Sonntag, 30. September 2012

Ergodizitaet und multiplikative Prozesse


Wenn man sich von dem Irrtum verabschiedet, Wirtschaft sei ein durch und durch ergodisches System, dann ist es recht einfach ein Modell / eine Vorstellung zu entwickeln, welches Konzentrationsprozesse bei den Geld- und Realvermoegen, Firmen, Konzernen und Banken als eine der Kernursachen der Krise erkennbar werden laesst.
Fuer diejenigen, die sich von mathematischer Seite der Erklaerung der Krisenursachen naehern wollen, hier noch einige Hinweise, die dabei den Einstieg in die stochastische Perspektive erleichtern.




Vielen Dank an Lars Syll, der in einem Aufsatz im RWER Blog darauf aufmerksam gemacht hat.
Weiterhin moechte ich auf diese Aufsaetze von Limpert, Ohmayer und Stahel 
bzw. Limpert, Stahel und Abbt
hinweisen.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Nachtrag 1.Oct.2012: Meiner Meinung nach muessen die stochastische Perspektive und die dynamische Perspektive parallel in Betracht gezogen werden, wenn man ein annaehernd vollstaendiges Bild erhalten will. Den dynamischen Betrachtungen, wie sie dankenswerterweise u.a. von Steve Keen voran getrieben werden, entgeht etwas wesentliches, wenn sie nicht durch eine stochastische Perspektive ergaenzt werden. Das liegt daran, dass die dynamischen Betrachtungen versuchen das System durch Zustandsgroessen zu beschreiben, die durch Aggregation oder Durchschnittsbildung entstehen. Dabei gehen dann evtl. dramatische und bedeutsame Veraenderungen in der Verteilung der Mikrozustaende verloren. Anders ausgedrueckt Boltzmann und Co. hatten ausgesprochenes Glueck, dass ihre Betrachtungen sich auf quasi ergodische Systeme bezogen. Denn nur aus diesem Grund konnte so die Bruecke zwischen Mikro und Makro geschlagen werden.

Sonntag, 23. September 2012

Ist die Kanzlerin unfaehig?

Die Stellungnahme der Kanzlerin in der Diskussuion um den vierten Armuts- und Reichtumsbericht zwingt mir die Frage auf, ob die Regierungschefin und ihre Gefolgschaft unfaehig oder unwillens sind, die tieferen Ursachen der Krise zu verstehen?
Mir draengt sich inzwischen der Eindruck auf, das sie es nicht verstehen wollen.
Denn Frau Merkel argumentiert unredlich. Die Aussage, dass die wohlhabendsten 10 Prozent  55 Prozent der Steuereinnahmen generieren würden, ist grob falsch! Sie stimmt nur fuer die Einkommenssteuern, die aber nur etwa 30% des Gesamtsteueraufkommens darstellen. Der "Rest" sind ueberwiegend Verbrauchssteuern. Wenn Sie in die Simulation des Fettaugensyndroms gehen und dort den Akteuren einen fixen Betrag (z.B. fuer den Verbrauch) von den erzielten Gewinnen abziehen, dann steigt der Theilindex = die Ungleichheit umso schneller, je hoeher dieser Fixbetrag ist. D.h. Steuern auf den Verbrauch verschaerfen das ursaechliche Problem.
Wenn jemand ganz offensichtlich aus ideologischen Gruenden nicht verstehen will, dann nuetzen noch soviele Fakten, Berichte und Erklaerungsversuche nichts. Dann ist jede intellektuelle Anstrengung in diese Richtung umsonst.
Was man Frau Merkel aber in diesem Fall zu Gute halten muss, ist, dass sie es an dieser Stelle ganz offensichtlich werden laesst, dass die Demokratie in Deutschland zunehmend zu einer Plutokratie verkommt, in der nicht nur die existenziellen Interessen einer Mehrheit rigoros dem Fetisch einer Minderheit untergeordnet werden, sondern so auch der Fortbestand des demokratischen Staates in Gefahr gebracht wird und zwar von der gewaehlten Regierung. Damit ist es an der Zeit an Artikel 20 des Grundgesetzes und das darin verankerte Grundrecht zum Widerstand zu erinnern.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Nachtrag 24.09.2012:
Leider kenne ich keine Statistik ueber die Verbrauchsquote, in der nach Einkommen aufgeschluesselt ist, wie hoch der Anteil des Einkommens ist, der in den Verbrauch geht. Ersatzweise kann man die Sparquote betrachten, da in erster Naeherung die 
Verbrauchsquote = 1 - Sparquote
 ist. Leider enden die mir zugaenglichen Statistiken bei 18000 Euro pro Monat verfuegbarem Einkommen. Damit ist mal wieder der interessantere Teil der Geschichte unsichtbar. Denn wir erinnern uns. Herr Zetsche, CEO der Daimler AG, der ja nur die Dreckarbeit fuer die Eigentuemer macht, bezieht einen Lohn von 1000 Euro/Std. wenn man annimmt, er arbeitet 24h am Tag und 365 Tage im Jahr. Trotzdem ergibt die Betrachtung der Sparquote ein erklaerendes Bild, wenn man es denn verstehen moechte, warum Verbrauchssteuern zu einer beschleunigten Konzentration von Vermoegen fuehren.

