredite durch Zentralbankgelder ersetzt. Allerdings werden damit auch die Risiken dieser Kredite von den privaten deutschen!!! Banken auf die oeffentlichen Institutionen des Eurosystems verschoben. Da die US Ratingagenturen die Kreditwuerdigkeit der betroffenen Staaten und deren Banken Zug um Zug in Grund und Boden herabgestuft haben, um einen aehnlichen Kapitalabfluss, wie den hier beobachteten, aus dem US$ in den Euro zu unterbinden, gelingt es den hiesigen Eliten in Wirtschaft und Politik nicht, trotz gigantischer Rettungsschirme, diese desastroese Entwicklung zu stoppen geschweige denn umzukehren. Vielmehr sahen und sehen sich reiche Inlaender der sog. "PIIGS" zunehmend veranlasst, dem Beisiel der deutschen!!! Banken zu folgen und ihre Gelder in vermeintlich sichere Haefen, wie z.B. US Staatsanleihen;-), zu transferieren. Das dabei inzwischen die Wirtschaft halb Europas vor die Hunde geht, scheint dabei keine Rolle zu spielen.
Sapere Aude!
Georg Trappe
Ergaenzung 1.Sept. 2012:
Ohne Worte. Quelle

Portugal:
Italien:
Irland:
Griechenland:
Spanien:
Frankreich:

Montag, 27. August 2012

Euro Crisis / Dollar Crisis / Subprime Mortgage Crisis / PIIGS

Google bietet einen Service mit dem Namen "Google Insights for Search" bei dem man den zeitlichen Verlauf der Haeufigkeit von Suchanfragen zu bestimmten Begriffen abfragen kann.
Ich habe dies mal fuer die weltweiten Suchanfragen mit den Begriffen Euro Crisis / Dollar Crisis / Subprime Mortgage Crisis und PIIGS fuer den Zeitraum Anfang 2007 bis heute gemacht. Das Ergebnis ist ein erschuetterndes Zeugnis des vollkommen versagenden Krisenmanagments der hiesigen Eliten in Politik und Wirtschaft. Den Amerikanern ist es offensichtlich gelungen nach der Lehman Pleite im Laufe des Jahres 2009 das weltweite Interesse fuer "Dollar Crisis" und "Subprime Mortgage Crisis" aus den Schlagzeilen zu bekommen, wohin gegen das Interesse fuer die "Euro Crisis" eskaliert und Ausmasse angenommen hat, die die "Subprime Mortgage Crisis" zwergenhaft aussehen laesst. Bemerkenswert ist, dass der Begriff "PIIGS" im Fruehjahr 2010, also zur Zeit des Landtagswahlkampfes in NRW in Mode kommt und seine Wirkung offensichtlich nicht verfehlte. Interessant ist auch zu sehen, aus welchen Regionen der Welt die meisten Anfragen zu einem Begriff kommen. Singapur fuehrt die Liste im Fall "Euro Crisis" an. Diese Details sehen Sie wenn Sie sich den vollstaendigen Report anzeigen lassen (unten links anwaehlen).

Sapere Aude!

Georg Trappe

Editiert und um "PIIGS" erweitert am 28. August 2012


Samstag, 25. August 2012

Suedkorea, eine realwirtschaftliche Trutzburg?

Im vergangenen November veroeffentlichte Querschuesse einen Artikel mit dem Titel: "Suedkorea eine realwirtschaftliche Trutzburg" mit beeindruckenden Daten zur wirtschaftlichen Entwicklung Suedkoreas. Insbesondere die rasante Erholung nach dem tiefen Einbruch 2008 stand in einem angenehmen Kontrast zu den durch Sparzwang verschaerften Katastrophen in Suedeuropa.