Freitag, 21. September 2012

Zins und Zinseszins Teil 3

Wenn man die Verwirrungen ueber die Entstehung von Geld und Zins/Zinseszins, die meinem Eindruck nach zum Teil von interessierter Seite gefoerdert werden, um die wirklichen Krisenursachen zu vernebeln, aufloesen will, dann erscheint mir eine Fallunterscheidung ganz besonders wichtig. Und das ist die Unterscheidung zwischen Banken und Nichtbanken.
Wie die Dinge im Fall von Banken liegen, habe ich in den voran gegangenen Artikeln ( 1 , 2 ) zum Thema dargelegt. Der Kern Punkt ist. Banken schoepfen im Zuge der Kreditvergabe Geld, das vorher nicht vorhanden war. Sie geben nicht ihr Eigenkapital aus der Hand und sie reichen auch nicht die Einlagen von Sparern an Kreditnehmer weiter!
Bei Nichtbanken, die Geld verleihen, sieht der Fall anders aus. Nichtbanken koennen im Gegensatz zu Banken kein Geld schoepfen! Sie greifen also immer auf existierendes Geld zurueck, was bereits durch Banken geschoepft wurde. D.h. wenn Nichbanken Geld verleihen, dann verleihen sie aus ihrer Sicht Eigenkapital.  Der Unterschied wird sichtbar, wenn man sich die Bilanz anschaut. Bei Banken findet eine Bilanzverlaengerung statt. Die sieht, wie schon in Teil 1 beschrieben, so aus:

Die Eroeffnungsbilanz einer Bank :
Aktiva   I Passiva
Barreserve   500 I 500 Eigenkapital 
-
Die Bilanz nach der ersten Kreditvergabe in Hohe von 100 an den Kunden A:
Aktiva   I Passiva
Barreserve  500 I 500 Eigenkapital
Forderung gegen A 100 I 100 Guthaben A             

Die Bilanzsumme und damit der Geldbestand im System hat sich um 100 auf 600 erhoeht/verlaengert.
 -
Im Fall einer Nichtbank, wenn also z.B. Frau Geerkens Herrn Wulff einen Kredit gewaehrt, dann sieht die Sache in der Bilanz von Frau Geerkens so aus:

Die Eroeffnungsbilanz von Frau Geerkens :
Aktiva   I Passiva
Barreserve   500 I 500 Eigenkapital
-
Die Bilanz nach der Kreditvergabe in Hoehe von 100 an Herrn Wulff:
Aktiva   I Passiva
Barreserve  400 I 500 Eigenkapital
Forderung gegen Wulff 100 I 000 Guthaben Wulff               
          
Die Bilanzsumme ist konstant geblieben.
-
Die Modelle der VWL und ihre Verfechter, wie z.B. Paul Krugman, betrachten Banken so, als waeren sie Kapitalsammelstellen fuer Nichtbanken und wuerden das Eigenkapital der Sparer an Kreditnehmer verleihen. Dabei ignorieren sie die Kapazitaet der Banken zur Geldschoepfung. Auf der anderen Seite haben die Zinskritiker beim Geldverleih durch Nichtbanken vollkommen recht, wenn sie sagen, dass diese Geldverleiher durch Zins und Zinseszins eine Unmoeglichkeit schaffen wuerden, wenn es keine geldschoepfenden Banken gaebe. By the way, das BGB verbietet Zinseszins fuer all diejenigen, die ihn und seine verheerende Wirkung nicht verstehen. Warum es Banker von diesem Verbot freistellt, ist mir allerdings nicht klar.
Sapere Aude!

Georg Trappe





Donnerstag, 20. September 2012

Zins und Zinseszins Teil 2

Im ersten Teil dieses Aufsatzes habe ich versucht einen bedauerlicherweise weitverbreiteten Fehler in der Argumentation, auch prominenter, Zinskritiker aufzuzeigen. Es ist nicht! so, dass das Geld zur Zahlung der Sollzinsen prinzipiell fehlt, weil es dem System als Ganzes von den Banken vorenthalten wuerde. Vielmehr fliesst es zum groessten Teil den Inhabern von Guthaben in Form von Habenzinsen, dem Bankpersonal in Form von Lohn und zu einem Teil den Bankeigentuemern als Gewinn zu. Allerdings ist es so, dass sich diese Zinszahlungsstroeme  durch das Fettaugensyndrom zunehmend auf Inhaber grosser Guthaben konzentrieren und zwar bei denen, die von einem im Modell hypothetisch angenommenen gleichverteilten Start ausgehend,  gluecklicherweise zu Beginn eine Serie von hohen "Returns on Investment" erzielen konnten. Das wird dann nahezu automatisch ueber Zeit zu einem unschlagbaren Vorteil, der sich nicht nur im Realvermoegen sondern eben auch zunehmend im Geldvermoegen niederschlaegt und von einer immer groesser werdenden Zahl Abgehaengter nicht mehr eingeholt werden kann. Und das fuehrt zur Verunmoeglichung der Schuldentilgung und im Nettoergebnis zur exponentiellen Entwicklung der Bankbilanzsummen und damit der Schulden aber auch der Geldvermoegen.
Zu welcher Groesse diese liquiden Geldvermoegen in der Kontrolle Weniger anschwellen koennen, zeigt der Fall Shell, dessen CFO Simon Henry kuerzlich ankuendigte kurzerhand 15 Mrd. Euro von europaeischen Banken abzuziehen und auf US Banken zu transferieren. Soetwas stellt selbst Grossbanken vor erhebliche Herausforderungen. Insbesondere in schwierigen Zeiten. Denn es zwingt die betroffenen Banken entweder Einlagen in gleicher Hoehe von anderen Kunden, vermutlich US Konkurrenzbanken, einzuwerben oder aber Aktiva in dieser Hoehe an diese zu veraeussern, was bei einem ohnehin schon depremierten Markt die Preise fuer diese weiter drueckt. Ein Albtraum fuer die betroffenen Banken und Grund fuer wachsende Instabilitaet bei diesen. Aber nicht nur die wohlhabenden Grosskunden stellen fuer die Banken ein Stabilitaetsrisiko aufgrund des "Erpressungspotentials" dar, sondern auch das untere Ende der Bonitaetsskala beim Kreditkundenstamm ist dank Fettaugensyndrom ein permanentes und stetig wachsendes Risiko, das zu allen moeglichen "Entsorgungsmassnahmen" bei den Banken fuehrt, die das haftende Eigenkapital vor Verlusten schuetzen sollen. Verbriefungszweckgesellschaften, Absicherungsversuche durch CDS, aufgeweichte Bewertungsregeln bei der Bilanzierung aber auch die Flucht nach vorne durch staendige Ausweitung des Kreditportfolios in neue sog. Wachstumsfelder sind da nur die sichtbar gewordene Spitze des Eisbergs.
D.h. viele Zinskritiker begehen zwar einen Fehler in ihrer Argumentation, wenn es um die Frage geht, warum Schulden nicht zurueckgezahlt werden koennen und warum in Folge Schulden- und Bilanzsummen exponentiell ansteigen, haben aber im Nettoergebnis, also was die Konsequenzen aus diesen Entwicklungen betrifft, vollkommen recht. Von daher ist es sehr befremdlich, wenn dieser Fehler nicht von Bankprofis und Wirtschaftswissenschaftlern, die diesen Effekt in Form von Kunden- und Kontenstatistiken taeglich vor Augen habe bzw. es aufgrund ihrer hoffentlich empirisch fundierten Theorien besser wissen muessten, aufgeklaert wird und so der Eindruck entsteht, dass  man lieber schweigend bzw. abstreitend zusieht, nicht nur wie unliebsame Kritiker sich in einer fehlerhaften Argumentation verstricken, sondern sich so auch das Dickicht und die Intransparenz um die Realitaeten des Bankgeschaefts erhoeht. Und das in einer Zeit, in der im grossen Umfang verloren gegangenes Vertrauen nur durch ein mehr an Transparenz und sorgfaeltige Analyse zurueck gewonnen werden kann.