Quelle

Allerdings hatte mich schon damals die nahezu ungebrochene exponentielle Entwicklung etwas skeptisch werden lassen und inzwischen relativiert sich auch das Bild dieses Exportweltmeisters. Denn auch in Suedkorea ist die Binnennachfrage in Gefahr. Allerdings weniger durch staatliche Sparprogramme ( 4 ) und dadurch ausgeloeste hohe Arbeitslosigkeit, sondern durch den exorbitanten Stand der Verschuldung der privaten Haushalte von ueber 160% des verfuegbaren Einkommens. Schon 2003 war es zu einer Kreditkartenkrise gekommen, in deren Verlauf unter anderem die groesste Kreditkartenfirma des Landes LG Card vor dem Bankrott gerettet werden musste. Dazu muss man wissen, dass in Korea ueber 20% der erwerbstaetigen Menschen "self employed" sind.

 Quelle

D.h. es gibt nicht nur Chaebol sondern auch eine grosse Zahl von Kleinstunternehmen (Ich AGs), die bei wirtschaftlichen Turbulenzen sehr schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten, da sie kaum im groesseren Umfang Sicherheiten fuer Kredite stellen koennen, die sie unweigerlich benoetigen wuerden, um eine Durststrecke zu ueberwinden. Bisher konnte Korea den Nachfrageausfall aus Europa zwar weitestgehend durch gesteigerte Exporte in die ASEAN Staaten und die USA kompensieren ( 2 ), aber eine sich weiter abkuehlende Weltwirtschaft koennte diesen Ausweg in Zukunft verstellen. Waehrend in Japan der innere Frieden dadurch aufrecht gehalten wurde und wird, dass die japanischen Wohlhabenden Staatsanleihen zu niedrigsten Zinsen zeichnen, was zwar die Verschuldung des japanischen Staats in exorbitante Hoehen treibt, ihn aber in die Lage versetzt immer wieder Programme aufzulegen, die die Binnenwirtschaft "stuetzen, so ist in Korea die Lunte deutlich kuerzer. Zwar betraegt die Staatsverschuldung Suedkoreas nur erstaunlich geringe 34% des BIPs aber dafuer hat die Verschuldung der privaten Haushalte ein beaengstigendes Mass erreicht ( 1 ), was in Verbindung mit der hohen Zahl der Ich AGs, die den uebermaechtigen Chaebols gegenueberstehen einigen Sprengstoff beinhalten duerfte, wenn die Entwicklung der Exporte wegen einer sich abkuehlenden Weltwirtschaft, nicht auf dem bisherigen Pfad gehalten werden kann. Dennoch hat der koreanische Staat, zumindest nominell, unvergleichlich groessere Spielraeume und ist trotz stark wachsender Verschuldung in den vergangenen Jahren aktuell nicht durch Herabstufungen von US Ratingagenturen bedroht ( 3 ). Vielmehr haben unsere Freunde von Goldman Sachs Suedkorea fuer ihre naechste Blasenkonstruktion mit dem Namen "Next Eleven" auserkoren.
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 Und fuer alle, die Suedkorea etwas naeher stehen, hier noch eine interessante Geschichte um ein  aktuelles Musikvideo mit dem Titel "Gangnam Style".

Sapere Aude!

Freitag, 24. August 2012

Hurra! AIG Rettung abgeschlossen

Krisenbewaeltigung: FED trennt sich von den letzten AIG Papieren meldet das Handelsblatt in seiner Online Ausgabe. Vor genau 4 Jahren, im September 2008, brach der weltgroesste Versicherungskonzern unter der Last faellig gewordener CDS (Kreditausfallversicherungen) beinahe zusammen und musste vom amerikanischen Staat und der FED mit gigantischen Summen in Hoehe von  insgesamt 182,5 Mrd. US$ gerettet werden. Nun hat die FED New York wohl die letzten Papiere ihres sog. Maiden Lane III Portfolios verkauft. Mit Gewinn, wie es im Handelsblatt heisst. Wie das bei einem durchschnittlichen Erloes von 56 Cents pro Dollar "face value" funktioniert, verstehe ich zwar nicht, aber dafuer bin ich wohl zuwenig mit der einen oder anderen Finanzakrobatik vertraut. Wie dem auch sei, der amerikanische Staat haelt  weiterhin 61% der Anteile an AIG und ist daher noch lange nicht aus dem Schneider. Auch dann nicht, wenn der AIG CFO, David Herzog, stolz verkuendet, dass mit den von ihm zurueck gekauften Papieren  (CDOs auf Basis von Sub Prime und anderen Hypotheken) zum Teil Renditen um die 10% erzielt werden ( 1 ). Wer diese Renditen zahlt und was diese Zahlungen ermoeglicht, bleibt leider im Dunkeln. Immerhin ist zu verstehen, dass ein Papier, was urspruenglich zu 100 ausgegeben wurde und 5,5% Zinsen bringen sollte, bezogen auf einen Rueckkaufpreis von 56 nun 9,8% Zinsen bringt. Halleluja! Wir freuen uns auf den naechsten Quartalsbericht der AIG und David Herzog freut sich auf einen dicken Bonus fuer diese Heldentat. Wenn man nun weiter fragt, was in den vergangen vier Jahren bei AIG aus der Katastrophe noch gelernt wurde, dann bleibt einem angesichts der Steilheit der Lernkurve der Mund offen stehen ( 3 ). Nicht nur die regula de tribus wurde verstanden, sondern auch das Gehirn hinter der Katastrophe, Gary Gorton,   hat Fortschritte in seinem steten Bemuehen um ein vertieftes Verstaendnis der Ursachen gemacht. Zumindest entsteht fuer einen Moment in diesem Interview dieser Eindruck, wenn er sagt:
"I would say that the discussion is at a very low level. It is basically uninformed and anti-intellectual. I think the discussion ought to be about bank runs. As I said above, the crisis was a bank run, but unfortunately one that was not clearly observed. The laundry list of "causes" misses the essential point that the private sector cannot create riskless assets to back bank money. So, there is always the chance that holders of bank money will become suspicious of the backing collateral. This occurred in 2007."
Nun ja, die Auffassungsgabe oder Mitteilungsfreude des Yale Professors Gorton ist eben nicht ganz so schnell, wie die eines Porter Stansberry, der nur wenige Wochen nach dem Debakel im Oktober 2008 unter anderem schrieb:
"And this is where AIG comes into the story.
Around the world, banks must comply with what are known as Basel II regulations. These regulations determine how much capital a bank must maintain in reserve. The rules are based on the quality of the bank's loan book. The riskier the loans a bank owns, the more capital it must keep in reserve. Bank managers naturally seek to employ as much leverage as they can, especially when interest rates are low, to maximize profits. AIG appeared to offer banks a way to get around the Basel rules, via unregulated insurance contracts, known as credit default swaps. 
Here's how it worked: Say you're a major European bank..." ( 2 ).
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Sehr sehenswert ist in diesem Zusammenhang auch dieses Video von Porter Stansberry.
 Es gibt einen tiefen Einblick, wie die USA und ihre Buerger in Bezug auf ihr Geld ticken(*).
 Wer nach diesem Video immer noch glaubt, dass die Vorgaenge in Europa und um den Euro, insbesondere das Verhalten der US Ratingagenturen und der hiesigen Mainstream Medien und der verlaengerten Achse des Guten seien Zufall, der hat nicht verstanden, warum die Rettung von AIG inzwischen als abgeschlossen gilt.

Sapere Aude!

Georg Trappe

(*) Es geht mir nicht! darum, Werbung fuer eine Anlageberatungsfirma zu schalten, sondern um die Analyse, den patriotisch begruendeten "State of Denial", die Polarisierung die sich daraus ergibt, die "Loesungsansaetze" die sich aus dieser polarisierten Sicht ergeben und natuerlich auch darum, dass es in der amerikanischen Mentalitaet immer nur "Opportunities" gibt, die man erkennen und lautstark bewerben muss, um daraus ein Geschaeft zu machen. Das die Flucht vor der bitteren Realitaet in vermeintliche Alternativen, genausowenig Loesung ist, wie die "Staerkung" des US$ durch von US Seite betriebene Abwertung der "Alternativen" wird dabei nicht erkannt.