Saper Aude!

Georg Trappe


P.S.: Vielen Dank an RealTerm fuer die Anregung zu diesem zweiten Teil zum Thema Zins und Zinseszins. Siehe auch hier.

Mittwoch, 19. September 2012

Hinweis

Es gibt eine ausgezeichnete Artikelserie von SLE, in der der Autor aktuelle Publikationen zum Thema Einkommens- und Vermoegenskonzentration aufgreift und die darin enthaltenen Daten auf einen Erklaerungszusammenhang zuspitzt, der in dieser Form aus meiner Sicht in der gesamten bisher gefuehrten Diskussion ueber die Krise und ihre Ursachen einzigartig ist.
Sie finden diese Artikelserie auf dem Fakten orientierten Wirtschaftsblog Querschuesse oder auf dem privaten Blog des Autors



Sehr lesenswert!

 Denn diese Artikelserie bleibt nicht an der beschoenigenden und verharmlosenden Oberflaeche, wie es die Berichterstattungen der Mainstream Medien z.B. in Bezug auf den aktuellen Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung offenbar vorziehen.

Georg Trappe

Dienstag, 18. September 2012

Zins und Zinseszins

In der nun seit Jahren andauernden Diskussion ueber die Ursachen der Finanzkrise stehen die Banken und das Geldsystem immer wieder im Fokus. Wie ich finde zurecht. Nicht nur weil sich in diesem Bereich Skandale sowie Exzesse haeufen und der Finanzsektor Ausgangspunkt der katastrophalen Entwicklungen war, sondern weil dieser zentrale Bestandteil einer modernen Wirtschaft eine sorgfaeltige Analyse und ein tieferes Verstaendnis erfordert, wenn man den wirklichen Ursachen der Krise naeher kommen moechte. Leider gibt es dabei in Bezug auf Zins und Zinseszins Vorstellungen, die zwar weit verbreitet aber trotzdem unrichtig sind. Das geht soweit, dass ansonsten berechtigte und gut fundierte Kritik am bestehenden Banken- und Geldsystem durch Fehler an dieser Stelle unglaubwuerdig wird und sich so ins Abseits stellt bzw. leicht ins Abseits stellen laesst. Ein prominentes Beispiel dafuer scheint mir die Geschichte um Prof. Franz Hoermann zu sein.

Geld entsteht auf der Ebene der Geschaeftsbanken im Zuge der Kreditvergabe durch einen Buchungsvorgang, der eine sog. Bilanzverlaengerung darstellt. Wenn die Eroeffnungsbilanz einer Bank wie folgt aussieht:

Aktiva   I Passiva
Barreserve   500 I 500 Eigenkapital

Dann sieht sie nach der ersten Kreditvergabe in Hohe von 100 an den Kunden A so aus:

Aktiva   I Passiva
Barreserve  500 I 500 Eigenkapital
Forderung gegen A 100 I 100 Guthaben A               

Die Bilanzsumme hat sich um 100 auf 600 erhoeht. In der Fachsprache heisst das, die Bilanz wurde um 100 verlaengert. Nun bezahlt Kunde A mit dem Kredit von 100, die ihm als Guthaben auf seinem Giro gutgeschrieben wurden, eine Ware, die er von B kauft.
Dann bleibt zwar die Bilanzsumme konstant bei 600 aber das bei der Kreditvergabe entstandene Geldguthaben geht in das Eigentum von B ueber.