Mittwoch, 22. August 2012

Das Beispiel Japan

Das Beispiel Japan verdeutlicht mit seiner aktuellen Entwicklung, wie die angeblichen Allheilmittel Wettbewerbsfaehigkeit=Produktivitaetsvorsprung und Exportweltmeisterei erst zur Einbahnstrasse und dann zur Sackgasse werden.

 Quelle

Auf Querschuesse gibt es einen Artikel, der dies eindrucksvoll anhand von wie immer sehr gut aufbereiteten Daten verdeutlicht. Japans Handelsbilanz war in den zwei Jahrzehnten vor dem Ausbruch der Krise 2007/08 immer deutlich positiv. Kumuliert hat  Japan damit ein gigantisches  Vermoegen angespart, das Japan unter anderem in Form von  US Staatsanleihen im unvorstellbaren Wert von 1,1 Billionen haelt. Nun zeichnet sich moeglicherweise eine Wende bei dieser Entwicklung ab, die zum einen durch die Krise in den USA und in Europa aber sicherlich auch durch die Katastrophe in Fukushima ausgeloest wurde. Denn Japan hat die unglaubliche Zahl von 56 AKWs abgeschaltet und der Laden laeuft trotzdem weiter, fast so als waere nichts geschehen. Allerdings vermehrt durch Oel und Gas befeuert und bei ruecklaeufigen Exporten nach Europa und die USA. Dadurch kann es zu einer Richtungsumkehr der  Kapitalstroeme kommen, indem Japan US Anleihen verkauft, um damit das Handelsbilanzdefizit zu finanzieren. Ein legitimes Vorgehen in schweren Zeiten nach ueber zwei Jahrzehnten Lieferung von realen Guetern gegen einen gigantischen Berg von IOUs. Allerdings entsteht die interessante Frage, welchen Weg dieses Geld nehmen wird, denn es ist mehr als fraglich, das die USA etwas Reales liefern koennen, was man in Japan auch wirklich braucht. Daher geht in den USA die Angst um, das der Verkauf von US Staatsanleihen  in signifikanter Menge durch Japan nicht nur die Zinsen fuer diese hoch treiben koennte sondern auch gleichzeitig die zweite Achillesferse der USA, das Oel, verteuern koennte. Desweiteren stellt sich die Frage, wie sich die US Ratingagenturen angesichts dieser potentiellen Probleme verhalten werden. Denn Japans Staatsschulden sind mit 230% des BIP exorbitant, wenn gleich sie nicht wie im Falle der USA von Auslaendern finanziert werden, sondern eine innere Verschuldung vorliegt. Sollten die US Ratingagenturen aber auf die Idee verfallen Japans Staatsanleihen wegen des moeglicherweise chronisch werdenden Handelsbilanzdefizits deutlich herabzustufen, dann waere damit Japans bisheriger Weg die Binnennachfrage soweit zu stuetzen wie es notwendig ist, um den inneren Frieden zu wahren, verbaut. Ob sich Japans Gesellschaft aber nach zwei Jahrzehnten harter Arbeit fuer einen Berg von triple A rated IOUs auch noch eskalierende soziale Haerten mit der Begruendung aufbuerden laesst, das japanische Staatsanleihen weniger Aussicht auf Rueckzahlung haben als US Staatsanleihen, darf bezweifelt werden.

Sapere Aude!

Mittwoch, 15. August 2012

Woher der Wind weht

Die Wirtschaftsschlagzeilen in den letzten Tagen sprechen eine klare Sprache.
Leider ahnen die wenigsten, was sie wirklich bedeuten.
 Da erwirtschaftet die deutsche Volkswirtschaft mit 41,5 Millionen Erwerbstaetigen einen Handelsueberschuss, der in diesem Jahr mit voraussichtlich 200 bis 210 Mrd. den von China mit ueber 800 Millionen Erwerbstaetigen erwirtschafteten Handelsueberschuss weit uebertreffen wird. Diese stolzen Zahlen illustrieren aber nicht nur den hohen Stand der Produktivitaet und der Wettbewerbsfaehigkeit der deutschen Wirtschaft, sondern sie markieren wahrscheinlich auch den vorlaeufigen Hochpunkt einer seit langen Jahren anhaltenden Entwicklung, die nicht nur durch die Ruecknahme sozialer Fortschritte in Deutschland moeglich gemacht wurde, sondern auch das Projekt Europa krachend an die Wand gefahren hat.
 Mehr als die Haelfte der 30 DAX Konzerne ist im Besitz einer Banklizenz. Damit sind diese Konzerne in der Lage ihren Kunden nicht nur Waren und Dienstleistungen dank seit Jahren stagnierender Realloehne zu aeusserst wettbewerbsfaehigen Preisen anzubieten, sondern  auch eine absatzfoerdernde, "massgeschneiderte" Finanzierung in Form von guenstigen Krediten oder entsprechenden Leasingvertraegen. Als ein Indiz dafuer, welches Ausmass und welche Bedeutung diese Art der kreditfinanzierten Absatzfoerderung hat, moechte ich nur beispielhaft auf Zahlen der Mercedes-Benz Bank verweisen, die von einer Penetrationsrate von 55% in Deutschland sprechen. D.h. 55% des inlaendischen Absatzes sind durch die eigene Bank finanziert. Das auch Siemens sich in 2010 um eine Banklizenz beworben hat und diese auch erhalten hat, ist ein weiterer Hinweis darauf, wie wichtig Konzernen dieser Groessenordnung die Kontrolle ueber die Kreditvergabe an ihre Kunden ist. Dabei hat die Zusammenarbeit zwischen deutscher Grossindustrie und deutschen Grossbanken eine lange Tradition und gilt bisher als gut koordiniert und weltweit als beispielhaft. Es erscheint allerdings mehr als widerspruechlich, wenn auf der einen Seite die erst durch Kreditvergabe ermoeglichten Absatzerfolge gefeiert werden und auf der anderen Seite die dabei entstehende Verschuldung als exzessiv und "ueber die Verhaeltnisse leben" angeprangert wird. Vollends absurd wird die Geschichte, wenn sich die Konzerne, die die so erzielten Exporterfolge feiern, sich ihrerseits durch die Kredite, die sie bei ihren Belegschaften in Form von Arbeitsleistungen gegen das Versprechen von zukuenftigen Zahlungen=Betriebsrenten aufgenommen haben, wegen der aktuell niedrigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt "erdrueckt" sehen, waehrend sie gleichzeitig Aktienrueckkaufprogramme ankuendigen, die durch die Auflage von Anleihen finanziert werden sollen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Die Allianz gehoert zu den Spitzenreitern  der DAX Unternehmen beim Gewinn (s.o.).
Versicherer profitieren vom Zinstief. Eigenkapitalrenditen deutlich ueber 10% (nach Steuern).

Freitag, 10. August 2012

Bemerkenswert!