Aktiva   I Passiva
Barreserve   500 I 500 Eigenkapital
Forderung gegen A 100 I 000 Guthaben A              
 Forderung gegen B 000 I 100 Guthaben B               

Nehmen wir an, das die Bank fuer den Kredit einen Zins von 10% mit A vereinbart hat und fuer Guthaben einen Zins von 5% zahlt. Dann sieht nach Ablauf der ersten Zinsperiode unter der vereinfachenden Annahme, dass der Gewinn aus Zinsdifferenzgeschaeften in der G&V nur um Personalkosten geschmaelert wird, die Bilanz wie folgt aus:

Aktiva   I Passiva
Barreserve   500 I 503 Eigenkapital
Forderung gegen A 110 I 000 Guthaben A              
 Forderung gegen B 000 I 105 Guthaben B               
Forderung gegen Personal 000 I 002 Guthaben Personal              

Die Forderung gegen A waechst um 10 auf 110 und damit die Bilanzsumme auf 610. Das Guthaben von B erhoeht sich um 5 auf 105 und der Gewinn aus  Zinsdifferenzgeschaeften in Hoehe der verbleibenden 5 wird in diesem Beispiel um 2, die auf dem Gehaltskonto des Personals landen, geschmaelert. Betraegt also 3 und wird dem Eigenkapital gutgeschrieben.
Zinsen sind also auch eine Geldschoepfung, in deren Folge sich die Forderungen gegen A erhoehen, nur landen die entsprechen Verbindlichkeiten nicht auf dem Girokonto von A, sondern wie beschrieben als Habenzinsen bei B und Gewinn bzw. Lohn beim Eigenkapital der Bankeigentuemer bzw. auf dem Lohnkonto des Personals. Die Antwort auf die Frage, "Wie wird aus Geld mehr Geld?", lautet ganz einfach durch einen Buchungsvorgang. Es ist also immer genug Geld im System, um die Schulden inklusive Zinsen zu tilgen! Allerdings ist dies A nur moeglich, wenn es A gelingt auf dem Markt Preise fuer seine Arbeits-/Leistungsangebote zu erzielen, die diese Verpflichtungen auch decken.
Und hier schlaegt das Fettaugensyndrom gnadenlos zu.
Wenn viele Kreditnehmer wie A im Wettbewerb  ihre Arbeits- und Leistungsangebote machen, sind sie bei der Durchsetzung von Preisen/Loehnen unterschiedlich erfolgreich, was einen Konzentrationsprozess in Gang setzt, der u.a. dazu fuehrt, dass einige Glueckliche schnell schuldenfrei sind und sogar erhebliche Guthaben anhaeufen, wohingegen einer Vielzahl  von Akteuren dieser "Erfolg" zunehmend unmoeglich wird. Ich habe diesen Vorgang in einer Simulation beruhend auf einem mathematischen Modell nachvollziehbar gemacht und ich halte ihn inzwischen fuer einen der Hauptursachen der krisenhaften Zuspitzungen der vergangenen Jahre. 
Die Verunmoeglichung der Schuldentilgung auf diesem schwer zu durchschauenden "Umweg" fuehrt dann durch Zins und Zinseszins aber auch durch das Interesse der Banken, die Bilanzsumme staendig auszuweiten, zur exponentiellen Explosion derselbigen.
Das Verhalten der Banken inkl. Zins und Zinseszins wirken katalytisch und verschaerfend. Ursaechlich erscheinen mir aber die Konzentrationsprozesse des Fettaugensyndroms zu sein.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Welche Bedeutung das klassische Kredit / Zinsdifferenzgeschaeft fuer die Banken in Deutschland hat, kann man der G&V Statistik der Bundesbank oder beispielhaft dem Geschaeftsbericht einer Grossbank wie der Deutschen Bank entnehmen.

Samstag, 15. September 2012

Congestions in money/traffic flow explained

When you still believe in money circulation and are concerned about congestions in money flow, you may be interested in some recent research results regarding "phantom traffic jams". 



Sapere Aude!

Georg Trappe

Dienstag, 11. September 2012

Sozialarbeit a la Goldman Sachs

Die SZ weisst in einem Artikel auf eine Finanzinnovation mit dem Namen "Social Impact Bonds" hin, die der Buergermeister von New York in Zusammenarbeit mit Goldman Sachs nutzen will, um 3400 junge Straftaeter zu resozialisieren. Das erinnert mich an den Kids for Cash Skandal im Bundesstaat Pennsylvania im Jahr 2008, das "Chart That Scares The 1% The Most" und die Wall Street Weisheit, dass es nur Opportunities gibt, die als soche erkannt werden wollen, um dann aus ihnen moeglichst viel Geld machen zu koennen. Und wer sitzt an der Quelle und macht aus Geld immer mehr Geld? Richtig, die Banken

Think positiv!