Es gibt einen aktuellen Artikel auf Querschuesse, der das bemerkenswerte Genie deutscher Politik- und Wirtschaftseliten, insbesondere deutscher Banker, anhand von harten Fakten wiedereinmal schonungslos offen legt.
Dort ist die Rede von einem kumulierten deutschen Leistungsbilanzueberschuss in Hoehe von satten 681 Mrd. Euro alleine mit den Laendern Portugal, Italien, Griechenland, Spanien und Frankreich in den vergangenen zehn Jahren. Soetwas entsteht zum einen nicht von heute auf morgen und loest zum anderen ueblicherweise den Lieferungen entgegengesetzte Zahlungsstroeme aus, die, wenn sie ueber Waehrungsgrenzen erfolgen, zur Abwertung der Waehrung der zahlenden Volkswirtschaft und zur Aufwertung der Waehrung der real liefernden Volkswirtschaft fuehren, was eine solche Entwicklung bremst, da dann die Preise fuer Waren und Leistungen aus Sicht der beziehenden =  zahlenden Volkswirtschaft steigen, es sei denn die beziehende = zahlende Volkswirtschaft "produziert" und zahlt mit Weltleitwaehrung. In einer Waehrungsunion fehlt dieses "Korrektiv", sowie es in einer Weltwirtschaft fehlt, in der die groesste Volkswirtschaft ihre Leistungsbilanzdefizite mit selbstproduzierter Weltleitwaehrung bezahlen kann. Dennoch haetten die Zahlungsstroeme im Targetsystem sichbar werden und zu entsprechenden Targetsalden bei den nationalen Notenbanken fuehren muessen, es sei denn es haette entgegengerichtete, kompensierende Zahlungsstroeme (ohne entsprechende Waren- und Leistungslieferungen) gegeben. Und das war offensichtlich bis Ende 2007 der Fall. Denn die explosive Entwicklung der Target2 Salden setzte erst ein, nachdem das Platzen der Immobilienblase in den USA offenbar war. D.h. bis 2007 wurden die deutschen Exporte in die sog. "PIGS", die durch den per Agenda 2010 erzwungenen Reallohnverzicht der deutschen Belegschaft konkurrenzlos guenstig angeboten werden konnten,  durch Kredite deutscher Banken zu konkurrenzlos niedrigen Zinsen an die sog. "PIGS" finanziert. Erst als die deutschen Banken feststellen mussten, dass sie dem groessten Betrug aller Zeiten zum Opfer gefallen waren, in dem sie sich en masse Muehlsteine in Form von minderwertigen Hypothekenpapieren von ihren Wall Street Kollegen hatten um den Hals legen lassen,  wurde die massive Kreditvergabe an die sog. "PIGS" nicht nur eingestellt, sondern die Kapitalstroeme begannen sich schlagartig umzukehren, um die durch den offenbar gewordenen Wall Street Betrug entstandenen Schaeden in den Bilanzen deutscher Banken zu kompensieren.
 Mit katastrophalen Folgen fuer die Menschen in den betroffenen Nachbarlaendern aber auch, zumindest auf laengere Sicht, fuer die Menschen in Deutschland. Denn der deutschen Belegschaft wurde per Agenda 2010 nicht nur die Partizipation an den Gewinnen des kreditfinanzierten Exportbooms verwehrt, sondern ihr werden auch noch die Risiken sowohl des Engagements am amerikanischen Hypothekenmarkt als auch die Risiken des kreditfinanzierten "Exportfoerderprogramms" aufgehalst und zwar von deutschen Banken "too big to fail" via Verschiebung der Kreditrisiken auf oeffentliche Institutionen aka Bundesbank und EZB.
Da die deutschen Exporte in die Euro Zone inzwischen fallen, was beim eingeschlagenen Sparkurs in den Krisenlaendern nicht verwundern darf, scheint es so, als wuerde das "Erfolgsrezept" nun gegenueber Laendern ausserhalb Europas zur Anwendung gebracht, denn die Ausfuhren dorthin stiegen, auch beguenstigt durch einen stetig fallenden Euro, um fast 20% gegenueber dem Vorjahr.
 Die Frage, die sich dabei aufdraengt, ist: 
Werden auch diese Exporte durch Kredite finanziert? 
Wenn diese Frage mit Ja beantwortet werden muss, was zu vermuten ist, dann entpuppt sich auch diese "Loesung" als eine Scheinloesung und zeigt auf, dass Deutschland auf einem Weg ist, der der Sackgasse, in der Japan seit nun fast zwei Jahrzehnten steckt, sehr aehnlich ist. Denn dann findet offenbar eine Polarisierung statt zwischen Volkswirtschaften, die aufgrund ihrer enormen realwirtschaftlichen Produktivitaet zu Exportweltmeistern werden, und Volkswirtschaften, die wie die USA und die sog. "PIGS" ihre realwirtschaftlichen Kompetenzen zunehmend verlieren und zu kreditfinanzierten Abnehmern fuer diese Exportweltmeister werden. Das dies keine wuenschenswerte und in dieser Auspraegung auf Dauer tragfaehige Konstellation sein kann, ist leicht einzusehen. Dennoch scheinen mir die Entwicklungen und Offenbarungen der letzten Jahre genau in diese Richtung zu deuten.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Dienstag, 7. August 2012