Georg Trappe

Sonntag, 9. September 2012

Ist der Ruf erst ruiniert....

Ist der Ruf erst ruiniert, rettet sichs ganz ungeniert.
Es kommt mir doch irgendwie bekannt vor, wenn ich lese: 

oder:

Denn da war doch was:


"Zum Zerwürfnis zwischen Merkel und Ackermann kam es erst, als der Banker laut Medienberichten hinausposaunte, er würde sich schämen, für seine Bank Geld vom Staat anzunehmen. Kanzlerin Merkel und Finanzminister Steinbrück reagierten empört, immerhin hatten sie sich wochenlang bemüht, die Banken zur Offenlegung fauler Kredite zu bewegen, um einen Kollaps des Systems zu vermeiden. Wieder wählte Merkel Ackermanns Nummer. „Nie zuvor ist ein deutscher Manager von einem Regierungschef so in den Senkel gestellt worden“, sagt ein CDU-Abgeordneter über die Reaktion der Kanzlerin."

Inzwischen hat sich das Blatt offenbar gewendet und der Schwanz wackelt endgueltig mit dem Hund bzw. Staaten stemmen sich nun gegen die Zwangsverbanklichung.
 Immerhin ist es die Zentralbank, nominell eine oeffentliche Institution, die den Staaten "Rettung" anbietet und so einen "Ausweg" vor den horrenden Zinsforderungen der privaten Banken/Geldgeber anbietet. Der Preis fuer dieses "Sonderangebot" ist aber die Unterwerfung der Staaten unter sog. Strukturreformplaene neoliberaler Praegung, die das "Vertrauen" der "Maerkte" wiederherstellen sollen. Welche katastrophalen Folgen fuer die wirtschaftliche Entwicklung diese "vertrauensbildenden Massnahmen" zeitigen ist inzwischen ueberdeutlich in Griechenland aber auch in Portugal und Spanien zu sehen.

Sapere Aude!

Georg Trappe
 


 

Samstag, 8. September 2012

Die Benutzung von gesetzlichen Zahlungsmitteln laesst auf Kriminalitaet schliessen

In Italien soll die Benutzung gesetzlicher Zahlungsmittel stark eingeschraenkt werden. Das ist interessant! Denn ein Staat, der die Nutzung des gesetzlichen Zahlungsmittels stark einschraenkt, bzw. zu unterbinden sucht und so seinen Buergern "Vertrauen" in von Banken geschaffenes Buchgeld = Sichteinlagen/Sichtforderungen mit der Begruendung aufzwingt, dass gesetzliche Zahlungsmittel ueberwiegend bei der Waschung illegal erwirtschafteter Gelder eingesetzt werden, enthaelt seinen Buergern die Tatsache vor, dass der Zahlungsverkehr zwischen Banken ausschliesslich mit Zentralbankgeld=gesetzlichen Zahlungsmitteln abgewickelt wird. Ob Banken daher auch als ueberwiegend kriminell gelten und/oder dies auch unterbunden werden soll, ist nicht bekannt.

Sapere Aude!

Georg Trappe

Mittwoch, 5. September 2012

Ein interessantes Bild!

Ein interessantes Bild ergibt sich, wenn man den zeitlichen Verlauf des ausstehenden Kreditvolumens deutscher Banken (MFI's (*) ohne Bundesbank) an inlaendische Nichtbanken (blau) und im Vergleich dazu die Entwicklung des ausstehenden Kreditvolumen an Kreditnehmer inkl. Banken in EWU Laendern (rot) betrachtet.


Noch interessanter wird dieses Bild wenn man die Entwicklung der gesamten Bilanzsumme (schwarz) deutscher Banken (MFI's ohne Bundesbank) hinzunimmt.


Es entstehen dann eine ganze Reihe interessanter Fragen. Die interessantesten duerften sein:

1.) Wie konnten die deutschen Nichtbanken (Oeffentliche Haushalte, Unternehmen und private Haushalte) mit einem stagnierenden Kredit- = Investitionsvolumen ihre Produktivitaet/Wettbewerbsfaehigkeit stetig steigern und so einen weltmeisterlichen Exportueberschuss nach dem anderen einfahren?
2.) An wen gingen die weiter wachsenden Kreditvolumina und fuer welche Zwecke wurden sie eingesetzt?
3.) Waren die deutschen Banken durch die offensichtlich schlagartige Internationalisiserung ihrer Kreditkundschaft zum Zeitpunkt der Euroeinfuehrung bei der Auswahl der Kreditrisiken masslos ueberfordert?
Sapere Aude!