Ungewoehnlich

Es ist schon sehr ungewoehnlich, dass der Finanzvorstand eines international taetigen Grosskonzerns sich zu seinen Einschaetzungen und Strategien in Bezug auf Waehrungsentwicklungen oeffentlich aeussert. Es gehoert zwar zu seinem taeglichen Geschaeft, das finanzielle Ergebnis des Konzerns gegen Unsicherheiten durch Waehrungschwankungen  abzusichern, aber dies geschieht ueblicherweise durch Forward Contracts oder aehnliche Instrumente bzw. durch sukzessive Umschichtung von entsprechenden Bilanzpositionen. Das der CFO von Shell, Simon Henry, nun mit einem Paukenschlag den Abzug von 15 Mrd. fluessiger Mittel aus Europa ankuendigt und ausgerechnet den US$ und US Staatsanleihen als "sicheren Hafen" fuer diese Mittel waehlt, offenbart nicht nur, welche Maechte hier im Spiel sind, sondern legt auch die Vermutung nahe, dass es ihm nicht nur um die Absicherung der finanziellen Ergebnisse des Konzerns geht, sondern offensichtlich auch um den Aufbau einer Drohkulisse fuer all die in Europa, die noch Hemmungen haben, das amerikanische Rezept zur Krisenbewaeltigung auch hierzulande um zu setzen. 

Sapere Aude!

Georg Trappe

Montag, 6. August 2012

Ein Paradies fuer Investoren!?

In meinem letzten Artikel hatte ich auf die durchweg positiven Ratings der US Bundesstaaten hingewiesen, die sich im Verlauf der vergangenen fuenf Krisenjahre bei einem beachtlichen Teil von ihnen sogar noch verbessert hatten, waehrend in Europa die Kreditwuerdigkeit nicht nur der von der Wall Street so genannten "PIGS" in Grund und Boden herabgestuft wurde, sondern mittlerweile auch die Bonitaet der hiesigen "Felsen in der Brandung" vom Oligopol der Ratingagenturen in Frage gestellt werden.
Das wirft natuerlich die Frage auf:

"Was steckt dahinter?"

Eine eindrucksvolle Antwort liefert diese Zusammenstellung von wirtschaftlichen Fakten bezueglich der USA und verdeutlicht so, in welche Richtung sich Europa (weiter-) entwickeln wird, wenn in "maktgerechten Demokratien" die Ratings eines maechtigen Oligopols zur allgemeingueltigen Richtschnur  werden, und so jede politische und wirtschaftliche Vernunft, die sich an den Interessen von Mehrheiten orientiert, ersetzen.

Rot=Total Debt, Blau=GDP

 Die Gewinne aller Unternehmen inkl. Banken etc. in USA haben sich dabei so entwickelt:


Der Anteil der Banken etc.


Diese beiden Entwicklungen ins Verhaeltnis gesetzt und auf die Gesamtgewinne bezogen, zeigen den dramatischen Anstieg des Anteils des Finanzsektors in den USA an den gesamten Gewinnen:


Damit ist dann auch klar, was Lloyd Blankfein von Goldman Sachs meinte, als er davon sprach, dass die Banken in den USA "Gottes Werk" verrichten bzw. Praesident Obama darauf hingewiesen wurde, das eine Schwaechung (=Regulierung) des US Finanzsektors mit einer Schwaechung der USA als Ganzes gleichzusetzen ist.
Wenn die politische und wirtschaftliche Vision der hiesigen Eliten fuer Europa ein "Mithalten" mit diesen Entwicklungen in den USA ist, dann hat Frau Merkel vollkommen recht, wenn sie Europa dabei auf einem "guten Weg" sieht.

Sapere Aude!

Georg Trappe



Sonntag, 5. August 2012

Ein "gutes" Beispiel!


Exzellente Ratings soweit das Auge reicht:



Daran koennte sich Europa ein "Beispiel" nehmen, denn das ist mit Abstand der "billigste" Weg, eine durch massive Fehlleistungen eines maroden Finanzsystems ausgeloeste Wirtschaftskrise "glaenzend zu ueberstehen".
(Siehe auch.)

Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 1. August 2012

Test

Test
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Test Ende