Georg Trappe

Die Quelle der in den Schaubildern verwendeten Datenreihen ist die deutsche Bundesbank.
(*) MFIs

Samstag, 1. September 2012

Weidmanns Heil

Nun sucht moeglicherweise auch Jens Weidmann sein Heil in der Flucht vor den bitteren Konsequenzen, die aus dem Verhalten seiner Elitekollegen in Wirtschaft und Politik vor allem aber aus dem Verhalten von Bankern (auch deutschen) entstanden sind. Wenn es noch zu verstehen ist, das es zu Frustrationen kommt, wenn man Problemloesungen in einem Theoriegebaeude sucht, das keine Loesungen bietet, so erwarte ich doch vom Intellekt eines Bundesbankpraesidenten die Faehigkeit auch dann aus Beobachtungen zutreffende Schluesse zu ziehen, wenn diese nicht mit der vorherrschenden Ideologie in Einklang zu bringen sind. Dabei bieten die Datensammlungen seiner deutschen Bundesbank eine wahre Goldgrube von gut protokollierten Beobachtungen, die Schluesse zulassen, die, wenn man das bestehende ideologisch begruendete Gebaeude verlaesst, auch in die Richtung von moeglichen Loesungen deuten, die deutlich vielversprechender sind als die neoklassiche Wahl zwischen Pest und Cholera.

Die Bilanzesumme deutscher Banken hat seit dem 1.1.1999 folgenden Verlauf genommen:


Der Anteil von Auslandsaktiva (ca. 60% davon an ausl. Banken):


Von diesen Krediten ans Ausland flossen ca. 80% in die Laender Europas und ca. 50% in die Laender der EWU und haben dort bis 2007 u.a. deutsche Exporterfolge finanziert.


Was wuerden Sie, Herr Weidmann, als Praesident einer Nationalbank von der EZB erwarten, wenn Sie bzw. Ihr Land von einer derat massiven Umkehr der Kapitalstroeme aus der groessten und staerksten Nachbarvolkswirtschaft betroffen waeren?
Warum wirken Sie als deutscher Bundesbankpraesident nicht mit Massnahmen und Vorschlaegen auf die deutschen Banken bzw. die deutsche Wirtschaft ein, um deren desastroeses Verhalten abzustellen?
Warum verlangen Sie von unseren Nachbarn nun, nachdem das Kind in den Brunnen gefallen ist, das Unmoegliche?
Denn die Daten ihres Hauses belegen auch, dass unsere Nachbarn nicht nur von Krediten deutscher Banken empfindlich abhaengig gemacht wurden, sondern dass deren Volkswirtschaften zu keinem Zeitpunkt den Hauch einer Chance gegen die stetig voranschreitende Produktivitaet/Preiswettbewerbsfaehigkeit der deutschen Industrie hatte:


Soetwas holt man auf keinen Fall mit Sparen auf(*).

Halali!

Georg Trappe

Um das interessante Bild des Verhaltens deutscher Banken abzurunden, hier noch der Verlauf der Kreditvergabe an inlaend. Unternehmen und private Haushalte im Zeitraum Jan. 1999 bis Jun. 2012.


Und an die inlaendischen oeffentlichen Haushalte:


(*)Nachtrag 4.Sept.2012:
Und um es ganz klar und unmissverstaendlich zu sagen: Ich halte Inflation, die Erhoehung von Mehrwertsteuern etc. fuer die asozialsten "Loesungen". Und staendiges "Zeit kaufen" alleine ist selbstverstaendlich auch keine Loesung. Allerdings wuerde ich nicht soweit gehen, deswegen Herrn Weidmann als den "Banker des Volkes" zu bezeichnen, denn er ist mit seinem Standpunkt und seinem Verhalten fuer eine Polarisierung mitverantwortlich, die die Diskussion von einer tiefergehenden Ursachenanlyse und damit von einer dauerhaft tragfaehigen Loesung fern haelt.